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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fak. - Fabelepopöe
rung. Wiederholt sind aufgeführt: "Ds ^lilit^Ki?
>ViIl6M8oi-(1^" (Rotterd. 1873), "1)6 ouäe XaLLi^r"
(ebd. 1875), "N^uu8 äs suoräei-" (ebd. 1878),
"2^Hrt6 ^'st" (ebd. 1882). Seine "^nu6 Ni6"
(Antw. 1878; Rotterd. 1879) erhielt im internatio-
nalen Wettkampf den ersten Preis und wnrde zn
London gespielt (1881). F.s sämtliche Werke (2 Bde.)
erschienen 1884 zu Sneek.
^"b. oder ^aö?-., bei naturwissenschaftlichen
Namen Abkürzung für Otho Fabriciu^, geb.
1744 in Nudtjöbing, gest. 1822 als Bischof in
Kopenhagen. Er war mehrere Jahre Geistlicher in
Grönland und machte sich als Zoolog einen Namen
durch seine "I^lina (^i"6Q^näica" (Kopenh. 1780).
raba. (lat.), die Bohne.
Fabel (lat. i^dula), im weit ern Sinne der
Stoff, Gegenstand, Inhalt, die Handlnng einer
epischen und namentlich einer dramat. Tichtilng.
Die F. eines Dramas kann eine frei erfundene, sie
kann der geschichtlichen Überliefernng, ja auch Er-
zählungen, Novellen und Romanen entnommen
sein, wie das am schlagendsten Shakespeares Bei-
spiel beweist; in der genialen Eigenart der dich-
terischen Dnrchdildnng und Behandlung liegt dann,
bei entlehnter Erfindung, das Recht solcher Dich-
tnng, für ein felbständiges Werk zu gelten.
Im engern und bestimmtern Sinne ist die F.
eine besondere Dichtart, eine Erzählnng, die der
unbeseelten Natur, vor allem der Tierwelt, Bewußt-
sein, Vernnnft, Sprache verleiht und fo das Men-
schenähnliche der Tiercharaktere zum Sckein und
Spiegel des wirklich Menschlicheil erhebt. Die Ent-
stehung der F. gehört den frühesten Zeiten an;
sie blüht um fo üppiger, je regfamer und sinnen-
frischer noch die Velauschnng der Eigenheiten und
Heimlichkeiten des Tierlebens ist. Darf man auch
nicht mit Jak. Grimm von einer indogerman. Tier-
sage sprechen, von der die meisten Tierfabeln und
Tierepen nnr Bruchstücke seien, so ist doch gewiß,
daß viele nnserer schönsten Tierfabeln mittelbar
durch mündliche oder litterar. Überlieferung aus
Indien zu uns gekommen sind und daß anch Llgyp-
ten und Syrien sich einer reichen Fabelblüte erfreu-
ten. Ihre künstlerische Form hat die F. erst in
Griechenland gefnnden, durch Hesiod (800 v. Cbr.),
Archilochus von Paros (650 v. Chr.), ^imonideo
und Stesichoros, besonders aber in jenen F., deren
Sammlung in das 6. Jahrh. v. Ehr. fällt und die
den Namen des Hlsop (s. d.) tragen. Ein bnntes, sinni-
ges, ergötzliches Allerlei feinster Naturbeobachtung,
noch durchaus naiv, fchlicht erzählend, zwar be-
lehrend, aber nicht lehrhaft. Selbst bei Vabrius
(s. d.) bewahrt die griechische F. noch diesen vorwal-
tenden Zug uaiver Schlichtheit. Doch lag es in der
Natur der Sache, daß, da die F. das Tierleben nur
als den unverhüllten Spiegel des Menschenlebens
faßte, sich allmählich das absichtlich Lehrhafte mehr
und mehr vordrängte. Griech. Redner, selbst De-
mosthenes, bedienten sich ihrer gern; auch Aristo-
teles zählt in der Rhetorik (2, 20) die F. zu den
allen Gattungen der Beredsamkeit gemeinsamen
Beweismitteln.
Das absichtlich Lehrhaste wurde bei den Römern
das ausschließlich Bestimmende und Maßgebende.
Nicht bloß die röm. Redner, sondern auch die röm.
