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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Galizien
und von Sambor an schiffbar wird, nimmt viele
kleine Flüsse auf, so rechts den Etryj, die Swica,
die Lomnica und die Bystrzyca, links den Strwiaz,
die Gnila Lipa und Zlota Lipa, die Strypa, den
Sereth und an der russ. Grenze den Podhorze oder
Zbrucz. Der Pruth verläßt schon nacd kurzem Laufe
das Land, nachdem er den Grenzflnß gegen die
Bukowina, Czeremosz, aufgenommen bat. Zum
Pripet-(Dnjepr-)Gebiet gebort der Stvr. Größere
Seen hat G. nicht, sondern nur kleine ztarpatensecn,
"Meeraugen" genannt, und viele und gros-.e Teiche
anf der Podolischen Höhe. Mineralquellen nnden siä>
in großer Menge, am bekanntesten sind die Sauer
brunnen zu Szczawnica ls. d., 33 li Kurgäste) und
Krynica ss.d., 4493 Kurgäste), die eisen- und schwefel-
haltige Quelle zu Krzeszowice, die jod- und brom-
haltigen Heilquellen zu Iwoniez ls. d., 1606 Kur-
gäste) und das Solbad Wieliczka. Von allen österr.-
ungar. Ländern hat G. das kälteste Klima: die mitt-
lere Jahrestemperatur beträgt in Lemberg 8,1, in
Krakau 7,9, in Tarnopol 6,7° ('. mit sehr kalten
Wintern und heißen Sommern. Indes ist trotz vieler
sandiger und morastiger Gegenden der Boden im
ganzen fruchtbar, im Nordosten sogar vortrefflich.
Bevölkerung. Die Einwohnerzahl betrug 1869:
5 444 689, 1880: 5 958 907, 1890: 6 607 816
(53401 Militärpersonen), d. i. 84 E. auf 1 ^m,
und eine Zuuahme (1869-80) von 514 218 Per-
sonen oder 8,5.9 Proz., (1880-90) von 648909 Per-
sonen oder 10,79 Proz. Dem Geschlecht nach waren
i1890) 3 260433 männlich, 3 347 383 weiblich (d. i.
1027 Frauen auf 1000 Männer); der Nationalität
nach 227 600 (3,46 Proz.) Deutsche, 5827 (0,08)
Ezechen, Mähren und Slowaken, 3509183 (53,34)
Polen, 2835674 (43,io) Ruthenen, 208 Slowenen
und 283 Rumänen; dem Religionsbekenntnis nack
2997062(45,38Proz.)RömischHatholische,2790577
(42,22) Griechisch-, 1739 Armenisch-Unierte, 1429
Griechisch-, 491 Armenisch-Orientalische, 38 289
i0,5?) Evangelische Augsburger, 4990 Helvetischer
Konfession, 63 Anglikaner, 454 Mcnnoniten, 770468
i11,66)Israeliten und 119 Konfessionslose. Dem Fa-
milienstände nach waren 4118 017 ledig, 2195458
verheiratet, 293434 verwitwet und 907 geschieden
oder getrennt. 1890 gab es 2 Städte mit eigenem
Statut (Lemberg und Krakau), 74 polit. Bezirke,
178 Gerichtsbezirke, 11550 Ortsgemeinden und
Gutsgebiete, 15 674 Ortschaften, 1034404 Wohn-
gebäude und 1316032 Wohnparteien. Auf 1 Wohn-
gebäude entfielen 1,2 Wohnparteien, auf 1 Wohn-
partei 5 E. Die Bewegung der Bevölkerung ergab
(1890) 54599 Eheschließungen, 286 618 Lebend-
geburten, 208492 Sterbefäl'le. 1890 konnten lesen
und schreiben 1239122 (736 333 männl., 502 789
weibl.), nur lesen 492 080 (207 934 männl., 284146
weibl.), weder lesen noch schreiben 4 876 614 (2 316166
männl., 2 560448 weibl.) E., d. i. von je 100 über
6 Jahre alten Personen tonnten lesen und schreiben
27,39 männl. und 18,14 weiol. Geschlechts, 7,74 und
10,26 nur lesen, 64,87 bez. 71," Proz. weder lesen
noch schreiben. Auf beiden Augen blind waren 5081
(2768 männl., 2313 weibl.), taubstumm 9490 (5467
mäunl., 4023 wcibl.), irrsinnig oder blödsinnig 4266
i2621 männl., 1645 weibl.),' Kretins 2865 (1739
männl., 1126 weibl.). Dein Berufe nach gehörten
<1880) 2,65 Proz. den Berufsarten mit höherer
Schulbildung, 77,8? der Land- und Forstwirtschaft,
11,74 dem Bergwesen, der Industrie und dem Ge-
werbe,4,22demHandelundTransportwesenu.s.w.an.
