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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Filhol - Filigranarbeit
Stricken und Häkeln erzeugten Fadenverschlingungen
durch die an den Kreuzungspunkten der Fäden ge-
bildeten Knoten unterscheidet, welche die gegenseitige
Verschiebung der gekreuzten Fäden verhindern. Man
bedient sich zur Anfertigung desselben eines runden,
glatten Holzstabes, durch dessen Umsang die Größe
der Maschen bestimmt wird, und der sog.Filctnadel,
eines dünnen Metallstäbchens, das an beiden Enden
gespalten ist und den Fadenvorrat strähnartig auf-
gewickelt enthält. - In der Kochkunst bedeutet F.
den Lendenbraten von allem Schlachtvieh und Wild-
bret, auch das abgelöste Brustflcisch vom Geflügel,
sowie die aus Haut und Gräten gelösten Flcisch-
teile vonl Rücken der Fische. - In der Reitkunst
ist F. soviel wie kleine Trense. - In der Buch-
binderei heißen Fileten oder Stempel die
Mcssinggravuren, deren man sich zum Vergolden
der Buchdecken bedient.
Filhol (spr. fijöl), Antoine Michel, franz.
Kupferstecher, geb. 1759 zu Paris, gest. 1812, be-
suchte die Schule des F. D. Nee. Er war ein sehr
fruchtbarer Künstler und hat eine Anzahl wissen-
schaftlicher Werke mit Illustrationen versehen; das
Hervorragendste ist sein Anteil an dem "(^ourg do
peinwrs, ou 3lrlLri6 äu Nusoo XapoIooii" (10 Bde.,
Par. 1804-15).
Fili, irische Dichter, s. Barden.
rilia. (lat.), Tochter.
Filiale (mittellat., d. h. im Kindcsverhältnis
stehend), Institute, die von andern gegründet sind
und in einem Abhäigigkeitsverhältnis zu ihnen
stehen. (S. Filialkirche.) Filialgeschäft oderF.ist
eine zweite Niederlassung, in welcher dasselbe kauf-
männische Geschäft betrieben wird wie in der Haupt-
niederlassung. Die F. kann bloß auf den Verkauf
beschränkt sein, während der Einkauf im Haupt-
geschäft besorgt wird. Sie kann an demselben Orte
(in einer andern Stadtgcgend) oder an einem an-
dern Orte, selbst überseeisch, betrieben werden. Nur
ist es immer derselbe Kaufmann, für dessen Rech-
nung in der F. kontrahiert wird; gewöhnlich kon-
trahiert die F. auch im Namen des Inhabers des
Hauptgeschäfts durch Handlungsbevollmächtigte
oder Prokuristen. (S. Zweigniederlassung.)
Filialgemcinde oder Tochter gemeinde,
die zu einer Filialtirche (s. d.) gehörende Gemeinde.
Filialkirche oder Tochterkirche, eine Kirche,
an der der Gottesdienst vom Pfarrer der Haupt-
odcr Muttertirche oder unter dessen Aussicht von
einem Hilssgcistlichen versehen wird' davon ver-
schieden sind vereinigte (kombinierte) Mutterkirchen,
d. h. selbständige Kirchen, deren Pfarrämter einem
und demselben Pfarrer übertragen sind.
Filiation (lat.), die rechtmäßige Abstammung'
sodann diejenige kirchliche Handlung, durch welche
zwischen zwei Kirchen ein Abhäigigkeitsverhältnis
derartig bewirkt wird, daß die eine als Mutter-
tinktLr),die andere als Tochterkirche(iiii^) zu betrach-
ten ist. Diese Abhängigkeit kaun hervorgerufen wer-
den dadurch, daß eine Parochic geteilt wird, der
neuen Parochialkirche aber nicht alle Pfarrrcchte ein-
geräumt werden, oder daß eine selbständige Parochie
mit einer andern vereint, ihr aber die frühere Selb-
ständigkeit in gewissen Beziehungen entzogen wird.
