Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

349
Friedrich August II. (König v. Sachsen) - Friedrich (Herzog zu Schlesw.-Holst.)
Friedrich d. Gr. den Bayrischen Erbfolgekricg gegen
Österreich, über seine Politik in den folgenden Jah-
ren s. Sachsen (Kurfürstentum). Nach dem Frieden
zu Posen, 11. Dez. 1806, nahm er den Königstitel
an und trat als souveräner Fürst in den Rheinbund
(s. d.), wobei ihm der preuß. Kreis Cottbus gegen
einige Abtretungen an das Königreich Westfalen
zufiel. (S. Sachsen, Königreich.) Durch den Frieden
von Tilsit (1807) erhielt er das Herzogtum War-
schau, doch hat er dort niemals wirkliche Negierungs-
gewalt ausgeübt, auch niemals Einkünfte von dort
bezogen, vielmehr die poln. Truppen ganz und gar
an Napoleon überlassen. Während des österr. Krieges
von 1809 flüchtete der König vor den einrückenden
Österreichern im Juni über Leipzig nach Frankfurt
a. M. Als 1813 Sachsen der Schauplatz des Krieges
wurde, begab er sich 25. Febr. zunächst nach Planen,
dann nach Negensburg und endlich nach Prag. Nach
der Schlacht bei Lützen mußte er auf Napoleons
drohendes Begehren nach Dresden zurückkehren.
Später folgte er Napoleon nach Leipzig. Nach der
Einnahme Leipzigs lieft ihm der Kaifer Alexander
erklären, daß er ihn als seinen Gefangenen betrachte.
Seine Erklärung an die Kaifer von Rußland und
Österreich, der gemeinschaftlichen Sache beizutreten,
wurde nicht angenommen. Er mußte sich nach Ber-
lin, dann nach dem Lustschlosse Friedrichsfelde be-
geben, bis er die Erlaubnis erhielt, in Preßburg
feinen Aufenthalt zu nehmen (feit 4. März 1815).
Nachdem er hier in die vom Wiener Kongreß be-
schlossene Abtretung der größeren Hälfte Sachsens
an Preußen 18. Mai eingewilligt hatte, kehrte er
unter allgemeinem Jubel 7. Juni 1815 in seine
Hauptstadt zurück, wo er an demselben Tage den
Civilverdienstorden für Verdienst und Treue stiftete.
Er starb 5. Mai 1827 zu Dresden, und ihm folgte
in der Regierung fein Bruder Anton. - Vgl. Weiße,
Gefchichte F. Ä.s (Lpz. 1811); A. L. Herrmann,
F. A., eine biogr. Skizze lDresd.1827); Pölitz, Die
Negierung F. A.s von Sachfen (2 Bde., Lpz. 1830).
Friedrich August II., König von Sachfen,
geb. 18. Mai 1797, ältester Sohn des Prinzen
Maximilian, eines Bruders der Könige Friedrich
August I. und Anton. Seine Mutter, Karoline
Marie Therese von Parma, verlor er schon 1. März
1804. Gemeinschaftlich mit seinen Brüdern, den
Prinzen Clemens (gest. 4. Jan. 1822 zu Pisa) und
Johann, genoß er einen vielseitigen Unterricht. Er
ging 1809 während des Krieges gegen Österreich mit
dem Hofe nach Frankfurt a.'M., 1813 nach Rcgens-
burg und Prag, 1815 nach Prehburg und kurz dar-
auf, unter der Leitung des Generals von Watzdorf,
mit feinem Bruder Clemens in das österr. Haupt-
quartier nach Dijon; im Okt. 1815 kehrte er nach
Dresden zurück. In Dresden ausgebrochcne Un-
ruhen veranlaßten 13. Sept. 1830 seine Ernen-
nung zum Mitregenten des Königs Anton. Dem
in ihn gesetzten Vertrauen entsprach der Prinz
im vollsten Maße. Seine besondere Vorliebe war
der Botanik gewidmet, deren Kenntnis er in der
von Heidler herausgegebenen "I^ioi-H ^laiiölid^äen-
8i8 oder Pflanzen und Gebirgsarten, gefammelt
und befchrieben von dem Prinzen F. A., Mitregenten
von Sachsen, und von I. W. von Goethe" Grag
1837) bewies. Nach dem Tode König Antons
(6. Juni 1836) führte F. A. als Thronerbe die Regie-
rung in gemäßigt liberalem Geiste. Der Dresdener
Maiaufstand 1849 bestimmte den König zum zeit-
weiligen Ber/asse?l dcr Hauptstadt. (S. Sachsen.)