Land" und Forstwirtschaft. Von der gesamten
Bodenfläche (78 501,73 ^m) waren (1890) 48,45>Proz.
Ackerland, 1 l,16 Wiesen, 1,3l> Gärten, 9,i9 Hutweiden,
0,43 Alpen, 25,7c: Waldungen, 0,27 Teiche, Seen und
Sümpfe; im ganzen sind produktiv 96,65 Proz. Ge-
treide ist im Überflusse (zur Ausfuhr) vorhanden,
wenngleich der Ackerban viel zu wünschen übrig läßt:
nächstdcm ist der Andan der Kartoffeln und Hülsen-
früchtc am meisten uuter allen österr. Kronländern -
bier verbreitet. Von Handels- und Manufaktur-
gewachsen werden guter Flachs (9598 t) und Hanf
<21450 t) in Menge gebaut, ferner Raps, Runkel-
rüben, Tabak l326l t), etwas Hopfen und Weberkar-
den. Im zehnjährigen Durchschnitt von 1880 bis
1889 wurden geerntct 4,63 Mill. KI Weizen, 6,04
Roggen, 4,54 Gerste, 9,75 Hafer, 1,23 Mais, 1,36Hül-
senfrüchte, 41,6? Mill. lü Kartoffeln, 53693,6 t
Zuckerrüben und 1,94 Mill. t Heu. Etwa der vierte
Teil des Landes ist mit Forsten bedeckt, doch sind im
nördl. Teile die Waldungen sehr gelichtet, während
auf den Karpaten erst jetzt zur Benutzung der Forste
geschritten wird. Von dem gesamten Waldbestande
(2021828 lia) sind 488 735 d^ Laub-, 1096 587 Nadel-
und 436506 Mittel- und Niederwald. 1890 wurden
gezählt 765570 Pferde, 383 Maultiere, 223 Maul-
esel, 597 Esel, 244800"; Rinder, 630994 Schafe.
stocke. Die Pferde zeichnen sich durch Ausdauer und
Leichtigkeit ans, sind aber klein; Hornvieh von
großem schlage wird sogar ausgeführt; die Schafe
werden immer mehr veredelt.
Bergbau. Der Bergbau ergab (1890): 9500,7 t.
Eisenerz, 23l,.'. t Bleierz, 17427,4 t Zinkerz, 370t
Schwefelerz, 609 647,:; t Steinkohlen, 6905,5 t Braun-
kohlen, 91650,4 t Erdöl und 6879,7 t Erdwachs im
Gesamtwerte von 6,37 Mill. Fl. (hiervon 5,i8 für
Erdwachs und Petroleum, in deren Produktion G.
dencrstenNanginEllropaeinnimmt),unddieHütten-
produttion lieferte an Zink 2173,4 t, an Gußroheifen
3373,2 t. Die Salinen ergaben 44958,2 t Sudfalz,
44300,0 t Steinsalz und 38 803,6 t Industriesalz im
Gesamtwerte von 8338221 II., d. i. 36,i9 Proz. der
gesamten Salzproduktion der östcrr. Neichshälfte.
Industrie. Die wenig bedeutende Gewcrbthätig-
teit hat in neuerer Zeit Fortschritte gemacht. In dem
an Schlesien grenzenden Teil hat sicb die Tuchindu-
strie zu einer höhern Stufe entwickelt und in Biala
(s. d.) ihren Hauptsitz genommen. Nächst dieser steht
dic Leinenindnstrie, welche in den >i arpaten als Haus-
wederci betrieben wird, dann die Hausweberei von
Schafwollstoffen im östlichen G. Von besonderer
Bedeutuug ist in den Karpaten die Verarbeitung
des Holzes zu Werkholz, Faßdauben, Parketten und
Eellulose, ferner die Gewinnung von Terpentin und
die Verarbeitung von Erdwachs zu Paraffin, Ceresin
und Steariu. In Kolomea wird Korduanleder er-
zcugt, bei Etanislau treibt man Maschinenbau. Zu
großer Entwicklung hat es die mit der Landwirt-
schaft verbundene Industrie gebracht, insbesondere
die Branntweinbrennerei. 1889/90 war eine Zucker-
fabrik im Betriebe, die 152990 Metercentner Rüben
verarbeitete. Bierbrauereien gab es 1889/90 161
mit 845117 Iil Erzeugung, Branntweinbrennereien
573 mit 36022465 Hcktolitergrade Alkoholerzeu-
gung. Die Rübcnzuckerfabrit zu Tlumacz und die
Tabakfabrik zu Winniki gehören zu den größten
Etablissements dieser Art in Österreich-Ungarn. In
den 5 Staats-Tabakfabriken gab es (1890) 41 Be-
amte, 762 männliche und 3503 weibliche Arbeiter^