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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fraunhofersche Linien - Frayssinous
starb aber schon 7. Juni 1826 in München. Dort
wurde ihm ein Erzbild errichtet.
F. hat sich um die Verbesserung der Fernrohre
und anderer optischer Instrumente die größten Ver-
dienste erworben. Zunächst erfand er eine Maschine
zum Polieren großer, mathematisch genauer Kugel-
flächen, dann begann er 1811 Flintglas zu bereiten,
das in allen Schichten dasselbe Vrechungsver-
mögen besaß und das englische an Güte und
Brauchbarkeit für optische Zwecke weit übertraf.
In den 1.1814-17 wurden von ihm die firen
dunkeln Linien des Spektrums zuerst genau be-
stimmt und zur Messung der Refraktion und Dis-
persion seiner Glasflüsse benutzt; sie heißen noch
heute nach ihm die Fraunhoferschen Linien
(s. d.) und haben durch die Spektralanalyse große
Wichtigkeit erlangt. Er entdeckte ferner die Veu-
aungsspektren, d. h. vollkommen homogene
Farbenspektra, die ohne Prismen und nur durch
die gegenseitige Einwirkung und Beugung der Licht-
strahlen entstehen, und leitete die darauf bezüg-
lichen Gesetze ab. Außerdem erfand und verbesserte
er mebrere Instrumente, wie das Heliometer, das
zum Messen im absoluten Maße bestimmte achro-
matische Mikroskop, das Kreis- und Netzmitro-
meter, das repetierende Lampenfilarmikrometer, den
parallaktischen Refraktor u. s. w. Nnter den In-
strumenten, die aus seiner Werkstätte hervorgingen,
ch der Riesenrefraktor zu Dorpat (1824) eins der
besten und schönsten. Seine Beobachtungen legte F.
teils in den "Denkschriften" der Bayrischen Akademie,
teils in Gilberts "Annalen der Physik" sowie in
Schumachers "Astronomischen Nachrichten" nieder.
Seine "Gesammelten Schriften" gab Lommel heraus
(Münch. 1888).
Nach F.s Tode ging die Direktion des optischen
Instituts auf Georg Merz, geb. 26. Jan. 1793
zu Vichl bei Benediktbeuern, über, der bereits feit
1818 als Werkführer in demselben gearbeitet hatte.
1830 ward Merz mit Joseph Mahler (geb.
12. Aug. 1795 zu Staufen im Allgäu) Teilhaber
und 1839 Eigentümer des Instituts. Nach Mahlers
Tode (21. Juni 1845) gelangte es in den alleinigen
Besitz von Merz, der es feitdem in Gemeinschaft mit
seinen Söhnen Lndwig (geb. 31.März 1817, gest.
16. März 1858 zu München) und Siegmund (geb.
6. Jan. 1824), seit 1858 unter der Firma "G. und
S. Merz" fortführte. Unter Merz' Leitung lieferte
das Institut unter anderm die großen Refraktoren
für Berlin, Bogenhausen bei München, sür Pul'
kowa und Cambridge in Nordamerika. Nach dem
Tode von Georg Merz (12. Jan. 1867) ging das
Institut auf feinen Sohn Siegmund über, welcher
in neuerer Zeit sich namentlich mit der Verbesserung
der Objektive des Mikroskops und mit der weitern
Zerlegung der Fraunhoferschen Linien beschäftigt
hat. - Vgl. S. Merz, Das Leben und Wirken F.s
(Landsh. 1865); Utzschneider in den "Astronomischen
Nachrichten" (Bd. 5); Iolly, Rede (Münch. 1866):
Voit, Joseph von F. (ebd. 1887).
Frautthofersche Linien, dunkle Linien im
Sonnenspcktrum, die den im Sonnenlicht fehlenden
Lichtarten entsprechen. Sie dienen zur genauen
Bestimmung der Brechungsexponenten und der
Wellenlängen der im Spektrum nächst angrenzen-
den Lichtarten. (Näheres s. Spektrum.)
rrans (lat.), Betrug.
Franstttdt. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Posen, hat 479,59 <i^m, (1890) 28150 (12882
münnl., 15268 weibl.) E., 2 Städte, 47 Land-
gemeinden und 29 Gutsbezirke. - 2) F., poln.
