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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eurhythmie - Euripides
lösen sich in konzentrierter Schwefelsaure mit grüner
Farbe, die beim Verdünnen der Lösung mit Wasser
in Blau und dann in Violett und Not umschlägt.
Man verwendet sie zum Färben von mit Tannin
und Brechweinstein gebeizter Baumwolle. Durch
Erhitzen mit Säuren auf 180" wird in den E. die
Amidogruppe durch die Hydroxylgruppe ersetzt unter
Bildung der Eurhodole.
Gurhythmie (grch.), das richtige schöne Ver-
hältnis in der Bewegung der Teile zum Ganzen,
das Ebenmaß, z. V. im Tanze, im Tatte der Musik,
in der Rede u. s. w.
Gurich, König der Westgoten, Sohn des West-
gotenkönigs Theodorich I.,beseitigte466 seinen ältern
Bruder Theodorich II. E. gab seinem Volke zuerst
geschriebene Gesetze, eroberte alles noch röm. Gebiet
zwischen Loire und Pyrenäen sowie 468-470 Spa-
nien und war damals der mächtigste Fürst des Abend-
landes, dabei maßvoll und klug. Gegen die aus dem
gallischen Adel hervorgegangenen kath. Bischöfe, die
in ihmden Arianer und denBarbaren haßten, muhte
er wiederholt einschreiten, aber es ist Verleumdung,
daß er den kath. Glauben verfolgt habe. Dieser
Gegensatz führte dann nach E.s Tode (484) unter
seinem Sohne Alarich II. den Verlust des gallischen
Hauptlandes herbei.
Guricius Cordus, Humanist, s. Cordus.
Guripldes, der jüngste der drei großen atti-
schen Tragiker, Sohn des Mnesarchus und der
Klito, aus dem attischen Demos Phlya, wurde nach
den Berechnungen der Alten 484 oder 480 v. Chr.
geboren. E. soll sich anfangs, angeblich infolge
eines von seinem Vater mißverstandenen Orakels,
mit Athletik, dann auch mit Malerei beschäftigt ha-
ben, bevor er sich philos. Studien und der Poesie
zuwandte. Er schloß sich namentlich dem Philoso-
phen Anaragoras an, an dessen philos. Ideen noch
in seinen Tragödien mehrfache Anklänge sich finden.
Auch soll er nicht nur die berühmten Sophisten
Protagoras und Prodikus gehört haben, sondern
auch mit dem etwa 10 Jahre jüngern Sokrates be-
freundet gewesen sein. Er war einer der ersten
Athener, der sich eine größere Büchersammlung an-
legte, daher ihn die Komiker, besonders Aristopha-
ncs, als einen Stubenhocker darstellen. Sein Cha-
rakter wird als ernst und finster geschildert; in sei-
nen Tragödien tritt öfters ein hartes Urteil über
das weibliche Gefchlecht hervor, zu welchem er durch
eigene trübe Erfahrungen an seinen beiden Frauen,
Melito und Chörile, veranlaßt worden sein soll.
Der Tragödiendichtung soll er sich schon in seinem
18. Jahre Zugewandt haben; doch brachte er erst
455 seine ersten Tragödien auf die Bühne, und erst
441 errang er bei einer Aufführung den ersten
Preis. In seinen spätern Jahren (etwa 408 v. Chr.)
folgte er einer Einladung des Königs Archelaus
von Macedonicn. Hier dichtete er mindestens noch
zwei Dramen, den "Archelans" und "Die Vakchen",
und starb (nach einer unsichern Nachricht von Hun-
den zerrissen) Ende 407 oder Anfang 406 v. Chr.
Archclaus setzte ihm in der macedon. Ortschaft Are-
thusa ein prächtiges Denkmal, und auch die Athener
errichteten ihm an der Straße vom Peiraieus nach
Athen ein Kenotaphium mit einer ehrenvollen In-
schrift. Später wurde durch Lykurgus seine Bild-
säule, ebenso wie die des Aschylus und Sophokles,
im athen. Theater aufgestellt. Es sind noch viele,
zum Teil treffliche Büsten (die besten in Mantua
und Neapel nebst dem zu einer Büste ergänzten
Fragment in Rom) mit dem Kopf des Dichters
erhalten.
