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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geoffroy Saint-Hilaire (Isidor) - Geographie
Zum Mitglied? der ägypt. Expedition (1798) er-
nannt, begründete er das Institut von Kairo. Im
forschen und Sammeln entwickelte G. in Ägypten
die größte Thätigkeit und wußte durch Festigkeit die
reichen Sammlungen seinem Vaterlande zu retten.
Nach der Rückkehr trat er in Pari^ in sein voriges
Amt und wurde 1807 zum Mitgliede deo Instituts,
!809 zum Professor der Zoologie an der mediz. ^
Fakultät ernannt. Von der Negieruug 1810 mit
eiuem wissenschaftlichen Auftrage nach Portugal
gesendet, kehrte er von dort mit reichen Sammlun-
gen zurück, die, den öffentlichen Mufeen entnom-
men, zu Streitigkeiten Veranlassung gaben. Seine
wissenschaftlichen Verdienste bestehen in feinen For-
schungen in der Zoologie, der vergleichenden Ana-
tomie und der allgemeinen Naturphilosophie. Nach
seiner Anschauung liegt der Organisation der
Tiere nur ein allgemeiner Plan zu Gruude, der
sich bloß in einigen Punkten modifiziert und fo
dic Unterschiede der Gattungen herstellt. Diese An-
sicht veranlaßte einen Streit mit Cuvier, der sich
zu ganz entgegengesetzten Ideen bekannte. In den
letzten Lebensjahren beschäftigte sich G. mit dem
Studium der orgauischen Mißbildungen und Miß-
geburten. Die Entwicklung feiner naturpln'los. An-
sichten, die viel Streit veranlaßten, findet sich in
seiner Schrift "8ur 1^ principe, ä" 1'unit^ clo < c"m-
jwnition oi-AÄnicius" (Par. 18^8). G. starb 19. Juni
1844. Seine zoolog. Arbeiten sind sehr zahlreich
nnd verdienstlich. Er fchrieb außer vielen Abhaud-
lnngen in Zeitschriften mehrere wichtige Mono-
graphien über Säugetierfamilien, zwei Gefamtwerke
über dieselbe Tierklasse, ein großes Werk über die
Zähne der Mammiferen u. s. w. - Vgl. Ducrotay
de Blainville, l^uvier et 6. (Par. 1890).
Geoffroy Saint-Hilaire (spr. schoffröä ßäng-
tilähr),Isidor, Sohn des vorigen, geb. l^.Dcz. 1805
zu Paris, wurde 1841 Professor am Mufeum der
Naturgefchichte, l850 an der Fakultät der Wissen- ^
schaften daselbst, war daneben seit 1844 General-
infpektor der Studien und starb l0. Nov. 1861. Er
schrieb'. "leinte äß 1a inoiiktru^it^" sPar. 1829),
"I^istnil'tt ^L8 3,l10INll.1i68 (16 I'm'AHIN39.ti0I1 c^6X
l'komnik ot w8 imimaux" (3 Bde., ebd. 1832-36),
"^Wä68 x00l0Fi^u68" (2 Tle., ebd. 1832), tt^otionZ
8^lNilLti<1U68 et äs pK^siolOFie I13,tni-6ll6" (ebd.
1838), "N88ai8 ä6 20010^16 gonoiaie" (ebd. 1840),
"Hi8toil'6 natni'61!" ä68 1H86et68 6t (168 M0l1n8(1N68"
(2 Bde., ebd. 1841), "vomeßticatimi et n^tur^i-
8",tion ä08 ".nimHuxutii68" s3.Aufl., ebd. 1854),"Hi8-
toire iiiltnielw ^eneiaik äe8 reines s"i'F^ni(iue8"
lBd. 1-3, ebd. 1854-59) und "I.6ttl'63 8ni- Ie8
8ud8tmu 08 lUim6nt^ii'68" febd. 1856). Auch gab er
die Biographie seiues Vaters (ebd. 1847) heraus.
Geogenie tgrch.), Geogonie, die Lehre von den
Vorgängen, welche die Entstehung und weitere Ent-
wicklung der Erde bedingen (f. Geologie).
Geognosie (grch.), ^. Geologie.
Geographenbai, Bucht an der Südwestküjte
von Westaustralien, unter 33" 30' füdl. Br., west
lick vom Kap NVituralifte begrenzt, mit den Küsten
orten Vunbury und Vusselton.
