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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Georg III. (König von Großbritannien)
beugte. Die kriegslustige Stimmung des Honigs
machte Walpole besonders uach Ausbruch des Pol-
nischen Thronfolgekrieges (1733) die Wahrung des
Friedens schwer, aber das Vertrauen, das ihm G.
schließlich schenkte, bewahrte er ihm auch über den
Tod der Königin (1737) hinaus. Als Walpole nach
dem von der erregten öffentlichen Meinung ihm
abgenötigten span. Krieg Febr. 1742 zurücktreten
mußte, sah der König ihn ungern scheiden. Dafür
aoer fand er in Earteret einen Ersatz, mit dessen
kriegerischer Politik er mehr übereinstimmte. Im
österreichischen Erbfolgekriege stand G. auf feiten
Maria Theresias und befehligte felbst die fog. Prag-
matische Armee in der Schlacht bei Dettingen
27. Juni 1713, wo seine Ruhe und Kaltblütigkeit
vor allem zum Siege über die Franzosen beitrug.
Eine Bedrohung durch den von Frankreich unter-
stützten Stuartprätendenten Karl Eduard wurde
durch die Schlacht bei Eulloden 1746 zu uichte ge-
macht und der Krieg schließlich durch den Aachener
frieden (s. d.) 1748 beendet. Ein Streit, der in
den amerik. Kolonien ausbrach, verwickelte England
in ueue Feindseligkeiten mit Frankreich, die dann
auch zur Teilnahme an dem Siebenjährigen Kriege
aus Seite Friedrichs d. Gr. fübrten. Das Verdienst
dieser Politik gebührt vornebmlich William Pitt
(f. Ehatbam), den G., da er ihm persönlich verbaßt
war, erst uach langem Widerstreben Inni 1757 zu
der leitenden Stellung berufen datte. Der König
erlebte uoch den gewaltigen Aufschwung der engl.
Macht in diesen Kriegen und lieft den im Parlament
absoluten Minister völlig gewähren. Inmitten die-
ser Erfolge starb G. plötzlich 25. Okt. 1760 zu Ken-
sington. Er war ein ehrenwerter und offener Eha-
rakter von perfönlichem Mut und Entschlossenheit,
aber beschränkt, launifch, geizig und ein wenig rühm-
licher Familienvater. Mit feinem 1751 gestorbenen
ältesten Sohn Friedrich, desfen Sohn G.s Nachfolger
als GeorgIII. wurde, stand er in denkbar schlechtesten:
Verhältnis. Wenn der König sich aber in England
musterhaft konstitutionell verhielt, fo zeigte er feinem
Kurfürstentum gegenüber eine despotischere Natur,
jedoch verdankte ihm dies die Stiftung der Universi-
tät Göttingen (1734). - Vgl. Mabon >Standope^
Hi8wi>' ot' NuFwiä 1713-83, Bd. 2-4 (Lond.
1837 fg. u. ö.; deutsch, Vraunschw. 1855); Leckn,
Iliswi'x s)t I^n^i^ud in t1i6 18^ cknttn-)', Bd. 1 u. 2
(Lond. 1878; deutsch, Lpz. 1879-80) s Iesse, Ne-
mc>ii8 ot' tli6 court ot'I^uäon t'roin tli^ levointion
in 1088 w tks äe^Ui ol (^. II. (3 Bde., Lond.
1843; 2. Aufl. 1846); Lord .hervey, ^l6mc)ii-8 ot
(^60^6 II. (hg. von Croter, 2 Bde., ebd. 1847; 2. Aufl.
1854); Walpole,Nemoii'L ot'tiiL isinn ot'^eoi-Feil.
(3 Bde., ebd. 1848-51); Thackeray, 11i6 toni-
^601-^68 (ebd. 1861 u. ö.); Wrigbt, Clnicntlii^
Iii8tl)i'^ ot'tli0 6tX)r^68 (ebd. 1867).
