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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gebirgsgeschütz - Gebirgswinde
der freiwilligen Arbeit der Gebirgsvereine zu ver-
danken, die in Deutschland seit 1867 ihre Thätig-
keit auf Wegeanlagen, Wegemarkierungen, Hütten-
und Turmbauten, Anpflanzungen, Aufstellung von !
Bänken, Errichtung von Studentenherbergen, me-
teorolog. Beobachtungen, .Herausgabe von Karten,
Reisehandbüchern, Publikationen in der Fach- und
Tagespresse u. s. w. richten. Neben den Vorteilen,
die gesteigerter Fremdenverkehr der Gebirgsbevölke-
rung bringt, haben einzelne Vereine sich mit Er-
folg bemüht, die Lage der ärmern Gebirgsbevöl-
kerung auch direkt zu verbessern, so der Taunus-
klub durch Weidenkulturen und eine (staatlich sub-
ventionierte) Flechtschule, der Glatzer Gebirgsverein
durch Förderung von Fisch- und Vogelzucht, der
Eifelverein durch Verkaufsstellen für hausindustrielle
Erzeugnisse u. s. w. - Die bedeutendsten deutschen
Gebirgsvereine sind: Thüringer - Wald - Verein,
Taunusklub, Odenwaldklub, Schwarzwaldverein,
Schwäbischer Albverein, Vogesenklub, Eifelverein,
Verein für Mofel, Hochwald und Hunsrück,
Sauerländischer Gebirgsverein, .Harzklub (1893:
6600 Mitglieder), Erzgebirgsverein, (Bayerischer)
Waldverein, Gebirgsverein für die Sächsische
Schweiz, Riesengebirgsverein, Glatzer Gebirgsver-
ein, Hannoverscher Gebirgsverein lgcgen 4000 Mit-
glieder). Die meisten dieser Vereine gehören dem
"Verbände deutscher Touristenvereine" an. über
die Vereine, welche sich die Erschließung der Alpen
Zum Ziele gesetzt haben, s. Alpenvereine.
Gebirgsgefchütz, das von der Gebirgsartillerie
(s. d. und Artillerie) verwendete Geschütz, meist ge-
ringern Gewichts und vom Rohrtaliber 3,7 und
8 cm. Fig. 1 der Tafel: GeschützeI, zeigt die Ge-
samtansicht eines französischen G. In neuester Zeit
hat man, um die Wirkung zu begünstigen, zerleg-
bare Rohre konstruiert, die in Teilen transportiert
werden können, sodaß das Gewicht des zusammen-
gesetzten Rohrs größer sein kann. (S. Geschütz.)
Meist werden ein Tragtier für das Robr, zwei für
die Lafette und mehrere für die Munition des Ge-
schützes gerechnet.
Gebirgsjäger, in der franz. Armee, s. Clias-
86ur8 äit8 (I0 iuontaAU6.
Gebirgsjoch, s. Einsattelung.
Gebirgsklima. Das Klima gebirgiger Gegen-
den unterscheidet sich mehrfach von dem ausge-
dehnter Ebenen oder flachen Hügellandes. Zuerst
nimmt mit der Höhe die Temperatur ab; die mitt-
lern Monatstemperaturen fallen um fo niedriger
aus, je höher ein Ort liegt. Ein Hauptmerkmal des
G. besteht in der Abschwächung der Temperatur-
schwankungen, sowohl im Lauf eines Tages als des
Jahres. Der Gehalt der Luft an Wasserdampf ist
in den Höhen im allgemeinen kleiner als in den
Niederungen. Die relative Feuchtigkeit zeigt daher
außerordentliche Schwankungen. Bei heller Witte-
rung ist sie klein, nimmt aber rafch bis zur Sät-
tigung bei Eintritt trüben Wetters zu. Jede Ur-
sache, die eine Aufwärtsbewegung der Luft an den
Berghängen bervorbringt, giebt auch Anlaß zur
Bildung von Wolken, die auf den Bergen selbst als
Nebel auftreten. Jedes Gebirge befördert die Bil-
dung von Niederschlagen. Die Häufigkeit und Er-
giebigkeit derselben wächst bis zu einer gewissen
Höhe ziemlich bedeutend. In Sachsen z. V. fällt
im Gebirge nahezu die doppelte Regenmenge als
in den Niederungen. Über die Marimalzone hinaus
nimmt die Regenmenge wieder ab. In Bezug auf
die Niederschläge verhalten sich aber die Seiten
eines Gebirges sehr verschieden. Der Regen fällt
auf der Windseite, die andere Seite ist trocken. (S.
auck Gebirgswinde und Klima).
