Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

406
Eugen (Herzog von Württemberg)
glücklicher kämpfte er während der folgenden Jahre
in den Niederlanden, wo er und Marlborough
bei Oudenaarde (11. Juli 1708) und Malplaquet
(11. Sept. 1709) siegten und eine Reihe der wich-
tigsten und stärksten Festungen, vor allen Vau-
bans Meisterschöpsung Lille (22. Okt. 1708) er-
oberten, bei deren Belagerung E. wieder seine
verwegene Tapferkeit mit einem Streifschuß am
Kopfe bezahlte. Erst der Abfall Englands von der
Allianz, der auch durch E.s Reife nach London
im Jan. 1712 nicht abgewendet werden konnte, und
die dadurch herbeigeführte Schwächung seiner Streit-
kräfte brachten hierin eine Änderung yervor. Der
Abschluß des Ntrechter Friedens zwischen den See-
mächten und Frankreich zwang den Kaiser Karl VI.,
auch seinerseits mit Frankreich Frieden zu schließen.
Nach längerer Verhandlung mit dem Marschall
Villars, wobei sich E.s staatsmännische Talente
im glänzendsten Lichte zeigten, brachte er 1714 zu
Nastatt den Frieden zu stände, in dem Karl VI.
die span. Niederlande, das Mailändische, Neapel,
Sardinien, Plätze und Häfen in Toscana erhielt,
und LudwigXIV. alle feine Eroberungen in Deutsch-
land, mit Ausnahme vom Elsaß, herausgab.
Als 1716 der Krieg gegen die Pforte wieder aus-
brach, erfocht E. den Sieg bei Peterwardein und
eroberte Temesvar. Im folgenden Jahre gewann
er die blutige Schlacht bei Belgrad und eroberte
diefe Festung. Das kampfesfrohe Volkslied "Prinz
E., der edle Ritter" verherrlicht diefen Sieg. Nach
dem Abfchluß des Passarowitzer Friedens (21. Juli
1718) kehrte E. nach Wien zurück und bekleidete nun
die vornehmste Stelle unter den Ratgebern des
Kaisers. Gleichzeitig wirkte er durch seine herrlichen
Bauten (Velvedere), seine auserlesenen Samm-
lungen, seine Verbindung mit gelehrten Männern
aller Länder (darunter Leibniz, der ihm die Mo-
nadenlehre widmete, I. V. Rousseau u. a.) in hohem
Grade anregend für Wissenschaft und Kunst. In
den letzten Jahren war er insbesondere für die Zln-
erkennung der Pragmatifchen Sanktion diplomatisch
thätig. Noch einmal erschien er 1734 im Felde, als
sich wegen der Thronfolge in Polen ein neuer Krieg
zwischen dem Kaifer und Frankreich entfpann. So
unzulänglich waren aber die Streitkräfte E.s, daß es
schon als ein großer Gewinn angefehen werden
mußte, wenn die Franzosen außer der Eroberung
Philippsburgs keine entscheidendern Erfolge zu er-
ringen vermochten. Seit der Rückkehr nach Wien im
Spätherbst 1735 trug er durch seinen dringenden
Rat zum Frieden nicht wenig zu dessen Abschluß bei.
Während des darauffolgenden Winters vielfach
kränkelnd, wurde der Prinz am Morgen des 21. April
1736 tot in seinem Bett gefunden. Mit ihm verlor
Dsterrcich den hervorragendsten Feldherrn und
Staatsmann, den es je gehabt und der für fein
zweites Vaterland Größeres als irgendein Mann
vor oder nach ihm gethan hat. Die Reinheit feines
Charakters trübte kein Flecken. "Die militär. Korre-
spondenz des Prinzen E. von Savoyen" wurde
hg. von Heller (2 Bde., Wien 1848). 1865 wurde
ihm ein vom Bildhauer Fernkorn gefertigtes Reiter-
standbild auf dem äußern Vurgplatz in Wien er-
richtet; auch in Turin befindet sich von ihm ein
Marmorstandbild (von Simonetti).
Vgl. Kausler, Das Leben des Prinzen E. von
Savoyen, hauptsächlich aus dem militär. Gesichts-
punkte (2 Bde., Freiburg 1838-39); A. von Ar-
neth, Prinz E. von Savoyen (3 Bde., Wien 1858
-59); von Sybel, Prinz E. von Savoyen (Münch.