Geographie (grch., d. h. Erdbeschreibung), seit
der Mitte des 18. Jahrh, in Deutschland auch als
Erdkunde bezeichnet, ist schon im griech.Altertum
"f. unten, Geschichtliches) als Wissenschaft betrieben
und aufgefaßt wordeu, hat aber im Laufe der Iabr- ^
wunderte nach Inhalt und Begrenzung und unter!
Berilckslit^gttttg des jeweiligen Standes der zahl-
reichen Nachbarwifsenfchaften verschiedene Beurtei-
lung erfahren. Heutzutage haben sich in den meisten
Knlturlä'ndern, zu allermeist aber in Deutschland und
hier besonders unter dem Einfluß der fast an allen
Hochschulen eingerichteten Professuren der G. die einst
widersprechenden Ansichten dahin geklärt, daß die
G. anzusehen ist als die Wissenschaft von der Lage,
Bewegung, Größe, Gestalt und Belebung der Erde
bez. ihrer Oberfläche an sich und in Beziehung auf
den Menschen. Der Gesichtspunkt, unter dem die
zahlreichen für das Verständnis der Erde als eines
Ganzen wichtigen Einzelkenntnisse, die aus den For-
schungsgebieten mannigfacher Grenzgebiete über-
nommen werden müssen, sich zur G. vereinigen und
der die G. als etwas durchaus für sich Bestehendem
erscheinen läßt, ist die Wechselwirkung der an der
Erde thätigen Kräfte, ihr Einfluß auf den Menschen
und ihre Beherrschung durch denselben.
I. Einteilung. Die Gesamtdarstellung des Wis-
s>msinhalts der G. kann eine analytische oder syn-
thetische sein. Im erstern Falle geht sie von den Er-
scheinungen und den sie bewirkenden Kräften aus
und bebandelt die Art ihrer Verbreitung über den
ganzen Planeten hin und wird gewöhnlich Allge-
meine Erdkunde genannt. Als Grundfrage stellt
sich hier zunächst diejenige nach den Raumverhält-
niffen der Erde im ganzen dar, die auch das Orts-
bestimmungsproblein im weitesten Sinne des Wortes
genannt werden kann. Ihre Beantwortung bildet
den Inhalt der mathematischen G., die aber aus
der Astronomie nnr diejenigen Lehren und Methoden
aufzunehmen hat, die dazu dienen, die Erkenntnis
von der Gestalt und Größe, sowie von den Be-
wegungen und den aus ihnen folgenden Eigenfchaf-
ten zu vermitteln. Übungen für Orts- und Zeitbe-
stimmuug, topogr. Aufnahme, ihre rechnerische und
lartogr. Verarbeitung ergänzen Hand in Hand mit
den: Studium der zu den genannten Arbeiten un-
entbehrlichen Veranschaulichungsmittel, Instru-
mente und Apparate, sowie mit theoretischer Kar-
tenprojektionslehre (s. Kartenprojettion) die
dem Geographen so wichtigen mathem. Kenntnisse,
die ihn in den Stand setzen, als selbständiger For-
scher die Grundlage jeglichen geogr. Fortschrittes,
die Karte, aufzunehmen und zu bearbeiten.
An die mathematische G. schließt sich an die
physikalische, auch Geophysik genannt, die,
dt'n Erdtörper als etwas Gewordenes auffassend,
sich mit den Hypothesen über die Entstehung der
Erde und über die Natur des Erdinnern sowie ein-
gehend mit den Nindenschichten und den sich in
diefen abspielenden Vorgängen beschäftigt. Die
äußerste Sckicht, die Atmosphäre, wird uns durch
die Lehren der Meteorologie (s. d.) und in deren
räumlicher Ausgestaltung durch jene der Klimato-
logie (s. d.) znrKenntnis gebracht; mit den statischen
und dynamischen Beziehungen des Weltmeers macht
uns die Oceanographic (s. d.) vertraut, die Ge^
st^inskruste lernen wir kennen in der Morpho-
logie der festen Erdrinde und ihrer geolog. Bc-
gründuug. Hier kommen die gefamte allgemeine
Orographie (s. d.) und Hydrographie (s. d.)
des Festlandes sowie die Wechselwirkung aller an
der Erdoberfläche wirkenden Kräfte zur abschließen-
den Darstellung. Klima und Boden bedingen die
Erscheinungen der Pflanzen-und Tierverbrei-
tung und die Thatfachen der allgemeinen Anthro-
pogeog rap h i e (s. d.). Diese letztere betrachtet die
Erde als Wobnstätte der Menschheit und zeigt, in-
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