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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Galle (Philipp) - Gallen (in der Botanik)
Sonnenparallare aus korrespondierenden Beobacht !
tungen der Flora im Oktober und November 1873"
iebd. l875). - Von G. wurden auch drei neue Kome-
ten entdeckt (1839-40, innerhalb drei Monaten). !
Galle, Philipp, niederländ. Kupferstecher, geb. '
1537 in tzaarlem, gest. ^9. März 161^! in Antwer !
pen, war Stecher und Verleger zugleich; er versuchte
sich jedoch auch als Maler, wie er z. B. die Folge ,
der lieben Todsünden selbst gemalt und gestochen
hat. Sonst sind meist Frans Floris, Stradan u. a.
seine Vorbilder. - Theodor G., sein Sohn und
Schüler, lebte längere Zeit im Süden und ließ sich
um 1600 in Antwerpen nieder, wo er 1K33 starb.
Cornelius G., genannt der Ältere, eben-
falls Sohn und Schüler von Philipp G., geb. um
1577 in Antwerpen, bildete sich wie sein Bruder in
Italien aus, kehrte dann in die Heimat zurück und
starb 1650 in Antwerpen. Seine Stiche vereinigen
die Durchbildung des Niederländers mit dem grö-
Hern Stil der Italiener. Er lieferte ausgezeichnete
Stiche nach Werken des van Dyck, Rubens, Vassano,
Francesco Vanni u. a. G.s .Hauptschöpfungen
sind: Darstellung des Begräbnisses des Erzherzogs
Albrecht, Statthalters der Niederlande, die Kirchen-
väter nach Rubens, Kreuztragung Christi nach
van Dyck. - Sein Sohn, Cornelius G., genannt
der Jüngere, geb. nach 1600 in Antwerpen, gest.
um die Mitte des 17. Jahrh., lieferte treffliche
Kupferstiche von Bildnissen nach Rubens, Quellinus,
van Dyck.
Gallego (spr. galljehgo), Nebenfluß des Ebro in
Aragonien, entspringt auf dem Col de Sallent in
den mittlern Pyrenäen^ durchfließt das schöne Tena-
thal, wendet sich nach 'H. und mündet, 175 km lang,
bei Saragossa. Er ist nicht schiffbar, aber für die
Bewässerung wichtig.
Gallego sspr. galljehgo), Don Juan Nicasio,
span. lyrischer Dichter, geb. 14. Dez. 1777 in Zamora,
widmete sich Zu Salamanca philof., theol. und
jurist. Studien. Dort erweckte der Verkehr mit Me
lendez Valdes, Quintana und Cicnfuego fein Dichter-
talent. Um seiner gemäßigt liberalen Anschauungen
willen erlitt er 1814 Gefängnisstrafe, 18^6 turze Ver-
bannung. Zeitweilig war er Abgeordneter, Senator,
seit 1839 ständiger Sekretär der span. Akademie.
Er starb 9. Jan. 1853 zu Madrid. G. bewegte sich
als Dichter anfangs in dem Liebesgetändel der klas-
sischen Schule, später wendete er sich der polit. Ge-
legenhcitsdichtung zu, in meisterhafter Form und mit
einer Kraft der Intonation, welche den Mangel
wirtlicher Empfindung vergessen macht. Besonders
berühmt sind die Canzone "^.1 äo3 d6 ^la^o" s1808)
und die Elegie auf den Tod der Königin Isabella
<1818). Der romantischen Schule konnte er nur mit
Abneigung gegenüber stehen. G.s nicht sehr zahl-
reiche Gedichte sammelte die Spanische Akademie
Madr. 1856). Aufnahme fanden seine Werke auch
in Bd. 67 der Madrider "liikliot"^ do iniwr^
^8pHsioi68". ^Galicien (s. d.).
Gallegos (spr. galljehgos), die Bewohner von
goniens, entspringt auf den Cordilleren sehr nahc
der Westküste, flieht quer durch Patagonien nach
O. und mündet in breitem Trichter i51" 33^ südl. Br.).
Gallehuus, Dorf bei Tondern (s. d.).
