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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ferrara (Francesco) - Ferrari (Benedetto)
Karls d. Gr. beanspruchten, Ende des 10. Jahrh,
als päpstl. Lehn an die Markgrafen von Tuscien.
Nach dem Tode der Großgräfin Mathilde gab sich
F. eine freistädtifche Regierung und trat dem Lom-
bardenbund bei. Aus dem Adelskampf der kaiser-
lich gesinnten Salinguerra und der päpstlich gesinn-
ten Marchefelli, an deren Stelle dann die Este traten,
gingen diese 1208 als Stadtherren hervor. Die Este
is. d.), 1312 vorübergehend vom Papst Clemens V.
und dem mit ihm verbündeten König Robert von
Neapel verdrängt, erwarben sich im 14. Jahrb. nicht
nur die erneuerte päpstl. Bestätigung ihrer Herrschaft
über F., sondern auch die kaiserliche ihrer von F.
aus gemachten Eroberungen in der Nachbarschaft
und erreichten 1471 von Paul II. die Erhebung F.s
zum Herzogtum. Wie schon früher gab es auch
in der Folgezeit namentlich des Salzes wegen viel-
fache Reibungen mit Venedig. Schon im 13. Jahrh,
ein Sammelplatz provencal. Dichter, wurde der Hof
der Este zu F. im 15. Jahrh, ein Glanzpunkt des
Nenaissancelebens, und hier erhielt sich die geistige
Blüte noch durch das ganze 16. Jahrh, hin, als sie
im übrigen Italien bereits geknickt war (f. Ariosto,
Tasso, Guarini, Calvin, Renata). Nach dem Tode
Alfonsos II. gelang es dessen illegitimen Vetter
Cesare, nur Modena und Reggio sich zu erhalten,
das Herzogtum F. wurde von Clemens VIII. 1598
mit Gewalt zum Kirchenstaat eingezogen, um als-
bald geistig und wirtschaftlich völlig zusammenzu-
sinken und sich zu entvölkern. Die Versuche der Este,
während des Krieges zwischen den Farnesen und
Barberini und während des Spanischen Erbfolge-
krieges mit Hilfe des Kaisers F. wiederzugewinnen,
mißlangen. Nachdem es 1797 mit der Cisalpinifchen
Republik, später mit dem Königreich Italien ver-
einigt worden war, kam es 1814 an den Papst zurück,
außer einer Strecke im Norden des Po, welche dem
Wiener Kongreß zufolge famt dem Befatzungsrecht
in den Städten F. und Comacchio ("äau8 168 p^ce8
äe I^i'i-ai-6") an Osterreich kam. 1859 kam das Land
an das neue Königreich Italien.
Vgl. Antonio Frizzi, Neinoiis per 1a, Ztoi-ia äi
kV (5 Bde., Ferrara 1791); G. Manini Ferranti,
(^ompendio äklla 8t0i-ia LHCI'3. 6 Mitica. äi 5'.
(6 Bde., ebd. 1808); Luigi Ughi, Vi^ionai'io gtoi-ico
(ILFÜ uoinwi i11u8tlit6i'lHi'68i (ebd. 1804); F. Conti,
8toi-ia äi ^. in coinpLnäio (ebd. 1851); G. Antonelli,
8a^io äi IiidlioFi'aiiH 8t0lica, i6i-lar686, pudlicato
in appenäice llki 86c0näo volums äei ^i-i^i; C.
Azzi, Vocadolario ä0M68tico l6rrar686 - it^iano
(Ferrara 1877); (^anti pupolai-i äi 1^., (^6iit0 6 ?out6
iHF08oni'0 (ebd. 1877); A. Gennari, I^a. univ6l3it^
(Ii ^. (ebd. 1879); Ferraro e Antolini, ^. ueiia 8t0i-ia
äol li80i'^ini6iit0 itlllill,no 1814-21 (ebd. 1885).
Weitere Litteratur s. Este.
Ferrara, Francesco, ital. Nationalökonom
und Minister, geb. 7. Dez. 1810 zu Palermo, ward
1834 Leiter des Statistischen Bureaus für Sicilien
und gründete das "(rioi-n^Io äi LtHtiztica", wurde
wegen Beteiligung an den Unruhen von 1847 ver-
baftct und trat 1848 in die provisorische Regierung
von Palermo ein, nach deren Sturz er sich nach
Piemont begab. An der Universität zu Turin,
später zu Pisa lehrte er 1849-64 Staatswissen-
schaften, wurde dann zum Leiter des Steuerwesens
ernannt und trat 1865 in die Kammer ein, in der
er auf der Linken saß. Untcr Rattazzi übernahm
er das Finanzministerium vom Mai bis Juli 1867.