Gebirgsknaten, s. Gebirge.
Gebirgskrieg, eine besondere Art kriegerischer
Operationen, die ihr charakteristisches Gepräge durch
die Schwierigkeiten erhält, die aus der Natur der
Hoch- und Mittelgebirge für Bewegung, Unterhalt
und Verpflegung größererHeeresmassen hervorgehen.
Hochgebirge, die (über 2000 m hoch) in die Eisre-
gion hineinragen, sind schon wegen ihrer klimatischen
Verhältnisse den Truppenbewegungen sehr hinderlich.
Die Gangbarkeit ist auf wenige wegfame Thäler und
die über die Kämme führenden Straßen beschränkt.
Für die großen Operationen kommen die Hochgebirge
daher nur als Durchgangsgebiete und Operations-
hindernisse in Betracht, deren Überschreitung mit
großen Heeren schwierig und in der Geschichte mit
einem besondern Nimbus umgeben ist (Hannibals,
Suworows, Napoleons Übergang über die Alpen).
Mittelgebirge (1000-2000m Höhe) sind auck
durch ihre klimatischen Verhältnisse zum Biwakieren
wenig geeignet und ihre Gangbarkeit ist in den
höhern Teilen durch Felshänge, Schluchten und
schwer passierbare Wasserläufe ebenfalls sehr be-
schränkt; dagegen führen verhältnismäßig mehr auch
für schweres Fuhrwerk brauchbare Straßen über die
Kämme, und es finden sich Seitenstraßen vor, die
benachbarte Thäler verbinden und so Gelegenheit
bieten, die Pässe von verschiedenen Seiten her anzu-
greifen. Für die Operationen großer Heere kommen
auch die Mittelgebirge Vorzugsweife als Durchzugs-
land in Betracht. Die Hauptkttmpfe pflegen hierbei-,
nicht in den Pässen, sondern beim Eintritt und Aus-
tritt aus dem Gebirge stattzufinden; die Verteidi-
gung wird bestrebt sein, von einer außerhalb des
Gebirges gelegenen Centralstellung aus die aus
den Engwegen des Gebirges hervorkommenden
Marschkolonnen des Gegners einzeln anzufallen und
zu schlagen. Eine außergewöhnliche Erscheinung in
betreff der Führung des G. bot der Russisch-Tür-
kische Krieg von 1877 bis 1878, wo während eines
strengen Winters auf der Kammhöhe des Balkan-
gebirges starke Heeresteile beider Armeen monate-
lang unter fortgefetzten größern und kleinern Ge-
fechten sich gegenüber standen.
Für den Volkskrieg und Parteigängerkrieg sind
Gebirge ein hervorragend günstiger Schauplatz: die
Unterwerfung eines von seiner Bevölkerung ener-
gisch verteidigten Gebirgslandes ist selbst für einen
weit überlegenen Angreifer eine schwierige Aufgabe
(Tirol, Spanien, Kaukasus, Afghanistan).
Da in Hoch- und Mittelgebirgen die Verwendung
von Feldartillerie sehr beschränkt ist, sind in ver-
schiedenen Armeen besondere auf Tragetieren trans-
portable Gebirgsbatterien (s. Gebirgsartillerie) auf-
gestellt; Frankreich und Italien haben auch be-
fondere aus Alpenbewohnern formierte, in den
höhern Thälern des Gebirges stationierte und dort
manövrierende Infanterietruppenteile formiert. (S.
Gebirgspässe, f. Pah. Mpentruppen.)
Gebirgsstelze, Vogel, s. Bachstelze.
Gebirgsfyftem, s. Gebirge.
Gebirgstruppen, s. Alpentruppen.
Gebirgsvereine, s. Gebirgserschließung und
Alpenvereine.
Gebirgswinde. Das Gebirge ruft einerseits
selbständig gewisse Luftströmungen bervor, anderer-