Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

584
Gassenlaufen - Gastaldit
Zecher, Vubler und Nauser, die mit ihren Degen
auf die Pflastersteine der Gaffe hieben; der Name
wurde weiter übertragen auf die von ihnen beharr-
lich, zuweilen unter Instrumentalbegleitung, wieder-
lwlten bieder. Dann fcheint G. aber eine ganz be-
stimmte Art volkstümlicher Lieder, vielleicht Tanz-
lieder, zu bedeuten: fo erscheint das Wort im
16. Jahrh, neben Reuter- und Bergliedlein auf dem
Titel mehrerer Liederfammlungen (z. B. der Samm-
lung Knausts, Frankf. 1571). Im vorigen Jahr-
liundert bedeutete es zunächst einfack das, was wir
heute Volkslied nennen, bekam aber bald einen
geringschätzigen Nebensinn. Zum echten G. gehört
vor allem eine frappante, aber triviale Melodie.
Gassenlaufen, f. Spießrutenlaufen.
Gasser, Hans, Bildhauer, geb. 2. Okt. 181? zu
Eisentratten in Kärnten, wurde in Wien gebildet
und wirkte feit 185)1 an der Akademie daselbst al^
Lehrer im Zeichnen und Modellieren. Er schuf viel-
fachen Skulpturenfchmuck für öffentliche Gebäude; fo
die Statuen an der Johanniskirche in Neulerchenfeld,
die Kriegerstatuen und allegorifchen Figuren an dem
neuen Ärfenalbau, die Statuen des beil. Johannen
und der heil. Elisabeth an der Südseite der Ste-
phanskirche. Auf der Elifabethbrücke ist seine Mar-
morstatue des Schriftstellers Iof. von Sonnenfel^
aufgestellt. Zu seinen gröftern Arbeiten gehören
das Erzstandbild Weldens für den Schtohberg in
Graz und das Wielands für Weimar (1857 ent-
hüllt). Auch erhielt die wahrscheinliche Grabstätte .
Mozarts in Wien ein würdiges Denkmal durcb!
ihn. Daran schließt sich eine große Reihe von!
Porträtbüsten und Statuetten, besonders von be- !
rühmten Künstlern und Künstlerinnen. 1862 ward z
seine Statue Maria Theresias für Klagenfurt voll-
endet. 1867 war er für das Opernhaus thätig, wo
er die beiden Brunnen mit Etatuen scbmückte. Am
besten find diejenigen feiner Werke, in welchen ein
genrehafter oder idvllifcher Zug vorherrfcht, wie
z. V. fein Donauweibchen im Wiener Stadtpart
l1865), die Standbilder der österr. Nationalitäten
an der falten) Börse daselbst, seine ins Bad steigende
Nymphe u. a. Er starb 21. April 1868 in Pest.
Ein Denkmal lvon Meßmer) wurde ihm 6. März
1871 zu Villacb errichtet.
Gasserscher Knoten (6llii^Ii0ii(^i880ii), großer
Nervenknoten am Stamme des fünften Gehirnner-
ven, benannt nach dem Anatomen Gaffer (1765,) in
Wien <s. Ganglien und Gehirn),
l Gasser von Valhorn, Iosepb, Bildhauer,
geb. 22. Nov. 1816 zu Prägraten in Tirol, besuchte
als Scbüler Kliebers seit 18N7 die Akademie zu
Wien, bildete sicb dann seit 1846 in Rom weiter au^
und ließ sich 1852 in Wien nieder. 1865-73 war
er an der Akademie daselbst als Lehrer thätig. Von
seinen Werken sind zu uennen: die 5> Portalfiguren
für den Dom zu Speier N85i6), 24 Statuen für
die ^tephanskircbe zu Wien, 9 Statuen für die
Altlerchenfelder Kirche dafelbst; ferner 7 Reliefs für
die Kaiserhalle in Speier, die Marmorstatue Herzog
Rudolfs IV. für die Elifabetbbrücke in Wien, die
Standbilder Kaifer Maximilians 1., Friedrichs de^
Streitbaren und Leopolds von Habsburg für dac>
Museum im Arsenal, die Marmorstatuen der sieben
freien Künste im Treppenhaus de5 neuen Opern-
hauses. Außerdem lieferte er mehrere Büsten, z. B.
die des Kaisers Maximilian von Mexiko sowie die ^
seiner Gemahlin, der Kaiserin Charlotte, und die!
des Kaisers Franz Joseph für das Hotel de Ville !
