Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

902
Fliegende Blätter - Fliegende Fische
den meisten Vögeln, einigen Sängetieren nnd
Fischen, nnter den Wirbellosen bei den meisten In-
sekten. Bei fast sämtlichen fliegenden Wirbel-
tieren bilden die vordern Brnstgliedmaßen dieFlug-
werkzeuge; am einfachsten sind diese bei den fliegenden
Eichhörnchen und Beuteltieren, wo nnr zwischen den
Gliedmaßen und dem Körper eine mehr oder minder
breit ausgespannte Hautfalte als Fallschirm dient.
Ausnahmsweise ist bei den kleinen ind. Eidechsen,
fliegende Drachen (vraeo voliwn8) genannt, eben-
falls ein Fallschirm durch eine zwischen den verlänger-
ten und seitlich hervorstehenden falschen Nippen an-
gebrachte Haut hergestellt. Bei den Fliegenden
Fischen (s. d.) sind die Brustflossen zu Fallschirmen
vergrößert. Bei den Fledermäusen und Vögeln
sind die vordcrn Gliedmaßen umgewandelt, der
Schultergürtel stark befestigt zur Stütze des Luft-
ruders, das die Luft schlägt und das bei den Fleder-
mäusen durch eine zwischen den außerordentlich ver-
längerten Fingern ausspannbare Haut, bei den Vö-
geln durch die Federn des Flügels hergestellt ist.
Bei den verweltlichen Pterodaktylcn war, ähnlich
wie bei den Fledermäusen, eine Flughaut vorhan-
den, die nur durch den sehr verlängerten letzten
Finger gespannt wurde. Bei den Insekten sind die
Flügel entweder aus besondern schlippenartigen An-
hängen des Rückens oder vielleicht aus umgebildeten
äußern Atmungswerkzcugcn hervorgegangen und
ursprünglich stets vier Flügel vorhanden, die auf
dem zweiten und dritten Vrustringe stehen. Bei den
zweiflügeligen Insekten (Dipteren) sind aber die hin-
tern Flügel zu sog. Schwingkölbchen (Haltcrcn), bei
den männlichen Strepsipteren die vordern über-
haupt verkümmert, und bei allen Käfern dienen die
vordcrn Flügel nur als Decken. - Zum F. selbst
dienen dann noch weitere Einrichtungen, die darauf
hinzielen, den Körper specifisch leichter zu machen.
Bei den Vögeln entwickeln sich Luftsäcke, die von
den Atemorgancn aus mit Lust gefüllt werden und
sich in die Knochen verzweigen, sodah diese hohl wer--
den; bei den Insekten entwickeln sich die Lnft gange
(Tracheen) im Innern des Körpers zu großen
Kanälen und Blasen, die ebenfalls mit Luft voll-
gepumpt werden. Die Bewegungen selbst, die mit-
tels der Flügel ausgeführt werden, sind sehr ver-
schiedener Natur, und es wird dabei oft eine stau-
nenswerte Kraft und Ausdauer entwickelt.
Schon Aristoteles versuchte das F. zu erklären, aber
erst Borelli ("Do inow auimliUum", 2 Bde., Nom
1680) legte den Grund zur Theorie des F. In neue-
rer Zeit haben besonders Prechtl ("Untersuchungen
über den Flug der Vögel", Wien 1846), der Franzose
Marcy ("I^n. inac1iin6 lluiinclle. I^ocoinotiou tei-
rosti-o 6t kLi-ienuL", Par. 1874) und der Engländer
Pettigrew ("Die Ortsbewegung der Tiere"/Bd. 10
der "Internationalen wissenschaftlichen Bibliothek",
Lpz. 1875) höchst sinnreiche Versuche angestellt,
welche die Mechanik des F. der Insekten erläutert
haben. Die Anhänger Vorellis leiten den Flug von
dem keilartigen Wirken der Flügel her, die als schiefe
Ebenen auf die Luft schlagen, welche letztere dann
rückwirkend den Flieger hebt oder vorwärts treibt.
