Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

412
Eulen nach Athen tragen - Euler
an die Ostseite des Waldenburger Gebirges ansetzt.
Das E. zieht als 22 km langer Kamm vom Durch-
bruchsthal der Weistritz nach SO. bis zur Glatzcr
Neisse und scheidet die Kreise Neurode und Glatz
von Neichenbach und Frankenstein. Nach NO. zur
Ebene fällt es scharf und geradlinig ab. Seine
höchste Erhebung ist die 1014 m hohe Hohe Eule,
die, abgerundet und fast ganz bewaldet, einen Aus-
sichtsturm trägt. Andere Gipfel sind: die Kleine
Eule (972 m), die Sonnenkoppe (952 m) mit
schöner Aussicht, der Ottenstein (877 m) und der
Steinsberg (930 m). Die Hauptmasse besteht
aus Gneis; am Südabhange liegen roter Sand-
stein, Steinkohlen, Kalk und Grauwackensandstein;
auf der Nordseite des östl. Endes Serpentin. Am
Nordwestabfall beginnt das niederfchlef.Steinkohlen-
becken. Das E. trägt namentlich auf dem Nordost-
abhauge zahlreiche stark bevölkerte Dörfer, in denen
die Leinweberei, als Hausindustrie betrieben, den
kümmerlichen Erwerb der Bewohner bildet.
Eulen nach Athen tragen, sprichwörtliche
Redensart für: etwas ganz Überflüssiges beginnen.
Im alten Athen war die Eule ein häusiger Vogel
und Attribut der Stadtgöttin Athena.
Eulenpapagei, s. Nachtpapagci.
Gulellschlvalm, s. Niescnschwalm.
Gulenspiegel (niederdeutsch Ulenspegel),
Till oder Tyll, der Held eines bis heute immer
wieder gedruckten, auch viel übersetzten deutschen
Volksbuchs. Es erzählt in beinahe 100 Abenteuern
E.s oft sehr schmutzigen Späße, deren bezeich-
nende Spitze meist darin liegt, daß E., namentlich
als Handwerker, bildliche Befehle wörtlich nimmt.
Wahrscheinlich gab es einen niederdeutschen E. von
1483, uach dem das hochdeutsche Volksbuch viel-
leicht von Th. Murner (s. d.) gearbeitet wurde.
E. soll danach zu Kneitlingen in Vraunschweig ge-
boren und, nach Wanderungen durch Nordwest-
dcutschland, Italien und Polen, 1350 zu Mölln in
Lauenburg an der Pest gestorben sein. Wirklich wird
es einen durchtriebenen Handwerksburschen des
Spitznamens gegeben haben, um dessen Streiche
sich verwandte schwanke aus allen möglichen Quel-
len, u. a. vom Pfaffen Amis (s. Stricker) und dem
Pfaffen vom Kalenberg (s. Kahlenberg) erzählte,
ansetzten. Der noch vorhandene Gradstein E.s in
Mölln (mit Eule und Spiegel) stammt erst aus dem
17. Jahrh., könnte aber die Erneuerung eines ältern
sein. Den ältesten Druck des Volksbuchs (Straftb.
1515) hat Knust nach dem Exemplar des Britischen
Museums (Halle 1885) neu herausgegeben, den
zweiten von 1519 Lappenberg ("I)r. Murners Ulen-
spiegel", Lpz. 1854), mit wertvollen littcrarhistor.
Untersuchungen; eine undatierte Kölner Ausgabe
(um 1520-30) erschien in photolithogr. Nach-
bildung (Berl. 1805). Fischart (s. d.) bearbeitete
den E. in Reimen. Simrock hat in seinen "Deut-
schen Volksbüchern" (1878) auch den E. erneuert. Der
Name E. liegt dem franz. Wort sZpiö^e (Schalk)
und ELpie^ierie (Schelmerei) zu Grunde. Mehrere
moderne Dichtungen, in deren Titel der Name E.
vorkommt, knüpfen zwar irgendwie an E.s Charakter
oder Person an, sind sonst aber ganz selbständig und
spielen, meist tendenziös, in der Gegenwart, so die
von Tschabuschnigg, Adolf Vöttger ("Till E.",
Lpz. 1850), I. Wolff und Karl Schuttes "Uhlen-
spegei ll" (Erzählung, Jena 1867). Dagegen wnrde
die alte Anekdotensammlung schon früh ins Czechische
und Polnische, Holländische, Englische ("^ mor^s
l"3t ok 3. man t^llt ^8 cailsä N0^1sF?a8:
^liracikM^"), Dänische, Französische (schon 1532),
Italienische, Lateinische und Iüdischdeutsche über-
tragen. Auch in der Litteratur mehrfach (z. B. von
H. Sachs) verwertet, machte sie den bäuerlichen
Schalksnarren zu einer vielberufenen Gestalt. Vgl.
