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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Filangieri (Gaetano) - Filet
Dumas. Infolge eines Duells kehrte er aus Spa-
nien 1811 nach Neapel zurück und ward von Murat
zum äderst und General befördert und als Adjutant
1814 in diplomat. Auftrag nach Wien und Paris !
gesandt, nahm 1815 als Generaladjutant Murats ^
teil an seiner Erhebung und wurde bei dem Kampf ^
um die Panarobrücke schwer verwundet. Noch von j
Murat zum Generallieutenant ernannt, blieb er!
unter Ferdinand I. Generalinspcktor der Infanterie. '
Nachdem er bei Ausbruch der Revolution 1821 den
Ieldzug in den Abruzzen unter Carrascosa mitge-
macht, wurde er 1822 der Ausübung seines Dienstes !
entboben. Erst 1831 wieder angestellt, wurde er von
Ferdinand II. mit dem Oberbefebl gegen das auf- ^
ständische Sicilien 29. Aug. 1848 betraut, wo er
Glänzendes leistete; nach "Eroberung des 7. bis
9. Sept. zusammengeschossenen Messina von den
Admiralen der engl. und franz. Flotte zum Waffen-
stillstand gezwungen, nahm er nach Kündigung des
Waffenstillstandes (Febr. 1849) den Kampf gegen
die von Microslawsti geführten Sicilianer wieder
auf und rückte nach den Siegen von Taormina
<3. April), Catania und Syrakus vor Palermo, an
dessen Erstürmung ihn nur die von England und
Frankreich erzwuugenc Annadme der Kapitulation
verbinderte. Zum General und Stattbalter von!
Sicilien ernannt (9. Okt.), lieft er Milde walten,
wurde aber dadurch bei Ferdinand II. mißliebig und
mußte Jan. 1852 zurücktreten. Von Franz II. mit ,
dem Vorsitz des Kabinetts und dem Ministerium des !
Krieges 9. Juni 1859 betraut, legte er jeneil schon ^
im Nov. 1859, dieses 7. Febr. 1860 nieder und ^
lebte seither zurückgezogen meist in Toscana. Er
starb 14. Okt. 1867 in Portici. Vgl. Reumont,
Carlo F., Fürst von Satriano (im "vistor. Taschen-
buch", Lpz. 1871).- Mit Gaetano F. (gest.
29. Nov. 1892), dem Gründer eines der Stadt
Neapel geschenkten Museums, ist der Zweig der F.,
Fürsten von (^atriano, erloschen.
Filangicri (spr. -andschehri), Gactano, ital.
Jurist, ged. 18. Aug. 1752 zu Neapel, gehörte einer
altadligen Familie normann. Ursprungs an, trat
nach beendeten Studien als Sachwalter auf. Bered-
samkeit und Wissen verschafften ihm groften Beifall,
und seine Verteidigung der zeit- und vernunftge-
mäßen Reformen, die der Minister Tanucci durch-
setzte, dessen Gunst. Das Ideal einer freisinnigen
Gesetzgebung suchte er in "I^ii Lcien^ deila, Is^is- '
la^ione" (7 Bde., Neap. 1780 - 85 u. ö.; deutsch
von Link, 8 Bde., Ansb. 1784 - 93: französisch
mit Kommentar von Benj. Constant, 6 Bde., Par.
1822) aufzustellen, bei dem er häufig Montesquieu
vor Augen batte. Das Werk machte außerordent-
liches Aufsehen und stellte F. den ersten Staats-
rechtslehrern zur Seite. Ferdinand IV. ernannte ^
ihn 1787 zum Finanzrat; doch starb F. schon 21. Juli i
1788 und hinterließ sein Wert unvollendet. In der !
Kirche Santa Maria di Piedigrotta in Neapel wurde
ihm von seinem Sohne ein Denkmal gesetzt. - Vgl.
D. Tommasi, I^o^io Lwi'ico äol c^v^iiero 0. 1^.
<Neap. 1788: deutsch von F. Munter, Ansb. 1790);
G. Vianchetti, 1^0310 äi (-. ^. (Vened. 1819).
Filarcte, Antonio, auch Averulino genannt,
ital. Baumeister und Bildhauer, geb. um 1410 in
Florenz, gest. 1470 zu Rom, als Theoretiker ein her-
vorragender Meister der frühern ital. Renaissance.
