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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Farberden - Färberei
stoffe liefern, so das in Ostindien vorkommende As-
rium tinewi-iiiiu Aonb. und das im nordöstl. Asien
wachsende ?o1^F0iium tincwrium ^. Wichtig war
früher der W a l d (s. I83.U8 und Tafel iNhöadinen,
Zsig. 2), der vor der Einführung des Indigos nach
Europa zum Vlaufärben benutzt wurde.
Von den zum Gclbfärben Verwendung findenden
Pflanzen sind außer den oben bereits genannteil
vorzüglich noch Hu6i-cu3 tiuetoria. Is^W. (f. Eiche)
und li686äa. lutsoiN I>. (s. Textfigur 4 beim Artikel
Cistifloren) anzuführen; die erstere Pflanze, ein
in Nordamerika wachsender Baum, liefert die sog.
Quercitronrinde und die letztere, auch Wau
oder Gilb kraut genannt, wurde in vielen Ge-
genden Deutschlands, Englands und Frankreichs
kultiviert, doch hat seit Einführung der Qucrcitron-
rinde und des Gelbholzes die Verwendung desselben
bedeutend abgenommen. Das letztere gilt auch noch
für einige andere zum Gelbfärben benutzte Pflan-
zen, so für den sog. Färbergin st er, O6ui8tg. tiuc-
torig. /^., und die Färberscharte, 861'rg.tulH tiuc-
toria Iv.; beide sind über einen großen Teil von
Europa verbreitet. Die sog.Gelbbeeren dagegen,
die Früchte mehrerer Rhamnusarten, hauptsächlich
von KK3.M11U8 iufecwiia I,., finden noch ziemlich
ausgedehnte Verwendung in der Färberei; die chi-
nesischen Gelbschoten, Früchte einiger Arten
von 6arä6uiH, vorzugsweise von l^ln-dkma Fi-auäi-
tlora ^0^7-., die in ihrem Heimatlands schon sehr
lange zum Färben benutzt werden, sind für den
europ. Handel bis jetzt noch belanglos. Der mit
dem Namen Orlean (s. d.) bezeichnete Farbstoff
stammt von den im tropischen Amerika einheimischen
Lixa. orkUaiiH ^>., er wird hier und da zum Färben
von Speisen verwendet. Die Orseilte (s. d.) sowie
der Lackmus (s. d.) und der sog. Persio stammen
von verschiedenen Flechtenarten, vorzugsweise aus
den Gattungen Noceoila (s. d. und Tafel: Flech-
ten II, Fig. 9), Variolaria ss. 0.) und I^eHiwra ss. d.).
Außer den bisher genannten Pflanzen sind noch
einige zu erwähnen, die wegen ihres Gehalts an Ka-
techin oder an Gerbstoffen zum Gerben und ^chwarz-
färben angewendet werden. Es gehören hierher die
Katechu, Gambir und Kino liefernden Pflan-
zen, wie ^caciu. (^kt6cku ^. (s. Tafel: Legumi-
nosen III, Fig. 1), IIucÄi-ja. ^indii- Aonb., die
beide in Ostindien heimisch sind, sowie viele Euca-
lyptusarten, so unter anderm NucHl)^tu3 168inil6iir
<3m. (s. Tafel: Myrtifloren, Fig. 2), von denen
das fog. australische Kino stammt. (Näheres s.
Katechu, Gambir und Kino.) Ferner sind zu er-
wähnen die Früchte einiger Arten von ^eiminalia
(s. d.), hauptsächlich von ^rmiuklia ckLlmia. ^c>^b.,
die unter dem Namen Myr 0 balanen (s. d.) in den
Handel kommen, sowie die Früchte von (^^aipinia
coriHrik ^""7i^., die sog. Dividivi (s. d.) und die
als Bablach (s. d.) bezeichneten Hülsen mehrerer
Acacia-Arten; alle diese Früchte sind reich an Gerb-
stoffen. Endlich mag noch der Sum ach oder
Schmack mit hier angeführt werden, eine Drogue,
die beim Gerben und Schwarzfärben des Leders
ausgedehnte Verwendung findet; sie wird gewon-
nen von den Blättern und Zweigen zweier in den
Mediterranländern wachsenden Arten von NI1118
(s. d.), Kiili8 coNuu8 />. und Iiku8 coriaria. I>.
Farberden, s. Erdfarben.
