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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Französische Kunst

Bruant, L'Assurance, Boffrant, Cotte, Briseux und zahlreiche andere bauten ihre großen Façaden mit einer zwar vielfach etwas lässiger werdenden Strenge, entwickelten dafür aber im Innern die eigenwilligste Rokokodekoration, wie sie durch Oppenord und Meissonier vorzugsweise angeregt und von Boucher und Watteau malerisch unterstützt worden war. Hardouins Invalidendom und Schloßkapelle zu Versailles charakterisieren den Kirchenbau dieser Zeit, der zwar von weltlicher Haltung, doch von großer Feinheit ist. Die Schlösser jener Zeit, das von Hardouin erweiterte Versailles, das Palais Bourbon von Giardini, die Schlösser zu Straßburg von Cotte, Lunéville von Boffrant, Nancy von Héré und zahlreiche Hotels geben von diesem Zwiespalt Kenntnis, während eine Fülle von glänzenden Einrichtungen, namentlich im Palais Rohan (jetzt Nationalarchiv), Banque de France, in Versailles, Fontainebleau, Trianon u. a. O. sich die Rokokogebilde erhielten. Abermals wurde die franz. Baukunst maßgebend für die ganze Welt: es gelang ihr, die von den Italienern durch die Renaissance erlangte Vorherrschaft wieder völlig an sich zu reißen und über ein Jahrhundert lang zu behaupten.

Den Sieg des Klassicismus (Style Louis-seize) führte Servandoni durch seinen Entwurf für die Kirche St. Sulpice herbei (1732). Unter dem Einfluß der Frau von Pompadour und der damals entdeckten antiken Baureste von Pompeji kam schon mit den fünfziger Jahren ein Rückschlag gegen die Rokokodekoration. Gabriels Bauten (Trianon, Garde-Meubles zu Paris) leiteten zu der streng antiken Richtung über, zu welcher Englands Palladianismus (s. d.) die Anregung gab. Alle vom Rokoko noch herstammenden Umbildungen der Façadenmotive wurden zu Gunsten einer wachsenden Eintönigkeit aufgegeben. Contant d'Yvri und Soufflot, ersterer mit dem Plan zur nicht ausgeführten Kirche Ste. Madeleine, dieser mit Ste. Geneviève (jetzt Pantheon; s. Taf. II, Fig. 1), führten zu jener vollkommenen Strenge über, weiche die Revolutionszeit kennzeichnet (Style Messidor). Gondouin (Ecole de Chirurgie), Chalgrin (Kirche St. Philippe du Roule), Clérisseau hatten diesen schon unter Ludwig XVI. verbreitet. Er erhielt sich, zu steigender, aber stets leerer und ruhmrediger Prachtentfaltung gelangt, während des ersten Kaiserreichs (Style Empire), wo er in Percier und Fontaine, Chalgrin (Arc de l'Etoile; s. Taf. II, Fig. 8), Vignon (Umbau der Madeleinekirche; s. Taf. II, Fig. 6 u. 7) für Paris, in d'Yxnard (Schloß zu Koblenz), Grandjean de Montigny (Museum zu Cassel), Montferrand (Isaakkirche zu St. Petersburg) für das Ausland arbeitende Künstler fand, sodaß der Geschmack von Paris wieder in einer selbst die großen Erfolge unter Ludwig XIV. übersteigenden Weise Europa beherrschte. Die antike Richtung erhielt sich auch noch bis in das zweite Kaiserreich, wie z. B. Normands Villa für den Prinzen Jérôme Napoleon beweist. Sie erfuhr aber auch von einigen Architekten eine Fortbildung zu modernerer Beweglichkeit und Vielgestaltigkeit (Style Néo-grec), welche in den Werten des Labrouste (Bibliothek Ste. Geneviève), Duc (Palais de Justice) ihre schönste Ausbildung erlangte. Dagegen trat seit den dreißiger Jahren die romantische Schule mit in Wettbewerb um die Gunst und brachte somit in das Schaffen einen Zwiespalt, der erst in neuerer Zeit überbrückt wurde. Die franz. Architekten beteiligten sich lebhaft an der Erforschung der alten Kunstwerke, König Ludwig Philipp und die folgenden Regierungen gaben ihnen durch Wiederherstellung der während der Revolutionszeit zerstörten Bauwerke Gelegenheit zu reproduzierender Thätigkeit. Die Vollendung des Louvre (s. Taf. II, Fig. 12) und der Tuilerien durch Visconti und Lefuel führte diese der nationalen Renaissance zu; Lebas, Hittorff suchten bei den Kirchen Notre-Dame de Lorette und St. Vincent de Paul die Basilika klassisch durchzubilden; Duban, Gau, Ballu, Baltard pflegten die Renaissance in ihren verschiedenen Abstufungen, blieben aber auch der Gotik nicht fern, welche Vaudoyer (Kathedrale zu Marseille), Viollet-le-Duc (Erneuerung von Notre-Dame zu Paris), Lassus u. a. in begeisterter Wiederaufnahme der nationalen Kunst des 13. Jahrh. auf ihre Fahne schrieben.

