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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Fontana di Trevi; Fontanafredda; Fontanalia; Fontane; Fontäne; Fontanell

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Fontana di Trevi - Fontanell

Vaticano e delle fabbriche di Sisto V" (Rom 1590). In der Folge richtete er noch drei andere Obelisken an verschiedenen freien Plätzen auf. Auch unter Clemens VIII. unternahm F. verschiedene Bauten, bis man ihn beschuldigte, öffentliche Gelder unterschlagen zu haben. Er verlor 1592 seine Stelle am päpstl. Hofe, erhielt aber einen Ruf nach Neapel. Hier baute er verschiedene Kanäle und den königl. Palast. Sein Plan, einen neuen Hafen bei Neapel anzulegen, wurde erst nach seinem Tode ausgeführt.

Fontana di Trevi, Brunnen in Rom (s. d.); der Fremde, welcher eine Münze hineinwirft, soll der Rückkehr nach Rom sicher sein.

Fontanafredda, Ort im Kreis Pordenone der ital. Provinz Udine, mit (1881) 1021, als Gemeinde 3967 E. Hier siegten die Österreicher unter Erzherzog Johann über Franzosen und Italiener unter Eugen Beauharnais (16. April 1809). Der zurückgekommene Ort war einst Landsitz Theodorichs und der Langobardenkönige.

Fontanalia, s. Fontus.

Fontane, Theodor, Dichter, geb. 30. Dez. 1819 in Neuruppin, besuchte das Gymnasium daselbst und später die Berliner Gewerbeschule. 1840 ging er nach Leipzig, um sich der Chemie zu widmen; seine Neigung führte ihn jedoch allmählich ganz der litterar. Thätigkeit zu. Nach einem kurzen Aufenthalt in England siedelte er 1844 nach Berlin über und trat hier in den "Tunnel" ein, einen litterar. Vereinigungspunkt von Dichtern und Schriftstellern, den er später in dem Buche "Christian Friedrich Scherenberg und das litterar. Berlin von 1840-60" (Berl. 1885) schilderte. 1849 erschienen F.s Balladencyklus "Von der schönen Rosamunde" (2. Aufl., Dessau 1853) und die volkstümlichen Gedichte vom alten Dessauer, Zieten, Seydlitz. 1852 ging er zum zweiten-, 1855 zum drittenmal nach England, kehrte 1859 nach Deutschland zurück und trat bald darauf in die Redaktion der "Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung" ein, an der er 1860-70 thätig war. Nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges folgte er dem deutschen Heere, ward in Domrémy, im Geburtshause der Jeanne d'Arc, gefangen genommen und nach mannigfachen Bedrängnissen auf die Insel Oléron im Atlantischen Ocean abgeführt; erst ein Dekret der Minister Gambetta und Crémieux setzte ihn in Freiheit. Hierauf übernahm er für die "Vossische Zeitung" die Berichterstattung über die Königlichen Schauspiele, die bis 1889 in seinen Händen lag, und war 1876 kurze Zeit erster Sekretär der Berliner Akademie der Künste. Seine lyrischen Arbeiten sind namentlich: "Männer und Helden" (Berl. 1850), "Gedichte" (ebd. 1851; 4. Aufl. 1892), "Balladen" (ebd. 1861; auch enthalten in der 2. bis 4. Aufl. der "Gedichte"). Als feinsinnigen Schilderer von Volkstum und Landschaft bewährte er sich in seinen Reisebildern: "Ein Sommer in London" (Dessau 1854), "Aus England" (Stuttg. 1860), "Jenseit des Tweed" (Berl. 1860), namentlich aber in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" (4 Bde., ebd. 1861-82; 5. Aufl. 1892), durch welche die eigenartigen Reize der märkischen Natur geradezu erst entdeckt wurden. Nicht minder erfreuten sich großen Erfolges seine höchst anschaulichen Kriegsschilderungen: "Der Schleswig-Holsteinische Krieg" (Berl. 1866), "Der Deutsche Krieg von 1866" (illustriert von Burger, 2. Aufl., 2 Bde., ebd. 1871), "Kriegsgefangen. Erlebtes 1870" (ebd. 1871; 2. Aufl. 1892), "Aus den Tagen der Occupation" (2. Aufl., ebd. 1872), "Der Krieg gegen Frankreich" (2 Bde., ebd. 1873-75). Seine Romane und Novellen bewegten sich anfangs mit Vorliebe in der Geschichte Berlins und der Mark: "Vor dem Sturm" (4 Bde., Berl. 1878), "Grete Minde" (2. Aufl., ebd. 1666), "Ellernklipp" (ebd. 1881), "L'Adultera" (Bresl. 1882; 2. Aufl., Berl. 1891), "Schach von Wuthenow" (Lpz. 1883); neuerdings hat er sich mit überraschender Wandlungsfähigkeit und glänzender Sicherheit der detailliert realistischen Darstellung des modernen Lebens zugewandt und dabei Glänzendes geleistet: "Graf Petöfy" (3. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1885), "Unterm Birnbaum" (Berl. 1885), "Cécile" (ebd. 1887), "Irrungen, Wirrungen" (Lpz. 1888; 3. Aufl., Berl. 1892), "Stine" (Berl. 1890; 3. Aufl. 1891), "Quitt" (ebd. 1891), "Unwiederbringlich" (ebd. 1892), "Frau Jenny Treibel" (ebd. 1892). Neuerdings veröffentlichte er noch: "Von vor und nach der Reife. Plaudereien und kleine Geschichten" (Berl. 1894) und "Meine Kinderjahre. Autobiogr. Roman" (ebd. 1894). Eine unvollständige Ausgabe seiner "Gesammelten Romane und Novellen" erschien in Berlin 1890-92 in 10 Bänden.

