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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Galle; Galle (Joh. Gottfr.); Galle (landwirtschaftlich)

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Galle (landwirtschaftlich) – Galle (Joh. Gottfr.)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Galle (anatomisch)'

einigung zu einem Hauptstamme sammeln, der, von der Dicke einer Rabenfeder, die Leber verläßt und nicht weit vom Magen in den Dünndarm mündet. In diesen sog. Lebergang (ductus hepaticus) mündet ein zweiter kurzer Gang ein, der von der Gallenblase (vesica fellea), s. Tafel: DieBaucheingeweide des Menschen I, Fig. 8, und II, Fig. 5) kommt und als Gallenblasengang (ductus cysticus, Taf. II, Fig. 6) unterschieden wird. Außer der Verdauungszeit wird die Mündung des Lebergangs in den Darm durch Muskelwirkung geschlossen. Die aus der Leber stetig ausfließende G. kann daher nicht in den Darm gelangen, staut sich im Lebergange an und tritt deshalb durch den Gallenblasengang in die Gallenblase, welche also einen Behälter für die außer der Verdauungszeit abgesonderte G. darstellt. Da die Gallenblase mit einer Schleim absondernden Haut ausgekleidet ist, so mischt sich dieser Schleim der G. bei, und letztere wird dadurch trüb und zähflüssig. Sobald die im Magen halb verdauten Speisen in Form eines Breies in den Darm übertreten, ergießt sich die in der Gallenblase aufgespeicherte G., um sich dem Speisebrei beizumischen. Die wichtigsten Bestandteile der G. sind die Gallensäuren (s. d.), welche vorzugsweise den bittern Geschmack der G. bedingen, mehrere Farbstoffe (s. Gallenfarbstoffe), die Gallenfette, Cholesterin (s. d.) und verschiedene Mineralsalze, vorzugsweise Chlornatrium und phosphorsaure Salze. Gorup-Besanez fand in der aus der Gallenblase entnommenen G. eines enthaupteten 49jährigen Mannes in 100 Teilen 82,27 Teile Wasser und 17,73 Teile feste Stoffe; von den letztern kamen 10,79 Teile auf die gallensauren Alkalien, 4,73 Teile auf Fett und Cholesterin und 2,21 Teile auf Schleim und Farbstoffe; dazu noch 1,08 Teile anorganische Salze. Die Absonderung der G. erfolgt beständig und ununterbrochen. Die Menge der täglich abgesonderten G. schwankt zwischen 450 und 600 g und ist in hohem Grade von der Nahrung abhängig; sie ist am reichlichsten bei reichlichem Wassertrinken und vorwiegender Fleischkost; weniger reichlich bei vegetabilischer Nahrung, am geringsten bei starkem Fettgenuß; außerordentlich vermindert wird sie durch längeres Hungern.

Die G. hat die Fähigkeit, sich mit flüssigem Fett innig zu mischen, und wird dadurch das wichtigste Verdauungsmittel für das mit der Nahrung genossene Fett. Dasselbe vermag, wenn es mit G. innig gemischt ist, als seifenartige Losung leicht auf dem Wege der Endosmose die feuchte Schleimhaut des Darms zu durchdringen und so ins Blut zu gelangen. Durch die Wirkung der G. wird überhaupt erst die Resorption der Fette mechanisch ermöglicht, wie man sehr leicht an zwei Papierfiltern nachweisen kann, von denen man das eine mit Wasser, das andere mit G. tränkt; das erste ist für Öl ganz undurchgängig, während das zweite dem Öl den Durchtritt leicht gestattet. Eine mangelhafte Gallenzufuhr zum Darm bedingt deshalb mangelhafte Fettaufnahme ins Blut, woraus wieder ein schlechter Ernährungszustand des Organismus überhaupt hervorgeht. Außerdem hemmt die G. die faulige Zersetzung des Darminhalts, wenn sie dieselbe auch nicht ganz verhindern kann. Wenn der Abfluß der G. aus der Leber in den Darm durch Schwellung oder Verschließung des Gallengangs erschwert oder ganz gehindert ist, so tritt die G. in das Blut über und es entsteht die Gelbsucht (s. d.). Beim Erbrechen ↔ tritt leicht G. in reichlicherer Menge in den Magen über und wird dann besonders bei wiederholten Brechanfällen mit ausgebrochcn. Das Erbrochene schmeckt dann gallig bitter und bekommt eine grünliche, gallige Färbung.

