Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

586
Gasteiner Konvention - Gastmähler
Rathaus berge bei Böckstein wird er noch betrieben.
Unweit südlich von Hofgastein steht die reizende
Villa des Fürsten von Hohcnzollern-Sigmaringen.
4) Dorfgast ein, Dorf, 8 km im N. von Hof-
gastein, in 5N0 m Höhe, hat (1890) 241, als Ge-
mein öe 770 E.
Litteratur. Reihacher, Der Kurort Wildbad G.
(Salzb. 1865); von Härdtl, Gasteiner Chronik (ebd.
1870); Bunzel, Wildbad G. (7. Aufl., Wien 1894);
Pröll, Das Bad G. (4. Aufl., ebd. 1888); derf., (^.,
its L^riu^g Äiiä climat^ (5. Aufl., ebd. 1891); ders.,
(^., 8tHtic>N tN6lINg.lL l't cIilNÄ,t6t'il1U6 (I ^t6 (5. Aufl.,
ebd. 1892); Schider, G. für Kurgaste und Touristen
(8. Aufl., Salzb. 1892); Wick, Die Bäder zu Hoj-
gastein (Wien 1883).
Gasteiner Konvention, s. Gastein 2.
Gaster, das (vom lat. cclstinin ^ Warte),
Landschaft im westl. Teile des fchwoiz. Kantons
St. Gallen, südwestlich von Toggcnburg gelegen,
von Schwyz und Glarus durch den Linthkanal ge-
trennt, umfaßt die rechtsseitige Thalebene Mischen
Walen- und Züricher See und bildet seit 1880 einen
eigenen Bezirk von 1l)2^ l^km mit (1888) 7218 E.,
darunter 197 Evangelische in 6 Gemeinden; Haupt-
crwcrbszweige sind Viehzucht, Alpcnwirtschaft,
Acker- und Obstbau. Der westl. Teil des G. gehört
der Ebene der Linth an; östlich davon erheben sich
zwischen der Linth und der Thür die Voralpenketten
des Speer (1950 iu) und des Mattstockes (1951 m),
die sich an die Ehurfirsten (s. d.) anlehnen. Die wich-
tigsten Ortschaften sind das Städtchen Wesen (710 E.)
am Ausfluß der Linth aus dein Walensee und die
Dörfer Kaltbrunn (1739 (5.) und Schanis (1.738 (5.)
in der Linthebene. - Im Mittelalter babsburg.-
österr. Besitz, wurde das G. 1405 an die Grafen von
Toggenburg verpfändet und 1438 an Schwyz und
Glarus abgetreten, die es als gemeine Herrschaft ver-
walteten. Durch die Helvetische Republik wurde es
1798 dem Kanton Linth, durch die Mediation 1803
dem neugegründeten Kanton St. Gallen zugeteilt.
Gasterenthal, die oberste Stufe des Kander-
thals (s. d.) im sckweiz. Kanton Bern.
Gastero..., s. Gastr...
Gasteromyceten lBauchpilze), Pilzfamilie
aus der Gruppe der Basidiomyceten (s. d.), von
deren übrigen Abteilungen sie sich hauptfächlich da-
durch unterscheiden, das; die sporenbildende Schicht,
das Hymenium, niemals an der Anßenseite liegt,
sondern stets im Innern des bauckartigen Frucht-
törpers, umhüllt von einer einfachen oder zusam-
mengesetzten und verschieden gestalteten Haut, der
Veridi e. Das Innere der G. ist entweder als eine
einzige Höhlung ausgebildet, in der die Basidien
liegen, oder es ist eine in mehrere Kammern ge-
teilte Innenmasse, die Gleba, vorhanden, die bei
der Reise der Sporen bäusig eintrocknet und fich in
ein eigentümliches fädiges Geflecht, das Eapilli-
lium, umwandelt, worin die Sporen liegeil, oder
auch zu einer weichen und breiigen Masse wird.
Die Peridie öffnet sich bei der Reife der Sporen in
verschiedenartiger Weise. Die G. sind meist ansehn-
liche Pilze, die sowohl auf als auch in der Erde
wachsen und zum Teil auch an altem Holze vorkom-
men. Die Fruchtkörpcr derselben haben in der Regel
eine rundliche, oft kugelige Gestalt; ein Stiel ist an
denselben nur selten entwickelt. Die G. sind fast
über die ganze Erde verbreitet, im jugendlichen Zu-
stande meist eßbar; giftig sind nur wenige. Von den
in Deutschland wachsenden Gattungen sind am be-
kanntesten: Bovist, ^latln'us, I^-copoi-äou, (kastei-,
?I^1w8) 8c1()i'c>ä6i'in3. und der durch eigentümlichen
Öffnungsmechanismus ausgezeichnete 8pIiH6i'odo>
lu". (S. die einzelnen Artikel.)
