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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Genossenschaftsgenossenschaft - Genoveva
finde. Ferner war die Befugnis der Konknrsglau- '
diger anerkannt und geregelt, nach Aufhebung des !
Konkursverfahrens die einzelnen ihnen folidarifch
haftenden Genossenschafter in Anfpruch zu nehmen.
Diese Bestimmungen sind nun durch §. 153 des
Reichsgesetzes vom 1. Mai 1889, betreffend die Er-
werbs- und Wirtfchaftsgcnossenschaften, aufgehoben
worden. An ihre Stelle sind die §§. 91 fg. diesem
letztern Gesetzes getreten. (S. Erwerbs- und Wirt-
fchaftsgenossenschaften, Bd. 6, S. 326 d.)
Genosfenschaftsgenofsenfchaft, s. Central
genossenschast.
Genossenschaftswesen, s. Genossenschaft, Ve-
rnfsgenossenschaft, Erwerbs- und Wirtschaftsgenos-
senschaften, Centralgenossenschaft, Gewerbegenossen-
schaften und Landwirtschaftliche Genossenschaften.
Genotten, s. Genettenfelle. lfällig.
Venon (frz., spr. sch'nuh), Knie; ü. ^6ii0ux, knie-
Genoude (spr. sch'nuhd), Antoine Eugöne de,
franz. Publizist, geb. 1792 zu Monteiimar (Dröme),
besuchte das Gymnasium zu Grenoble, ging dann
nach Paris und erhielt die Stelle eines Lehrers
am Lyceum Vonaparte. In seiner Jugend An-
hänger der Encyklopädisten, wurde er später eifriger
Katholik und Legitimist; er trat in das Seminar
St. ^ulpice ein und begrüßte mit Enthusiasmus die
Rückkebr der Vourbonen; während der Hundert
Tage flüchtete er nach Piemont. Unter der zweiten
Restauration fchrieb er geaen Decazes im "^0N86i--
vateui-", schuf 1820 mit Lamennais ein Blatt von
kurzer,Dauer: "1^6 D6k6N86ur", und unterstützte in
der "^toile" (seit 1827 "(^26tt6 äe ^i'Nncs") die
Politik Villeles, der das Blatt zu einem halboffi-
ziellen machte. Nach der Revolution von 1830 be-
gann er bald wieder seinen Kampf für die legiti-
mistischen Principien; er verbündete sich mit der
republikanischen Partei und forderte das allgemeine
Stimmrecht. 1846 wurde er Abgeordneter für Tou-
louse, geriet aber nach der Februarrevolution in Ver-
gessenheit und starb 19. April 1849 zuHy^res. Nach
dem Tode seiner Frau (1835) war er Priester gewor-
den; aber er machte weder als Prediger noch als Par-
lamentsredner Glück; seine Bedeutung lag in seiner
journalistischen Thätigkeit. Nnter seinen Schrif-
ten sind erwähnenswert: "1^3, i'tNLon än c^i-igtia-
ni8in6" (12 Bde., 1834-35u. ö.), "1.63 pöres äe
1'1^Fii86 ä68 troi8 Pl6mi6r8 8160168" (9 Bde., 1837
- 43), "1^3. rai80Q iu0iia.rckiqu6" (1838), "Nx-
Portion äu ä0FM6 c^tli0iitiu6)) (1840), "Hiswire
ä'une HM6" (1844), "Hi8toir6 ä6^lHnc6" (23 Bde.,
1844-48). Seine "Wuvr68" erschienen 1843-44
(2 Bde.) und 1860.
Genoux (spr. sch'nuh), Erfinder der Papier-
stereotypie, nahm als Schriftsetzer zu Lyon 182'."
ein Patent auf feine Erfindung und legte 1834 zn
Wien mit dem besten Erfolg Proben der praktischen
Verwendbarkeit ab, fand aber trotzdem wenig Ab-
nahme. 1834 brachte Georg Iacquet, Besitzer der
.Hofbuchdruckerei in München, das Verfahren käuf-
lich an sich und erbot sich, es den Buchdruckern
gegen Honorar mitzuteilen; allein erst zur Zeit de^
Krimtrieges, als die "^ini68u die Papierstereotypie
zum Druck ihrer Zeitung einführten, wurde man
auf die Erfindung aufmerkfam, die sich seitdem
schnell in allen Druckereien verbreitete.
Genöva (spr. dsche-), der ital. Name von Genna.
Genovefa, s. Genoveva.
Genovefe (spr. dschenow-),il Prete,ital. Vtaler,
s. Strozzi, Bernardo.