Als Heilmittel benutzte man früher oft die Ochsengalle in zwei Präparaten, Extractum animale amarum (eingedickte Ochsengalle) und Fel tauri depuratum (gereinigte trockne Ochsengalle), in ihrer Eigenschaft als Bitterstoff gegen verschiedene Magen- und Leberkrankheiten, sie dient aber heute hauptsächlich nur zum Reinigen von Seiden-, Woll- und andern Stoffen, entweder rein oder in Form von Gallenseife (s. d.), ferner zum Anreiben der Farben.

Galle oder Wassergalle, in der Landwirtschaft eine solche Stelle im Acker, die an übergroßer, besonders durch Grundwasser hervorgerufener, also namentlich stehender Nässe leidet und infolgedessen für das Wachstum der Pflanzen höchst ungünstig ist. Ableitung des Grundwassers durch Drainierung, des Tagewassers durch Furchen gewährt die beste Abhilfe. – In der Meteorologie nennt man Regen- oder Wassergalle das regenbogenartig gefärbte Bruchstück eines nicht ausgebildeten Regenbogens (s. d.). Die Regengalle gilt als Zeichen eines herannahenden Regens. Ein lichter Fleck am Himmel gegenüber der Sonne heißt Windgalle; sie gilt als Vorzeichen eines baldigen Sturmwindes. – Über G. in der Artilleriewissenschaft, Botanik und Tierheilkunde s. Gallen.

Galle, Stadt auf Ceylon, s. Point-de-Galle.

Galle, Joh. Gottfr., Astronom, geb. 9. Juni 1812 zu Pabsthaus bei Gräfenhainichen, studierte 1830–33 in Berlin Mathematik und Naturwissenschaften. Nachdem er einige Zeit zu Guben und Berlin Gymnasiallehrer gewesen war, erhielt er 1835 unter Encke die Stelle als Observator an der Berliner Sternwarte. Mit einer Dissertation, in der er gewisse Beobachtungen des Olaus Römer behandelte, promovierte er 1845. Die Übersendung dieser Schrift an Leverrier gab Veranlassung, daß dieser wegen Aufsuchung des von ihm berechneten transuranischen Planeten sich unter andern auch nach Berlin wandte, wo dann dieser nachher Neptun genannte Planet von G. noch am Abend des Tages, an welchem Leverriers Brief in Berlin ankam (23. Sept. 1840), aufgefunden und so seine wirkliche Existenz zuerst festgestellt wurde. Seit 1851 wirkte G. als Professor der Astronomie und Direktor der Sternwarte in Breslau. G.s wissenschaftliche Arbeiten beziehen sich teils auf die Astronomie, teils auf die Meteorologie. Die astron. Berechnungen und Beobachtungen sind veröffentlicht in den ersten drei Bänden von Enckes «Astron. Beobachtungen auf der Berliner Sternwarte», im «Berliner Astron. Jahrbuch» (seit 1835) und in den von Schumacher begründeten «Astron. Nachrichten» (Altona und Kiel, seit 1830); die meteorolog. Untersuchungen in Poggendorffs «Annalen», den «Abhandlungen der schles. Gesellschaft für vaterländische Cultur», der «Zeitschrift der österr. Gesellschaft für Meteorologie» und in den selbständig erschienenen Schriften: «Grundzüge der schles. Klimatologie» (Bresl. 1857) und «Mitteilungen der Breslauer Sternwarte» (ebd. 1879). Sonstige Publikationen sind: «Register zu Zachs Monatlicher Korrespondenz» (Gotha 1850), «Über eine Verbesserung der Planetenelemente» (Bresl. 1858) und «Über die Bestimmung der

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 487.