Fontäne (frz. fontaine), s. Springbrunnen.

Fontanell, auch die Fontanelle (mittellat.), in der Chirurgie und praktischen Medizin ein künstlich gebildetes und unterhaltenes Geschwür auf der Oberfläche des Körpers, welches früher als Heilmittel benutzt wurde. Um ein solches Geschwür zu erzeugen, machte man mittels des Messers oder eines Ätzmittels oder Blasenpflasters oder des Glüheisens eine Wunde in die Haut und legte in dieselbe eine Erbse hinein, um die Wunde am Schließen zu verhindern und in beständiger Eiterung zu erhalten. Um das F. und die umliegende Haut reinlich zu halten, bedeckte man sie mit einem indifferenten Pflaster und dieses mit einer leichten Binde und erneuerte die Erbse täglich wenigstens einmal. Die frühern Ärzte (seit dem höchsten Altertum) schätzten das F. sehr bei chronischen Krankheiten; man glaubte, daß sie den Krankheitsstoff aus dem Körper entfernten oder doch einen gefährlichen Säfteandrang von dem bedrohten Orqan nach der Haut ableiteten. Die neuern physiol. Forschungen haben aber ergeben, daß beides nicht möglich ist und daß jede anhaltende Eiterung verschlechternd auf das Blut zurückwirkt. Daher ist das F. gegenwärtig ganz außer Gebrauch. Ein ähnliches Mittel ist das Haarseil (s. d.).

In der Anatomie bezeichnet man mit Fontanelle die häutigen Zwischenräume zwischen den Ecken der einzelnen Schädelknochen bei dem Embryo und dem neugeborenen Kinde, welche sich meist erst Mitte oder Ende des zweiten Jahres mit Knochenmasse füllen und bis dahin als weiche Stellen des Kopfes leicht fühlbar sind. Die größte derselben, die sog. große oder viereckige Fontanelle oder Vorderhauptsfontanelle (von den Laien auch als Blättchen bezeichnet), liegt vorn über der Mitte der Stirn, in der Scheitelgegend, ist am längsten bemerkbar und läßt, solange sie noch nicht geschlossen ist, deutlich pulsierende Bewegungen des Gehirns wahrnehmen; die hintere oder kleine Fontanelle ist viel kleiner und am Hinterhaupt gelegen, wo sich die Lambdanaht mit dem Ende der Pfeilnaht vereinigt, während die beiden Seitenfontanellen zu beiden Seiten des Kopfes am Ausgang der Schuppennaht zu fühlen sind. Die rechtzeitige Verknöcherung der Fontanellen ist für die normale Entwicklung des Gehirns