1861); Feldzüge des Prinzen E. von Savoyen.
Nach den Feldakten hg. von der Abteilung für
Kriegsgefchichte des k. k. Kriegsarchivs (20 Bde. und
Register, Wien 1876-93); Malleson, ?rwc6 Nu-
36U6 ot 8avc>7 (Lond. 1888); A. Schulte, Die Ju-
gend Prinz E.s (in den "Mitteilungen des Instituts
für österr. Geschichtsforschung", XIII, 3).
Eugen, Friedrich Karl Paul Ludwig, Herzog
von Württemberg, russ. General der Infanterie,
geb. 8. Jan. 1788 zu Öls, wurde schon 1796 von
seinem Oheim, dem Zaren Paul, zum russ. Oberst
und 1798 zum General ernannt. Er studierte 1802
-4 in Erlangen und widmete sich dann in Stutt-
gart militär. Studien. Den Krieg von 1806 - 7
in Ostpreußen machte er an der Seite seines Vaters
mit, der das Neservekorps befehligte. Ende Novem-
ber begab er sich zur russ. Armee, wo er dern General
Vennigsen beigegeben wurde. Nach dem Frieden
befehligte er eine Brigade, nahm an dem Feldzuge
1810 in der Türkei teil und führte 1812 die 4. Di-
vision. Infolge seiner Waffenthaten bei Smolensk
(17. Aug. 1812) wurde er zum Generallieutenänt
befördert. Ebenfo ausgezeichnet wie hier bewies er
sich bei Vorodino, beim Überfall von Tarutino, bei
Krasnoj und, nachdem er inzwifchen den Befehl
über das 2. Armeekorps erhalten hatte, bei Kalisch.
In der Schlacht bei Lützcn 1813 deckte er den Rück-
zug der Armee, in der Schlacht bei Vautzen ver-
teidigte er 20. Mai die Stadt, wies 21. Mai den
Angriff Macdonalds ab und beim Rückzüge be-
hauptete er am 22. den Töpferberg bei Reichen-
bach, bis der Abmarfch der Armee gesichert war.
Nach dem Waffenstillstände hielt er während der
Schlacht bei Dresden die Rückzugsstraße bei Pirna
besetzt und wurde hier von Vandamme, der bei
Königstein über die Elbe gegangen war, angegriffen.
Dem Prinzen, nicht Ostermann, gebührt das Ver-
dienst, Vandamme bei Kulm aufgehalten und die
Armee gerettet zu haben. In der Schlacht bei Leip-
zig führte er 16. Okt. eine der vier Angriffskolonnen
und kämpfte bei Wachau in heldenmütiger Aus-
dauer mit furchtbarem Verlust; am 18. vollführte
er den letzten Angriff bei Probsthcida. Auch im
Feldzuge von 1814 zeichnete er sich bei Bar und
Arcis-sur-Aube ruhmvoll aus, vorzüglich aber in
der Schlacht bei Paris, wofür er zum General der
Infanterie ernannt wurde. Obgleich sein bedeuten-
des Feldherrntalent sich überall bewährt hatte und
er bei den Truppen sehr beliebt war, wurde ihm
dennoch ein selbständiges Oberkommando nie zu teil.
Im Türkenkriege von 1828 befehligte er unter Die-
bitsch auch nur ein Armeekorps. Für die Dauer
des Friedens vom aktiven Dienste entbunden, lebte
er nach dcm Tode feines Vaters auf der Herrschaft
Karlsruhe in Schlesien, wo er 16. Sept. 1857 starb.
Er schrieb "Erinnerungen aus dem Feldzuge des
I. 1812 in Rußland" (Vresl. 1846) und "Memoi-
ren" (3 Bde., Franks, a. O. 1862), die 1847 voll-
endet, aber erst nach feinem Tode vom General von
Höbe veröffentlicht wurden. Sie geben interessante
Auffchlüsse über den russ. Hof und das russ. Heer.
Vgl. Nachgelassene Korrespondenz zwischen dem
Herzog E. von Württemberg und dem Chef seines
Stabes, Hofmann, 1813 -14 (hg. von Hossmann-
Chappuis, Cannst. 1883); von Hclldorf, Aus dem
Leben des Prinzen E. von Württemberg (4 Bde.,
Verl. 1861-62). - Sein einziger Sohn aus erster
Ehe war Herzog Eugen Wilhelm Alexander