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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geographie
Städte astronomisch bestimmt werden. Schon unter
dem Chalifen Al-Mamün (813-833) schrieb Abu-
Dschafar Mohammed sein "System der Erde" (Nk8m-
al-arclli), worin jeder Ort nach Länge und Breite
bestimmt ist. Iaquby schrieb 878 das "Buch der
Länder", das älteste erhaltene arab. Werk über G.
Dann machte Masfudi, der Hcrodot des Orients, die
ausgedehntesten Reisen in allen drei Erdteilen und
schrieb zwischen 943 und 947 sein berühmtes Werk
"Die goldenen Wiesen". Um dieselbe Zeit drang Ibn
Fadhlan ins Innere von Rußland bis über Kasan
vor, und um 976 vollendete Ibn Haukal "Das Buch
der Wege und Provinzen". Neben ihm blühte Mo-
qaddasy, dessen Werk "Die beste Einteilung der Län-
der zur Kenntnis der Provinzen" sehr wertvolle
Nachrichten über Klima, Produkte, Handel, Mün-
zen, Maße und Gewichte, Sitten der Bewohner
u. s. w. enthält. Er war der letzte Schriftsteller, der die
ganze moslem. Welt beschrieb. Um 1154 verfaßte
Idrisi, den man irrtümlich den nub. Geographen ge-
nannt hat, feine "Geogr. Gemütsergötzungen", in
denen Skandinavien, Finland und selbst die Färöer
erwähnt werden. Der letzte große arab. Reisende
war Ibn Batuta (1304-78), der bis in die neueste
Zeit als der große Landwanderer gepriesen wurde,
aber in unsern Tagen durch die noch ausgedehntem
Reisen Bastians übertroffen ist. Leo Africanus,
ein Maure aus fürstl. Blut, der später in Italien
zum Christentum übertrat, schrieb 1520 seine G. zu-
erst arabisch und übersetzte sie dann ins Italienische.
Sein Werk war fast das einzige aus der arab. Litte-
ratur, das in frühern Zeiten schon in Europa be-
kannt wurde. (Vgl. Arabische Sprache und Litte-
ratur, Bd. 1, S. 790.)
Das christl. Mittelalter hat wenig Entdeckungs-
reisen zu verzeichnen. Um 870 segelte der normann.
Edelmann Othar von der Westküste Norwegens aus
ums Nordkap bis ins Weihe Meer. Etwa um 795
waren irische Mönche zuerst nach Island gelangt;
dahin wurde 867 der Normanne Nadodo durck
Sturm verschlagen und veranlaßte die Vesiedelung
der Insel. Von da kam um 985 Erich der Rote an
die Küste Grönlands und Leif um 1001 bis nach
Labrador und Neufchottland.
In den letzten Jahrhunderten des Mittelalters
trugen namentlich drei Momente znr Erweiterung
des geogr. Horizonts bei: der Verkehr mit den
Mohammedanern in den Kreuzzügen, die Bildung
des Mongolenreichs und die zum mongol. Großchan
geschickten geistlichen Sendboten und endlich die Blüte
des ital. Land- und Seehandels. Aus dem Verkehr
mit den Arabern lernte man die griech. Schriftsteller,
namentlich Aristoteles, kennen. Durch die Kreuzzüge
selbst gewann man wieder genauere Kenntnis der
vorderasiatischen, durch den ital. Handel, namentlich
von Genua und Venedig, auch der Hinterasiat. Länder.
(S. Asien, Bd. 1, S. 988 d fg., und Marco Polo.)
Die Berichte der ital. Reifenden über den großen
Reichtum an kostbaren Produkten im fernen Orient
gaben später den Inipuls zur Entdeckung Amerikas.
