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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gasbeleuchtung
im Schnitt und auf Taf. I, Fig. 4 in Ansicht ab-
gebildet ist, besteht aus einer Trommel mit dickt
abschließenden Scheidewänden, welche excentrisch
in einem sesten zylindrischen Gehäuse, von einem
Motor getrieben, rotiert. Das Gas wird hier-
durch mitgerissen und mit erhöhtem Druck am
entgegengesetzten Röhrende fortgepreßt. In den
Kühlern oder Kondensatoren (Taf. ll, Fig. 1)
wird das Gas zuerst durch Lust sbci n), dann durch
Wasser (bei d) gekühlt, wodurch sich die meisten
dampfförmigen Bestandteile in flüssiger Form als
Teer is. d.) und Gaswasser (s. d.) niederschlagen.
Beide werden in Gruben c gesammelt, um alsdann
verarbeitet zu werden. Das Gas wird von den
kühlern durch weitere Apparate geführt, welche
eine völlige Reinigung bewirten. Im Tcerscbci-
der (Taf. I, Fig. 3) wird der noch vorhandene Teer
bis auf die letzten Spuren dadurch entfernt, daß
man das Gas durch zahlreiche feine Löcher hindnrcw
zwängt, welche in einer doppelwandigcn schwim
inenden Glocke (r so angebracht sind, daft das
Gas zwischen den Glcckenwänden oft feine Ricb
tung ändern muß. Durch diefe Stoßwirkung scheidet
sich der Teer vollkommen ans dem Gase ab. Die
Enlserimng des Ammoniaks ans dem Gase ge
schiebt durch Waschung mit Gaswasser und zuletzt
mit reinem Wasser. Hierdurch wird nicht nur das
Gas von Ammoniak sowie von dem größten Teil
der Kohlensäure und des Schwefelwasserstoffs be-
freit, sondern es wird auch gleichzeitig das Gas-
wasser an Ammoniak angereichert und dadurch zur
Verarbeitung geeigneter gemacht. Die Waschung
des Gases geschieht in den W ä s ch c r n oder Skrub -
bern. Früher verwendete man ausschließlich höbe
eiserne Cylinder, welche mit porösem Material (Kots,
Neisig u. dgl.) gefüllt und von oben mit Gaswaffer
(s. d.), bez. Wasser beriefclt wurden, während man
bei den neuern Wäfchern den Grundsatz verfolgt,
Bündel von Holzstäbchen oder Blechen von möglichst
großer Oberfläche abwechselnd in das Wasser zn
tauchen und dann vom Gase durchströmen zu lassen.
Ein solcher Wäscher (Taf. 1, Fig. 5) ist unter dem
Namen Standard-Wasch er bekannt. Eine hori
zontale Achse dreht sich mitsamt den auf ihr befind
lichen Scheiben, welche, aus vielen Holzstäbchen zu^
sammengesetzt, unten in die Flüssigkeit tauchen, wäh-
rend oben das Gas durch die benetzten Stäbchen
dringt. Das Gas hat in mehrern Kammern nach-
einander immer denselben Weg zu nehmen und tritt
am Ausgangsrohr völlig frei von Ammoniak aus
dem Wäscher. Zur Entfernung des Ammoniaks auf
trocknem Wege verwendet man in feltencn Fällen
SuperPhosphat, welches, in Reinigungskästen aus-
gebreitet, vom Gas durchstrichen wird und dabei
unter Bildung von Ammoniatfuperphosphat das
Ammoniak dos Gases aufnimmt. Mit noch einem
gewissen Gehalt an Schwefel- und Cyanverbin-
düngen sowie Kohlensäure geht das Gas in die
trock n e R einigung über. In einigen Gasanstal-
ten, namentlich in England, pflegt man die Kohlen-
säure sowie die geringen spuren von Schwefelkoh-
lenstoff, welche im Gase sind, durch Kalk zu entfer-
nen; in Deutschland und andern Ländern beschränkt
man sich meist auf Entfernung des Schwefelwasser-
stoffs. Man verwendet hierzu fast ausschließlich
natürlich vorkommende Naseneisenerze oder künst-
lich zubereitetes Eisenorydhydrat. Diese sog. Gas-
reinigungsmassen nehmen den Schwefelwasser-
stoff unter Bildung von Eisensulfür auf, welches
! sich, sobald es mit Lust oder reinem Sauerstoff in
! innige Berührung kommt, unter Adfcheidung von
Schwefel wieder zu Eifenorydhydrat oxydiert. Durch
diefe Wiederbelebung werden die Massen von neuen:
zur Reinigung des Gafes brauchbar, ^o ^ange, bis
ihr hoher Gehalt an Schwefel eine Wiederbenutzung
unmöglich macht. Gleichzeitig nehmen diese Rci-
! nigungsmassen ans dem Gase Cvan auf unter
Bildung von Berlinerblau, wodurch sie zu einen:
wichtigen Robprodukt zur Gewinnung dieses Farb-
stoffes werden. Ausgenutzte Reinigungsmassen ent-
halten je nach den Verhältnissen 30 - 50 Proz.
