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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Garnier-Pagès (Louis Antoine) - Garnitur
Debatten über die geHennen Fonds 1837 unterwarf
er Guizots Leben als Staatsmann einer scharfen
und beißenden Kritik. Noch 1841 unterstützte er
lebhaft den Antrag von Mauguin und Pages de
l'Ariego zur Beschränkung der Wählbarkeit öffent-
licher Beamten. G. starb'23. Juni 1841 zu Paris.
Garnier-Pages (spr. -nleh paschähs), Louis
Antoine, franz. Politiker, Stiefbruder des vorigen,
geb. 16. Febr. 1803 zu Marseille, war anfangs
Handelsagent zu Paris und nahm lebhaften Anteil
an der Iulirevolution. Nach dem Tode seines Bru-
ders (1841) wurde er in die Kammer gewählt, wo
er auf der äußersten Linken faß und bedeutende
Wirksamkeit in finanziellen Fragen entwickelte. Als
einen der eifrigsten Agitatoren bei den Reform-
banketten rief man ihn in der Februarrevolution von
1848 zum Maire von Paris aus und machte ihn
zum Mitgliede der Proviforifchen Regierung. Am
5>. März übernahm er sodann das Portefeuille der
Finanzen, das er unter den fchwierigsten Verhält-
nissen dis zum Iuniaufstand fübrte. Zugleich war
er Abgeordneter in der Constituante, wo er zur ge-
mäßigten Demokratie geborte und mit Geschick seine
Finanzmaßregeln verteidigte. Da er in die Legis-
lative nicht wiedergewählt wurde, trat er seitdem
ins Privatleben zurück, um sich industriellen Unter-
nehmungen und litterar. Studien zu widmen. Eine
Frucht der letztern ist das umfangreiche lnstor. Werk
"Itigtoir" ä^ Ia i-ovolution äe 1848" (10 Bde., Par.
1861-72). 1864 trat er wieder auf den polit. Schau-
platz, indem er von einem Pariser Wablbezirk in
den Gesetzgebenden Körper gewäblt wurde, wo er
Zu der republikanischen Opposition Jules Simon,
Iu^es Favre, Picard u. s. w. bielt. Nach dem Sturze
des Kaiserreichs wurde G. 4. Sept. 1870 in die Pro-
visorisa^ Regierung gewäblt. Er gehörte nebst
^'^tan und ^lrago M der Regierungsdeputation,
die nacb^doroeaur gesandt wurde, um Gambetta zum
Rücktritte zu veranlassen, nachdem wegen der Gam-
bettaschen Dekrete vom 31. Jan. 1871 <s. Gambetta)
zwischen den Rcgierungsmitgliedern zu Paris und
der Delegation zu Bordeaux ein Konflikt ausge-
brochen war. Später zog er sich vom polit. Leben
zurück. Er starb 31. Okt. 1878 zu Paris. Außer dem
genannten Werke verfaßte er tti.'o^ozition et i'mn-
1)ire" st Bde., 1872).
Garnison (frz.), eine ständig mit Truppen be-
legte Ortschaft, oder auch die Truppen einer Ort-
schaft in ihrer Gesamtheit. Der in einem Garnison-
ort anwesende, der Charge nach höchste Offizier
wird in Deutschland Garnison alte st er genannt
und ist Vorgesetzter der ganzen G. Er bat für die
regelrechte Handhabung des Garnifondienstes
zu sorgen, der sich auf alle, die G. in ihrer Ge-
samtheit betreffenden Verrichtungen, wie Wach-
dienst, Gerichtsdienst, Arbeitsdienst, beziebt. Die
Bestimmungen über die Handhabung des Garnison-
dienstes sind in der Garnisondicnstvorschrift
enthalten. Große Garnisonorte und Festungen
baden besondere Kommandanten, denen zur Unter-
, stützung noch ein Platzmajor (s. d.) beigegeben ist.
Große Festungen und Hauptstädte haben außer dem
Kommandanten einen Gouverneur (s. d.).
Garnisonältester, s. Garnison.
Garnisonanftalten, s. Garnisonverwaltung.
