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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Fürst-Primas; Fürth; Furth im Wald

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Fürst-Primas - Fürth

für Eisenbahnwagen, Öfen, Chemikalien und Stärkesirup, 3 große Bierbrauereien, 2 bedeutende Mühlenwerke und Ziegeleien. Die angrenzende Kolonie F. hat 1376 E. F. ist durch seinen etwa 50 qkm großen Wald eine der reichsten Städte des preuß. Staates. In der Nähe südlich die Rauenschen Berge mit Braunkohlengruben und erratischen Granitblöcken, aus deren einem die große Granitschale vor dem alten Museum in Berlin gefertigt wurde. Weiter südlich der durch seine Süßwasserkalksteinbildungen merkwürdige Scharmützelsee. – F., unzweifelhaft slaw. Ursprungs, ist eine der ältesten Städte Brandenburgs, deren Stadtrechte 1285 von den Markgrafen Otto dem Reichen und Otto dem Kleinen bestätigt wurden. 1354 ging die bis dahin unmittelbare landesherrliche Stadt in den Besitz der Bischöfe von Lebus über. Seit 1385 war F. Sitz der Bischöfe von Lebus, deren Bistum 1571 dem Kurfürstentum Brandenburg einverleibt wurde. Durch den Vertrag von F. vom 15. Aug. 1373 verzichtete Markgraf Otto, der Sohn Kaiser Ludwigs des Bayern, zu Gunsten Kaiser Karls Ⅳ. auf Brandenburg. - Vgl. Goltz, Diplomat. Chronik der ehemaligen Residenz der lebusischen Bischöfe F. (Fürstenw. 1837).

Fürst-Primas ist der Titel, den der Erzkanzler Freiherr von Dalberg 1806 bei der Auflösung des Deutschen Reichs als einziger geistlicher Fürst erhielt. (S. Dalberg, Karl Theodor, und Primas.) Die Idee eines selbständigen deutschen Primates (s. d.) in möglichster Selbständigkeit Rom gegenüber glaubte Dalberg mit Napoleons Hilfe durchsetzen zu können, was ihm auch bis zu einem gewissen Grade gelang; freilich stürzte dieser Primat mit dem Sturze Napoleons. Auf dem Wiener Kongreß und später noch litterarisch vertrat dann Wessenberg mit regem Eifer die Idee eines deutschen Primates, doch scheiterten diese Bestrebungen an den innern Mängeln der sie vertretenden Persönlichkeiten, dem Widerstande des Papstes und der Abneigung der Mittelstaaten, besonders Bayerns, welcher Staat sich für groß genug erklärte, «seine eigene abgeschlossene Landeskirche zu haben». – Vgl. Meier, Zur Geschichte der römisch-deutschen Frage, Ⅰ und Ⅱ, 1 (Rostock 1871‒72). (S. auch Fürstbischof.)

Furth im Wald, Stadt im Bezirksamt Cham des bayr. Reg.-Bez. Oberpfalz, an der Cham und an den Linien Nürnberg-F. (160,8 km) der Bayr. Staatsbahnen und Prag-Pilsen-F. (191 km) der Böhm. Westbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Amberg), Bahn- und Hauptzollamtes sowie eines österr. Hauptzollamtes zweiter Klasse, hat (1890) 4939 meist kath. E., Postexpedition, Telegraph, Spar- und Vorschußverein, zwei kath. Kirchen, Spielwaren-, Spiegel- und Pechfabrikation.

