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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Forum
streckt; die Vreiteausdehnung ist bedeutend geringer
als die Länge. Nachdem die sumpfige Gegend des
ältesten römischen F. allmählich zugeschüttet worden,
legte der fünfte König Roms, Tarquinius Priscus,
zur völligen Entwässerung des Platzes die (^loaca
inaxiina^an, welche auf dem F. noch jetzt an der
südöstl. ^eite der Na,8ilica ^ulia, sichtbar ist. Der
innere Teil des F., der eigentliche Platz, wurde von
allen Seiten durch Straßen begrenzt (die 8aci-a
Via, welche, von der Höhe der V6iia kommend, durch
den Fabierbogen in das eigentliche F. einmündete,
den Vicu3 lugai-inZ, auch ^nd veteridus genannt,
und den auf die Höhe des Kapitols hinaufführen-
den ^1ivu3 l^MoIinug). Der Länge nach zerfiel
das F. in zwei Hälften: das für Gerichtsverhand-
lungen bestimmte, von Tempeln und öffentlichen
Gebäuden umgebene Komitium (der nordöstl. Teil)
und das F. im engern Sinne für den Handelsver-
kehr und die Volksversammlungen. Dasselbe war
von steinernen Hallen umgeben; hinter denselben
lagen Buden oder Verkaufsläden (1ad6riia6), aus
denen schon frühzeitig die gemeinern Gewerbe, wie
die Fleischer, vertrieben wurden, um den vorneh-
mern, besonders den Geldwechslern (^i-F6iitai-ii)
Platz zu machen. Im Anfang des 2. Jahrh. v. Chr.
wurden allmählich jene Hallen und Läden durch
prächtige, für den Verkehr wie für Gerichtsverhand-
lungen bestimmte Gebäude, die sog. Basiliken, er-
setzt, welche zunächst die Längenseiten des F. ein-
nahmen; die älteste war die 184 v. Chr. erbaute
I^a^ilical'oi'cia, später entstanden dieNa^ilioaOpi-
mia, I^uivia, zuletzt die ^Vomilia und <Iu1ia, welche
an die Stelle älterer Basiliken traten. Die Fora,
auf denen dann der Verkauf von Lebensmitteln
stattfand, tragen bezeichnende Zunamen, fo das
^ormn doai-ium am Tiber, das I^oi'uni 3iiai-iuiii,
pi3cat0i'iuin, oliwi'ium u. f. W.
An das Komitium, auf welchem sich das Tribu-
nal des Prätor Urbanus befand, stieß die Hostilische
Kurie, der regelmäßige Versammlungsort des Se-
nats; an der nordwestl. Seite des F. lag bei dem
Wvu3 (^i)iw1inu8 der Tempel der Concordia, dann
weiterhin der des Saturn mit der Schatzkammer
(Hsrai'inin) und dem Archiv (tadulai-ium) des Staa-
tes; auf der uördl. Seite standen vor der Na8i1ica
ai'AtmtÄi'ia. drei Durchgangsgebäude, ^aui, deren
mittleres (<Ianii3 ni6äiu3) der Ort war, wo vorzugs-
weise Geldgeschäfte gemacht wurden. Die Grenze
zwischen F. und Komitium wurde in älterer Zeit
ungefähr durch die Ro8tra, die Nednerbühne, gebil-
det, die später nach dem obern Ende des F. verlegt
wurde. Seit Julius Cäsar und Augustus verlor
das ^oruin Nomaiiuiii die Bedeutung, die es in der
republikanischen Zeit als Mittelpunkt des röm.
Staatslebens gehabt hatte; aber auf seine Ver-
fchönerung durch angrenzende Gebäude, wie die
Nii8i1ica ^ulia, und durch Denkmäler, deren letztes
die vom Exarchen Smaragdus dem Kaiser Phokas
608 n. Chr. errichtete, noch erhaltene Säule ist, war
man fortwährend bedacht.
Mit weit größerer Pracht waren aber diejenigen
Fora ausgestattet, welche seit Julius Cäsar von
mehrern Kaisern aufgeführt und namentlich zu Ge-
richtsstätten bestimmt wurden. Bei diesen kam es
nicht auf den freien Platz an, der wohl auch ganz
fehlen konnte, sondern auf die Gebäude (Tempel,
welche den Mittelpunkt der ganzen, rings von
Mauern umschlossenen Anlage bildeten, Basiliken,
Hallen). Durch das F. des Julius Cäsar, des
Augustus, des Nerva und das mit der berühmten
^ä'ule (s. Trajanssäule) geschmückte F. des Trajan
entstand allmählich nördlich vom alten F. eine Reihe
der prachtvollsten Bauwerke.
Auch mehrere Ortschaften führen den Namen
F., durch den die Gerichtsbarkeit und Marktgerech-
tigkeit angedeutet wird, und dem gewöhnlich der
Name eines Römers oder ein anderer, näher bezeich-
nender Zusatz hinzugefügt ist, so z. B. ^orum ^.ppii
in den Pontinischen Sümpfen an der Via. ^)pia
(jetzt Treponti); I^oi-uin ^laininii in Ilmbrien an
der Via ^laminia; I^oi-uin Haäiiani bei den Ba-
tavern (jetzt Voorburg); ^ormn ^ulii, das heutige
Fre'jus bei Marfeille und ebenso das heutige Friaul;
I^orum I^ivii, das heutige Forli; I^ornni ^Lnipi'onii
in Umbrien (jetzt Fossomdrone); ^oruin (^oriiklii
(jetzt Imola). Mehrere Orte führen den Namen
I^oruni N0VUN1, andere den Zunamen der Völker-
schaft, in deren Gebiete sie liegen, wie I^oi-um Li-
daloi-uni in Spanien, I^orum (^alloruni zwischen
Mutiua und Bononia (jetzt Castelsranco dell' Emilia),
^orum. s^^iavorimi (jetzt Feurs) in Gallien.
Vgl. Nidby, Del ^oi'o i'oiiiÄno (Rom 1819); Ca-
nina, ^8^081X10116 8toric3. 6 topoZi-aiica. ä6i ^0l0
I-0N13.I10 (2. Aufl. mit Atlas, ebd. 1845): ders., RoinH
ii6i1'anno 1838, Bd. 2 (ebd. 1839); Tocco, Ri-
pri8till^i0ii6 ä6i ^01-01-0INHI10 (ebd. 1858); Reber,
Die Ruinen Roms (Lpz. 1863); Parker, ^1i6 I^oriiin
1^0IN3.I1I1IN ("^i-e1iH6oi0F^ 0k 1l0M6", Bd. 2, Lond.
1876); Jordan, Kapitol, F. und 8^ci-a. via. in Rom
(Berl. 1881); Hülsen, Rekonstruktion des ^oruiu
Iloniaimin (Rom 1892).
In der jetzigen Rechtssprache bezeichnet F. die
Amtsstelle, die für die Erledigung eines Prozesses
zuständig ist. (S. Gerichtsstand.)