<52.8tero8toiHa.o, Familie der stachelflofsigen
Fifche mit gestrecktem Körper, schräger Mundspalte,
mit Bürstenzähnen auf den Kiefern, unbewehrten
Kiemendeckeln, Schuppen entweder bloß an den
leiten in Gestalt großer Querschilder oder ganz
fehlend. Die ersten strahlen der Rückenflosse bilden
freie Stacheln. Die Männchen bauen zur Aufnahme
der Eier und als Entwicklungsstätten für die Jungen
Nester, die sie sorgsam bewachen. Es giebt nur eine
Gattung (-a8toi'"8t6u8 (f. Stichling) mit 10 Arten
in den süßeil, brackischen und salzigen Gewässern der
nördl. Erdhälfte.
<5a.8tsro8tsn3, Fischgattung, s. Stichling.
Va.8tero8toiniäa.b, eine Familie der Saug-
würmer (s. d.), deren Mundsaugnapf auf die Mitte
des Bauches gerückt ist; am Vorderende findet sich
ein zweiter Saugnapf. Der Darm ist ungegabelt.
Die Familie hat nur eine Gattung (l^ztsrozw-
inum), deren Arten bei Fifchen Darmparasiten sind.
Gastfreundschaft, die alte, bei manchen Völ-
kern durch religiöse Vorschriften gebeiligte Sitte,
Fremdlingen Obdach, Pflege und Schutz zu ge-
währen. Neben der G., die der Einzelne im gegebe-
nen Falle ausübte, entstanden im Altertum früh
auch besondere Verträge der G. <s. Gastrecht).
Christus und die Apostel empfahlen und geboten die
G., die im kirchlichen Altertum unter den Werten
der christl. Varmberzigkeit eine hervorragende Stelle
einnahm. Auch im Mittelalter wurde noch in aus-
gedehnter Weise G. geübt, und sie ist bei den patri-
archalisch lebenden Völkern desOrients, ihrenLebens-
verhältnisscn gemäß, immer noch eine geheiligte
Sitte. Die G. im alten Sinne muß aber überall da
verschwinden, wo sich ein starker Verkehr entwickelt
und so geregelt ist, daß ein besonderer Schutz des
Fremden nicht notwendig ist. - Vgl. E. Eurtius,
Die G. Festrede lBerl. 1870). ' sHotelwesen.
Gasthaus, Gasthof, s. Gastwirtschaft und
Gastieren, soviel wie Gastrollen (s. d.) geben.
Gastinel, Leon Gustave Eyprien, franz. Kom-
ponist, geb. 15. Aug. 182.-1 zu Villers-les-Pots
(Cöte-d'Ör), winde am Pariser Koni'ervatonum ge-
bildet, hat sich durch Kompositionen aller Gattungen
bekannt gemacht, unter denen besonders die kirch-
lichen und oratoriscken Werke bemerkenswert sind.
Von seineil ^pern gefiel die tomische "Kirmes" ("I^a
kei'in^sc;") am meisten.
Gastmähler gehörten sckon im heroischen Zeit-
alter Griechenlands zu den Vergnügungen des ge-
selligen Lebens, wie man aus Homer ersiebt. In
der folgenden Zeit wurden bei den Alten mit der
Ausdehnung der Tafelfreuden auch die dabei statt-
findenden Gebräuche mehr und mehr erweitert und
festgesetzt. Die wirklichen Gäste wurden durch Diener
oder Sklaven feierlich eingeladen. Die Gäste, die
man ohne Wissen des Gastgebers mitbrachte, nannte
man bei den Griechen und Nömern Schatten (grch.
Lkiki, lat. uindi'^o). Außerdem aber gesellten sich
ungeladen hinzu allerhand Lustigmacher oder Para-
siten. Bei den Griechen erschienen beim Gastmahl
nur Männer, bei den Römern auch Frauen. Die
Zahl der Gäste war unbestimmt; ebe sie sich zu
Tische begaben, wurden ihnen die Füße gewaschen
und gesalbt. In der ältesten Zeit saß man bei
Tische, in der spätern Zeit nahm man eine liegende