1868 wurde F. Direktor der königl. Handelsschule zu
Vrockhaus' Konversationslexikon.. 14. Aufl. VI.
Venedig und ist seit 1881 Senator. Er schrieb:
"Im^m'tau^H äkii'econoinig. politica" (Tur. 1849)
und leitete die Herausgabe der ersten zwei Serien
der "I^idlioteca ä6i1'600ii0mi3til" (27 Bde., ebd.
1850-68), worin er durch Einleitungen (gesam-
melt erschienen: 2 Bde., ebd. 1890) in das Ver-
ständnis der nationalökonomischen Verfasser ein-
führte. Seine statist. Abhandlungen sind in einem
Bande der ".Vunali äi 8wti8tic^" (Rom 1890) zu-
sammengefaßt.
Ferrara-Florenzer Konzil (1438-45), Kon-
ül, auf dem eine Union zwifchen der röm. und griech.
Kirche abgeschlossen wurde. Obgleich die Abueigung
zwifchen dem abendländ. und Morgenland. Katholi-
cismus groß war, hielt doch der griech. Kaiser Jo-
hannes VIII. Paläologos, von den Türken hart be-
drängt, die Hilfe des Abendlandes um keinen Preis
sür zu teuer erkauft. Papst Eugen IV. ergriff die Ge-
legenheit, um gegenüber den Ansprüchen des Base-
ler Konzils (s.'d.) das Ansehen des päpstl. Stuhles
zu heben. Nachdem die päpstl. Partei des Kon-
zils 7. März 1437 Basel verlassen hatte, verlegte
Eugen IV. dasselbe Ende 1437 nach Ferrara, wo es
8. Jan. 1438 eröffnet wurde. Anfang März trafen
die Griechen ein, worunter der Kaifer und der
Patriarch von Konstantinopel. Am 9. April 1438
wurde die Versammlung als Unionssynode eröffnet.
Ohne Erfolg zogen sich die Verhandlungen über das
"1<'iliolin6" (d. h. ob der Heilige Geist, wie die Grie-
chen lehrten, nur vom Vater ausgehe, oder, wie
die Römer lehrten, von Vater und Sohn) hin, bis
der Papst aus Geldnot das Konzil im Febr. 1439
nach Florenz verlegte. Hier gaben die Griechen das
"I^iliohne" zu, verwahrten sich nur dagegen, es ins
Symbol aufzunehmen. Nachdem 10. Juni 1439 der
Patriarch von Konstantinopel zu Florenz gestorben
war, hatten die Verhandlungen raschern Erfolg.
Der Gebrauch von gesäuertem oder ungesäuertem
Brot beim Abendmahl wurde für gleichgültig er-
klärt, die röm. Lehre vom Fegefeuer, von den See-
lenmessen und den guten Werken wurde anerkannt
und über den Primat des Papstes eine so zweideu-
tige Formel aufgestellt, daß beide Parteien sich da-
bei beruhigten. So erfolgte 6. Juli 1439 in der
Hauptlirche zu Florenz der feierliche Abschluß der
Union. Der Theolog Markus Eugenicus, Erz-
bifchof von Cphesus, verweigerte der Unionsurkunde
seine Unterschrift; sämtliche orient. Patriarchen,
außer Metrophanes von Konstantinopel, sprachen
1443 auf einer Synode zu Jerusalem den Bann
über alle unierten Griechen aus; nach der Einnahme
Konstantinopels durch die Türken 1453 wurde schon
aus polit. Gründen ein Gegner der Union zum
Patriarchen erhoben und 1472 auf einer Synode
die Union von Florenz feierlich widerrufen. Nach
der Abreise der Griechen hielt das Konzil noch
5 Simmgen (bis 1442), in welchen es Unionen mit
den Armeniern (12. Nov. 1439) und den Iakobiten
(4. Febr. 1442) schloß, und wurde 1443 nach Rom
verlegt. Die beiden letzten Sitzungen in Rom
(30. Sept. 1444 und 7. Aug. 1445) waren nur
feierliche Schlußsitzungen ohne Bedeutung. - Vgl.
Frommann, Kritische Beiträge zur Geschichte der
Florentiner Kircheneinigung (Halle 1872, und in
den "Jahrbüchern für deutsche Theologie", 1877);
Hefele, Kouziliengeschichte, Bd. 7, Abteil. 2 (Freib.
i. Br. 1874).
Ferrari, Bencdetto, ital. Musiker, geb. 1597 in
Reggio, gest. 22. Okt. 1681 zu Modcna, eröffnete
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