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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gans (Vogel) - Gans (Eduard)
Antimonsäure und Nasser und ist ein sekundärem
ZeHetzungsprodukt wie die Arseneisensinter.
C5ans (Gänse,^li86i-iäH6), zudensiebschnäbli-
gen Schwimmvögeln (I^m6iliro8t!'68, s. Siebschnäb-
ler) gehörende, einige 40 Arten zählende, über alle
Erdteile verbreitete Vogelfamilie, deren Mitglieder
sich durch höhere Läufe und den an der Wurzel
dickern Schnabel leicht von den Enten unterscheiden.
Ihr Leben verbringen die G. meist weidend auf
dem Lande; sie laufen und fliegen geschickt, wobei
ein größerer Zug meist keilförmige Ordnung ein-
nimmt. Die Geschlechter sind mit wenigen Aus'
nahmen gleich gefärbt. Nachstehende Arten findet
man fast stets als Zicrgeflügel in Besitz von ^ieb-
habern und in den zoolog. Gärten, einige sind auck
zu Haustieren geworden. Glanzgans (s. d.),
Brandgans (s. d.) und Fuchsgans (s. Fuchs-
enten) bilden den libergang von den Enten zu den
G., deren Typus in der Nilgans ((Hmmio^x
3,6A^i)tiacu8 ^) bereits völlig ausgeprägt ist. Die-
selbe ist prächtig braun gefärbt und zart wellig ge-
zeichnet, meist aber so bösartig, daß sie mit anderm
Wassergeflügel nicht zusammen gehalten werden
kann. Preis des Paars 3l)M. Von den Meergänsen
ist wohl die Magelhang ans (^n86r mii^IImni-
l u8 <3//l.) die schönste und wegen der so außerordent-
lichen Verschiedenheit in derFärbung des Geschlechts
die interessanteste. Das Männchen ist weih, der
Körper schwarz gebändert, Schnabel und Füße
schwarz, das Weibchen rostbraun mit schwarzer
Bänderung und gelben Beinen. Das Paar der-
selben kostet 100-150 M. Die Spiegelgans
l^il^er.judaUls I^/i.) aus Australien ist die zier-
lichste der Familie und wird in der Größe von man^
cher Entenart übertreffen. Auch bier unterfcheidet
sich das Männchen durch zarte graue Färbung von
dem braunen Weibchen. Preis des Paars etwa
150 M. Die Ringel- oder Bcrnikelgans (üer-
uicla torcinctt". ^Vise/z, f. Tafel: Schwimm-
vögel III, Fig. 6) kommt im Winter in großen
Scharen an die Küsten Nordeuropas und wird hier
massenhaft gefangen und auf den Markt gebracht.
Sie sollte, wie man feit dem 14. Jahrh, fabelte,
nicht aus Eiern entstehen, sondern als junger Vogel
aus Entenmuscheln (s. Rankenfüßer) oderden platzen-
den Knospen eines weidenähnlichen Baums hervor-
kommen, der am Strande nordischer Länder, beson-
ders auf der Infel Pomona wüchse. Der Preis für
das Paar beträgt etwa 25 M. Ebenfo häufig und
von gleichem Werte wie sie ist die Nonneng ans
i^n80r 1eucoii8i8 1^.), die ebenfalls den Norden
Europas und Asiens bewohnt und ihren Namen
von der weißen Kopfzeichnung hat. Sie wird in
Nordamerika durch die bedeutend größere cana-
dische G. ((^^N0p3i3 c3,n^ä6ii8i8 ^.) vertreten, die
dort Gegenstand einer lebhaften Jagd ist, aber auch
als Haustier gehalten und in Europa mit 60 M.
für das Paar bezahlt wird.
Zu den eigentlichen Feldgänsen rechnet man die
indische G. (^N86r inäicu3 t3nv.) mit schwarzen
Streifen auf den weißen Kopfseiten (Paar 120 M.),
die bis auf die schwarzen Flügelspitzen rein weiße
Schneegans (^n8oi-d^perdoi 6U3 I'a??.) aus dem
'Norden Amerikas und Nordasiens (Paar 150 M.),
die verschiedenen Vläßgänse (s. d.), die Saatgans
l^.n86r 86F6tuin Iv.) von graubrauner Färbung mit
orangegelbem Band um den schwarzen Schnabel
und orange Füßen, die Graugans (^u^cr <^ii6-
i LU8 Tl/e^/ei-, s. Tafel '.Schwimmvögel III, Fig. 2),
welche sich durch den einfarbig orange Schnabel
und die rötlichen Beine von der vorigen unterschei-
det, und die langhalsige Schwaneng ans (^ii86r
8M0ii8i8 H^eM.) aus China. Von letztern beiden
stammen unsere domestizierten Rassen ab und na-
mentlich von der Graugans alle jene G., welche,
wie die Toulouser (s. Tafel: Geflügel, Fig. 10),
Emdcner (Fig. 8), pommersche (Fig. 9) u. s. w., als
Nutzgeflügel gelten.
