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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Friedrich III. (Deutscher Kaiser, König von Preußen)
zogen, zurücknahmen. 145/2 zog F. nach Rom zur
Kaiserkrönung, der letzten, die ein König der Teut-
schen zu Rom empfing, und auch sie war nur noch
cm prunkvoller Akt ohne polit. Bedeutung; zugleich
heiratete er dort die 17jährige Infautin Leonore von
Portngal. Die Eroberung Konstantinopels lies; F.
völlig unbeachtet, und als Ladislaus von Ungarn
1457 starb, gewanu er zwar Niedcrösterreich, erlebte
aber die Demütigung, daß trotz seiner Ansprüche die
Krone von Ungarn Matthias Corvinus und die
vou Böhmen Georg Podiebrad zufiel. 1462 brachte
sein Bruder Albrecht die Hauptstadt Wien gegen
ihn in Aufstand, und erst mit Albrechts Tode 1463
erhielt er von dieser Seite Ruhe und trat nun auch
in den Besitz von Oberösterrcich. Fast ohne Wider-
stand lies; er die Osmanen 1456 bis Ungarn, 1469
bis Kram und 1475 bis Salzburg vordringen.
In Deutschland selbst nahm nnter F.s Regieruug
das Faustrecht auf eine furchtbare Weise wieder
überHand. Seiner Aufhetzung der Könige von Böh-
men und Ungarn hatte er es zu danken, dasi endlick
beide gegen ihn die Waffen kehrten. Besonders trieb
ihn Matthias so in die Enge, daß er auch nicht
einer Stadt seiner Erblande mehr mäcbtig war, bis
endlich scin Sohn Maximilian den Ungarn diese
Eroberungen wieder entriß. Nach Podiebrads Tode
entging ihm die böhm. Krone wiederum. Seit 1467
begannen Karls des Kühnen (s. d.) von Burgund
Eroberungen, meist anf Kosten des Reichs. F. ward
durch die Hoffnung auf Verlobung von Karls Toch-
ter Maria mit seinem Sohne Marimilian geködert.
1473 kamen beide Fürsten in Trier zusammen; F.
aber fubr aus Furcht vor dem gewalttbätigen Bur-
gunder heimlich ab, und die Ehe kam erst nach Karls
Tode zu stände. Als dann Max, der durch Maria
die Niederlande erhalten hatte, hiervon den Ständen
gefangen genommen wurde (1488), rafjte sich der
alte Kaiser zu seiner Befreiung noch einmal persön-
lich auf. Nach Matthias' Tode 1490 wurde nicht F.,
wie er gehofft, sondern der Pole Wladislaus König.
Den damals sehr ernstlichen Bestrebungen der Für-
sten und Städte, eine bessere Ordnung im Reiche her-
zustellen, den Landfrieden zu sichern, Finanzen und
Kriegswesen zu ordnen, eine Gerichtsordnung zu
begründen, setzte er den zähestcn Widerstand ent-
gegen. Seit 1490 führte der 1486 zum König ge-
wählte Maximilian die Regierung, während F.
selbst zu Linz der Astrologie, Alchimie und Botanik
leb^te, wo er auch 19. Aug. 1493 starb.
F. hat unter allen deutschen Kaisern am längsten
regiert. Er war ein mittelmäßiger Geist, den die
Sorge für das Reich ebenso wenig kümmerte als
die Wohlfahrt seiner Erbländer, ^ein persönlicher
Vorteil ging ihm über alles. Wenn die Umstände
ihn gebieterisch ansschrecktcn, griff er nicht zum
Schwerte, sondern zu langen Unterhandlungen,
wobei oft List die Hauptrolle spielte. Von F. an
blieb das Kaisertum gleichsam erblich bei Österreich.
- Vgl. Aneas Silvius, Geschichte Kaiser Fried-
richs III. (deutsch von Ilgen, in den "Geschichtschrei-
bern der deutschen Vorzeit", Lpz. 1889); Chmel, Ge-
schichte Kaiser F.s IV. (2 Bde., Hamb. 1840-43);
Vachmann, Deutsche Reichsgeschichte im Zeitalter
Friedrichs lll. und Max' I., Bd. 1 (Lpz. 1884); ders.,
Urkundliche Nachträge zur österr.-deutscken Geschichte
im Zeitalter Kaiser F.s III. (Wien 1892).
