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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Evangelische Räte - Evans (Sir George De Lacy)
düng der verschiedenen Gemeinden wird in einem
Repräsentativkörper gefunden, der aus den Geist-
lichen und einer gleichenZahl von demPresbyterium
gewählter Nichtgeistlichen besteht und das oberste
Kirchenregiment handhabt. Dies sind die Grund-
gedanken der Synodalverfassung. Freilich^ in
Deutschland vermochte die reform. Kirche diese Ver-
fassungsform nur bei den aus dem Auslande dort-
hin gestüchteten Gemeinden aufrecht zu erhalten.
In den reform. Territorien nahmen die Landesher-
ren dieselbe Stellung für sich in Anspruch wie die
luth. Fürsten in ihren. Die presbyteriale Organi-
sation wurde allerdings vielfach erhalten, da und
dort auch die synodale, die aber dann in Unterord-
nung zum Landesherrn trat, indes beispielsweise in
Iülich-Cleve-Mark eine solche Kraft bewährte, daß
sie dort auch auf die luth. Kirche übertragen wurde.
Die Lehre der Union (s. d.) brachte die beiden evang.
Kirchen äußerlich zusammen und mußte zu einer
Vermischung der Verfassungselemente führen. Auch
die spät gekommene Erkenntnis, die Gemeinden, die
in ihrer Passivität erstarrt waren, wieder zu neuem
Leben zu erwecken, bewirkte ein gleiches Ergebnis.
So ist denn in fast allen deutschen Staaten, mit
Ausnahme von Mecklenburg, eine prcsbyterial-
synodale Organisation eingeführt und mit der kon-
sistorialen verbunden. - Vgl. Richter, Geschichte der
E. K. (Lpz. 1851); Friedberg, Das geltende Ver-
fassungsrecht der evang.Landeskirche in Deutschland
und Österreich (ebd. 1888); Mejer, Die Grundlagen
des luth. Kirchenregiments (Rostock 1885). (S. auch
Konsistorialverfassung und ^ynodalverfassung.)
Evangelische Räte, s. ^0Q8i1ia ^vanFLiica.
Evangelischer Bund zur Wahrung der
deutsch-protestantischen Interessen, eine
Verbindung, die alle Protestanten zur Abwebr
der nach Beendigung des Kulturkampfes gewachse-
nen Anmaßungen Roms vereinigen und dadurch
die lähmenden Gegensätze innerhalb der evang.
Kirche überwinden will, gestiftet zu Erfurt 5. Okt.
1880, trat 15. Jan. 1887 mit einem von mehr als
250 angesehenen Namen unterzeichneten Aufruf an
die Öffentlichkeit. Die Mehrzahl der Mitglieder ge-
hört der vermittelnden Richtung an, aber auch die
kirchliche Rechte und Linke ist vertreten. Die Bun-
desversammlung in Eisenach (1889) wies bereits
30 Haupt- und 430 Zweig- und Ortsvereine mit
über 60000 Mitgliedern auf. Im I.1891 zählte
man 565 Zweigvereine und 82978 Mitglieder. Die
Vundesbuchhandlung verbreitet zahlreiche Flug-
schriften und größere Arbeiten. Ein Prehkomitee
überwacht die ultramontane Zeitung^presse und
Litteraturbewegung. Sein Organ ist die "Kirchliche
Korrespondenz für die deutsche Tagespresse". In
Schwäbisch-Hall errichtete der E. B. eine große
evang. Diakonissenanstalt. Vereinsversammlungen
mit öffentlichen Vorträgen und Vesprccbungen der
Nrchenpolit. und socialen Zeitfragen erstreben die
Kräftigung des evang. Gemeindelebens. Vgl. Flug-
schriften des E. B., hg. von Witte (Halle 1887 fg.).
- E. B. wird oft auch die Evangelische Allianz (s.'d.)
Evangelische Unum, s. Union. ^genannt.
Evangelisch-socialer Kongreß, 1890 von
cvang. Männern verschiedener kirchlicher Richtungen
begründete Vereinigung zur Bekämpfung der Social-
demokratie auf dem Boden des Christentums. Der
E. K. hält Jahresversammlungen ab (zuletzt, 1894,
in Frankfurt a. M.).
