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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fischgrätenbau - Fischhandel
genau bekannt, daß sie zu Gift- und Selbstmorden
mißbraucht werden und der Verkauf bestimmter
Arten gesetzlich verboten ist. Endlich gehören hierher
Fische, die nicht durch den Genuß ihres Fleisches,
wohl aber durch mechan. Verletzungen gefährlich
werden, indem sie vermittelst ihrer an den Kicmen-
deckeln und der vordern Rückenstosse befindlichen, mit
einer Giftdrüse in Verbindung stehenden Stacheln
höchst schmerzhaste und schwer heilende Verletzungen
und Lymphgefäßentzündungen hervorrufen. Es
gehören hierher das in den europ. Meeren heimi-
sche Petermännchen, Iraekinng äraeo sowie ^ra.-
c1iinu8 vipei'H, ferner in den tropischen Meeren
?^in8 anrantiNcn^ ?l0wru81in63.w8 u. a., welche
letztere durch ihre Verletzungen mitunter selbst töd-
lichen Starrkrampf verursachen.
Die Vergiftungserscheinungen, welche sich
nach dem Genuß von giftigem Fischfleisch oder gif-
tigen Fischteilen (Rogen, Leber) einstellen, sind je
nach den Arten, von welchen sie kommen, verschie-
den. Man kann im allgemeinen drei Formen der
sog. Fischvergiftung unterscheiden. Bei der gastri-
schen Form (Ickt1i^8mu8 Fa,8ti-icu8 8. clioieri-
koi-miß), welche besonders nach dem Genuß von
Varbeneiern, tropischen Meerbrassen, Sardellen
und Sphyränen eintritt, wird vorzugsweise der
Verdauungskanal affiziert; es stellen sich, meist
2-3 Stunden nach der Mahlzeit, heftige Leib-
schmerzen, Erbrechen und Durchfall ein, wozu sich
in schweren Fällen wie bei der Asiatischen Cholera
schmerzhafte Wadenkrämpfe, Anurie und rafcher
Verfall der Kräfte gesellen. Anders bei der sog.
eranthematischen Form der Fischvergiftung
(Ie1itli^8inu8 6XHnt1i6iliaticu8), welche besonders
von dem Genusse tropischer Makrelen und Thun-
fische herrührt; bei ihr stellen sich bald nach dem
Verzehren des betreffenden Fischfleisches scharlach-
artige Hautausschläge ein, welche mit gleichzeitigem
Schwindel, Kopfschmerz und starker Schwellung des
Gesichts, insbesondere an den Augenlidern und
den Lippen, mitunter auch mit Schlingbeschwerden,
Krampfhusten und Fieber verlaufen. Am gefährlich-
sten ist die dritte Form der Fischvergiftung, die sog.
paralytische (Ielitk78mu8 p3,i-a1Mcu8), welche
in den Tropen als Siguatera bezeichnet und
hauptsächlich durch die obenerwähnten Fische aus
der Familie der Gymnodonten (Oioäon, ^rioäou,
Istroäon) veranlaßt wird. Nach dem Genuß der-
selben tritt schon nach wenigen Minuten Schwin-
del, Bewußtlosigkeit, schneller Verfall der Kräfte
und allgemeine Lähmung ein, die häufig innerhalb
ganz kurzer Zeit zum Tode führt.
Bei der Behandlung der Fifchvergiftnng ist
ohne Zweifel die schleunige Entfernung der noch
im Magen befindlichen Giftreste durch Brechmittel
(Zinksutfat, Vrechwurzel, Apomorphin) oder mittels
Magenausfpülung die Hauptsache; von manchen
Ärzten wird Essig oder Citronensaft als Gegen-
mittel gerühmt. Gegen den drohenden Kräfteverfall
dienen stimulierende Mittel (Wein, Äther, Cognac,
starker Kaffee) sowie Senfteige, Frottieren der Haut
und kalte Douchen auf Hinterkopf und Rücken. -
Vgl. Autenrieth, Das Gift der Fifche (Tüb. 1833);
D'Arras, N88ai 8ur Io8 a,ceiä6ut8 03.U868 Ml 168
p0i880Q3 (Par. 1877); Bottard, 1^68 poi88ou8
V6U1IN6UX (ebd. 1889).