Genovesi (spr. dschenow-), Antonio, ital. Philo-
soph und Nationalökonom, geb. 1. Nov. 1712 zu
Castiglione bei Salerno, wurde 1740 Professor der
Metaphysik an der Universität zu Neapel. Wegen
seiner philos. Anschauungen verfolgt, wurde er durck
die Toleranz des Papstes Benedikt XIV. gerettet,
worauf er sich mit großem Erfolge nationalökonomi-
fchen Studien zuwandte und 1753 den neubegründe-
ten Lehrstuhl der polit. Ökonomie zu Neapel erhielt.
G. bekannte sich zu der gemäßigten Richtung des Mer-
kantilismus und brachte durch seine Bedeutung und
Lehrweise die Nationalökonomie in Italien zu hohem
Ansehen. Erstarb 22. Sept. 1769 zu Neapel. Seine
Hauptwerke sind: "v6 arte lo^iea" (Neap. 1742),
"Ni6N6utH 8ci6nti3,ruin il^tapli^icHrum" (5 Bde.,
ebd. 1743 - 45), "N6äita2i0iii Ki080iicli6 8u11a
r6liFi0Q6 6 8u11a Uwlai6" (ebd. 1758; Bassano
1774, 1783 u. ö.), "I^xioni äi comin^cio o sia
60011011113, civii6" (2 Bde., Vassano 1765; neue Aus-
gabe, Mail. 1824; deutsch übersetzt von Witzmann,
Lpz. 1776). Eine Sammlung seiner Schriften er-
fchien u. d. T.: "0p6r6 8c6it6" (4 Bde., Mail. 1835).
- Vgl. Vobba, ^0nim6m0i'9,2i0U6 äi Xilt. (^.(Bene-
vent 1867)^
Genoveva oderGenovefa (frz. Geneviöve),
die Heilige, Schutzpatronin von Paris, geb. um 420
zu Nanterre bei Paris, legte als junges Mädchen
das Keufchheitsgelübde ab und lebte im elterlichen
Hause bei strengster Ascese nur dem Gebet und der
Betrachtung. Nach dem Tode der Eltern ging G.
nach Paris, wo sie durch die Vorhersage der Ver-
schonung von Paris beim Einfall Attilas Anfehen
erlangte. 460 erbaute sie über den Gräbern des
heil. Dionysius und Eleutherius eine Kirche, bei der
König Dagobert I. später die Abtei St. Denis stiftete.
G. starb 3. Jan. 512; über ihrem Grabe zu Paris
entstand im 18. Jahrh, die Kirche Ste. Genevieve
(Pantheon; s. Tafel: Französische Kunst II,
Fig. 1), deren Kuppel Gros 1824 mit einem ge-
waltigen Freskogemälde ihrer Apotheose ansmalte.
Ihren Gebeinen schrieb man große Wunderkraft zu.
- Vgl. Lefeuve, llistoire äe 8aint6 (F6N6vi6V6
(Par. 1842 u. ö.); Delaumosne, 8awt6 (?en6vi6V6
ä6 Nant^re (ebd. 1882).
G. von Brav ant, Heilige, nach der Sage Toch-
ter eines Herzogs von Brabant und Gemahlin des
Pfalzgrafen Siegfried um 750. Vom Haushof-
meister Golo des Ehebruchs beschuldigt und zum
Tode vernrteilt, wurde sie durch den mit Vollziehung
dieses Urteils beauftragten Knecht freigelassen,
worauf sie 6 Jahre in einer Höhle der Ardennen
von Kräutern lebte und ihren Sohn Schmerzenreich
von einer Hirschluh nähren lieh, bis ihr Gemahl,
der ihre Unscknld erkannt, sie bei einer Jagd wieder-
fand und heimführte. Ihre Oefchichte erzählt in
einem rührend unfchuldigen Tone das nach der
Schrift des Paters Cerisiers, "I^'inii0c6nc6 i-e-
c0imu6" (Par. 1647), bearbeitete deutsche Volksbuch,
unter allen Büchern dieser Gattung das abgerun-
detste und in seiner ansprnchslosen Natürlichkeit
unübertroffen. In dramat. Form bearbeiteten die
Geschichte der heiligen G. Tieck, Maler Müller und
Raupach, als Oper Robert Schumann (1846). Den
Versuch zu einer mythischen Deutung der Sage hat
Zacher ("Die Historie von der Pfalzgräsin G.",
Königsb. 1860) gemacht, und Seuffert("Die Legende
der Pfalzgräsin G.", Würzb. 1877) erklärt die
Gefckichte für die Erfindung eines Laacher Mönchs
im 14. Jahrh. - Vgl. Sauerborn, Geschichte der