zu Paris, welche 1871 zu Grunde ging. Seit 1873
arbeitete er Vorzugsweife für die VotivtirchezuWien;
fo die Tympanreliefs der drei Hauptportale, die
Gruppe der Dreifaltigkeit, Krönung Maria, neun
Enget, die Erlöferstatue sowie die Statuen des Hoch-
altars und eines Seitenaltars. Für das neue Rat-
haus hat G. die Figur des Herzogs Rudolf des
Stifters gefertigt, für das Burgtheater den Pro-
metheus und die Genoveva; für das Universitäts-
gebäude die Figuren des Herodot und Aristarch:
ferner für den neuen Dom zu Linz eine Reihe von
Statuen. Er wurde 1879 in den Adelstand erhoben.
Gatzner, Joh. Iofeph, Teufelsbanner, geb.
22. Aug. 1727 zu Bratz bei Bludenz in Vorarlberg,
war kath. Pfarrer zu Klösterle im Bistum Chur. In
dem Glauben, daß die meisten Krankheiten von
böfen Geistern herrührten, fing er an, durch Segen-
sprechungen und Gebete diefe Geister auszutrciben.
Der Bifchof von Konstanz berief ihn in feine Residenz,
überzeugte sich aber bald von der Marttschreierei
G.s; dagegen hielten ihn mehrere andere Reichs-
prälaten für einen Wunderthäter, und er erhielt 1774
von dem Bifchof zu Regensburg einen Ruf nack
Ellwangen, wo er angeblich Labmc und Blinde, vor-
züglich aber mit Krämpfen und Epilepsie behaftete
Perfonen durch den bloßen Machtfpruch "06886t!"
("Erweiche!", nämlich der Teufel) heilte. Doch bald
erhoben aufgeklärte Männer ihre Stimme gegen
ihn, und auch die Erzbischöfe von Prag und Salz-
burg verurteilten in Hirtenbriefen fein Treiben. Als
das Unwefen immer ärger wurde, mcMe ein kaiserl.
Befehl den Wunderkuren im ganzen Römifchen
Reiche ein Ende. G. zog sich auf die Pfarrei Bondorf
bei Regensburg zurück und starb 4. April 1779. -
Vgl. Sierke, Schwärmer und Schwindler zu Ende
des 18. Jahrh. (Lpz. 1874); I. A. Zimmermann,
Joh. Ios. G., der berühmte Exorcist (Kemptcn 1878).
Gasfpritze, s. Feuerspritze iBd. 6, S. 741a).
Gast (Mehrzabl Gasten), im Seewesen der ein-
zelne Matrose in Bezug auf die dienstliche Beschäf-
tigung, der er an Bord für gewöhnlich zugeteilt ist. So
nennt man Bootsgasten die Ruderer in den Booten;
Marsrahgasten, die die Marssegel, Bramrahgasten,
die die Bramsegel, Klüvergasten, die den Klüver,
Backsgasten, die das Vorgeschirr bedienen. DieTops-
gasten sind bei den Segelmanövern im Top, die Kuhl-
gasten in der Kühl, die Achtergasten auf dem Achter-
deck, die Schanzgasten auf der Sckanze oder Kampanje
stationiert; die Rudergasten bedienen das Ruder und
werden von den Eteuermannsgasten beaufsichtigt:
die Signalgasten find für das Signalgeben aus-
gebildet; die Loggasten bedienen das Log.
Auch heißen die Handwerker der Werftdivisionen
G., und zwar bezeichnet G. hier die Matrofen-, alfo
Gemeinencharge. So giebt es: Zimmermanns-
gasten, Segelmachersgasten, Vüchfenmachersgaften,
Böttchersgaften, Malersgasten, Schreibersgasten,
Schuhmachersgasten, Schneidersgasten. Der Ober-
matrosencharge entsprechend wird bei den Gefreiten
diefer Kategorien auch "Ober" vorgesetzt, also z. B.
"Oberzimmermannsgast". - Vgl. Organisatorische
Bestimmungen für die kaiserl. Marine <2. Ausg.,
Berl. 1888)'.
Gastalde, Beamter der langobard. Könige, zu-
nächst zur Verwaltung ihres Kronguts, dann auch,
im Gegensatz zu dem mehr selbständigen Herzog,
der abhängige Vertreter des Königs, das Organ
seines Willens. Er entspricbt dem frank. Domeftieus.
Gastaltnt, Mineral, f. Glaukopbau.