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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Genugthuung Christi - Geodätische Linie
Strafe die den Schadenersatz einschließende Bllße ,
(s. d.) bezeichnet; ferner die Erteilung einer Aus-
fertigung des den Angeklagten verurteilenden Er-
kenntnisses an den Verletzten und die Befug-
nis znr öffentlichen Bekanntmachung desselben anf
Kosten des Verurteilten, wie sie bei Verurteilung
wegen falscher Anschuldigung (§. UN des Straf- '
gesetzbuchs), wegen öffentlicher oder durch Verbrei- '
tung von Schriften, Darstellungen oder Abbildun-
gen begangener Beleidigung (§. W0); die Befugnis
zu öffentlicher Bekanntmachung auch bei einer straf-
rechtlichen Vernrteilnng, wie sie auf Grund des ^
Markenfchutzgefetzcs (§. 17), des Patentgesetzes '
(§. 30), des Gebrauchsmustergesetzes (§. 10) auszu-
sprechen ist. Das Preuh. Allg. Laudr. I, 6, §§. 7
u. l0 versteht unter vollständiger G. den auch den
entgangenen Gewinn einschließenden vollständigen
Schadenersatz, wie er bei Verletzung au5 Vorsatz oder
grobem Versehen zu leisten ist. Ebenso das Dsterr. !
Bürgerl. Gesetzb. §ß. 1323, 13^4 mit dem Zusatz, !
daß sich die volle G. außer auf den entgangenen !
Gewinn auch auf die Tilgung der verursachten Be- !
leidignng erstrecke.
Genugthuung Christi, s. Versöhnung
Genuin (lat.), natürlich, echt; davon: Genui-
nität, Echtheit, Ursprünglichkeit.
Vsnus (lat., Mehrzahl ^nm'u), Geschlecht (s.d.),
Gattung (s. d.). In der Grammatik bezeichnet (-.
oder gr am m atisches G e s ch l e cb t gewisse Klassen,
in die verschiedene Sprachen ihre Snbstannva, und
im Zusammenbcmge mit diefen auch Adjettiva und
Pronomina, zerlegen. Da man diefe Einteilung mit
dem Geschlechtsunterschied ^exus) organischer Wesen
verglich, so wählte man für die Bezeichnung des (^l.
auch die Ausdrücke "männlich" <Maskulinum) und
"weiblich" (Femininum); so unterscheidet z.B. der
semit. Sprachstamm nur diese beioen Genera; die
indogerman. Spracben haben noch ein drittes, Neu-
trum (d. b. keins von beiden, weder Maskulinum
nocb Femininum) genannt. Gewöbnlich wird die
Entstehung der Geuera so gedacht, daß anfangs der
Unterschied nur gemacbt wurde, wo ein natürlicher
Geschlechtsnnterschied besteht, also bei männlichen
und weiblichen organischen Wesen, daß davon aus
durch eine poet. Übertragung auch unorganischen
Dingen und abstrakten Begriffen weidliches oder
männliches Geschlecht zugeschrieben wurde, und daß
endlich nur bei gewissen Dingen und Begriffen, die
in den indogerman. Sprachen die Neutra bilden,
das Geschlecht uubezeichnet blieb, indem keine be-
stimmte Endung dafür vorhanden war (wie z. B.
lat. noin^n, cor, F0nu") oder ein Easus, der
Accusativ, als Ausdruck des Subjektverhältnisses
der betreffenden Worte benutzt ward (wie lat. dei-
luin, das diefelbe Form ist, wie der Accusativ 86i--
vmn von 86rvu8). Die Richtigkeit dieser Tbeorie aber
ist äußerst zweifelhaft. Vgl. Brugmann in Techmers
"Internationaler Zeitschrift für allgemeine Sprach-
wissenschaft", Bd. 4, und Ätichels in Vehaghels
"Germania", Bd. 36.