Der Seeverkehr gewann einen ungeahnten Auf-
schwung nach Erfindung des Kompasses. Man gab
die bis dahin übliche Küstenschiffahrt auf und steuerte
quer über See auf das Ziel los. Schon vor 1300
begann man auch mittels des Kompasses genaue
Seekarten von allen Küsten des Mittelmeers zu ent-
werfen. Italien wurde die hohe Schule der Karto-
graphie und der Nautik und gab in seinen erfahre-
nen Schiffskapitänen Lehrmeister an fast alle See-
staaten in Europa, namentlich an Portugal, Spa-
nien, Frankreich und England ab. In allen diesen
Ländern standen Italiener an der Spitze der nauti-
schen Unternehmungen und der oceanischen For-
schungsreisen. Natürlich war seit dem Wiederbe-
kanntwerden der Lehren des Aristoteles auch die
Lehre von der Kugelgestalt der Erde in ihre Rechte
eingesetzt. Sie war die notwendige Voraussetzung
der mit dem 15. Jahrh, beginnenden großen See-
reisen im Zeitalter der Entdeckungen (etwa von
1400 bis 1600). Schon 1291 wurde von Genua
aus der erste, allerdings vergebliche Versuch ge-
macht, um Afrika herum nach Indien zu segeln.
Systematisch wurde das Entdeckungswerk erst durch
den portug. Prinzen Heinrich den Seefahrer (1394
-1460) betrieben, dessen Schiffe bis zum Golf von
Guinea vordrangen. Die portug. Könige führten
diese gewinnverheißenden Seezüge fort, bis A. Diaz
1486 das Kap der Guten Hoffnung und Vasco da
Gama 1498 den Seeweg nach Indien fand.
In demfclben Zeitalter entdeckte 1492 Colum
bus Amerika, seinen Spuren folgten zahllose an-
dere Entdecker (s. Amerika, Bd. 1, S. 517 d fg.) und
1519-22 wurde unter Ferdinand Magalhäes und
Sebastian del Cano die erste Erdumsegelung aus-
geführt. Die Ostlüsten Amerikas wurden bis über
die Grenze der arktischen Zone noch im 16. Jahrh,
enthüllt, aber auf der Westseite erreichten damalv
die Spanier nicht den 50.° nördl. Br. Hudson und
Bassin drangen im Anfange des l7. Jahrh, in die
nach ihnen benannten polaren Gewässer ein. Das
Festland von Australien wurde 1605 von Willem
Iansz. (d. h. Ianszoon) berührt und bis 1641
wurden alle Küsten des kleinsten Erdteils mit Aus-
nahme der Ostküste durch Holländer, namentlich
durch Tasman entdeckt. Die Nord- und Ostküsten
Sibiriens wurden seit 1728 durch russ. Seeleute und
Offiziere bekannt. Durch die drei erfolgreichen Ent-
deckungsreisen Cooks von 1769 bis 1779 wurde ein
klares Bild von der Begrenzung des Stillen Oceans
und den in diesem Weltmeere gelegenen mächtigsten
Landmassen und Inselgruppen gewonnen, auch die
ganze Osttüste Australiens entdeckt und endlich fest-
gestellt, daß innerhalb der gemäßigten Zone sich kein
^Südland" (fog. Antarktischer Kontinent) finde. Seit
1818 trugen die engl. Versuche, eine nordwestl.
Durchfahrt zu finden, dazu bei, den größten Teil der
arktischen Inseln Amerikas in ihren Umrissen festzu-
legen, und 1878 gelang es Nordenskiöld zum ersten-
mal, von Schweden aus Nordasien vollständig zu
umsegeln. Da man gegen den Südpol bis zum
78." südl. Vr. und gegen den Nordpol bis über den
83.° nördl. Br. vorgedrungen ist, so fehlen zu einem
vollständigen Bilde der Land- und Wasserverteilung
nur die den Polen zunächst gelegenen unwirtlichen
Regionen. Diese im N. zu erforschen ist Nansens
kübner Plan. (Vgl. Karten zur Geschichte der
Geographie II. Genaueres s. in dem Artikel
Reisen und dem Abschnitt Entdeckungsgeschichte zu
den einzelnen Erdteilen und Ländern.)
L. Die Entwicklung der einzelnen geo-
graphischen Disciplinen. 1) Die mathema-
tische G. Als durch die erste Erdumsegelung die
Kugelgestalt der Erde thatsächlich bewiesen war,
hatte Kopermkus bereits die richtige Stellung der
Erde im Sonnensystem entdeckt. Weitere Beweise
für die Richtigkeit dieser Lehre fand Galilei 1610
bei Entdeckung der Iupitermonde, und bald darauf
zeigte Kepler, daß die Planetenbahnen die Gestalt