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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geradlinige Fläche - Gerard (Etienne Maurice, Graf)
werden, wobei der Punkt ^ eine Kurve beschreibt,
deren Teil x^ sich einer Geraden sehr nähert.
Der Lemniskoidenlenker, der im Watt-
schen Parallelogram in zur Anwendung kommt,
ist in Fig. 4 schematisch dargestellt. Sind D^ nnd
^Z zwei Hebel, die man durch eine schiene ^U
verbindet, so giebt es ans der letztern einen Punkt (',
welcher bei der schwingenden Bewegung der Hebel
um ^ und 1) eine nahezu gerade Linie beschreibt,
die einen Teil einer geschlossenen Kurve, Lemnis-
koide, bildet. Durch geeignete Wahl des Verhält-
nisses NO zu (^Z sowie des Ausschlagswinkels der
Hebel kann die Abweichung der Bewegung von der
geraden Linie bis ans das zulässige Minimum herab-
gebracht, durch Bildung von Parallelogrammen,
z. B. VI^I^ , kann die einmal erhaltene G. des
Punktes 0 auf andere, z. V. (^ übertragen werden.
Der Konchoidenlentcr wird selten angewen-
det. Zu erwähnen ist noch der Tschebyscheffsche
Lenker, welcher, nur aus in Gelenken drehbaren
Stangen bestehend, eine der Theorie nach genaue
G. giebt, die aber den Nachteil einer größern Glie-
derzahl (fünf) hat, wogegen der Evanssche Lenker
wie oben drei aufweist.
Geradlinige Fläche, Regelfläche, jede
Fläche, die durch Bewegung einer Geraden im Raum
erzeugt werden kann. Die einfachsten Beispiele sind
die Flächen von Cylinder und Kegel' sodann das
einschalige Hyperboloid, das hyperbolische Para-
boloid, die Schraubenfläche. Zwei aufeinander fol-
gende Geraden der erzeugenden ^)char schneiden sich
im allgemeinen nicht; ist dies aber der Fall, so erhält
man eine abwickelbare Fläche. (S. Abwickelbar.)
Geradzugverfchluß, ein Verschluß bei Hand-
feuerwaffen (s. d.).
Geraer Vertrag, s. Georg Friedrich, Markgraf
von Brandenburg-Ansbach und Vayreuth.
Geraldma, Name des 300. Planetoiden.
Geraldus, Mönch, s. >Vlüt,Wi-iu8.
Geraniaceen, Storch- oder Kranichschna-
belgewächse, Pflanzenfamilie aus der Ordnung
der Gruinalen (s. d.) mit gegen 350 vorzugsweise
in den gemäßigten Zonen wachsenden Arten, meist
krautartigen Pflanzen oder Halbsträuchern, seltener
Sträuchern. Die Blüten sind in der Regel groß und
lebhaft gefärbt, bestehen aus fünf Kelch- und fünf
Blumenblättern, die einander gleich oder von ver-
scbiedener Gestalt sind, zehn Stanbgefäßen, die bei
einigen Arten frei, bei den meisten dagegen mit-
einander verwachsen sind, und einem meist fünf-
fächerigen Fruchtknoten mit fünf Narben. Die Frucht
zerfällt nach der Reife ineist in fünf mit langen, im
trocknen Zustande gewohnlich spiralig gekrümmten,
naß sich aufrollenden Grannen verfchenen Teil-
früchtchcn. Viele G. werden als Zierpflanzen ge-
zogen, bauptsächlick aus den Gattungen I^xlinin,
(^raiiium, Pelargonie (s. d.).
Geranien, Geraniöl, s. Geraniumöl.
<5era.niuin ^., storch- oder Kranichschna-
bel, Gattung der Familie der Geraniaeeen (s. d.).
Ihre etwa 100 Arten sind meistens ausdauernde,
aber auch einjährige Kräuter Europas, Nordameri-
kas und Asiens, mit nierenförmigen mehr oder we-
niger gelappten Blättern und blänlichen, roten oder
weißen Blumen. Einige werden als Zierpflanzen
in Gärten kultiviert, z. V. das einheimische (^. sau-
^ninonin ^. und (l. i)i-at6N56 L., von letzterer be-
sonders die weißblütige Varietät. Ferner s^. inn-
crori-^ixuin ^. aus Italien und Griechenland mit
schönen blutroten Blnmen; (-. llmli'635ii 6^, eine
rosenrot blühende Art ans den Pyrenäen; <3. M-
txMcUmn /< ei 7!/. lKankasus) mit violetten Blüten.