E. hat nach den alerandrinischen Gelehrten im
ganzen 92 Dramen verfaßt, von denen jene noch
67 echte Tragödien und 7 Satyrdramen kannten,
außer drei Tragödien und einem Satyrdrama, die
sie für unecht hielten. Auf uns gekommen find
unter des E. Namen außer sehr zahlreichen und
znm Teil umfangreichen Fragmenten der verlorenen
Stücke, die man am besten in Naucks "Li-^icoruin
^1-Ä6O01UM ti-g^niLnta." (2. Aufl., Lpz. 1889) und
Dindorfs "I'ostHruin Zcsnicoruin Ai-aLcoruin kr^A"
in6ntH" (5. Aufl., ebd. 1869) gefammelt findet,
noch 19 Stücke, nämlich die Tragödien "Alcestis",
"Andromache", "Bakchen", "Helabe", "Helena",
"Elektra", "Heraklidä", "Der rasende Herakles",
"Hiketides" (die Schutzflehenden), "Hippolytus",
"Iphigenie bei den Tanriern", "Iphigenie in Aulis"
(wie die "Vakchen" erst nach dem Tode des Dichters
durch seinen Sohn oder Neffen, den jüngern E., auf
die Bühne gebracht), "Ion", "Medea", "Orestes",
" Rhesus" (dies Stück ist aber jedenfalls nicht von E.,
sondern von einem spätern, den Anforderungen der
Bühne wenig kundigen Dichter, vielleicht des 4. vor-
christl. Jahrhunderts, während das von E. selbst in
juugen Jahren verfaßte gleichnamige Stück verloren
gegangen ist), "Troades" und "Phönissä" (die Phö-
nizierinnen), ferner ein Satyrfpiel: "Cyklops". E.
hat den Standpunkt seiner Vorgänger Aschylus und
Sophokles mit Bewußtfein verlassen; er ist in der
Poesie der Vertreter der großen Nmwandlung des
griech. Geistes, wie sie seit dem Peloponnesischen
Kriege sich vollzieht, des Hervortretens des sub-
jektiven Elements, der Berechtigung des Einzelnen
gegenüber der Gesamtheit und der Loslösung von
der alten Tradition in Bezug auf Glauben und
Sitte. Er fchaltet frei mit den mythischen Stoffen
und trägt in diefe ganz und gar die Verhältnisse,
Sitten und Anfchauungen feiner Zeit hinein, ja er
zieht sie in den Bereich des täglichen Lebens herab.
Dadurch entsteht freilich häufig ein Kontrast zwischen
der Handlung und dem Charakter der handelnden
Personen: die Tragödie verliert ihr ideales, reli-
giöses Gepräge, aber sie erhält dafür ein anthropo-
logisches, sie wird zu einem Spiegel des wirklichen
Lebens und der darin sich kreuzenden Bestrebungen
und Pläne der Menschen. E. hat zuerst wirkliche
Intriguenstücke gedichtet und ist dadurch namentlich
auch sür die jüngere attische Komödie das Vorbild ge-
worden. Seine größte Stärke besteht in der Schil-
derung derLeidenschaften, vor allem der Liebe. Seine
schwächste Seite dagegen ist die Komposition seiner
Stücke: nicht wenigen fehlt die Einheit der Handlung.
Einige bestehen nur aus einer Anzahl ziemlich locker
verbundener Scenen, die als Einzelscenen oft mit
Meisterschaft behandelt und äußerst effektvoll, als
Teile eines größern Ganzen aber entschieden man-
gelhaft sind. Den Anfang jedes Stücks bildet an-
statt einer planvoll angelegten, die Zuschauer in
die richtige Stimmung versetzenden und gleich mitten
in die Handlung hineinführenden Expositionsscene
regelmäßig ein monologisch behandelter, mit der
Tragödie selbst nur lose zusammenhängender Pro-
log, worin die Voraussetzungen und der Gang der
Handlung den Zuhörern mitgeteilt werden. Die
Entwicklnng der Handlung selbst wird oft durch
rhetorische und philos. Ausführungen, die der Dich-
ter einer der handelnden Personen in den Mund
legt, unterbrochen; die Lösung des Knotens ge-