Die uuter dem Gattungsnamen Sporengänse
zusammengefaßten Arten zeichnen sich durch einen
starken Sporn am Flügelbug und nacktes Gesicht
aus. Die bekannteste ist 1^6cti's)Mi'u8^md6ii8i5
/>. aus Westafrika, deren Wert 200 M. das Paar
ist. Gleich absonderliche Formen stellt Australien
in der schwarz und weißen ^ paltsuhgans (Oiwi'i-
8wM8 m6iluioi6U0U8 ^655.), deren Zehen nur an
der Basis durch Schwimmhäute verbunden sind,
und in der grauen, schwarz gefleckten Hühner-
g an s (^61-601)818 !^0VH6 lloilandias ^ctt/t., s. TafelI
Schwimmvögel III, Fig. 1), deren schwarzer
Schnabel fast vollständig von der gelben Wachs-
haut verdeckt ist. Für das Paar der letzten beiden
Arten werden gewöhnlich 150-200 M. bezahlt. (S.
auch Gänsezucht.)
Gans, Eduard, Vertreter der philos. Schule der
Jurisprudenz in Deutschland, geb. 22. März 1798
(nach anderer Angabe 23. März 1797) in Berlin,
von jüd. Abkunft, studierte zu Göttingen und Heidel-
berg unter Thibauts und Hegels Einfluß Rechts-
wissenschaft, Gefchichte und Philofophie. Als Do-
cent der Rechte begann er in Berlin seit 1820 die
entschiedenste Opposition gegen die daselbst herr-
schende histor. Schule der Jurisprudenz, an deren
Spitze Savigny stand. Nachdem er zum Christentum
übergetreten war, wurde er 1825 außerord., 1828
ord. Professor der Rechte daselbst und starb 5. Mai
1839. Weniger Jurist als Philosoph, verstand er
durch die geistvolle Art seines Vortrags eine zahl-
reiche Zuhörerschaft an sich zu fesseln. Er hatte sich
schon früh durch verschiedene Arbeiten (namentlich
"Über röm. Obligationenrecht", Heidelb. 1819) be-
kannt gemacht und durch eine Schrift über die
Habilitationsangelegenheit des I)r. Witte (1817)
die Feindschaft Savignys zugezogen. 1820 gab er
feine "Scholien zum Gajus" (Berlin) heraus, in
denen er seine Stellung zur histor. Schule scharf ab-
zeichnete. Sein eigentümlichstes Werk aber war
"Das Erbrecht in weltgeschichtlicher Entwicklung"
(4 Bde., Verl., später Stuttg. 1824 - 35), worin
er der Rechtswissenschaft eine philos. Grundlage
zu geben suchte. Weiter erschienen von ihm das
"System des röm. Civilrechts" (Berl. 1827), "Bei-
träge zur Revision der preuß. Gesetzgebung",
eine Zettschrift (ebd. 1830 - 32), sowie "Über die
Grundlage des Besitzes" (ebd. 1839), worin er
Savignys Ansicht von dem Besitze als einem Fak-
tuni zu widerlegen und seine Ansicht von dem Bc-
sitze als einem Recht aus philos. Principien zu ver-
teidigen suchte. Von G.' übrigen Schriften sind zu
erwähnen: "Vorlesungen über die Geschichte der
letzten fünfzig Jahre" (im "Histor. Taschenbuch",
Lpz. 1833 u. 1834), "Vermischte Schriften jurist.,
histor., staatswissenschaftlichen und ästhetischen In-
halts" (2 Bde., Verl. 1834), "Rückblicke auf Per-
sonen und Zustände" (ebd. 1836), in denen er die
Erlebnisse seiner Reisen in England, Frankreich und
Deutschland niederlegte. Besonderes Verdienst er-
warb er sich auch als Herausgeber von Hegels