Friedrich III., Deutscher Kaiser, König
von Preußen, vor seiner Thronbesteigung Fried-
rich Wi/he/m getta/ml, Sohn Kaiser Wilhelms I.,
geb. 18. Okt. 1831 im Neuen Palais bei Potsdam,
erhielt durch vorzügliche Lehrer (besonders Ernst
Eurtius) ciue wissenschaftliche Bildung. 1849 trat
er in das erste Gardcregiment ein, 1850 - 52 be-
suchte er die Universität Bonn, wo er mit Vorliebe
geschichtliche Studien trieb. Am 25. Jan. 1858 ver-
mählte sich F. in London mit der Prinzeß Royal
Victoria (s. d.) von England. Seine ersten kriege-
rischen Erfahrungen sammelte er 1864 in Schleswig,
ohne sich unmittelbar an den Kämpfen zu beteiligen.
Den Konflikt der preusi. Negierung mit dem Ab-
geordnctenhause bedauerte er höchlichst und sprach
sich auch 1863 öffentlich in Danzig gegen die Preft-
ordonnanzcn aus. Der Ansprüche des Herzogs von
Augustcnburg auf Schleswig-Holstein nahm er sich
entgegen der Meinung des Königs und des Mi-
nisteriums an und warnte 1865 vor einem Bruder-
kriege mit Osterreich. Im Deutschen Kriege von
1866 wurde ihm das Oberkommando über diepreuß.
Zweite Armee übertragen. Von Glatz und Ncisse
aus rückte er 26. Juni in Böhmen ein, überschritt
die gefahrvollen Gebirgspässe, vereinigte am 29.
und 30. seine bei Nachod, Skalitz und Trautenau sieg-
reichen Einzelkorps wieder und trug in dem großen
Entscheidungslampfe beiKöniggrätz durch sein recht-
zeitiges Erscheinen bei Chlum am Mittage des
3. Juli wesentlich zum Siege bei. Seine Erlebnisse
während dieses Feldzugs legte F. in einem nur für
einen engen Kreis bestimmten Kriegstagebuche nie-
der. Bei Gelegenheit der Eröffnung des Sues-
kanals unternahm er eine Reise nach Ägypten und
Palästina, die er in "Meine Reise nach dem Morgen-
lande 1869" (nur in 40 Exemplaren, nicht im Buch-
handel) beschrieb.
Bei Ausbruch des Krieges von 1870 erhielt er den
Oberbefehl über die Dritte Armee und damit über
die süddeutschen Truppen, die 4. Aug. den glänzen-
den ^icg bei Weiftenburg und am 6. den bei Wörth
über Mac-Mahon erfochten. Am 16. Aug. rückte
"unser Fritz", wie er von seinen Trnppen genannt
wurde, in Nancy ein, blieb während der Kämpfe um
Metz dort zur Deckung stehen und schlug 1. Sept. mit
dem Kronprinzen von Sachsen unter dem Oberbefehl
des Königs von Preußen den Feind gänzlich bei
^edan. Vor Paris kämpfte er 19. Sept. siegreich bei
Villeneuve und Montrouge und hielt seitdem mit
seiner Armee die Linie Bougival-Sövre-Meudon-
Vourg-l'Hai - Chevilly - Thiais - Choisy -le-Roi-Von-
neuil. Er blieb im Großen Hauptquartier des Kö-
nigs zu Versailles und wurde zugleich mit dem
Prinzen Friedrich Karl 28. Okt. zum Generalfcld-
marschall ernannt.
Sein Kriegstagebuch, das im Sept. 1888 durch
Gefscken in der "Deutschen Rundschau" veröffentlicht
wurde (s. Deutschland und Deutsches Reich, Bd. 5,
^. 213a), zeigt seinen besondern von der Auf-
fassung Vismarcks und des Königs in wesentlichen
Punkten abweichenden Standpunkt bei der Grün-
dung des neuen Reichs. Die Wiederherstellung der
Kaiserwürde, von seinem Vater nicht mit leichtem
Herzen übernommen, erschien ihm als der Kern
dessen, was geschehen müsse.
Ein Erlaß vom 18.Jan. 1871 legte ihm die Würde
"Kronprinz des Dentschen Reichs" mit dem Prä-
dikat "Kaiserliche Hoheit" bei. Hatte schon während
des Feldzugs seine gewinnende Persönlichkeit auf
die süddeutschen Waffenbrüder mächtig gewirkt, so
steigerten auch während der folgenden Friedensjahre
die Reisen nach Süddeutschland, die er als General-