Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

528

Gansbauch – Gänsezucht

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gans (Eduard)'

«Grundlinien der Philosophie des Rechts» (Berl. 1833; 3. Aufl. 1854). und «Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte» (ebd. 1837; neue Ausg. 1848). In Verbindung mit einigen Freunden gründete er die «Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik» (Stuttg. 1827).

Gansbauch, ein Wams, das sich vorn in eine Spitze tief herabsenkte, nach der Mitte zu mit Baumwolle oder Pferdehaar ausgestopft war und wie ein Polster vor Brust und Bauch herabhing (s. Tafel: Kostüme III, Fig. 6). Die Krieger trugen den G. mit Riemen um die Achseln befestigt wie einen Brustpanzer als selbständiges Stück, und auch der Eisenharnisch nahm diese Form an. Die Mode kam am Hofe Heinrichs III. von Frankreich auf, der sie vielleicht aus Polen mitbrachte, daher die franz. Bezeichnung panseron à la polonaise, auch à la poulaine (poulaine: Schiffsschnabel).

Gansdorf, s. Gánócz.

Gänse, s. Gans.

Gänseadler, soviel wie Seeadler, s. Adler.

Gänseblümchen, s. Bellis.

Gänseblume, s. Chrysanthemum.

Gänsebrust, eine durch zu weites Vorstehen des Habichtsknorpels (s. d.) bedingte Brustform des Pferdes. Tritt dieser Knorpel spitz hervor, so nennt man die Brust Habichtsbrust: erscheint die Vorbrust zufolge dicker, den betreffenden Knorpel umgebender Muskeln gewölbt, so heißt sie Hahnenbrust. (S. auch Hühnerbrust.)

Gänsedistel, s. Sonchus.

Gänsefeder, s. Schreibfedern.

Gänsefuß, Pflanzengattung, s. Chenopodium.

Gänsefüßchen, s. Anführungszeichen.

Gänsegeier, s. Geier.

Gänsehaut (Cutis anserina) wird die menschliche Haut dann genannt, wenn sie bleich, kalt und mit kleinen bleichen Knötchen übersät ist. Diese Knötchen entstehen infolge einer krampfhaften Zusammenziehung der kreisförmig um die Haarbälge der Haut gelagerten zarten Muskelfäserchen (Arrectores pilorum), die durch ihre Verkürzung die Haarbälge und die denselben benachbarten Talgdrüsen hervordrängen, sodaß sie die Hautoberfläche kegelförmig emportreiben. Zu gleicher Zeit kontrahieren sich auch die in der Wand der Blutgefäße der Haut gelegenen Muskelfasern, sodaß diese enger und daher blutärmer werden, was wieder Bleichheit und Kühle der ganzen Haut zur Folge hat. Die G. kommt besonders durch Kälte und heftige Gemütserschütterungen zu stande; ferner zuweilen bei Ekel, unangenehmen Gehöreindrücken und hysterischen Krämpfen.

Gänsekötigerz, s. Ganomatit.

Gänsekraut oder Gänserich, s. Potentilla.

Gänsekresse, s. Arabis.

Gänseleberpastete, s. Pastete.

Gänserich, Pflanzenart, s. Potentilla.

Gänsesäger, Gänsetaucher, s. Sägetaucher.

Gänsezucht. G. aus Liebhaberei wird in weit geringerm Maße getrieben, als Entenzucht. Schuld daran ist die Gewohnheit der Gänse, meist auf dem Ufer zu verweilen und dort alles Gras abzuweiden, sodaß man weder einen belebten Weiher noch grünes Ufer hat, wie dies bei der Entenhaltung und -Zucht der Fall ist. Von den im Artikel Gans aufgezählten Arten zeichnet sich namentlich die Nilgans durch leichte Zucht aus; doch pflanzen sich auch alle übrigen nicht schwer fort, wobei dieselben Regeln gelten, wie bei der Entenzucht. Auch die Brutdauer ist die gleiche ↔ und die Aufzucht in der Regel leichter, als die der jungen Enten. Von größerer Bedeutung ist die G., welche sich auf die domestizierten Rassen erstreckt.

