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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gasifizieren; Gasinhalationskrankheiten

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Gasifizieren - Gasinhalationskrankheiten

Riemann. Ein Liter Wasser, bis zum Sieden erhitzt, kostet in einem

^[Liste]

Benzinkocher 2,0 Pf.

Spirituskocher 1,70 "

Petroleumkocher 0,70 "

Gaskocher (Dessauer) 0,40 "

Zur Zimmerheizung verwendet man Gasöfen oder Gaskamine (s. Öfen). Bei letztern werden häufig leuchtende Flammen angewendet, welche mehr strahlende Wärme liefern als die entleuchteten Flammen. Der Hauptvorzug der Gasöfen beruht darin, daß man die Wärme jeden Augenblick zur Verfügung hat und je nach Wunsch regulieren kann. Große Verbreitung haben auch die Gasbadeöfen zur Bereitung von warmen Bädern gefunden. Sie teilen sich in geschlossene und offene. Bei erstern fließt das Wasser in einem geschlossenen Heizkörper, während es bei den offenen Gasbadeöfen fein verteilt, den Heizgasen entgegen sich bewegt und die Wärme direkt aufnimmt. Bei dem in Fig. 2 im Schnitt dargestellten Gasbadeofen fließt das Wasser von W aus über mehrere Becken, fließt den Heizgasen der Flammen F entgegen und tritt durch das Rohr M mit der am Thermometer T zu kontrollierenden Temperatur aus. Der Apparat läßt sich mit Vorteil überall da verwenden, wo man rasch warmes Wasser haben will. (S. auch Gasfeuerungen.) - Vgl. Riemann, Ist das Heizen und Kochen mit Gas noch zu teuer? (Dessau 1892).

^[Abb.: Fig. 2.]

Gasifizieren, vergasen; Gasifikation, Vergasung.

Gasinhalationskrankheiten, Krankheiten, die durch Einatmung schädlicher oder den Atmungsvorgang beeinträchtigender Gase entstehen, wobei als Gase nicht nur alle sog. wirklichen Gase, wie Wasserstoff, Stickstoff, sondern auch die Dämpfe flüssiger und fester Körper, z. B. des Quecksilbers, des Jod u. s. w. bezeichnet werden. Je nach der Art des eingeatmeten Gases ist die Form der Erkrankung eine verschiedene, ebenso auch nach der Menge des eingeatmeten Gases und der Dauer der Einatmung. Mit Rücksicht auf die Dauer der Einatmung kann man die G. in akute und chronische einteilen. Besser ist es, sie nach der physiol. Wirkung der in Frage kommenden Gase zu unterscheiden. Nach dieser sind die Gase in drei wesentlich verschiedene Kategorien zu trennen; manche eingeatmete Gase (die sog. indifferenten) wirken nur dadurch schädlich, daß durch sie der zum Leben unentbehrliche Sauerstoff der atmosphärischen Luft verdrängt wird, während sie, mit der gehörigen Menge Sauerstoff gemischt, beliebig lange ohne Schaden geatmet werden können; hierher gehören namentlich der Stickstoff, der Wasserstoff und das Grubengas. Eine große Anzahl anderer Gase, die sog. irrespirablen und giftigen, bedingen auch bei Gegenwart hinreichender Sauerstoffmengen Störungen des Gaswechsels innerhalb der Lungen und können hierdurch oder durch anderweite schädliche Einwirkungen den Tod oder chronisches Siechtum zur Folge haben. Die irrespirablen Gase können nur spurweise, mit andern Gasen gemengt, eingeatmet werden, weil sie für sich oder in größerer Konzentration geatmet, reflektorisch Stimmritzenkrampf und damit Unterbrechung dee Atmungsprozesses erregen; auch in kleinsten Mengen eingeatmet, wirken sie reizend und zerstörend auf die Schleimhaut der Respirationsorgane, namentlich die Lungen, ein. Hierher gehören alle Gase von starker chem. Wirkung, wie Chlor, Fluor, Ozon, Chlorwasserstoffsäure, schweflige Säure, Untersalpetersäure, Ammoniakgas u. a. Die giftigen Gase können zwar eingeatmet werden, bewirken aber durch ihre Aufnahme in das Blut schädliche oder tödliche Veränderungen im Organismus. Zu ihnen zählen das Schwefelwasserstoff- und Phosphorwasserstoffgas, das Kohlenoxydgas, der Arsenwasserstoff, dae Stickoxydulgas sowie die Dämpfe der Blausäure, des Chloroforms, Schwefeläthers u. a. Die Einatmung indifferenter Gase in reinem Zustand ist selten. Gemische von solchen Gasen mit mehr oder weniger Luft werden nicht ganz selten eingeatmet beim Betreten nicht genügend gelüfteter oder lange verschlossen gehaltener Abtrittsgruben oder Kanäle. Es kann hier durch Erstickung augenblicklich der Tod erfolgen. Bei der andauernden Einatmung indifferenter Gasarten, wie des Stickstoffe, Wasserstoffs und des leichten und schweren Kohlenwasserstoffgases, der namentlich Bergleute und Grubenarbeiter ausgesetzt sind, treten gewöhnlich Atembeschwerden auf, welche die Arbeiter zu verstärkten Atembewegungen veranlassen und so schließlich bei öfterer Einwirkung zur Entwicklung von Lungenemphysem führen (s. Emphysem). Heftige und tödliche Erkrankungen infolge Einatmung größerer Mengen sog. irrespirabler Gase kommen selten zur Beobachtung, hauptsächlich deshalb, weil diese Gase sich durch heftige Reizerscheinungen in den Atmungsorganen sofort bemerklich machen. Stürmischer Husten, intensive Atemnot und Beklemmung veranlassen den Befallenen die Stelle der Gefahr zu verlassen. Chronische Erkrankungen werden dagegen durch die irrespirabeln Gase sehr häufig hervorgerufen. Begünstigend wirkt hierbei der Umstand, daß bei dauernder Einatmung derselben sehr bald eine Abnahme der Empfindlichkeit der Schleimhäute des Kehlkopfes und der Luftröhrenäste eintritt, sodaß die Gase jetzt direkt in die Lungen gelangen und auf das Gewebe derselben reizend und zerstörend einwirken. Chronische Katarrhe der Atmungsorgane stellen sich als Folge dieser Schädigungen ein und leisten häufig der Entwicklung anderer Lungenkrankheiten, namentlich der Schwindsucht, Vorschub. In vielen Fällen beobachtet man auch Erkrankungen anderer Organe, besonders der Verdauungeorgane bei den der Einatmung dieser Gase länger ausgesetzten Personen. Beachtenswert ist, daß diese Folgen bereits bei äußerst geringen Beimengungen (Zehntausendstel) zu der Atemluft auftreten. Am meisten sind die Arbeiter der Gefahr der Einatmung solcher Gase bei der Strohhutfabrikation, beim Bleichen tierischer Substanzen, beim Schwefeln des Hopfens, bei der Schwefelsäurefabrikation, in Kaltbrennereien, bei der Destillation von Steinkohlen und dem Rösten von Schwefelkiesen, in chem. Fabriken, bei der Glasfabrikation und bei der Herstellung von künstlichem Dünger ausgesetzt.