Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

802
Geodätisches Institut - Geoffroy Saint-Hilaire (Etienne)
liegen. Auf beliebigen Rotationsflächen gilt das
Tbeorem von Clairaut, wonach längs jeder G. L.
das Produtt ans dein Radius eines Parallelkreiscs
in den Kosinns des zwischen diefem llnd der G. L.
belegenen Winkels konstant ist. Die Anffindnng der
G. L. geschieht mittels der Variationsrechnung.
Geodätisches Institut, eine mit der Bearbei-
tung aller theoretisch-wissenschaftlichen Fragen der
Geodäsie beauftragte preuh. Behörde. Das G. I.
wurde 1869 in Berlin errichtet, steht unter dem Mini-
steriuni für die Nnterrichtsangclegenhciten und hat
jetzt seinen Sitz auf dem Taschenbergc bei Potsdam.
Begründer und erster Präsident war Johann Jakob
Vaeyer (s. d.); jetziger Direktor ist Professor Helmert
(s. d.). Ein Hauptteil der Aufgabe des G. I. ist die Be-
arbeitung der Angelegenheiten der internationalen
curop. Gradmessung, deren Centralbureau es bildet.
Geöden (grch.), Ausfüllungen der größeren (ei-
bi'> lopfgroften) Blasenräume in den Gesteinen, zu-
mal wenn sie im Innern noch hohl sind und dort
mit Krystalldrusen oder Stalaktitendrnsen endigen.
<5eoäe3inn8, eine Gattnng der Landplanarien
mit nur einer in Deutschland in Gewächsbäusern
aufgefundenen Art (tt. dilineawg Hseisc/ti,.), die
wadrscheinlich anf Heideboden anch im Freien vor-
kommt und mit Erde verschleppt wird. Sie ist etwa
l6 mm lang und höchstens 1 mm breit, vorn sehr
schmal, flack, in der hintern Körperhälfte im Quer-
scdnitte rund, grau mit zwei bräunlichen Rücken-
streifen und mit sechs Paar dnnkeln Flecken.
t"ooüiiä2.s. Schwammfamilie aus der Ordnung
der 'l'eti'cl(.tint'l!i<^l0 (s. d.), deren Rindenschicht aus
zahlreichen, höckerigen, nnt einer Nabelvertiesnng
versehenen Kicsellugeln bestehen (s. Tafel: Cölen-
teraten l, Fig. 4l). Die Tiere erreichen znm Teil
eine bedeutende Größe (66oäia Fi^ll8 0. Fc/zm. bis
0,25 cm) und necken frisch arfenik- oder knoblauch-
artig, (^ie bewohnen weniger tiefe Meercsstellen.
Geodynamik (grch), der Teil der Dynamik, der
die Bewegung fester Körper behandelt (s. Bewegung).
i^e^., bei naturwissenschaftlichen Namen Ab-
kürzung für Etienne Geoffroy Saint-Hilaire (s. d.).
Geoffrey ofMonmouth (spr.dscheffre öfmönn-
möth) oder Galfridus Monemutensis oder
'^tonmonthensis, engl. Chronist, geb. um 1110
in Monmonth. Von ihm ist nur bekannt, daß er
Archidiakonus an der Kirche seiner Vaterstadt war,
1152 Bischof zu St. Asaph wurde und 1154 starb.
Von den drei ihm zugeschriebenen Werken: "^ro-
1)k6tin. ^i^licanÄ Nßrlini ^mdro8Ü Lritanni" oder
"1)6 Vita 6t VÄticinüß N6i-1ini ( ^rm6n", "^omp6n-
dinm 6mifi'6(1i 66 coi^oi'O (^listi 6t 8Hci'3M6nto
6nc1mi'i3till6" und "sHronicon. 8iv6 ni8tori^ Ziito-
nnm" (hg. von San Märte M. Echnlz^, Halle 1854),
ist nur das letzte echt. Es enthält die fabelhafte Ge-
schichte der Briten, deren Ursprung auf Brutus, den
Enkel des Ascanius, zurückgeführt wird, und reicht
dis zum Tode des Königs Artus. Der Einstich der
"HiZtoria I^ritomim" war sehr bedeutend; Geoffrei
Gaimar (1145) und Wace (1155) übersetzten sie ins
Französische und Layamon nach Wace im Anfang des
13. Jahrh, ins Englische. 1278 entstand Robert of
Gloncesters "(^kronic^ olVn^imä" und 1461 Tho-
mas Malorys "^6 1)'l anä llct8 of tk6 kin^
^rtinn'" (gedruckt von Carton 1485), eine Über-
arbeitung in Prosa. Viele andere Schriftsteller selbst
der neuesten Zeit (Tennyson, I<1)N" of t1,6 kin^)
haben mittelbar oder unmittelbar aus der "Historik
Lritoinim" geschöpft.
