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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Freie Kirche im Freien Staate - Freies Deutsches Hochstift
va1vH8M'68, seit dem 12. Jahrh. caMaußi genannt
wurden), also die Dynasten (s. d.) einschließlich der
Grafen und der Prälaten, soweit letztere nicht Für-
sten waren. Die deutschen Kaiser Wilhelm von Hol-
land, Rudolf I., Adolf von Nassau und.Heinrich VII.
waren vor ihrer Wahl F. H. (S. Freiherr.)
Freie Kirche im freien Staate (ital. Olnes^
lidera in iidei-0 st^to), letztes Wort Cavours (s. d.)
und Losungswort seiner parlamentarischen An-
hängerschaft, der Consorteria, wurde trotz des er-
bitterten Widerspruchs der Kurie durch Einziehung
des Kirchenstaates und Erlaß des Garantiegesetzes
(s. d.) wenigstens annähernd verwirklicht.
Freie Magen nennt man heute im Gegensatz zu
den strengen Klagen (couäictioueg oder actione^
Ltricti ^ri8) diejenigen, bei denen dem Richter im
röm. Prozeß ein freieres Ermessen durch die Formel
(1. Formularprozeh) eingeräumt war, sodaß er z.B.
die I^xceptio äoli (s.Uxcoptio) berücksichtigen durfte,
auch wenn dieselbe nicht in der Formel stand. Der
Richter sollte zu dem verurteilen, was der Beklagte
nach Treu und Glauben (aetioneg donas ricl^i)
oder was er nach billigem Ermessen (action68 ai-ki-
ti'3,riN6) zu leisten habe.
Freie Künste (lat. ^-t63 lidm-alos, iu^emmo
oder douae) nannten die Alten diejenigen Kenntnisse
und Fertigkeiten, die zu dem Unterrichte des Freien
gehörten und die man eines freien Mannes wür-
dig erachtete, im Gegensatz zu den Beschäftigungen
der Sklaven, den 9,it68 illideiHie^, worunter man
meist mechan. Arbeiten verstand. Gewohnlich zäblt
man sieben F. K., nämlich Grammatik, Arith-
metik, Geometrie, Musik, Astronomie, Dialektik und
Rhetorik, von denen meist die ersten drei in den
Schulen des Mittelalters das Trivium, die letz-
tern vier das Quadrivium genannt wurden, wäh-
rend andere die Grammatik, Dialektik und Rhetorik
zum Trivium, die andern Künste zum Quadrivium
rechnen. Das Trivium wurde in den danach be-
nannten Trivialschulen oder Elementarschulen ge-
lehrt, während das Quadrivium nur in höhern Lehr-
anstalten Gegenstand des Unterrichts zu sein pflegte.
Auf den Universitäten waren beide vereinigt in der
philos. Fakultät, der sog. ^acnitas artium oder I^a-
eu1t3.8 3.1'tium lidoraiiuin, Artistenfakultät.
Freienwalde. 1) F. an der Oder, Kreisstadt
im Kreis Ober-Varnim des preuß. Reg.-Bez. Pots-
dam, 45 kni im NO. von Berlin, 2 kin von der
alten Oder, am schiffbaren Landgraben, der F. mit
dem Finowkanal verbindet, und an den Linien Frank-
furt a. O.-Angermünde und Berlin-F. (64,3 km)
der Preuh. Staatsbahnen, in 17 in Höhe, in einer
der anmutigsten Gegenden Norddeutschlands, am
bergigen Rande des Oderbruchs, ist Sitz des Land-
ratsamtes für den Kreis Oberbarnim, eines Amts-
gerichts (Landgericht Prenzlau), Steueramtes und
einer Oberförsterei und hat (l890) 7259 E., darunter
177 Katholiken und 80 Israeliten, Postamt erster
Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, ein vom Großen
Kurfürsten erbautes Lustschloß mit engl. Garten-
anlagcn, ihm gegenüber auf einem Hügel ein
Kriegerdenkmal, außerdem ein Denkmal (Obelisk
mit Reliefbildnis) des Volksdichters Karl Weise:
ein königl. Gymnasium, 1868 gegründet (Direktor
I)r. Braumann, 13 Lehrer, 8 Klassen, 195 Schüler),
höhere Mädchenschule, Knabenmittel- und Mädchen-
schule, Kreditverein; Ziegelbrennerei, Wasserglas-
