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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fettverbindungen - Feuchtersleben
Nahrungszufuhr aus einer Mischung von Eiweiß
mit relativ reichlich Fett und wenig Kohlen-
hydraten besteht (Ebsteins Entfettungskur).
Das Fett soll hierbei die günstige Wirkung haben,
das Hunger- und Durstgefühl zu vermindern und
dadurch die Hauptaufgabe der Kur, die Beschrän-
kung der Nahrungszufuhr auf ein möglichst knappes
Maß, wesentlich zu erleichtern. Ebstein gestattet
seinen Kranken nur drei Mahlzeiten, worunter
eine reichliche, und schreibt als ungefähren Anhalt
folgenden Speisezettel vor: Zum Frühstück Thee
ohne Zucker und Milch, 50 3 Brot mit reichlich
Butter; zu Mittag Suppe (häufig mit Knochen- !
mark), 120-180 F Fleisch mit fetter Sauce, mäßig
Gemüse (am besten Leguminosen), etwas Salat
oder frisches Obst, dazu 2-3 Gläser leichten Rhein-
weins; des Abends ein Ei oder etwas fetten Ära-
ten, oder auch beides, oder Wurst, oder Fisch, 30 x
Brot mit viel Butter. Da die gewährte tägliche
Nahrungsmenge eine ziemlich knappe ist, so kann
die eben beschriebene Kurmethode recht wohl eine
Verminderung des Körpergewichts zur Folge haben,
vorausgesetzt,' das; durch den Fettzusatz das Hunger-
und Dnrstgcfühl genügend befriedigt und die vor-
geschriebene Diät dauernd beibehalten wird.
Drtel und Schweninger legen bei der Be-
handlung der F. das Hauptgewicht auf eine Be-
schränkung derFlüssigkeitszuführ und verbieten des-
halb Suppen und jedwedes Getränk während der
Mahlzeit; letzteres ist erst 1 - 1^/2 Stunden nach
der Mahlzeit gestattet. Der tägliche Diätzettel
lautet: Zum Frühstück eine Tasse Kaffee oder Thee
mit etwas Milch und 75 3 Weißbrot; zu Mittag
200 3 gesottenes oder gebratenes Ochsen fleisch.
Kalbfleisch, Wildbret oder nicht zu fettes Geflügel,
Salat oder leichtes Gemüse nach Belieben, 25 ^
Brot oder zeitweise Mehlspeisen (höchstens bis zu
100 3); als Dessert 100 3 frisches Obst - keine
Suppen, kein Getränk; nachmittags Kaffee oder
Thee; des Abends 1-2 weiche Eier, 150 F Fleisch,
25 F Brot, allenfalls ein wenig Käse, Salat oder
Obst; als Getränk "/s -^ 1 Wein und vielleicht
'/"I Wasser dazu.
Neben zweckmäßiger Regulierung der Diät müs-
sen Fettsüchtige sich durchaus hinreichende körper-
liche Bewegung im Freien machen, die sitzende Le-
bensweise möglichst vermeiden, nicht über 6 - 7
Stunden schlafen und durch häufig wiederholte und
gehörig tiefe Atemzüge ihren Lungen möglichst viel
Sauerstoff zuführen, dessen der Körper zur Ver-
brennung des überschüssigen Fettes unumgänglich
bedarf. Wenn wegen hochgradiger F. aktive kör-
perliche Bewegungen sehr erschwert oder ganz un-
möglich gemacht "sind, so ist eine zweckmäßige,
auf Ernährung des Mustelapparats hinzielende!
passive Gymnastik sowie die längere Zeit fortge- !
setzte Massage zu empfehlen. Bei fettsüchtigen jungen z
Frauen ist die angemessene Regulierung der Ge-
schlechtsfunktionen von großer Wichtigkeit. Eigent-
liche Arzneimittel sind bei der F. ganz unnütz,
namentlich ist der noch immer vielfach beliebte Ge-
brauch der drastischen Abführmittel (Aloo, Kolo-
quinten u. a.) fowie der Iodpräparate ganz ent-
schieden zu widerraten, da durch sie die ohnedies
bei der F. vorhandene Vlutarmut und wässerige
Beschaffenheit des Blutes gewöhnlich sehr rasch nur
noch gesteigert wird. Dagegen pflegen öster wieder-
holte und langer fortgesetzte Brunnenkuren mit ge-
wissen allaUsch-salimschen Mineralwässern Marien-
bad, Tarasp, Karlsbad, Kissingen) und mit nach-
folgendem Aufenthalt im Hochgebirge oder an der
See einen günstigen Einfluß auszuüben.