Gallem, ein künstlicher Farbstoff von der
,)Ufammcnfctzung C.2u I1i()^7, der bei der Einwir-
kung von Phthalsäureanhydrid auf Pyrogallol
oder Gallussäure entsteht. Er ist als ein Oryda-
tionvprodukt des Pyrogallolphthale'ins is. Phtha-
leme) auszufassen. G. färbt gebeizte Baumwolle
violett und kommt auch unter dem (unrichtigen)
Namen Alizarinviolett oder A n t h r a c e n v io -
lett in den Handel.
Gallen (G rube n) nennt man in der Artiller i e -
Wissenschaft die in Geschützrohren und Geschossen
entstehenden Gasblasen, die nach dem Gliß im er-
starrenden Metall zurückbleiben. Sie können in Guß-
eisen- und Vronzerohren unter bestimmten Voraus-
setzungen geduldet werden, machen aber Stahlrohre
unbrauchbar, da sie sich durch das Hämmern zu
langen, feinen Riffen ausdehnen.
Gallen (Cecidien) nennt man in der Botanik
allgemein die Krantheitserscheinungen, bei denen
infolge des Eingriffs eines pflanzlichen oder tieri-
schen Parasiten in das Gewebe der Nährpflanze
bestimmte Partien der letztern eine abnorme Ent-
wicklung zeigen und zu kleinen Knötchen oder pustel-
artigen Gebilden, oder auch zu größern unregel-
mäßig knollenartigen und kugeligen Wucherungen,
wie bei den bekannten Galläpfeln der Eichen
<s. Galläpfel), auswachfen. Gewöhnlich bezeichnet
man bloß die Gebilde als G., die auf tierische Pa-
rasiten zurückzuführen sind, doch sind die Auswüchse,
die durch manche parasitisch lebende Pilze hervor-
gerufen werden, im wefentlichen nicht verschieden
von jenen. Man unterscheidet deshalb Myco-
cecidien und Zoocecidien. Zu den letztern ge-
hören u. a. gewisse Gallertbildungen an den Wur-
zeln der meisten Kohlarten, die ihre Entstehung
dem Kohlgallen - N ü sseltäfer ^"utlwi'1^n^lni8
^ileicollis >8^/i.) verdanken. In diesen G. befinden
sich eine oder mehrere Larven desselben etwa vier
Wochen lang und verlassen dann ihr Asyl, um sich
im Boden zu verpuppen und nach abermals vier
Wochen zum vollkommenen Insekt zu werden. Auch
Raps und Rübsen werden durch jene Käfer oft in
erheblichem Grade benachteiligt. Im Laufe des
Sonnners treten zwei Generationen auf; die Larven
der zweiten überstehen den Winter in den G., um
sich erst im nächsten Frühjahr zu verpuppen. Es ist
deshalb geraten, alle Strünke nach der Ernte aus-
zuziehen und samt ihren Insassen durch Feuer zu
vernichten, wohl das einzige, was sich thun läpt,
um der überhandnähme des Käfers zu begegnen.
Die G. der Kohlgewächse werden bisweilen mit einer
andern Krankheit verwechselt, welche an den Wurzeln
des Blumenkohls, Kopfkohls, Wirsings u. s. w. auf-
tritt und die Verknollung derselben und damit eine
vollkommene Verkümmerung des oberirdischen Teils
der Pflanzen zur Folge hat. Eine andere Art von
G. wird an Kohlgewächsen durch einen Pilz aus
der Gruppe der Myromyceten hervorgerufen. <S.
i'IcTLmoäwpliora.) Viel häufiger als die Mycoceci-
dien treten die Zoocecidien auf; die Urfachen diefer
können tierifche Parasiten aus verschiedenen Fami-
lien sein.
Die G. entstehen jedoch nicht infolge von Ver-
wundungen, die etwa durch das Fressen der Tiere
oder auf ähnlicke Weise herbeigeführt werdeil, son-
dern in den meisten Fällen dadurch, daß die Tiere
längere Zeit im Larvenzustand ihren Wohnsitz auf
der Pflanze nebmen oder sich auf derselben allmäh-
lich aus dem Ei entwickeln. Die G. umschließen
die Tiere in diesem Zustande gewöhnlich gänzlich,
und erst wenn dieselben ihre Entwicklung beendet
haben, wird die Galle durch die Thätigkeit des Tieres
geöffnet und vertrocknet allmählich. Da die Tiere