! Schwefel und 3 - 15 Proz. Berlinerblau. Zum
Zweck der Reinigung bringt man die Reimgungs-
masfen in Schichten in die Reinigungstästen
(Taf. I, Fig. 6), sodaß das Gas in möglichst innige
Berührung mit der Masse kommt. Zeigt das Gas
am Ausgange des Kastens noch Spuren von Schwe-
felwasserstoff, so wird die Masse zur Wiederbelebung
entweder durch Abheben des Deckels an die Luft
gebracht, oder man bläst Luft oder auch Sauerstoff
in die Kästen felbst ein. Das in den Reinigungs-
kästen gereinigte Gas wird fchließlich in großen Gas-
messern (s. d.) gemessen und in den Gasbehäl-
tern oder Gafometern aufbewahrt. Die Gas-
behälter sind große eiserne Glocken, welche unten
offen find und in Wasser tauchen, fodaß das Gas
darin abgesperrt ist, und nur durch das in das In-
nere eingeführte Ein- und Ausgangsrobr geleitet
werden kann. Die Glocken fchwimmen und find mit
! Rollen an dem äußern Führungsgerüst in vertikaler
' Richtung beweglich, sodaß dem veränderlichen In-
^ halt an Gas ein jeweils bestimmter Höhenstand der
! Glocke entspricht. Vielfach baut man die Glocke
ähnlich einem Fernrohr ausziehbar (Teleskopbehäl-
ter). Der Abschluß des Gafes wird dann dadurch
bewirkt, daß jeder Glockenmantel unten tassen-
förmig umgebogen ist und so das zum Abschluß
nötige Wasser aus dem Gasbchälterbassin heraus-
schöpft. Die Gasbehälterbassins, welche nur das
zum Abschluß nötige Wasser aufzunehmen haben,
baut man entweder aus Stein, aus Beton oder
aus Eisen. Taf. II, Fig. 2 zeigt einen Gasbebälter
mit eisernem Bassin, welches innen kugelförmig
gewölbt ist, um einerseits Wasser zu sparen und
andererseits den Raum unter dem Bassin nutzbar
zu machen (System Intze). Das ganze Bassin ruht
dabei nur auf einer Ringmauer. Die Gasbehälter
werden fo groß gebaut, daß sie etwa 70 Proz. des
größten Tagesbedarfes zu fassen vermögen. Der
größte Gasbehälter in London faßt 240000 cdin
Gas, ist vierfach telcstopicrt und hat einen Bassin-
durchmesscr von 77,50 in. Die Glocke ist 55 m hoch.
Ehe das im Gasbehälter aufgefammelte Gas zu
den Konfumenten geleitet wird, muß dessen Druck
verringert und geregelt werden. Dies geschieht
durch den Gasdruckregler lTaf. II, Fig. 3),
dessen Wirkung darin besteht, daß in dein Augen-
blick, wo der Druck unter der schwimmenden Glocke^
des Reglers steigt, der Durchfluß des Gases durch
ein mit der Glocke verbundenes Ventil V gehemmt
wird, und umgekehrt. Turcb Belastung der Glocke
ist man im stände, den Druck im Rohrnetz der Stadt
zu erhöhen. (Vgl. Gasregler.)
Das Gasrohrneh sührt das Gas von der Gas-
anstalt den Vcrbrauchsstellen zu. Man verwendet
fast ausschließlich gußeißerne Röhren von 0,o?5
bis 1 in Durchmesser im Lichten. Diese Röhren
werden entweder durch Muffen verbunden, welche