fabrik und Vraunkohlenlager. F. ist seit 1683 be-
kannt durch )e':ne)? G^m?dbnlNllcn, welcher unweit
in einem freundlichen Waldthale liegt und als be-
liebte Sommerfrische der Berliner (1892: 3668 Kur-
gäste) gilt. Die Quellen, salinische Eisenwässer,
haben eine Temperatur von -> 7° R., werden, wie
die Jungfrauen- und die Königsquellen, nur zum
Trinken oder, wie die Vadcquellen, nur zum Baden
benutzt. An Bädern werden verabfolgt Mineral-
wasserbäder, Dampf-, Douche-, Fichtennadel-und
Eisenmoorbäder. Der neuerbaute Rundschauturm
auf dem höchsten Gipfel der Bergkette, gegenüber
dem Schloß, bietet eine überaus lohnende Fernsicht
auf den Oderbruch. Vgl. Riesel, F. und Umgegend
(3. Aufl., Schwedt 1879). - 2) F. in Pom-
mern, Stadt im Kreis Saatzig des preuh. Reg.-
Bez. Stettin, 27 km im NO. von Stargard, zwi-
schen dem zur Ihna gehenden Krampehl und dem
See Staritz, an der Linie Stettin-Stargard-Danzig
der Preusi.^Htaatsbahnen, Sitz eines Steueramtes
und einer ^uperintendentur, hat (1890) 2316 meist
evang. E., darunter 46 Israeliten; Post, Tele-
graph, got. Kirche (15. Jahrh.), städtische Sparkasse;
Ausfuhr von Kartoffeln nach England. - F., um
1190 erbaut, hatte früher eine hohe Ringmauer
und war durch dreifache Wälle stark befestigt. 1660
litt es schwer durch Feuer und 1630 und 1637 durch
die Pest, wobei 800 Menschen starben.
Freie Reichsstädte, s. Freie Städte.
Freier Fall, s. Fall.
Freiersbach (Freyersbach), Weiler und Bad
im Amtsbezirk Oberkirch des bad. Kreises Ofjm-
burg, 7 km im SO. von Oppenau, in einer Er-
weiterung des Nenchthals, in 384 in Höhe, 1 km
von dem noch höher gelegenen Dorfe und Bade
Petersthal (s. d.), zu dem es in kommunaler Be-
ziehung gehört, hat Post und Telegraph (während
der Badezeit), neues Vadehaus, 7 Stahl-, Lithion-
und Schwefelquellen (1892: 1405 Kurgäste) und
einen Mineralwasserversand von jährlich etwa 5-
800000 Krugen. F. gehört zu den Kniebisbädern.
Freier Verkehr, der Verkehr mit Waren,
welche nach erfolgter Zollentrichtung keiner Kon-
trolle der Zollverwaltung mehr unterworfen sind
(s. Zollkontrolle), im Gegensatz zu dem Gebun-
denen Verkehr, bei dem die Waren sich entweder
unmittelbar in den Händen der Zollverwaltung be-
finden, wie die in den Zollniederlagen lagernden
Güter, oder doch unter deren Kontrolle stehen, wie
die mit Begleitschein versendeten Güter während
des Transports. (S. Handelsstatistik.)
Freies Deutsches Hochstift, 1859 gegründet,
1884 neu organisiert, mit dem Sitz im Goethe-Hause
zu Frankfurt a. M., ist der Pflege und Förderung
von Wissenschaft, Kunst und höherer Bildung ge-
widmet und zählt (1893) etwa 1600 Mitglieder
(1200 in Frankfurt a. M. und 400 auswärtige;
Jahresbeitrag 8 bez. 6 M.). Das Vermögen des
F. D. H. besteht im wesentlichen aus der Stiftung
des I)r. Theodor Müller (500000 M.).' außerdem
besitzt es das Goethe-Haus. An den wissenschaftlichen
Arbeiten der in acht Fachabteilungen zerfallenden
"Akademischen Abteilung" nehmen etwa 300 Mit-
glieder teil. Von der Thätigkeit der Fachabteilungen
geben die jährlich in vier Heften erscheinenden "Be-
richte" und die "Schriften des F. D. H." Kunde.
Für die Mitglieder finden, außer den Gesamtsitzun-
gen mit Vorträgen, jährlich acht "Lehrgänge" zu je
sünf Vorträgen statt. Fast jedes Jahr werden künst-
lerische und litterar. Ausstellungen veranstaltet.
Ferner ist ein Lesezimmer und eine SpecialiMiothek
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