^Leiiong., Kreisstadt im Kreis F., 25 km im NO.
von Glogau, 11 Km von der schles. Grenze, an der
Linie Lissa-Glogau der Preuß.
Staatsbahnen,insiacher,frucht-
barer Umgebung, mit zahlrei-
chen Gärten in der Stadt, be-
steht aus der Alt- und der von
geflüchteten evang. Schlesiern
um 1650 begründeten Neustadt.
F. ist Sitz des Landratsamtes,
eines Amtsgerichts (Landge-
richt Lissa) und Steueramtes,
hat (l.890) 6873 E., darunter 2769 Katholiken und
288 Israeliten, Post erster Klasse, Telegraph; königl.
Gymnasium, verbunden mit Realgymnasium, 1811
als königl. Kreisschule gegründet, 1860 Realschule
erster Ordnung, 1882 Realgymnasium, 1890 Gym-
nasium (Direktor Dr. Friebe, 15 Lehrer, 7 Klassen,
164 Schüler), höhere Mädchenschule, kath., evang.
und israel. Volksschule, landwirtschaftliche Winter-
fchule, je 2 evang. und 2 kath. Kirchen, neues Rat-
haus (1862) mit altem Turm, Waisenhäuser und
Hospitäler, ein Rettungshaus, eine Meteorolog.
Station zweiter Ordnung, städtische und Kreisspar-
kasse, Vorschuhverein; Zuckerfabrik fowie Handel
mit Getreide, Pelzen, Vieh und Wolle. - Bekannt
ist F. durch den Sieg der Schweden unter Renskiöld
13. Febr. 1706 über die Sachsen und Russen unter
SchulenburZ.
Frauwnllesheim, Dorf bei Düren (s. d.).
Fraxetm, s. Frarin.
Fraxm, ^i^^Oi", ist ein in Nadeln krystalli-
sierendes Glykosid in der Rinde von I>axiuu8 ex-
c6l8ior ^. Bei der Spaltung mit Säure liefert es
Zucker und Fraxetin, (^HgOZ.
rra.xinns (lat.), die Esche (s. d.).
Fray Bentos, auch Independencia, Stadt
im Departamento Rio Negro der Republik Nru-
guay, links am Uruguay, 1859 gegründet, ist be-
kannt durch die von Gilbert aus Hamburg 1864
angelegten Anstalten zur Gewinnung des Liebig-
schen Fleischertrakts (s. d.). Mit den großen Schlacht-
häusern sind Schneidemaschinen, Anlagen zur Talg-
gewinnung, zum Einsalzen der Häute, Herstellung
der Blechbüchsen und zur Verpackung verbunden.
Der ganze Betrieb (Aktiengesellschaft) ist fabrik-
mäßig und beschäftigt über 1000 Ardeiter.
Frayssinous (fpr. fräßinüß oder -nuh), Denis,
Graf von, franz. Prälat und Politiker, geb. 9. Ma:
1765 zu Curiöres in der Gascogne, war Geistlicher
an der Karmeliterkirche in Paris, wurde dann unter
Napoleon I. Generalinfpektor der Akademie von
Paris und erhielt ein Kanonikat bei der Kirche von
Notre-Dame. Er predigte nun zu St. Sulpice, bis
ihm dies 1809 seiner royaliftischen Gesinnung
wegen untersagt wurde. Nach der Restauration
wieder im Besitz seiner Kanzel, bekämpfte er eifrigst
alle nichtroyalistischen Ansichten und wurde zum
Censor ernannt. 1816 wurde er erster Almosenier
und Hosprcdiger Ludwigs XVIII., dann Bischof iu
1M-tidii8 von Hermopolis, Großoffizier der Ehrell-
legion, Graf und Pair; auch stellte man für ihn
die Würde eines Großmeisters der Universität Paris
wieder her. 1824 wurde ihm das neuerrichtete
Ministerium des Kultus übertragen; in dieser Stel-
lung begünstigte er die Jesuiten und die Kongrega-
tionen. Nachdem er 1828 zugleich mit Villele das