Die allermeisten Sprachen der Erde kennen keinen
Genusuuterschied, er fehlt z. V. den sonst so reich
entwickelten türk. und finu. Sprachen, und selbst wo
Genera unterschieden werden, ist die formelle Unter-
scheidung, d. h. die Verweudung bestimmter En-
dungen zur Bezeichnung des l^l., meistens eine sebr
unvolltonnneue, z. B. die lat. Worte nvi^ Feniini-
num (Vogel) und i^in" Ataskulinuin (Feuer) sind
gleich gcdvldct und werden gleich dekliniert, es fehlt
Bruckhaus' Kunversatioiis-Lexikon. 14. Aufl.. VII.
aber jedes äußere Kennzeichen, um das (^. zu be-
stinunen. Am vollkommensten ist der formelle Genus-
unterfchied in: indogerman. Sprach stamm durch-
geführt bei den fog. -ö- und -^-Stämmen, d. h. denen,
die ursprünglich auf 6, ü enden; hier hat das Mas-
kulinum -ö- und als Nominativenduna -8, z. B.
sanskrit. Ä^v3.-8 (männliches Pferd) - lat. 6Huu-8,
grieck. ^iipp0-8 l"-n^2-?); das Femininum langes -^-
uud keiue Nominativendung, sanskrit. i^vii (Stute),
lat. t^u<i; das Neiltrunl -<"- und die Accusativform
auf -m als Nominativ, z. B. sanskrit. Mga-m
(Joch), griech. 2^<.>-u l^7^^>, lat. .juFu-in. In der
spätern Entwicklung, wenn die Endungen abgeschlif-
fen werden, geht der Genusunterschied oft zum Teil
oder ganz verloren. <^o uuterscheidet das Englische
(außer beim Pronomen) die Genera fast gar nicht
mehr, während das Angelsächsische alle drei hat.
Unter (l. des Verbums versteht man die Un-
terscheidung von Aktivum, Passivum und Medium
(s. diese Artikel).
6. sür Gattung wird auch in der Jurisprudenz
gebraucht; generische Obligation ist ein Forde-
rungsrecht auf Leistung einer nur der Gattung nach
bestimmten Sache.
Genuskauf, s. Gattungskauf.
Geuuhmittel, s. Nahrungsmittel.
Gemchschein, s. Amortisation (Bd.1, S.543d).
Genzano (spr. dschen-i, ^>tadt in der ital. Pro-
vinz und dem Kreis Nom, an der Via Appia, mit
seiner Oberstadt wundervoll am südwestl. Krater-
rande des Nemisees gelegell, beliebter Sommer-
aufentdalt der Römer, zählt (t88l) 577! E. G. ist
berühmt durch seinen Wein, durch das Blumenfest
(lulim'Ät^ äi (^.), das hier am letzten Tage der
Otwva ät>1 ('oipu8 Doinini durch Prozession und
Volksbelustigungen gefeiert wird.
Geocentrisch (grch., d. h. auf den Mittelpunkt
der Erde bezüglich) nennt man denjenigen Ort
eines Gestirns an der Himmelskugel, den dasselbe
für einen im Mittelpunkte der Erde befindlichen
Beobachter einnehmen würde. Die geocentrischen
i7rter sind für die nicht unendlich entfernten Him-
melskörper von den auf der Oberfläche der Erde
gesehenen Örtern um den Betrag der Parallaxe
! (s. d.) versckieden. Hn den Ephemeriden sind stets
die geocentrischen Örter der Himmelskörper ge-
geben. Geocentrische Breite, s. Breite, geographische.
G. wird aucd im Gegensatz zu Heliocentrisch (s. d.)
vboooooI'x, s. Erdkuckuck. j gebraucht.
Qvoooros, Landwanzen, Untersippe der
Wanzen ls. d.) mit großen, vier- bis fünfgliedrigen
Fühlern, leben anf dem Lande oder laufend auf
snicht schwimmend m) dem Wasser. Die 6. sind
^ allgemein verbreitet, zäblen ungefähr 8000 Arten,
! die besonders in den Tropen ansehnlich und oft
wundervoll, besonders metallisch gefärbt sind. Sie
! nähren sich von den Säften anderer Tiere, aber auch
! der Pflanzen. sdie Sonne) betreffend.
Geocyklisch (grch.), den Umlauf der Erde (um
Geodäsie (grch.), soviel wie Feldmeßkunst (s.d.);
Geodät, Feldmesser; geooätisch, zur G. gehörig.
Geodätische Linie, im allgemeinen die kür-
zeste ^inie zwischen zwei gegebenen Punkten auf
einer gegebenen Oberfläche. Ihre Echmiegungs-
ebenen enthalten die Flächennormalen. Die G. L.
auf einer >iugel ist derjenige größte Kreis, der durch
die beiden Punkte geht. Auf dem Erdsphäroid ist
die G. L. uur dann ein Kreis, wenn die beiden
Punkte auf einem Meridian oder dem Äquator
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