Dichter kennen die F. nnr als Lehrgedicht. Phädrus
(s.d.) benutzte die griechische F., verflachte sie aber zu
platter Alltagsmoral. In einer in Prosa aufgelösten
Umarbeitung aus unbekannter Zeit, die unter dem
Namen eines sonst unbekannten Romulus ging, be-
herrschte Phädrus das ganze Mittelalter, ja die ge-
samte neue Zeit bis zum Ausgang des 18. Jahrh.
So sedr schon der Stricker, der beste mittelhoch-
deutsche Dichter von ss. (dispsi), so sehr Hugo
von Trimderg und Ulr. Boner sowie Luther, Hans
Sachs, Brant, Vurkard Waldis, Erasmus Alberus,
Fischart bemüht sind, den kühlen Ton ihres Vorbildes
zu erwärmen, so sehr im Zeitalter der Resormation
die Tierfabel und das Tierepos zu satir. Zeitschil-
derunaen verwendet und ausgestattet wurden: die
naive Unbefangenheit war verloren; die Tiere waren
nichts alv verkleidete Menschen, der Gehalt war eine
nüchterne moralisierende Nutzanwendung. Die nnr
anf die äußere Form und auf trockne Verständig-
keit gerichtete Poetik der ersten Schlesischen Schule
und die ihr verwandte ästhetische Theorie Boileaus
! waren nicht geeignet, eine würdigere Auffassung an-
zubahnen; selbst Lafontaine (s. d.), der einen un-
befangenen volkstümlichen Zng hatte und feine
Muster in Rabelais und Marot suchte, konnte, ob-
gleich ibn frische naive Laune und schalkhafter Witz
zu einein der vortrefflichsten Fabeldichter machen,
die verlorene Einfalt und Sinnenfülle nicht wieder-
berstellen; noch ferner blieb diefem Ideal La Motte,
an den sich in Deutschland der Fabeldichter Stoppe
und der Theoretiker Triller anschlössen. Le Vossu
und Gottsched lehren, daß man die F. so lehrreich
als möglich machen müsse und daß man keine er-
sinnen dürfe, in der nicht eine wichtige Wahrheit
liege. Erst mit dem Sturze Gottscheds und des
franz. Klassicismus kam in die F. wieder frischeres
Leben. Vodmer und Breitinger stellten sie beson-
ders hoch, da sie das Verständige mit dem Wunder-
baren verbinde. Hagedorn, Lichtwer, Pfeffel, Gleim,
vor allen Gellert bildeten das Volkstümliche La-
fontaines weiter ans und gaben der F. wieder an-
ziehende Frifche und neckenden Mutwillen; es war
Moral, aber gemütvolle Moral in leichter an-
fprechender Erzähluug. Lessing lehnte sich in seinen
"Fabeln" an H'lsop an, aber er hatte nur Auge für
das Lehrhafte und Epigrammatifche. Treffend fagt
Jak. Grimm von Lessings F., das naive Element
gehe ihnen ab bis auf die leiseste Ahnung. Zwar
behaupten seine Tiere den natürlichen Charakter,
aber was sie thun, interessiert nicht mehr an sich,
sondern nur durch die erwartete Spannnng anf die
Moral; Mrze ist ihm die ^eele der F.; man kann
aber nmgetehrt behanpten, daß die Kürze der Tod
der F. ist und ihren sinnlichen Gehalt vernichtet.
Sehr verdienstvoll dagegen waren Lessings theore-
tische "Abhandlungen über die F.". F. fürKinder dich-
teten mit Glück Fröhlich und Hey, erfolgreich unter-
stützt dnrch die trefflichen Zeichnungen Speckters. In
Rnßland sind die F. von Krylow durch heitere Laune
und treffende Sentenzen znm Volks- und Schulbuch
geworden. Über das einseitig Didaktische und Mora-
lisierende ist glücklicherweise unsere erhöhtere Ein-
sicht in das Wesen und die Grnndfordernng echter
Poesie weit hinausgeschritten. Eigenartige und sinn-
reiche F. dichtete in neuester Zeit Marie von Ebner-
Eschendach (s. d.). - Vgl. Jak. Grimm, Reinhart
Fuchs (Berl. 1834); Weddigen, Das Wesen und die
Theorie der F. (Lpz. 1893).
Fabelepopöe, komisches Heldengedicht, worin
die Tiere die Stelle der Menschen und diese die
Stelle höherer Wesen einnehmen, wie die dem Homer
beigelegte " Vatrachomyomachie", Rollenhagens
"Froschmäusler" u. a. (S. Tiersage.)