Fürth. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Mittelfranken, hat 341,38 qkm, (1890) 26640 (12849 männl., 13791 weibl.) E. in 42 Gemeinden mit 150 Ortschaften, darunter 1 Stadt. – 2) Unmittelbare Stadt und Hauptort des Bezirksamtes F., 6 km im NW. von Nürnberg und durch Pferdebahn mit demselben verbunden, am Zusammenfluß der Pegnitz und der Rednitz, die nun Regnitz heißen, in 300 m Höhe, an den Linien Würzburg-Nürnberg-Passau, Hof-Bamberg-München der Bayr. Staatsbahnen, Nürnberg-F. (6 km, die erste Bahn Deutschlands, 1835 eröffnet) der Bayr. Ludwigsbahn und F.-Zirndorf-Cadolzburg der Münchener Lokalbahn-Aktiengesellschaft (2 Bahnhöfe), ist Sitz des Bezirksamtes, eines Landgerichts (Oberlandesgericht Nürnberg) mit Kammer für Handelssachen und 8 Amtsgerichten (Erlangen, F., Herzogenaurach, Cadolzburg, Markt-Erlbach, Neustadt a. Aisch, Scheinfeld, Windsheim), eines Amtsgerichts, Rent- und Hauptzollamtes, einer Reichsbanknebenstelle, Agentur der Bayrischen Notenbank und eines Bezirksgremiums für Handel und Gewerbe, in ihren neuern Teilen sehr regelmäßig angelegt und hat (1890) 43206 (20942 männl., 22264 weibl.) E., darunter 8715 Katholiken und 3175 Israeliten, in Garnison (335 Mann) die 2. Abteilung des 2. Feldartillerieregiments Horn, Postamt und -Expedition, Telegraph, Fernsprecheinrichtung; 2 evang., 1 kath. Pfarrkirche, darunter die got. Michaeliskirche (11. Jahrh.) mit 8 m hohem spätgot. Sakramentshäuschen, 1 Hauptsynagoge (1617 erbaut, 1865 umgebaut), 4 Nebensynagogen, neues Rathaus im ital. Stil, mit Turm (55 m), Monumentalbrunnen (1890) in Erzguß von Miller, nach Entwurf von Maison-München, Kriegerdenkmal nach Modell von Hirt-München, großes Schlachthaus (1881), Wasserleitung; Lateinschule mit Privatvorschule, königl. Realschule mit Handelsabteilung (1833 als Gewerbe- und Landwirtschaftsschule gegründet), israel. Bürgerschule und Waisenanstalt, Taubstummenanstalt; Stadtbibliothek (10000 Bände), städtische Gemäldegalerie; israel. städtisches Krankenhaus.

Die Industrie, in welcher F. mit Nürnberg wetteifert und der die bedeutenden Wasserkräfte der Pegnitz und Rednitz dienstbar sind, erstreckt sich auf die Fabrikation von sog. Nürnberger Waren, namentlich Spiegeln (80 Fabriken mit über 2000 Arbeitern), geschlagenem Gold und Metall, Bronze, Bronzefarben, Brokat, Stahlbrillen und optischen Instrumente ^[richtig: Instrumenten], Möbeln, Maschinen, besonders Brauerei-Einrichtungen und Feuerlöschgeräten, Gürtler- und Drechsler-, Buchbinder- und Kartonnagewaren, Zinnfiguren, Cichorien, Hefen, bunten Papieren, Kinderspielzeug, Bleistiften u. a., ferner auf Bierbrauerei (Gebrüder Grüner u. a.). F. ist Sitz der 1. Sektion der Glasberufsgenossenschaft. Der lebhafte Handel erstreckt sich hauptsächlich auf die Ausfuhr der inländischen Industrieerzeugnisse, während der eigentliche Produktenhandel, mit Ausnahme der sehr bedeutenden Hopfenausfuhr, eine untergeordnete Stelle einnimmt. Die Handelshäuser haben Beziehungen zu allen Weltgegenden. Der Speditions- und Wechselhandel ist sehr ausgedehnt (10 Bank- und Wechselgeschäfte); die elftägige Michaelismesse ist stark besucht.

5 km im SW., an der Lokalbahn nach Zirndorf, auf einer Anhöhe an der Rednitz die Alte Feste, Ruine und Aussichtsturm mit großartiger Weitsicht, ringsum mehrfache Spuren der Schlacht vom 24. Aug. 1632 zwischen Wallenstein und Gustav Adolf.

Geschichte. Der Sage nach hat Karl d. Gr. 793 in der Nähe der Vereinigung der Pegnitz und Rednitz die Martinskapelle erbauen lassen, und der Ort, der hier entstand, wurde F. genannt. König Ludwig das Kind unterzeichnete hier 19. März 907 eine Urkunde. Gustav Adolf hatte im Juni 1632 sein Hauptquartier in F.; 1634 wurde die Stadt von den Kroaten bis auf einige Häuser niedergebrannt. Bis 1792 hatten die Markgrafen von Ansbach, die Dom-^[folgende Seite]

^[Abb.: Wappen]