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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gebiß
seits wirkt es auf die allgemeinen Strömungen
modifizierend ein. Das letztere zeigt sich in Ab-
lenkungen und Änderungen der Temperatur und
Feuchtigkeit, wie beim Föhn ff. d.). Besonders wich-
tig ist der Unterschied der Luftbewegung in Ge-
birgen während des Tages und der Nacht. Im
allgemeinen findet am Tage eine aufsteigende, in
der Nacht absteigende Bewcguug statt. In den
Thälern weht der Tagwind nach oben, er versetzt
alle Wanne und Feuchtigkeit nach den höhern Re-
gionen und giebt Anlaß zur Bildung von Cumulus-
wolken und Niederschlägen um die Berggipfel.
Nach Sonnenuntergang ändert sich diese Be-
wegung; der kühle Nachtwind weht in den Thälern
bergab, die Luft wird oben wieder rein. Bcfonders
bemerkbar durch Stärke und extreme Temperaturen
sind die G. am Ausgange enger Thäler, wo sie
deshalb oft eigene Namen führen. Beispiele sind
der Vis perwind am Ausgange des Visptbales
bei Lorch, der MünstcrtHaler Wind im Ober-
clsaß, der Solore im mittlern Drömethal u. a.
Gebiß, die Summe der Zähne <s. Zahn) der
Wirbeltiere, welche eine, durch die mannigfachen
Arten der Ernährung bedingte, sehr bedeutende
Verschiedenheit aufweist. Die G. bestehen entweder
aus lauter gleichgebauten Zähnen (sie s^h homo-
dont, z. V. bei Delphinen) oder diese sind zu-
folge von Arbeitsteilung verschieden (die G. sind
heterodont), und die Zähne werden gewechselt
(bei diphyodonten Säugetieren) oder nicht (bei
monophyodonten). Die Rundmäuler besitzen in
ihrem Maule eine Anzahl größerer und kleinerer
Hornzähne, die andern Fische aber mit wenig Aus-
nahmen (z. B. die Büschelkiemer, s. d.) gewöhnliche
Zähne meist von Kegelform, die sich einerseits bis
auf zarte borstenartige Gebilde abfchwächen (Klipp-
fische, s. d.), andererseits zu furchtbaren, dolchäbn-
lichen Waffen werden können (bei.Haien) oder aber
zum Zermalmen fester Nahrung Plattengestalt ge-
winnen (Rochen, Meerbrassen). Wo die Zähne kegel-
förmig sind, sind sie mehr oder weniger nach hinten
gekrümmt und vermögen so eine einmal gefaßte, sich
sträubende Beute sicher zu halten. Bei Haien und
Rochen findet sich das G. bloß um die Mundspalte
berum, bei andern Fischen kann es auf allen die
Mundhöhle umgrenzenden Knochen (Unter- und
Oberkiefer, Gaumen-, Flügel-, Pflugschar-, vordern
Keil-und Zungenbeinen und Kiemenbogen (lachs-
artige Fische, .Heringe u. s. w.) auftreten.
Die Fische wechseln ihr G. das ganze Leben hin-
durch , für jeden verloren gegangenen Zahn ist ein
Ersatzzahn vorhanden, und diese Tiere gleichen hierin
den Amphibien und Reptilien. Manche larpfen-
artige Fische Haben einen jährlich wiederkehrenden
Wechsel der (^chlundzähne.
Das G. der Amphibien ist quantitativ und
qualitativ viel geringer entwickelt als das der Fische.
Die Zähne der lebenden Formen sind kleine, mcist
doppclspitzige Kegel, an denen man eine von einem
Zahnsockel durch eine im trocknen Zustande auftre-
tende Ringfurche abgefetzte Zahnkrone unterfcheiden
kann. Das ganze G. liegt tief in der Schleimhaut
der Mundhöhle und ist leichter durch den süblenden
Finger als durch das Auge erkennbar. Es können
alle die Mundhöhle umgebenden Knochen bezahnt
sein. Bei den ungeschwänzten Lurchen sind es in
der Regel bloß Ober- und Zwischenkiefer sowie das
Pflugscharbcin. Die gemeine Kröte und die Waben-
kröte haben überhaupt gar keine Zähne. Die Kaul-
quappen haben.Hornzähne. Sehr eigentümlich war
das G. der sossilen Labyrinthodonten (s. d.).