F. A. starb plötzlich auf einer Reise in Tirol 9. Aug.
1854 infolge eines Sturzes aus dem Wagen bei
Vrennbüchl zwifchen Imst und Wenns. An der
Unglücksstätte wurde 1855 eine Kapelle errichtet.
F. A. war seit 1819 mit der Erzherzogin Karoline
von Österreich lgest. 22. Mai 1832) und seit 24. April
1833 mit der Prinzessin Maria von Bayern (geb.
27. Jan. 1805, gest. 13. Sept. 1877) vermählt; beide
Ehen blieben kinderlos. Ihm folgte fein Bruder
Johann. - Vgl. Schladebach, F. A. II., König von
Sachsen (Dresd. 1854).
Friedrich Christian, Herzog von S ch l e s w i g -
.Holstein, geb. 1765 zu Augustenburg als Sohn
des Herzogs Friedrich Christian, studierte in Leipzig
Philosophie und übernahm 1790 die Leitung des
döhern Unterrichtswesens in Dänemark, in welcher
Stellung er sich große Verdienste erwarb. Auch setzte
er 1791 dem damals schwer erkrankten Schiller eine
Pension von 1000 Thlrn. auf drei Jahre aus, wo-
für der Dichter 1793 die "Briefe über die ästhetische
Erziehung" an ihn richtete. Nachdem F. C. 1794 durch
den Tod seines Vaters Chef des.Hauses geworden
war, widersetzte er sich dem Bestreben König Fried-
richsVI., .Holstein völlig mit Dänemark zu vereinen.
Er starb 1814. - Vgl. Schillers Briefwechsel mit dem
Verzog F. C. (bg. von Max Müller, Berl. 1875).
Friedrich, Christian August, .herzog zu S ch les -
wig-.Holstein-Sonderburg-Augustenburg,
der älteste Sohn des Herzogs Christian Karl Friedrich
August (s. Augustenburger Linie), wurde 6. Juli
1829 im Schloß Augustenburg auf der Insel Alsen
geboren. Bei der Erhebung Schleswig-Holsteins
l24. März 1848) trat F. in die schlesw.-Holstein.
Armee und nahm an dem dreijährigen Kriege gegen
Dänemark als Offizier im Generalstabe teil. Nach
Wiederherstellung der dän. Herrschaft 1851 mit seiner
ganzen Familie verbannt, studierte der Prinz zwei
Jahre lang in Bonn und trat in die preuß. Armee ein,
die er 1856 als Major ü. la. snite im 1. Garderegi-
ment zu Fuß wieder verlieh. Er kaufte das Ritter-
gut Dolzig in der Niederlausitz und vermählte sich
11. Sept. 1856 mit der Prinzessin Adelheid von
Hohenlohe-Langenburg. Seitdem lebte er auf sei-
nem Gute in Zurückgezogenheit, wahrte sich aber in
einem an den König Friedrich VII. von Dänemark
gerichteten Schreiben vom 15. Jan. 1859 seine Erb-
ansprüche. Nach dem Tode König Friedrichs VII.
erklärte er durch die Proklamation vom 16. Nov.
1863, daß er nach dem Verzicht seines Vaters als
nächstbercchtigter Erbe "die Negierung der Herzog-
tümerSchleswig-Holstein antrete"; zugleich erhob er
Ansprüche auf Lauenburg und befchwor das Staats-
grundgesetz von 1848. (S. Schleswig-Holstein.)
5. Dez. verfügte er als "Herzog F. VIII." die Auf-
nahme einer freiwilligen Anleihe zur Herstellung
einer schlesw.-holstein. Armee. Eine Anzahl deutscher
Fürsten erkannte den Herzog sofort an, der Herzog
Ernst von Coburg-Gotha namentlich wirkte für ihn;
der DeutfcheBund behielt sich feine Entscheidung vor.
In den Herzogtümern erklärte sich alsbald der größte
Teil der Bevölkerung für ihn, und kaum war Hol-
stein durch die einrückenden Vundestruppen von
den Dänen befreit (f. Deutfch-Dänifcher Krieg von
1864), so ward er daselbst 27. Dez. von der großen
Volksversammlung in Elmshorn als Herzog aus-
gerufen. Der Prinz traf 30. Dez. 1863 in'Glück-
stadt ein und begab sich von da nach Kiel, wo ihm
Ritterschaft, Städte und Landschaften als recht'
mäßigem Landcsherrn huldigten.