Georg III., König von Großbritannien
>>an
enen
^ ^ , ... .. l in
London, lebte in seiner Jugend sebr abgeschlossen
und ganz unter dem Einfluß'feiner Vtutter Auguste,
einer Prinzefsin von Sachsen-Gotha. sofort nach
dem Regierungsantritt (25. Okt. 1760) strebte er,
entsprechend den Weisungen seiner Mutter und sei-
nes Oberlammerherrn Grafen Bute, danach, eine
selbständige persönliche Politik zu sichren, entgegen
seinen Vorgängern, welche die von der Parlament
Mehrheit gestützten Minister völlig frei hatten gc-
^irorg I.I.Z.., ^oiug von ^iros,ornannlen
und Irland lind Kurfürst, feit 1814 König von .van-
nover (1760-1^20), Sohn des 1751 gestorbenen
Prinzen Friedrich von Wales, geb. 4. Juni 1738 in
währen lassen. Aber G., der ein Mann von treff-
lichen häuslichen Tugenden war, besah weder die
Geistes- noch die Charaktereigenschaften, die ihn zu
der beanfpruchten Stelle befähigt hätten. Er trat
in die rnhmvolle Epoche Pitts (f. Chatham) ein,
jedoch feine Eifersucht gegen den Minister bewog
ihn, durch die Erhebung seines unfähigen Günst-
lings Bute an Pitts Seite, diefen aus dem Kabinett
binauszudrängen. Bute handelte ganz als fein Wert-
zeug, aber die Unpopularität feiner Leitung erzwäng
schon 1763 nach dem Abschluß des Friedens zu Paris
seinen Rücktritt. Das System blieb dasselbe, der
König arbeitete gegen ihm mißliebige Ministerien
und sammelte aus alten Tones, aus Abgeordneten
erkaufter Wählerschaften oder solchen, die durch Geld
und Amter bestochen waren, eine parlamentarische
Partei um sich, die sog. "Königsfreunde", die fei-
nen Wünfchen gemäß für oder gegen die Minister
stimmten. Die wefentlichsten Maßregeln der solgen-
den Zeit, wie die Belangung des Unterhausmitglieds
Wittes (s. d.) wegen seiner Preßangriffe, das fchroffe
Vorgehen gegen die amerik. Kolonien, die den für
England verhängnisvollen Unabhängigkeitskrieg
heraufbefchworen, find auf G.s perfönliche Initia-
uve zurückzuführen. Dabei folgte seiner innern
Politik völlige Auflösung aller Parteiverhältnisse,
statt sester langjähriger Ministerlegierung wie zu-
vor fand ein ununterbrochener Wechfel statt. Auf
Bute folgte 1763 Grenville, diefem 1765 der Whig
Rockingdam, diefem 1766 Ehatham unter Grafton,
diefem 1770 North, der als Minister des tönigl.
Vertrauens sich 12 Jahre lang behauptete. Dieser
mußte seine zuerst nachgiebige Haltung gegenüber
Amerika vor G.s Wünschen ausgeben, der mit sei-
nen Gewaltmaßregeln gegen Massachnssetts 1775
den Krieg herausbeschwor, der mit dem Verlust der
amerik. Kolonien endigte. North war diesen Aus-
gaben, dazu der Opposition im Parlament und in
der Öffentlichkeit nicht gewachfen, und zu seinem
w-ger mußte G. an seine Stelle 1782 das Whig-
minifterium Rockingbam und danach Shelburne
zulassen. Aber auch North wurde G.s Feind, als
er in der Opposition gegen Ehelburne eine Koali-
tion mit dem extremen Whig Fox schloß und diese
sonderbaren Verbündeten nach dem Sturze Shel-
durne-ö 1783 sich dem König als Minister aufdräng-
ten. Tiefer benutzte jedoch die erste Gelegenheit,
eine von Fox eingebrachte ostind. Bill durch feinen
Einfluß bei den Lords zu Falle zu bringen, darauf
hin das Kabinett zu entlassen und den jungen Pitt
zum leitenden Minister zu ernennen. Diefer, der
als Minister de5 königl. Vertrauens wie North be-
gann, wußte fick fchnell auch das öffentliche Ver-
tranen zu erwerben und hat 20 Jahre die Führung
behalten, in der G. ihn gewähren ließ. Die Opposi-
tion unter Fox fchmolz bis zur Bedeutungslosigkeit
zufammen und raffte sich nur auf, als bei einer
Geistesstörung, die nach einigen frühern Anfällen
den König 1788 heftiger befiel, die Regentschaft in
Frage kam; sie trat für die Forderungen des Prin-
zen von Wales (fpätern Georg IV.) ein, während
Pitt diefen durch das Parlament möglichst befchrän-
ten wollte. Die ministerielle Akte war bereits an-
genommen/als 1789 der König wieder genas.
Als Pitt nach der Französifchen Revolution durch
Frankreichs Verdalten und die allgemeine Kriegs-
stimmung in Engtand, die G.s Wünfchen entsprach,
zum Krieg gedrängt war, wurde dieser von gleich-
zeitigen gefährlichen Unruhen in Irland begleitet.