Ovangelistarium (lat.), s. Lektionarium.
Evangelisten <d. h. Überbringer einer frohen
Botschaft), in der ältern Kirche die Bezeichnung der
Apostelgehilfen, die, von einer Gemeinde zur andern
reisend, das Evangelium predigten, wie Pbilippus
(Apostelgeschichte 21,8) und Timotbeus (2 Tim. 4,5).
Später wurde das Wort auf die Verfasser der vier
schriftlichen Evangelien eingeschränkt. In der christl.
Kunst wurden die E. seit dem 5. Jahrh, durch die
Evangelistenzeichen symbolisch dargestellt:
Matthäus als geflügelter Mensch, Markus als
Löwe, Lukas als Stier, Johannes als Adler; später
als vier Menschengestalten mit dem Kopf des be-
treffenden Zeichens. Dann vom 13. Jahrh, an und
sehr häufig in der Renaissancezeit wurden den Ge-
stalten der E. jene vier Zeichen als Attribute bei-
gefügt. Berühmt sind die Statuen der E. (von
Ghiderti, Donatello, Giov. da Bologna, Baccio
da Montelupo) an den Außenseiten von Or San
Michele in Florenz und die Freskobilder von Dome-
nichino in dcr Kuppel von Sant' Andrea della Valle
zu Rom. - In der griech. Kirche heißen die das
Evangelium vorlesenden Diakonen E., bei den Ir-
vingianern die Missionsprediger. - Vgl. Zöckler,
Diakonen und E. (Münch. 1893).
Evangelium (grch. LuanMiou, "frohe Bot-
schaft"), in der christl. Urzeit die Botschaft von der An-
kunft des Messias; erst späterhin wurde das Wort
auch von den Schriften über Jesu Leben und Lehre
gebraucht. (S.Evangelienund Evangelienkritik.) In
der christl. Dogmatik wird das E. als die Botschaft
von der göttlichen Gnade in Christus dem Gesetze
als der sittlichen Anforderung Gottes an den Willen
des Menschen gegenübergestellt und beide Stücke
unter dem Namen "Wort Gottes" zusammengefaßt.
Mittelalterliche Sekten verstanden unter E. das
allen wabren Cbristen zur Nachahmung dargestellte
Leben Christi und seiner Apostel. In der Resor-
mation^zeit wurde, wie noch jetzt von der Ortho-
doxie, E. speciell von der durch den Glauben allein
anzueignenden Sündenvergebung auf Grund des
Verdienstes oder des stellvertretenden Opfertodes
Jesu Cbristi verstanden. Dagegen braucht die neuere
prot. Theologie den Ausdruck nicht in dem exklusiv
dogmatischen, sondern in dem sittlich-religiösen Sinne
der Verkündigung der durch Christus offenbarten
göttlichen .Heilsordnung überhaupt. Auch wird E.
der Abschnitt evang. Geschichte genannt, den der
Geistliche beim Gottesdienste an Sonn- und Fest-
tagen vorliest oder (in der kath. Kirche) der Diako-
nus beim Hochamte singt. (S. Perilopen.)
Evangelium, ewiges, s. Ewiges Evangelium.
Hvaniiäa.s, Hungerwespen, Familie der
Schlupfwespen, deren Hinterleib am vordern Teil
der Mittelbrust angeheftet ist. Hierher gehören die
Gattung Nvauia, auffallend durch start verkürz-
ten Hinterleib, in Deutsckland selten, häufiger in
Südeuropa, in den Eitapseln und Larven der
Schaben schmarotzend, und die Gich t- oderKeulen-
hungerwespen (^06nu3), große Formen mit lan-
gem, in der Ruhe aufgerichtetem Hinterleib, para-
sitär an den Larven anderer Hymenopteren.
Evans (spr. eww'ns), Sir George De Lacy, brit.
! General und Parlamentarier, geb. 1787 zu Moig
> in Irland, begann 1806 seine militä'r. Laufbahn im
Dienste der Ostindischen Compagnie, wo er die Er-
oberung von Mauritius und den Krieg aeaen die
Pindehris mitmachte, und trat 1812 als Lieutenant
in ein Dragonerregiment, mit dcm er in Spanien
unter Lord Wellington focht. Als Offizier im Ge-