Nach Pettigrew vermögen die Flügel während ihrer
Thätigkeit sich ans- und abzuwinden und Linien in
Form einer Acht zu beschreiben, wodurch die rück-
wirkenden, treibenden Luftströme entstehen. Obwohl
der anatom. Bau des fliegenden Tiers vielerlei das
F. begünstigende Umstände nachweist, so bleibt doch
für das Studium des F. die Ergründung derHaupt-
cigenschasten der Flugorgane die Hauptsache, wes-
halb auch die ncncre Forschung durch vielseitige
Beobachtung des Flugs, der dabei thätigen Flügel
sowie durch Anfertigung künstlicher Flügel die Ele-
mente sür die wahre Theorie des Flugs zu gewinnen
sucht. Daß beim Flug die eigentümliche Gestalt des
Fliegenden, der Anlanf beim Auffliegen u. dgl. m.
von Einfluß ist, wird auch von den modernen Be-
obachtern und Forschern zugegeben. Die Geschwin-
digkeit des Flugs ist bei der Haustaube 13 in, bei
der Wandcrtaube 20 in, bei der Brieftaube durch-
schnittlich etwa 17 m, im Marimum 30 in pro Se-
kunde. Die Saatkrähe fliegt 8-12 in, der Adler
24 in pro Seknnde. Am schnellsten stiegen die
Schwalben, und zwar die Mauerschwalbe 36 in, die
Hausschwalbc 45-60 in und die Rauchschwalbe, die
189l von den Franzosen als Briesschwalbe abge-
richtet, jedoch später wieder aufgegeben wurde, 50-
90 in in der Sekunde, also 3^mal so schnell als
ein deutscher Schnellzug. Die Stubenfliege legt bei
ruhigem Fluge 1,6 in pro Sekunde znrück. Über die
künstliche Nachahmung des Flugs s. Flugtechnik.
Außer den oben angeführten Werken vgl. noch
Strasjer, über den Flug der Vögel (Jena 1885);
Parscval, die Mechanik des Vogelflugs (Wieso.
1889); Lilienthal, Vogelflug (ebd. 1889).
Fliegende Blätter, soviel wie Flugblätter (s.d.).
Fliegende Blätter, im Verlag von Braun
& Schneider in München erscheinendes humoristi-
sches Wochenblatt mit Illustrationen, 1844 von
Kaspar Braun (s. d.) und Friedr. Schneider, Be-
sitzern einer xylographischen Anstalt in München,
gegründet. Gegenwärtiger Redacteur ist des letztern
Sohn Julius Schneider; neben ihm sind sein Bru-
der, der Maler Herm. Schneider, Kaspar Braun
^un., Eduard Ille (s. d.) und Franz Bonn (von
Miris) in der Redaktion thätig. Die über die
ganze Welt verbreiteten F. B., deren Hauptstärke
die vielfach künstlerisch wertvollen humoristischen
Zeichnungen bilden, haben von je nur den unpoli-
tischen, harmlosen Witz und gemütvollen Hnmor
gepflegt. Kaspar Braun selbst lieferte köstliche Illu-
strationen für das Blatt, fpäter errang namentlich
der originelle Wilh. Busch (s. d.) in ihm seine ersten
Erfolge. Der bedeutendste Illustrator der F. B.
ist seit Jahren Adolf Oberländer (s. d.). Neben ihm
find gegenwärtig hauptsächlich als Zeichner thätig:
Ludw. Vechstein, Karl Gehrts, Edmund Harbnrger,
A. Hengeler, Ludw. von Nagel, Emil Reinicke, Rene
Reinicke, Heinr. Schlittgen, Herm. Vogel, Karl Stau-
ber, Fritz Stcub u. a. Von namhaften Künstlern,
die früher auch für die F. V. gearbeitet haben, wä-
ren zu nennen: Moritz von Schwind, Franz Pocci,
Karl Spitzweg, Herm. Dyck, Ferd. Dietz, Friedr.
Lossow, Wilh. Diez. Auch hervorragende Schriftstel-
ler, wie Felix Dahn, Herm. Lingg, Märt. Greif, Ernst
Eckstein u. a. liefern litterar. Beiträge für die F. B.
Außerdem aber arbeitet die ganze deutsche Nation
in zahllosen Einsendungen an dem Blatte mit.
Fliegende Brücken, s. Fähre.
Fliegende Eisenbahnen, s. Transportable
FliegendeFähren, s. Fähre. ^Eisenbahnen.
Fliegende Fische, mehrere Gattungen von
Fischen, welche die Gewohnheit haben, bei Verfol-
gung durch Raubsifche aus dem Wasser zu springen
und mittels ihrer übermäßig großen Brustflossen,
die sie wie Fallschirme gebrauchen, sich längere Zeit
in der Lust schwebend zu erhalten. Sie können nur
vorwärts in gerader Richtung, am liebsten gegen