Prudentius van Duyse, lÄuäs littöraii-s 8ur I'iol
1'^8pi0Fi6 (Gent 1858). - Das Ausland kennt
geistesverwandte Gesellen, z. V. Italien Bertoldo
(s. Croce); vgl. auch Murad Effcndi, Nassreddin
Chodja, ein Omanischer E. (Oldenb. 1877), und Die
Schwanke des Naßr-ed-din und Vuadem von Mehe-
medTewfik(deutschvonMüllendorf,1890;Universal-
bibliothek 2735). Der mittelhochdeutsche Markolf
(s. Salman und Morolt) gehört auch hierher.
Guler, Karl Philipp, Gymnasial- und Turn-
lehrer, geb. 8. Febr. 1828 zu Kirchenbollenbach im
Reg.-Bez. Trier, studierte seit 1848 in Bonn und
Berlin Philologie und Geschichte und wurde 1854
Lehrer in Schulpforta, 1860 Lehrer der Civil-
abteilung an der Centralturnanstalt in Berlin und
war namentlich seit Rothsteins Entlassung (1863)
mit Erfolg bemüht, das deutsche Turnwcsen daselbst
einzuführen. 1872 wurde er zum Professor und
1892 zum Schulrat ernannt. Seit 1877 ist er Unter-
richtsdirigent der königl. Turnlchrerbiloungsanstalt
zu Berlin. E. veröffentlichte: "Das Iahndenkmal in
der Hafenhaide bei Berlin" (Lpz. 1874), "Der Un-
terricht im Turnen" (in Diesterwegs "Wegweiser
zur Bildung für deutsche Lehrer", 5. Aufl., Bd. 3,
Essen 1877), "Die Geschichte des Turnunterrichts"
(in Kehrs "Geschichte der Methodik des deutschen
Volksschulunterrichts", 2. Aufl., Bd. 5, Gotha 1891),
"Friedr. Ludw. Iahn" (Stuttg. 1881), "Friedr.
Friesen" (Berl. 1885), "Lehrbuch der Schwimmkunst"
(mit Kluge, ebd. 1870), "Turngeräte und Turn-
ciurichtungen" (mit demselben, ebd. 1872), "Fr.
Ludw. Iahns Werke" (mit Einleitung und Anmer-
kungen, 2 Bde., Hof 1884-87), "Kleines Lehrbuch
der Schwimmkunst" (Berl. 1891), "Friedr. Ludw.
Iahns Auffassung vom deutschen Volkstum" (ebd.
1892), "Em'yklopäd. Handbuch des gesamten Turn-
wesens" (im Verein mit andern, Wien 1893 fg.).
Seit 1882 läßt E. mit G. Eckler die "Monatsschrift
für das Turnwesen" (Berlin) erscheinen.
Guler, Leonh., Mathematiker, geb. 15. April
1707 zu Basel, erhielt von seinem Vater, Paul E.,
der seit 1708 Prediger zu Riechen war, den ersten
Unterricht in der Mathematik. Auf der Universität
zu Basel genoß er den Unterricht Joh. Vernoullis
und war mit Dan. und Nik. Vernoulli befreundet.
Durch die Vernoulli, die Katharina I. bei der Stif-
tung der Petersburger Akademie berufen hatte,
wurde auch E. veranlaßt, nach Petersburg zu gehen,
wo er 1730 die Professur der Physik erhielt, die er
1733, als Daniel Vernoulli nach der Schweiz zu-
rücklehrte, mit einer Stelle bei der Akademie ver-
tauschte. Seitdem arbeitete er mit großer Frucht-
barkeit im Fache der Mathematik. Mehr als die
Hälfte der mathem. Abhandlungen in den 46 Quart-
bänden, welche die Petersburger Akademie von 1727
-83 herausgab, sind von ihm, und bei seinem Tode
hinterließ er noch über 200 ungedruckte Abhand-
lungen, welche die Akademie nach und nach erschei-
nen ließ. Von der Akademie der Wissenschaften zu
Paris, die ihn 1755 zu einem ihrer auswin^LM
Mitglieder ernannte, wurde ihm zehnmal der Preis
zuerkannt. Er folgte 1741 einem Nufe Friedrichs
d. Gr. an die Akademie der Wissenschaften zu Ver-