Auch Schöpfungen des Künstlers sind nocb vorban-
den, so ein Teil des später von Vramante vollende-
ten grohen T^M ^n Mailand, das er, von Fran- ^
cesco Sforza berufen, 1457 begann. Auch am Bau
des Doms von Bergamo war er beschäftigt und
fertigte 1439 - 47 die Thüren der ehemaligen Pe-
tersbasilika in Rom in Vronzeguß. Das Werk F.s
über die Baukunst, das 1464 entstand, umfaßt 3)
Bücher. - Vgl. W. vonOttingen, über das Leben und
die Werke des Ant. Averulino (in den "Beiträgen
zur Kunstgeschichte", Neue Folge, VI, Lpz. 1888).
I'iia.ria., I'iiHriiäav, s. Haarwürmer.
Filati, Stadt in Albanien, s. Philiatäs.
Filatomafchine, in der Seidenfabrikation eine
Vorrichtung zum Aufdrehen eines Probefadcns, das
den Zweck bat, für irgend ein Seidengespinst die
Anzahl von Drehungen zu finden, welche auf eine
bestimmte Länge sowohl den einzelnen Rohseiden-
fäven als beim nachherigen Zwirnen dem Ganzen
gegeben worden sind.
Filatorlum (lat.), Seidenzwirnmühle oder
auch Spinnmühle, Maschine, auf der das Zwir-
nen oder Zusammendrehen mehrerer Coconfäden zu
einem Fadenbündel (Rohseidenfaden) erfolgt.
ssilder, der in Württemberg, südlich von Stutt-
gart und nach Osten bis nach Plochingen reichende
fruchtbare Teil der mit Lias überlagerten Keuper-
ebeue. Die F. liegt 300-430 in hoch und umfaßt
165 <i1cm. Von ähnlicher Beschaffenheit sind die
Hochebenen von Rosenfeld, die an der Lein im
Welzheimer Walde und die im O. der Jagst bei
Ellwangen. Hier wird das sog. Fildcrkraut
(Kopfkohl), das sich durch seine spitzige Form, seine
Ergiebigkeit und seinen vortrefflichen Geschmack aus-
zeichnet, in großer Menge gebaut.
Filderbahn, Zahnradbahn von Stuttgart nach
Degerlocb <2 Icm, 1884 eröffnet) und Dampfstraßen-
balm von Dcgerloch nach Hohcnheim (8,5 Icm, 1888
eröffnet), württemb. Privatbahn. (S. Deutsche
Eisenbahnen, Übersicht Schmalspurbahnen.)
Fildes (spr. fcilds), Luke, engl. Genremaler, geb.
1844, bildete sich auf der Londoner Akademie und
lieferte zunächst Illustrationen zu Journalen, wie
"I^oudon (^ili^liic", "l^oinliiii NÄFHxiuL". Auch
illustrierte er mehrere Werke von Dickens und Lever.
Von seinen Gemälden sind hervorzuheben: Die
Armen Londons bitten bei der Polizei um Nacht-
quartier (1874), der Witwer (1876), die Spielkame-
raden (1877), Italienisches Blumenmädchen (Ham-
burg, Kunstballe), Die Rückkehr des Sträflings
(1879), Die Dorfhochzcit (1883). Seit 1884 malte
er vorzugsweise Volksscenen aus Veuedig, den dor-
tigen Malern in seiner Richtung sich anschließend.
Seit 1879 ist F. Mitglied der Akademie zu London.
Fildschan, s. Findschan.
Filehnc. 1) Kreis im preuß. Neg.-Vez. Vrom-
bcrg, hat 760,0,'> l^m, (1890) 32519 (15727 männl.,
16 792 weibl.) E., 1 Stadt, 45 Landgemeinden und
25 Gutsbczirke. - 2) F., poln. ^Viewi, Kreisstadt
im Kreis F., links der schiffbaren Netze, an der Linie
Bcrlin-Schneidemühl der Prcusi.Staatcchahnen, Sitz
eines Amtsgerichts (Landgericht Schneidemühl), hat
(1890) 4269 E., darunter 1260 Katholiken und 601
Israeliten, Post zweiter Klasse mit Zweigstelle, Tele-
graph, cvang. und kath. Pfarrkirche, Synagoge,
Hospital; Destillation, Dampfbäckerei, Sägemühle.
Südlich davon das seit 1852 bestehende Pädagogium
Ostrau und nördlich das Gut F. der Gräsin von der
Schulenburg mit Schloß und Park.
Filet (frz., spr. -leh), ein zu allerlei Putzarbeiten
verwendetes netzartiges Geknüpf von Zwirn, wolle-
nem Garn oder Seide, das sich von den beim Weben,
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