Garnifonbataillone, Infanterieabteilungen,
die im Kriegsfalle aus nicht vollkommen felddienst-
fähigen Leuten und ällern wehrpflichtigen Mann-
schaften für lokale Zwecke gebildet werden, wie dies
z. B. in Deutschland 1870-71 zur Bewachung der
franz. Kriegsgefangenen geschah.
Garnifondieuft, s. Garnison.
Garnisongericht. Das G. besteht aus dem
Gouverneur oder Kommandanten als Gerichtsherren
und dem Gouvernements- oder Garnisonauoiteur.
Vor das G. gehören alle Ausschreitungen gegen die
öffentliche Ruhe und Sicherheit am Orte sowie die
im Wacht- oder Garnisonsdienst verübten Vergehun-
gen. G. befinden sich in allen Festungen, außerdem
in Berlin, Altona, Breslau, Darmstadt, Frankfurt
a. M., Hannover, Karlsruhe, Cassel, Kiel, Münster
und Potsdam.
Garnisonlazarette, die stehenden Militär-
lazarette in einem Garnisonsort von mindestens
600 Mann Etatstärke. Ihr Umfang ist für die
Normalkrankenzahl, d. h. im allgemeinen auf 3^
bis 4 Proz. des Garnifonbestandcs bemessen.
Garnisonschulen, Unterrichtsanstalten, die in
mebrern prcuß. Garnisonstädten eigens für die Mi-
litärlinder, teils durch private Stiftungen, teils
durch den (^taat begründet worden sind. Befindet
sich keine solche Schule in einer Garnison, so wird
für den Schulunterricht der Militärtinder, d. h. Kin-
der der Unteroffiziere und Mannschaften des Frie-
densstandes (einschließlich Gendarmerie, Invaliden-
häuser und Invalidencompagnien) sowie der untern
Militär- und Civilbeamten der Militärverwaltung,
anderweitig durch die Militärbehörden gesorgt. Eine
Garnisonschulkommission hat die G. zu be-
aufsichtigen, die Zulassung aller Militärkinder zum
Bezüge geeigneter Schulen unter möglichst günstigen
Bedingungen zu vermitteln und die Gewährung
einer Beihilfe zur Bestreitung der Kosten des Schul-
unterrichts zu bewirten.
Garnison-Transporthäuser, in Österreich
Ungarn in größern Garnisonen bestehende Anstal-
ten, welchen das Sammeln und die gemeinschaftliche
Beförderung der von und zu Truppen und Anstalten
abgehenden Mannschaften fowie deren Einquartie-
rung und Verpflegung obliegt. In kleinern Gar-
nisonen werden dergleichen Transporte durch den
Truppenteil besorgt.
Garnisonverwaltung, die mit der örtlichen
Verwaltung derjenigen Garnisonanstalten beauf-
tragte militär. Behörde, welche nicht einem an-
dern Ressort überwiesen sind. Zu den Garnison-
anstalten gehören alle Grundstücke und Gebäude,
welche zur Ünterknnft und zum Gebrauch für die
Truppen einer Garnison bestimmt sind, wie Ka-
sernen, Pferdeställe, Wachen, Arrest- und Gerichts-
lokale, Handwerksstuben und Montiernngskammern,
Dienstwohnungen, Reitbahnen, Ererzierhäuser, Gar-
nisonkirchen und Vegräbnisplätze u. s. w. Die Eigen-
tumsverhältnisse an diesen Grundstücken und Ge-
bäuden sind durch das Reichsgesetz vom 25. Mai
1873 im wesentlichen dahin geregelt, daß das Reich
volles Eigentumsrecht an denselben hat, bei Un-
brauchbarwerden aber ein gewisses Heimfallsrecht
des Bundesstaates besteht, daß für Reineinkünfte,
wie Pachterträgnisse, der Vundesstaat eine Entschä-
digung erhält und daß alle Einnahmen aus Ver-
äußerungen in die Reichskasse fließen.
Garnitur (vom frz. ^rniwi e), eigentlich Besatz,
Einfassung, Verziernng, der Inbegriff derjenigen
Teile eines Fabrikats, welche zur Vollendung des
Ganzen gehören und demselben zugleich als Schmuck
dienen. So nennt man G. den Beschlag an einem
! Stock oder Degen, an Gewehren die Beschläge des
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