Die zahme oder Hausgans, die fast überall in der nördl. gemäßigten Zone gezüchtet wird, stammt ohne Zweifel von der Graugans (Anser cinereus Meyer, s. Gans) ab, hat sich aber durch die Züchtung dahin verändert, daß die Körperentwicklung eine viel größere, auch nebenbei das Gefieder vielfarbiger geworden ist; denn während die Graugans nur ein Gewicht von 4 bis 5 kg erreicht und von grauer Färbung ist, gehören gemästete Gänse von 12 bis 15 kg nicht zu den Seltenheiten und man findet die zahme Gans sowohl mit rein weißen, wie auch weiß und grauen und ganz grauen Federn.

Während man in Norddeutschland, speciell in Pommern, bestrebt ist, soviel Muskelfleisch wie möglich zu erzeugen, und zu diesem Zwecke die Gänse anfangs fleißig weidet und späterhin mit Hafer und Möhren in reinlich gehaltenen, nicht zu engen, möglichst warmen Ställen kräftig füttert, geht das Bestreben im Elsaß dahin, recht viel Fett und, in Verbindung damit eine große, bis 2 kg schwere Leber zu erzielen. Man erreicht dies dadurch, daß man die Tiere im Alter von 3 bis 4 Monaten ab gewaltsam mästet. Hierzu sperrt man sie in enge Käfige, in denen sie sich nicht herumdrehen können, und stopft ihnen alle paar Stunden soviel wie möglich Kügelchen aus Gersten- oder Haferschrot, Maismehl und Wasser, entweder mit der Hand oder mit einer besondern Maschine ein. – Nicht allein, daß man die Gans für Nahrungszwecke züchtet, auch für die Federgewinnung ist dieselbe von großem Nutzen. Die Federn der geschlachteten Gans bilden schon eine Einnahmequelle, auch das lebende Tier wird zweimal im Jahre, im Frühjahr und Nachsommer, seiner Daunen und Federn an Brust und Bauch beraubt; die von lebenden Tieren hält man für wertvoller als die von geschlachteten. Die Schwungfedern der Flügel benutzte man früher zu Schreibfedern, die durch die Stahlfeder verdrängt sind.

Man teilt unsere Hausgans in eine Anzahl Rassen ein, von denen die gewöhnliche Landgans und die seit etwa 10 Jahren eingeführte Italienische Gans der Graugans wohl am nächsten stehen; ihre Farben sind graubunt, grau, weniger reinweiß. Die Pommersche Gans (s. Tafel: Geflügel, Fig. 9), seit lange in Pommern, Mecklenburg und Westpreußen gezüchtet, zeichnet sich der vorgenannten gegenüber durch Körpergröße aus und kommt meistens in Reinweiß, weniger graubunt vor. Noch etwas größer ist die Emdener Gans (s. Tafel: Geflügel, Fig. 8), die in Ostfriesland und den benachbarten Gegenden gezogen wird; dieselbe kommt hauptsächlich nur in Weiß vor und besonders diese Gans wird auch nach andern Teilen Deutschlands, sowie nach Böhmen und Ungarn zur Zucht ausgeführt. Die größte der Gänse ist die Toulouser Gans (s. Tafel: Geflügel, Fig. 10), fast immer nur in Grau vorkommend, von gedrungenem Körperbau und mit tief herabhängendem Bauch. Als Nutzgans dürfte diese aber nicht in Betracht kommen, sondern unter die Ziergänse zu zählen sein, als deren Vertreter noch die zahme Höckergans (s. Tafel: Geflügel, Fig. 1 u. 2), die Lockengans u.a.m. zu nennen sind.

Zur Zucht der Gänse nimmt man am besten 1–2 J. alte Weibchen und hält auf 5–8 derselben

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 529.