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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Französische Revolutionskriege
angegriffen und nach Frankenthal verfolgt, am 14.
nach hartnäckigem Kampfe nach Mutterstadt zurück-
geworfen und am 17. hinter der Qucich bei Lingen-
feld nochmals gefchlagen, wodurch feine Verbindung
mit Iourdan, dessen Vorhut (Marceau) feit dem
11. Nov. an der Nahe durch Wartenslebcn festge-
halten wurde, verloren ging. Mitte Dezember ver-
fuchte sich Pichcgru über Kaiserslautern dem Heere
Ionrdans zu nähern, wurde aber 13. und 18. Dez.
zurückgewiesen und muhte nach Zweibrücken zurück-
gehen. Auch Marccau war von Wartcnsleben bei
Kreuznach geschlagen worden und an die Mosel zu-
rückgegangen, wo inzwischen Iourdan mit 40000
Mann eingetroffen war und bei Simmcrn Stellung
genommen hatte, die er jedoch nach einem unglück-
lichen Gefechte Marceaus (8. Dez.) an der Glan
wieder räumte. Iourdan eröffnete 18. Dez. Ver-
handlungen mit Clerfayt, die zu Ende des Jahres
zmn Abschlüsse eines Waffenstillstandes führten.
Die beiden für das ital. Kriegstheater bestimm-
ten franz. Heere lagerten, 45000 Mann stark, zu
Anfang des Jahres 1795 in der Dauphins, Sa-
voyen, Nizza und der Niviera. Den Oberbefehl
über sie übernahm im Frühjahr Kellermann und
ließ die Stellungen auf dem Kamme des Gebirges
fowie an der Niviera verschanzen. Doch mußte er
Truppen nach Lyon und Toulon abgeben, wodurch
sein Heer ans 30000 Mann sank. Die Verbün-
deten unter de Vins standen bei Alesfandria, Acqui,
Voghera und Tortona, die Piemontesen bei Aosta
und Eusa. Um Mitte Mai war das Heer 52000
Mann stark, darunter 31000 Österreicher, doch
kamen für den Gebirqskrieg nur 42000 Mann da-
von in Betracht. Ein Korps der Verbündeten
drang 20. Juni aus dem Lager von Carcare in
die Niviera ein, nahm bis zum 25. mehrere feste
Posten fort und wies am 27. einen Angriff Maf-
stnas auf Settepani zurück, worauf Kellermann
von Vado über Finale nach Loano zurückging. Ein
Korps der Verbündeten, deren Hauptquartier nach
Savona verlegt wurde, erreichte 7. Juli Finale,
doch trat dann eine Paufe in den Operationen an
der Niviera ein, weil die 20. Juni zur Deckung der
rechten Flanke vom obern Tanaro aus unter Colli
entfendete Seitenkolonne nicht genügende Fortschritte
gemacht hatte. Colli hatte 27. Juni vergeblich den
Col di Tenda und Col dei Termini angegriffen,
6. Juli den San Vcrnardo besetzt und sich auf den
kleinen Krieg beschränkt. Auch die engl. Flotte un-
ter Admiral Hotham und Kommodore Nelson lag
ziemlich unthätig bei Corsica und unterbrach nicht
einmal die Verbindung der Franzosen mit Genua;
ja franz. Kaper griffen ungestraft die für das ver-
bündete Heer an der Niviera bestimmten Seetrans-
porte an. Am 2. Aug. zersprengten die Franzosen
im Tineathal eine von Colli dorthin gesendete
piemont. Kolonne und schlugen 2l. Aug. abermals
am Col di Tenda einen Angriff ab, auch trafen zu
Ende des Monats bei Kcl'lermann 15 000 Mann
Verstärkungen ein. Die Österreicher besetzten zwar
15. Sept. den Sambuccoberg, wurden jedoch am
19. nach dreimaligem Sturme auf die befestigte
Nocca-Curvaira mit großem Verluste abgewiefen.