Filiationsklage, die Klage, durch welche
jemand einen richterlichen Aussvruch über sein
Kindesverhältnis begehrt. Sie ist negative F.,
wenn der Ausspruch dahin begehrt wird, daß Kläger
das eheliche Kind des Beklagten nicht sei (s. Illegiti-
mitätsklage). Einige Rechte, wie das gemeine und
das sächs. Recht, gestatten eine solche Klage, ob-
schon Kläger während der Dauer der Ehe erzeugt
und von der Ehefrau geboren, also nach einer
Rechtsvermutung als Kind des Ehemannes gilt.
Sie kann z. B. durch das Interesse veranlaßt wer-
den, welches Kläger daran hat, als Kind eines
Dritten anerkannt zu werden, welcher mit der Mut-
ter die Ehe gebrochen und demnächst nach Auflösung
der ersten Ehe die Mutter geheiratet bat. Umge-
kehrt wird mit der positiven F. die Anerkennung
begehrt, daß Kläger das eheliche Kind des Beklagten
sei. Eine derartige Klage kann übrigens auch von
dritten Personen erhoben werden, welche ein Inter-
esse an der Anerkennung eines solchen Kindesver-
hältnisscs haben.
Filiationsprobe, die auf Urkunden und glaub-
würdige Beweismittel gestützte Nachweisung so vie-
ler Ahnen, als im einzelnen Falle erforderlich sind.
Die Angabe und glaubwürdige Nachweisung, von
welchen Eltern jede der auf der Ahnentafel genann-
ten Personen abstammt, und daß die Eltern standes-
gemäß vermählt waren, heißt der Filiationstert.
Wird dargetban, daß jede in der Ahnentafel auf-
geführte Familie von altem ritterbürtigem oder stifts-
fähigcm Adel sei und das auf der Ahnentafel ange-
gebene Wappen führe, fo ist die Adels probe be-
schafft. Die F. und die Adelsprobe zusammen werden
Ahnenprobe (s. Ahnen) genannt. - Vgl. Etobbe,
Handbuch des deutschen Privatrcchts, Bd. 1 (2. Aufl.,
Verl. 1872), S. 333, 334.
Filibe, Stadt, s. Philippopel.
Filibedzik (spr. -dschik), Dorf im türk. Wilajct
Saloniki, steht auf den Trümmern der Stadt Phi-
lippi (s. d.).
Filibustern, in der parlamentarischen Sprackc
Nordamerikas die Verhinderung einer Maßregel in
einer gesetzgebenden Körperschaft durch Verschlep-
pung der Geschäfte. (^. auch Obstruktionistcn.)
Filicäja, Vincenzio da, ital. Dichter, geb.
30. Dez. 1642 zu Florenz, begründete seinen Ruf
durch die 1684 in Florenz gedruckten Kanzonen auf
die Belagerung von Wien. Ehristine von Schwe-
den ernannte ihn zum Mitgliede der von ihr in
Rom errichteten Akademie, 1696 der Großhcrzog
von Toscana zum Senator und Sekretär der Re-
gieruug von Volterra und 1700 der zu Pisa. Mit
der Zusammenstellung einer Gesamtausgabe seiner
Werke beschäftigt, starb er 24. Sept. 1707 zu Flo-
renz, worauf sein Sohn, Scipio da F., dieselben
u. d. T. "1^06310 toLcllno" (Flor. 1707) herausgab.
Eine gute Ausgabe der Gedichte und Briefe mit
F.s Lebensbeschreibung bat Amico besorgt ("1^00316
0 Isttei-c; äi V. 63.1''.", Flor. ^864).
I°i1ioes, I'ilioillba.s (Filicinecn), Pflanzen-
abteilung, s. Farne.
Filicuri, eine der Liparischcn Inseln (s. d.).
Filieren (ital. ülar il W0110), in der Musik: den
Ton andauernd gleichmäßig ausströmen lassen, ohne
merklichen Wechsel in Stärke oder Schwäche. Man
gebraucht dafür im Gesang auch die deutsche Wen-
dung "den Ton spinnen". - In der Seidenfabri-
kation ist F. soviel wie Zwirnen.
Filiförm (nculat.), fadenförmig.
Filigranarbeit (vom lat. tiknn, Faden, und
ssriinnm, Korn), die ans feincn, meist in Form von
Ornamenten, Arabesken, Laubwerk u. s. w. geboge-
nen und zusammcngelöteten Gold- oder Silber-
drähten gefertigten Schmucksachen. Der dazu an-