Vgl. Dencel, Iraitö tk60riyu6 6t pratihus äe
1'ol)68it6 lPar. 1863); W. Vanting, lütter 0U 001--
Mienck (Lond. 1864u. ö.); I. Vogel, Korpulenz,
ihre Urfachen, Verhütung und Heilung (21. Aufl.,
Verl. 1889); Bacher, v6 1'odk8it6 6t ä 8011 traitk-
M6ut (Par. 1873); Kisch, Die Fettleibigkeit der
Frauen im Zusammenhange mit den Krankheiten
der Sexualorgane (Prag 1872); ders., Die Fettleibig-
keit (Stuttg.1888); ders., Tisch für Fettleibige (Karlsb.
1892); Maas, Die Schwening erkür (21. Aufl., Verl.
1889); Ebstein, Die Fettleibigkeit und ihre Behand-
lung nach physiol. Grundsätzen (7. Aufl., Wiesbad.
1886); Schweninger und Vuzzi, Die F. (Wien 1894).
Fettverbindungen, Fettkörper, Fett-
reihe, aliphatischeR ei he, Methanderivate,
die große Klasse organischer Verbindungen, die
sich vom Methan oder Sumpfgas, OH4, durch Er-
setzung der Wasserstoffatome ableiten lassen; Fett-
lörper heißen sie, weil die Fette und die aus ihnen
erhältlichen Verbindungen hierher gehören. Diese
Klasse umfaßt alle Verbindungen mit sog. offe-
nen Koblenstoffketten. Den Gegensatz bilden die
Aromatischen Verbindungen (s. d.). Diese leiten
sich in gleicher Weise vom Benzol, ^llg, ab, in
dem die Kohlenstoffatome ringförmig angeordnet
sind. Diese Einteilung läßt sich nicht mit vollkom-
mener Strenge durchsühren, da Übergänge von
einer Reihe zur andern vorkommen, auch gemischte
Verbindungen existieren und eine große Zahl von
Substanzen weder zur einen noch zur andern Klasse
in Beziehung stehen. Immerhin zeigen sich bei den
beiden Reihen wesentliche Verschiedenheiten, von
denen folgende die wichtigsten sind. Während die
F. von Salpetersäure entweder nur schwer ange-
griffen oder oxydiert werden, geben die aromatischen
Verbindungen Mroderivate. Die konzentrierte
Schwefelsäure ist auf die einfachern F. meist ohne
Einwirkung, während aromatische in Sulfosäuren
übergeführt werden. Die aromatischen Halogen-
Verbindungen halten das Halogen fester, sind also
weniger reaktionsfähig, die Hydroxylderivate der
aromatischen Reihe (Phenole) sind von stärker saurer
Natur als die entsprechenden fetten Verbindungen
(die Alkohole). Diazoverbindungen (s. d.) sind bei
den F. fast gar nicht bekannt.
Fettvogel, s. Guacharo.
Fettwachs, s. Adipocire.
Fettwaren, die aus Fett bestehenden oder aus
Fetten dargestellten Handelsartitel, so Ol, Schmalz,
Fettzünsler, s. Fettschabe. Mutter, Talg.
Fetus, s. Fötus.
Fetwa (arab.), das Gutachten des Mufti (s. d.),
das einigermaßen den r68p0u8H pruäsntum der
röm. Rechtspflege entspricht. In Anbetracht aber,
daß dcr Mufti als Vertreter des religiösen Gesetzes,
^cher'-i-scherif, redet, hat sein Ausspruch unbedingte
Gesetzeskraft und muß von dem rechtsprechenden
Kadi (s. d.) berücksichtigt werden. Daher wird F. in
den civilisicrten Ländern Europas für eine an-
spruchsvoll auftretende Behauptung gebraucht.
Feuchdres (fpr. föschähr), Baronin, Geliebte des
Prinzen Ludwig Heinrich Joseph von Conos (s.d.).
Feuchten, in der Jägersprache das Harnen des
weidlichen Hochwildes.
Feuchtersleben, Ernst, Freiherr von, Arzt,
Dichter und Philosoph, geb. 29. April 1806 in
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