Während die Baukunst unter Napoleon III. das Bild einer bunten Zerrissenheit giebt, während die einzelnen Schulen mit Eifer oft in unduldsamer Weise über den Wert der alten Stile für die neue Zeit kämpften, hat sich in neuerer Zeit eine größere Befreiung von den alten Vorbildern und zugleich ein entschiedeneres Streben geltend gemacht, Neues und für unsere Zeit Eigenartiges zu schaffen. Schon in Garniers neuem Opernhaus (s. Tafel: Pariser Bauten, Fig. 3, beim Artikel Paris), dann im neuen Stadthaus von Ballu und Deperthes (s. Tafel: Rathäuser II, Fig. 2), im Trocaderopalast von Davioud und Bourdais, in zahlreichen neuern Werken von Questel, Lalande, Boeswillwald, Abadie, Vaudremer, Corroyer u. a. tritt die neue Kunst in wechselnden Stilformen, doch geschlossen in der eigenartigen Gesamtbehandlung dem Beschauer entgegen, und zwar als eine solche, die den Keim zu einer großartigen Fortentwicklung unverkennbar in sich trägt und immer mehr in der baukünstlerischen Darstellung der die Nation beherrschenden Gedanken fortschreitet.

Vgl. Viollet-le-Duc, Dictionnaire raisonné de l'architecture française du XI<sup>e</sup> au XVI<sup>e</sup> siècle (10 Bde., Par. 1854-69); H. Revoil, Architecture romane du midi de la France (3 Bde., ebd. 1867-73); Gonse, L'art gothique (ebd. 1890); Dehio und von Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes (Stuttg. 1884 fg.); Berty, La renaissance monumentale en France (2 Bde., Par. 1864); Sauvageot, Palais, châteaux etc. de France du XV<sup>e</sup> au XVIII<sup>e</sup> siècle (4 Bde., ebd. 1860-65); Palustre, La renaissance en France (ebd. 1879 fg.); Lübke, Geschichte der Renaissance in Frankreich (2. Aufl., Stuttg. 1885); Du Cerceau, Les plus excellents bastiments de France (neue Aufl. von Destailleur, 2 Bde., Par. 1873); Blondel, Architecture françoise (Bd. 1-4, ebd. 1752-56); Gurlitt, Geschichte des Barockstils, des Rokoko und des Klassicismus, Bd. 2 (Stuttg. 1888); Barqui, L'architecture moderne en France (Par. 1865-71); Rouyer, L'art architectural en France depuis François I^{er} jusqu'à Louis XIV (2 Bde., ebd. 1859-60); C. Daly, L'architecture privée au XIX<sup>e</sup> siècle (3 Bde., ebd. 1860-77).

2) Bildnerei. Von kelt. Skulpturen ist in Frankreich soviel wie nichts übrig. Die Altäre, Cippen, Sarkophage u. s. w. der gallisch-röm. Zeit sind von fabrikmäßigem Machwerk, das bei den Skulpturen der fränk. Periode völlig verwildert erscheint. Die franz. Bildnerei des roman. Stils zeigt zwei sehr verschiedene Typen der menschlichen Gestalt; der eine erscheint als Nachklang der Antike, kurz und rund; der andere mit parallelen Falten der Gewän-^[folgende Seite]