Als dann im Oktober durch Schnee und Ncgen-
güsse die Operationen in den Alpen und im Apen-
nin ihr Ende fanden, hatten die Truppen der Ver-
bündeten sehr gelitten, weshalb Baron de Vins in
der Nivicra Winterquartiere beziehen ließ: er hatte
5oN 25000 Mann. Auf fmttz. Seite verfügte man
nach dem Eintreffen weiterer Verstärkungen über
81000 Mann, die in zwei Armeen geteilt wurden;
die ital. Armee (60000 Mann) führte Scherer, die
Alpenarmce (21000 Mann) Kellcrmann. Colli
stand mit 12 000 osterr.-piemont. Truppen im Apen-
nin. Echerer fchritt im November gegen Erwarten
des Barons de Vins zum Angriff. Eine 11. Nov.
von einer kleinen Abteilung Franzofen bei Voltri,
im Nucken der Österreicher, unternommene Landung
mißglückte zwar, doch mußte 17. Nov. der Sambucco
geräumt werden; der Posten Vallestrino wurde von
den Franzosen an demselben Tage erstürmt, aber
von den Österreichern wieder genommen. Graf
Wallis übernahm, da de Vins erkrankte, den Be-
fehl über das Heer der Verbündeten. Am 23. rückte
Schercr mit 42000 Mann in drei Kolonnen gegen
die verfchanztc Stellung in der Niviera vor, nahm
den Posten La Dondella, die Nocca-Varbena, Bardi-
netto und den Monte-Scttcpani, während franz.
Schiffe Loano und den Montc-Castellaro beschossen.
Graf Wallis ging nach Finale zurück und erreichte
auf der Küstenstraße 25. Nov. Vado und tags dar-
auf Acqui. Am 28. mußte Colli den San Ver-
nardo räumen und nach Ceva zurückgehen. Mitte
Dezember bezogen beide Heere Winterquartiere, die
Franzofen in der Niviera, Colli bei Asti und Savi-
gliano, Wallis bei Acqui, Alessandria, Tortona,
Voghera sowie in der Lombardei.
Im 1.17W wurden an: Nhein erst in: Juni die
Operationen eröffnet. Die kaiferl. Truppen hatten
zunächst auf dem linken Nheinufer vor Mainz und
Mannheim verschanzte Lager angelegt; 21. Mai
wurde der Waffenstillstand gekündigt. Am Ober-
rhein befehligte Graf Wurmfer 83000 Mann, dar-
uuter 22000 Nciter, die bei Kaiferslautern fowie
auf dem rechten Stromufer von Hüningen bis
Mannheim ftanoen. Am Niedcrrhein stand Erz-
herzog Karl mit 113000 Mann, darunter 20 400
Neiter; er hatte 65 000 Mann auf dem linken Nhein-
ufer vor Mainz und 21000 Mann unter dem Prin-
zen von Württemberg rechts des Stroms an der
Sieg und Lahn stehen, der Nest seiner Truppen lag
in Mainz, Ehrenbreitstein, Königstein und Frank-
furt a. M. in Garnifon. Auf frauz. Seite befehlia-
ten Iourdan 70000 Maun, daruutcr 11000 Neitcr
(^ambre- und Maasarmee), die auf dem linken
Stromufer von St. Wendel bis Düsfeldorf hin ver-
teilt waren, und Moreau 78500 Mann, darunter
6500 Neitcr (Nhein- und Mofelarmee), die von
Hüningen bis Homburg ebenfalls auf dem linken
Nheinufer standen. Der linke Flügel Jourdans
(Kleber) ging 31. Mai bei Mülheim über den
Nhcin, am folgenden Tage über die Sieg, nahm
4. Juni Altenkirchen und schloß Ehrcnbreitstein ein;
der Prinz von Württemberg stand hinter der Lahn
uud gab den Befehl über fein inzwifchen auf 24000
Mann verstärktes Korps an den Grafen Wartens-
leben ab. Iourdan lieft nur wenige Truppen an
der Nahe stehen (Marceau) und führte feine Haupt-
macht bei Bonn und Neuwicd ebenfalls auf das
rechte Nheinufer. Der Erzherzog Karl und Wurm-
ser hatten in den ersten Tagen des Juni 25000
Mann durch Tirol nach Italien senden müssen, weil
dort die Kriegolage inzwischen eine für die Verbün-
deten sehr ungünstige geworden war (vgl. weiter
unten), und beschränkten sich deshalb auf die Ver-
teidigung. Der Erzherzog ging hinter die Glan
zurück, ihm folgte Marceau nach. Wurmfer gab
die Stellung bei Kaiserslautern a.uf und marschierte