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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frankreich (Industrie)

verteilten und von welchen 130273 Pferdestärken im Dienste des Bergbaues, 167584 im Dienste der metallurgischen Industrie, 88932 in dem der Agrikultur, 106167 in dem der Nahrungsmittelindustrie standen und 172999 in den textilen Zweigen, 91416 im Baufache, 42323 in der chem. Industrie, 37632 in der Papier-, Möbel- und Instrumentenfabrikation, endlich 25681 im öffentlichen Dienste benutzt wurden. Die Zahl der Lokomotiven betrug 9832 mit 3656577 Pferdestärken. Insgesamt waren (1891) in Betrieb über 87000 Kessel und mehr als 70000 Maschinen mit 5362000 Pferdestärken. Für 1889 wird der Produktionswert der gesamten Industrie auf 12 Milliarden Frs. geschätzt, wovon 5030 Mill. auf die Textil- und Bekleidungs-, 3015 auf die Nahrungsmittelindustrie, 1890 auf Baugewerbe und öffentliche Arbeiten, 890 auf die chem. und 886 auf die metallurgische Industrie entfallen.

Unter den einzelnen Zweigen der Industrie kommt an Bedeutung keiner der Textilindustrie gleich (6147 Betriebe), deren Produktion auf 3 Milliarden geschätzt wird. Davon entfallen 1200 Mill. auf Woll-, 500 Mill. auf Seiden-, 600 Mill. auf Baumwoll- und endlich 350 Mill. Frs. auf die Hanf-, Leinwand- und Jutemanufaktur. Als wichtigster Zweig der Textilbranche ist die Seidenindustrie hervorzuheben, in welcher F. unter allen Ländern den ersten Rang einnimmt. Der Verbrauch an roher Seide (1887: 4,2 Mill. kg), der sich in den letzten Jahren fast immer gleich geblieben ist, verlangt gegenüber der Produktion (1890 etwa 650000 kg, hergestellt in 1400 Rohseidenfabriken durch 45500 Arbeiter) eine bedeutende Einfuhr von Cocons roher und filierter Seide (s. unten die Tabelle, S. 68 b). 1885 gab es: 1172 Spinnereien und Webereien mit 68100 Arbeitern, 1084000 Spindeln und 50500 mechan. Webstühlen, während die Zahl der Handwebstühle 55500 betrug. Letztere stehen hauptsächlich (über die Hälfte) im Depart. Rhône; die mechan. Weberei ist dagegen vorzugsweise in den Depart. Loire und Nord verbreitet, und die meisten Rohseidenfabriken finden sich in Ardèche, Loire, Isère und Gard. F. allein fabriziert mehr Seidenwaren als alle übrigen Länder Europas. Die franz. Seidenwaren zeichnen sich vor allem durch Feinheit des Geschmacks und vollendete technische Ausführung aus. Der Wert der Ausfuhr belief sich 1892 auf 254,06, der der Einfuhr auf 60,5 Mill. Frs.

In der Schafwollindustrie zählte man 1885: 3266000 Spindeln, 46300 mechan. Webstühle und 112000 Arbeiter in 1882 Etablissements. Sie ist am meisten entwickelt in den Depart. Nord (293 Manufakturen), Ardèche (231), Tarn (146), Marne (98), Aisne (45), Seine-Inférieure (52) und Somme (50). Die Zahl der Handstühle betrug 1873 noch 60000, hat sich aber bis 1885 auf 30000 vermindert. Der Einfuhr von Schafwollgeweben im Werte von 64,7 Mill. Frs. stand 1885 eine Ausfuhr von 329,5 Mill. Frs. gegenüber. Einen besondern Ruf haben die Tuche und Streichgarngewebe von Elbeuf, Sedan und Louviers, die Kammgarn- und Damenkleiderstoffe von Le Câteau-Cambrésis, Rouen, Reims, Tourcoing und Roubaix und die Shawls von Paris, Nimes und Lyon. Schließlich nimmt F. in der Verfertigung von Kunstteppichen (Gobelins und Savonnerieteppichen) die erste Stelle unter den europ. Ländern ein; Mittelpunkte derselben sind Paris, Aubusson und Beauvais. Die einheimische Wollproduktion reicht für den Bedarf bei weitem nicht aus; es werden noch (1891) 195,08 Mill. kg (meist aus Argentinien, Australien und dem Kapland) eingeführt, von welchen jedoch 41,83 Mill. wieder ins Ausland gehen. Obgleich F. also die Rohwolle nur in geringer Menge besitzt, übertrifft es in der Erzeugung von Wollwaren alle andern Länder des Kontinents. 1892 belief sich die Einfuhr von Wollwaren auf 62,19, die Ausfuhr auf 341,92 Mill. Frs.