Fischgrätenbau, Fischgrätensystem, die-
jenige Anordnung eines Gebäudes, bei der ein lang-
gestreckter Mittelbau von mehrern Querbauten
rechtwinklig in bestimmten Zwischenräumen durch-
schnitten wird, so daß der Grundriß (s. die Text-
figur 3 beim Artikel Ausstellungsgebäude) dem
Skelett eines Fisches ähnelt. Dieses System wurde
mehrfach praktisch angewendet.
Fischgrätenverband, bei Mauerverbänden die
ährenförmige, schräge Verbindung von Steinen,
wie sie z. B. in der röm. und angelsächs. Bauweise
üblich war.
Fifchguano, s. Fischmehl.
Fifchhandel. Fische und gewisse hier mit zu
nennende Schaltiere bilden schon seit dem Mittel-
alter, namentlich seit der Zeit der Hansa und vor
allem seit der mächtigen neuern Entwicklung der
Seefischerei, einen wichtigen Handelsartikel. Der
Handel mit Fluhfischen hat durch die Nähe von
Fang- und Konsumplatz sowie auch dadurch, daß
der Fischer auch vielfach Händler ist, wenig be-
merkenswerte Eigentümlichkeiten; um einen Ver-
sand im großartigern Maßstabe handelt es sich hier
nur bei Wertfischen, wie Forellen, Lachs u. s. w.,
oder beim Zander, der in sehr großer Menge aus
Rußland in konserviertem oder gefrorenem Zustande
in Deutschland eingeführt wird. Forellen, Karpfen,
Aale u. a. gelangen vielfach lebend zum Versand,
entweder in großen Fässern von 500 1 und mehr
Inhalt, die mit Wasser gefüllt und je nach Bedarf
mit Eis gekühlt und durch Einpumpen von Luft
ausgefrischt werden können, oder zwischen feuchtem
mit Eis gekühltem Moos. Bemerkenswerter ist der
Großhandel mit Seefischen, der sich in Deutsch-
land seit 1885 Hand in Hand mit einer schnellen
Vergrößerung der Seesischerflotte entwickelt hat.
Der seit lange von der Nnterelbe ausgehenden
Segelfischerflotte von beinahe 400 Fahrzeugen ist
in den letzten Jahren eine Flotte von über 70 Fisch-
dampfern an die Seite getreten, die an jedem Tage
und bei jeglicher Witterung mit ihren riesenhaften
Grundschleppnetzen (s. Trawl) die Nordsee durch-
pflügt. Während die Segler fast nur in der guten
Jahreszeit fischen und außer Zungen und Stein-
butt, die sie mit Eis konservieren, hauptsächlich
lebende Schollen an den Markt bringen, wird auf
den Dampfern regelmäßig der gefamte Fang un-
mittelbar nach dem Aufholen des Netzes ausge-
weidet und zwischen Eis verpackt. Der Fang einer
Reise von 8 bis 10 Tagen beläuft sich auf etwa 15
-20000 Pfd. Fifche der verschiedensten Art, unter
denen Schellfisch und Scholle die Hauptrolle spielen,
außerdem aber Kabeljau, Seelachs, Seehecht, Knurr-
hahn,Petermännchen,Rochen,Leng,Steinbutt,Glatt-
butt, Zungen, Rotzungen u. a. m. vertreten sind.
Die Anfuhr der in der Nordsee gefangenen frifchen
Fische durch Segel- oder Dampfschiffe erfolgt haupt-
sächlich in Geestemünde-Bremerhaven, dem bedeu-
tendsten Fischmarkte, und in Altona-Hamburg. Hier
werden die auf Eis liegenden Fische bald nach der
Ankunft in Kästen von etwa 100 Pfd. nach Arten
und Größe geordnet, in den großen Fischauktions-
hallen aufgestellt und an die Großhändler versteigert.
Sosort nach Beendigung der Auktion werden die ge-
kauften Fifche in Körben zwischen Eis als Eilgut zu
Frachtgutpreisen versandt. Der Gesamterlös der
Fischversteigerungen in allen fünf in Geestemünde-
Bremerhaven und Hamburg-Altona befindlichen
Verkaufshallen belief sich (1892) auf 4100000 M.,
was einer Zufuhr von über 40 Mill. Pfd. frischer
Fische entsprechen dürfte. Dazu kommen noch große
Mengen ins Binnenland gehender Fifcbe, die ohne