Geoffrin (spr. schofsräng), Marie Th^röse, cine
der geistreichsten Frauen des 18. Jahrh., geb. 2. Jan.
1<)W zu Paris, war die Tochter eines Kammer-
dieners der Gemahlin des Dauphin, Namens Ro-
det. In ihrem 15. Jahre vermählte sie sich mit dem
Oberstlieutenant der Pariser Bürgermiliz G., der
wenige Jahre nachher starb und ihr ein nicht un-
bedeutendes Vermögen hinterließ. Durch Geist und
Charakter ausgezeichnet, lebte sie nun im Umgang
mit Gelehrten und Künstlern. Ihr Haus war der
Sammelplatz aller Kunst- und LiNerctturfreunde,
worunter auch Poniatowski, der nachmalige König
von Polen, war. Auf dessen Einladnng reiste sie
17l^ nach Warschau, wo sie, wie auch in Wien, von
der Kaiserin Maria Theresia und deren Sohn, dem
spätern Kaiser Joseph II., mit hoher Achtung em-
pfangen wurde. Sie starb im Okt. 1777. Zur Her-
ausgabe der "Nnc^ci0p6(1i6" soll sie mehr als
100000 Frs. beigesteuert haben. D'Alembert, Tho-
mas und Morellct widmeten ihr Nachrufe, die in
den <<^IoF68 cl6 Nnxl^m6 <F." (Par. 1812) gefam-
melt sind. Morellet gab auch ihre Abhandlung "Aui-
la c0nv6i-8^tion" und ihre "I^6tti68" herans. - Vgl.
Mouy, ^0!'!'68Z)0N(lHN(!6 in6(lit6 du I'oi stanisi^'
^nAN8t6 I'onia.to^li^ 6t 66 Nada,m6 6. 1764-77
(Par. 1875).
Geoffroy (spr. schoffröä), Etienne Francois,
franz. Chemiker, zum Unterschiede von sei'nem
weniger bedentenden Brnder der 'Altere genannt,
geb. Ui72 in Paris, wurde 1712 Professor der Me-
dizin am.Inräin <168 1^lmt68 und starb 1731. Er
war Phlogistiker, wenn er auch die Stahlscben Lehren
nicht genau vertrat. Er glanbte noch an die künst-
liche Bildung von Metallen aus andern Stoffel!, so
z. V. hielt er das in Aschen vorkommende Eisen
als dnrch den Glühprozeß aus Pflanzenstoffen künst-
lich erzeugt. Das berühmteste Werk G.s war sein
"^i^ctlltu8 ä6 mllt6iia M6(1ica" (3 Bde., 1741),
seine wissenschaftliche Hauptbedentung aber liegt
in den von ihm zuerst angestellten Versnchen, die
relativen Größen chem. Verwandtschaft zu ermitteln
(veröffentlicht 1718 und 1720 in den ">l6inoir68"
der Pariser Akademie).
Geoffroy (spr. schoffröä), Julien Louis, dramat.
Kritiker, geb. 1743 zu Rennes, trat in den Jesniten-
orden, wurde 1770 Professor der Rhetorik und lei-
tete 1776-90 die "^nn66 1itt6rair6". Beim Aus-
bruch der Revolution gründete er die konservative
Zeitnng "^.mi än Iloi", die bald unterdrückt wnrde.
G. nulhte aus Frankreich fliehen und kam erst 1800
nach Paris zurück, wo er das Feuilleton des ".lour-
nal ä6 1'Nmpir6" (so hieß das "^ournul ä68 vödgt^"
während der RegiernngszeitNapoleons t.) redigierte.
Sein kritisches Talent benutzte er, wie bebauptet
wird, zu Angriffen gegen alle Dichter, Schriftsteller
und Schanspieler, die ihn nicht bezahlten. Er stard
26. Febr. 1814. G. schrieb: " 0omm6nwii-6 8ur 1^8
m,ivr68 ä6 Kllcili6" (7 Bde., Par. 1808); seine
kritischen Artikel erschienen gesammelt als "Oour8
ä6 litt6i'^tnr6 ärlnnltti(in6" (5 Bde., ebd. 1819-20;
2.Aufl.,6 Bde., ebd. 1825).
Geoffroy Saint-Hilaire (spr. schofsröä ßiü^g-
tilähr), Etienne, franz. Naturforscher, geb. 15. April
1772 zu Etampes, wurde für den geistlichen Stand
bestimmt, vertauschte aber zu Paris die Theologie
mit den Naturwissenschaften. Im Alter von 21 I.
erhielt er die Professur der Zoologie an: Pariser
^lu'äin 668 1>wnw8, der 1793 znr Centrallehran-
stalt der Naturwissenschaften erhoben worden war.