Die Baumwollindustrie wurde 1773 zuerst in Amiens eingeführt und hat seit dieser Zeit einen gewaltigen Aufschwung genommen. 1888 waren 727 Fabriken mit 51720 maschinellen Pferdestärken, 103000 Arbeitern und 4,8 Mill. Spindeln, ferner 70000 mechan. und 33000 Handstühle (1873 noch 83000) in Betrieb. Die Hauptsitze sind die Depart. Nord, Seine-Inférieure, Vosges, Eure und Aube. Als Hausindustrie wird sie hauptsächlich noch in den Depart. Rhône, Somme, Aisne, Orne, Loire und Isère betrieben. Die Einfuhr von Baumwolle (1892 für 232,5 Mill. Frs.) ist bedeutend angewachsen. Die Einfuhr von Baumwollgeweben belief sich im Specialhandel 1892 auf 35,5, die Ausfuhr dagegen auf 98,26 Mill. Frs.

Von der größten Bedeutung ist in F. auch die Leinenindustrie, welcher sich die Hanf- und Jutemanufaktur anschließt. Mittelpunkte für die Flachsspinnerei sind die Städte Amiens und Lille, für Hanfspinnerei Mézidon (Calvados) und Angers, für Jutegespinste Ailly (Somme) und Dünkirchen. Die Leinweberei wird namentlich in Lille, Cambrai, Valenciennes und Armentières betrieben; Hanfstoffe liefern besonders Dünkirchen und Angers, Jutegewebe einige nördl. Departements. In diesen Industriezweigen wurden (1888) 350 Etablissements mit 62000 Arbeitern, 23905 maschinellen Pferdestärken, 611000 Spindeln, 18000 Kraft- und 22000 Handstühlen gezählt, wovon allein auf das Depart. Nord 300 Etablissements, 89000 Arbeiter, 445000 Spindeln, 11700 Kraft- und 6450 Handstühle entfallen. Der Gesamtkonsum an Rohstoffen beläuft sich etwa auf 2100000 Ctr. Die Einfuhr betrug 1892 an Leinwaren 7,27, an Jutewaren 1,90, die Ausfuhr 10,01 und 5,37 Mill. Frs. Die Weiterverarbeitung der Webstoffe ist in hohem Grade entwickelt, und hier kommt der franz. Industrie sehr zu statten, daß Paris noch heute der ganzen Welt die herrschende Moderichtung diktiert, sowohl was die Stoffe selbst, deren Farben und Muster, als auch deren Façon und Bearbeitung betrifft. Auch in der Spitzenfabrikation haben sich verschiedene Bezirke und Orte europ. Ruf erworben. Solche sind die Depart. Orne (Alençon), Calvados (Bayeux und Caen), Nord (Valenciennes und Lille), Oise (Chantilly), Pas-de-Calais (Calais und Arras), Haute-Loire, Puy-de-Dôme und Cantal, ferner die Städte Paris, Lyon, St. Quentin u. s. w. Die Posamentenfabrikation wird vorzugsweise in Paris, Lyon, St. Etienne, Nimes, Amiens und Nantes betrieben.

Der Maschinenbau leistet Bedeutendes; die größte Zahl Maschinen wird in Paris (Nähmaschinen), Lille, Lyon, Rouen und St. Etienne gefertigt. Letzteres liefert auch Sensen und Waffen von bester Qualität. Die feinen, durch geschmackvolle Ausführung bekannten Gold-, Silber- und Juwelenarbeiten, die echten und unechten Bijouterie-, ferner die Bronzeartikel werden namentlich in Paris fabriziert und gehen von da