Vereinzelt finden sie wegen des Gerbstosfgehaltes
der Wurzel mediz. Verwendung als adstringierendes
Mittel, fo die Wurzel von (^. in^culatum ^v. und
5HliLninl>?m /. Die Geranien werden durch Sa-
men, mehr aber durch Stockteilung vermehrt.
Geramumessenz, türkische, f. Cilronellaöl.
Geramumöl, zu Parfümeriezwecken dienendes
ätherisches Öl. Im Handel unterscheidet man zwei
verschiedene Sorten, 1)das echte G. oder Palma-
ro sa öl, in der Türkei, in Frankreich und Nord-
afrika durch Destillation von I^Iin ^s>ni,lm oäoi^ti^-
ßiinum ^4?5. dargestellt, und 2) das indische G.,
Nardenöl oder Gingcrgrasöl, in Ostindien
dnrch Destillation von Xulli-opo^on ^ckoLiiautQuZ
/^. (s. ^ndi-upoLoii) dargestellt. Ersteres ist wert-
voller als letzteres. Das käufliche Ol pflegt im rohen
Zustande durcb eine Spur von.Nupfer verunreinigt
und dadurch grün gefärbt zu fein. Der Hauptbe-
standteil dieses Ols ist das Geraniol, (^nII^O,
ein einsäuriger Alkohol, der mit dem im Borneo-
kampfer vorkommenden Borneol isomer ist und
durch Einwirkung von Phosphorsäureanhydrid in
den Kohlenwasserstoff l^> ^>L oder Geranien ver-
wandelt wird. Das Palmarofaöl wird vielfach im
Orient zum Verfälschen des Rosenöls benutzt.
Gerant (frz., fpr. scheräng, auch scheränt) heißt
eigentlich jeder Geschäftsführer. Bei der Komman-
ditgesellschaft versteht man nnter G. wohl den per-
sönlich haftenden Gesellschafter oder Komplementär,
den das franz. Recht als Z6i^ut im Gegensatz zu
dem bloßen dlnilcmr do t'onä8 bezeichnet. Bei
Aktiengesellschaften kann bald ein Vorstandsmit-
glied, bald ein bloßer Handlungsbevollmächtigter
(Disponent) unter G. verstanden sein. übrigens
ist der Ausdruck in Deutschland mehr und mehr
außer Gebrauch gekommen.
Gerar, ein alter Ort an der Südgrenze der
Kanaaniter, in dem ein philistäischerKönig geherrscht
zu haben scheint (1 Mose 20,2). Der Name ist
wahrscheinlich in dem heutigen Wadi-Dscherur
(Dscherar?) im Westen von 'Ain Kadis (s. Kades)
erbalten. Konstantin der Große gründete dort ein
Kloster; auch war G. Bischofssitz.
Oörard (spr. scherahr), (5'tienne Maurice, Graf,
franz. Marschall, geb. 4. April 1773 zu Damvilliers
(Depart. Meuse), nahm an den franz. Revolutions-
kricgen teil, wurde 179l> Adjutant Bernaoottes,
später dessen Generalstabschef. 1806 zum Brigade-
general und 1812 zum Divisionsgeneral ernannt,
zeichnete sich G. besonders bei Austerlitz, Jena und
Wagram aus. 1810-11 kämpfte er in Spanien,
181^ nahm er in dem russ. Feldzug teil an den
Schlachten bei Smolcnsk und an der Beresina. Im
Feldzuge von 1813 befehligte er eine Division des
11. Korps bei Lützen und'Vautzen. Nach der Ab-
dankung Napoleons 1814 trat er in die Dienste
Ludwigs XV111.; bei Napoleons Rückkehr ging er
wieder zu diesem über, erhielt die Pairswürde und
das Kommando über die Moselarmee, die zur Nord-
armee stieß. Bei Ligny trug er 16. Juni 1815 znr
Entscheidung bei. Nack Ludwigs XVIli. Wieder-
einsetzung landesverwiesen, erhielt er 1817 die Er-
laubnis znr Rückkehr und wurde in die Kammer
gewählt. 1830 nahm er an der Iulirevolution teil
und war von August bis November Kriegsminister.
1831 ernannte ihn Ludwig Philipp zum Marschall