Färberdistel, s. Og.rtdamu8 und serratu^.
Färberei, das technisch ausgeübte Verfahren,
durch welches Stoffe mit einer iynen ursprünglich
fremdartigen Färbung versehen werden, wobei aber
zur Auftragung der Farben keinerlei mechan. Hilfs-
mittel verwandt werden. Durch letztern Umstand
unterscheidet sich die F. von dem Anstreichen, von der
Malerei, von dem Buntdruck. Nur in einem Zweige
des Farbendrucks (s.d.), bei einer bestimmten Art des
Zeugdrucks (s. d.), bedient man sich der gleichen
Methoden der Bildung der Farben wie in der F.,
und deshalb ist der Zeugdruck zur F. im weitern
Sinne zu rechnen; man bezeichnet denselben auch
als örtliche oder topische F.
Am allgemeinsten wird das Färben bei den aus
Gespinstfasern angefertigten Stoffen, Garnen und
Geweben aus Seide, Wolle, Baumwolle, seltener
Leinen, Hanf, Jute vorgenommen, außerdem werden
aber auch Federn, Haare, Knochen, Elfenbein,
Papier, Holz, Stein u. a. gefärbt.
Die Kunst der F. ist alt; man findet sie bereits bei
den ältesten Völkern ausgebildet; die Phönizier ver-
standen ein Purpur herzustellen, wie es seitdem nie
wieder erreicht worden ist. Von diesen lernten die
Römer und später die Byzantiner. Mit dem allge-
meinen Verfall der Kunst ging im Adendlande auch
die F. verloren, doch lebte sie im Orient fort und ist
wahrfcheinlich durch Kreuzfahrer wieder nach Europa
gebracht. Im 16. Jahrh, kamen von Indien der
Indigo, von Amerika das Blauholz, die Cochenille
nnd viele andere Farbstoffe, deren Verwendung
allerdings anfangs auf viel Vorurteil stieß, sich
aber bald allgemein Vayn brach. Immer aber blie-
ben die orient. Völker in vieler Beziehung unsere
Lehrmeister, so noch im 18. Jahrh, in der Kunst der
Türtischrotfärberei, und auch heute noch stehen die
pers. Stoffe, wenn auch nicht in Bezug auf Farben-
glanz, fo doch in Bezug auf Echtheit der Farben
obenan. Eine große Umwandlung erfuhr die F.
1859 mit der Entdeckung der Anilinfarben. Dem
Fuchsin folgten in kürzester Frist eine große Anzahl
von Teerfarbstoffen, die sich gegenseitig in Schön-
heit, Glanz und Feuer überbieten, von denen aber
leider viele ebenso unbeständig wie schön sind.
In der F. kommen hauptsächlich zwei verschiedene
Methoden in Anwendung. Bei der einen wird die
jertig gebildete Farbe unmittelbar von dem zu fär-
benden Stoffe aufgenommen, bei der andern ent-
steht die Farbe erst in und auf dem Stoff durch
chem. Reattionen. Die erste kommt säst ausschließ-
lich bei der Woll- und Seidenfärberei zur Anwen-
dung. Die gereinigtenWoll-und Seidenfasern haben
die Eigenschaft, eine ganze Neihe von verschiedenen
Farben ihren Lösungsmitteln zu entziehen und sie
so fest auf sich niederzuschlagen, daß sie durch
Waschen mit Wasser von den Fasern nicht wieder
entfernt werden können. In den meisten Fällen be-
ruht das Färben auf der Erzeugung unlöslicher
Verbindungen der Farbstoffe innerhalb der Pflan-
zenfaser, in manchen Fällen kann auch die Ober-
flächenanziehung von entscheidendem Einfluß auf
das Färben sein. Bei der Wollfaser soll es ein
eigentümlicher Körper von saurer und basischer
Eigenschaft <die Lanuginsäure) sein, die mit basischen
wie mit sauren Farbstoffen unlösliche Niederschläge
liesert, mit Gerbsäure und Chromsäure sich ver-
bindet und Aluminiumsulfat unter Aufnahme von
Thonerde und Freiwerden der Schwefelsäure zer-
setzt. Da die Pflanzenfaser keinen farvstoffbinden-
den Bestandteil enthält, wird sie meist nicht dauernd
gefärbt. Sie kann aber durch Chlorkalk und andere
Oxydationsmittel oberflächlich in Orycellulose um-