Das G. der Reptilien zeigt bereits eine etwas
höhere Entwicklung und stellenweise reichere Diffe-
renzierung. Zähne können sich hier auch auf den
Knocken der Kiefer und des Gaumenapparates fin-
den. Erstere ausfchließlich treten bei vielen Eidechsen
und den Krokodilen auf. Die Verbindung der Zähne
mit den Kieferknochen kann auf dreierlei Weise statt-
finden: entweder sie stecken (bei Krokodilen, Geckonen
und den meisten fofsilen Reptilien) in besondern
Alveolen (die Tiere sind thekodont), oder sie sind
dem sreien Kieferrand aufgewachsen (viele acro-
donte Eidechfen), oder sie sind an der Innenseite
der Kiefer angewachsen und stehen auf einer Art nach
innen zu offenen Gesimfes (pleurodonte Eidech-
sen). Die Zähne sind hohl und ihr Innenraum steht
mit Markräumcn der unter ihnen gelegenen Knochen
in Zusammenhang. Neben ihnen oder in ihrem .Hohl-
raum steht ein junger Ersatzzahn. Die Brückenechsen
ls. d.) haben in jedem Zwischenkiefer einen ähnlichen
Zahn wie die Schneidezähne der Nagetiere und in
jeder Hälfte des Unterkiefers einen starken Eck- oder
.hundzahn. Die ausgestorbenen Theriodonten (s. d.)
erinnern in ihrem G. an Säugetiere, einige an Wie-
derkäuer, wieder andere (s.Dicynodon) hatten in jedem
Oberkiefer einen einzigen riesigen Fangzahn, während
der übrige Ober- und der Unterkiefer wahrscheinlich
mit einer schnabelartigen Hornscheide bedeckt waren.
Eine solche besaßen auch die Flugechsen zum Teil
(?t6i0(1act)'1n3),währendandere(I^amp1i0i'Iivnc1iu8)
ein G. hatten. Bei den Placodontiern standen ab-
geflachte Zähne im Kiefer und auf den Gaumen-
beinen. Die Krokodile haben kegelförmige Zähne von
fast nahezu gleicher Gestalt, aber ungleicher Größe,
im Unterkiefer sind der erste, vierte und elfte, im
Oberkiefer der dritte, neunte und zehnte vergrößert.
Bei den nicht, giftigen schlangen sind Unter-und
Oberkiefer fowie Flügel- und Gaumenbein mit kegel-
förmigen, spitzigen, stark nach hinten gekrümmten
Zähnen besetzt, bei Giftfchlangen (s. d.) bloß Ober-
und Unterkiefer, in ersterm finden sich die sog. Gift-
zähne. Die Schildkröten haben im ausgebildeten
Zustande statt eines G. einen Hornschnabel, jedoch
hat man bei Embryonen (^i-ion^x) Zahnkeimchen
nachgewiesen.
Bei fossilen Vögeln (^i cimc^opwr^x, Oäon-
tm'nitlie" 8. I('Iit1ix0i'nitiw8) kommen Zähne vor,
bei den lebenden findet sich ein wahres G. nicht,
auch konnte man es bis jetzt noch nicht mit Sicher-
heit bei Embryonen nachweifen. Der fog. Zahn
vieler Raubvögel ist bloß ein Vorsprung des Horn-
überzugs des fchneidenden Schnabelrandes, auch
die leisten- und zahnförmigen Gebilde im Schnabel
der Entenvögel gehören dem Schnabelepithel an.
Am weitesten ist die Arbeitsteilung im G. der
Säugetiere gediehen. Sehr allgemein lassen sich
schneide- (ä^nw" inci^ivi), Eck- ((I^nw8 <knini),
Back- (<l6nt^8 i)i'H6in0ig.i'6") und Mahlzähne
(ii6iit08 inolHi'68) wie beim Menschen unterscheiden.
Zahntragende Knochen sind bloß der Unterkiefer,
der Zwiscken- und der Oberkiefer. Im Zwifchenkiefer
stecken bloß die obern Schneidezähne. Die Schneide-
zähne sind mcißelförmig, bei Nagetieren stark ge-
krümmt, oft aus der vordern Seite eigentümlich braun
und werden nicht gewechselt, sondern wachsen von un-
ten in dem Maße nach, wie sie oben abgeschliffen wer-
den. Der Eckzahn ist oft (bei Fleischfressern) sehr be-
deutend entwickelt, am stärksten die obern des mann-