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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gerbsaure Bleisalbe - Gerchsheim
Menge (50-60 Proz.) in den Galläpfeln, außer-
dem im Snmach, im Thee und in andern Pflanzen
findet. Zur Darstellung der G. werden Galläpfel
mit einem Gemifch von Äther und Alkohol völlig
erschöpft und die Flüssigkeit mit Wasser kräftig
durchgeschüttelt, wodurch die G. der ätherisch-alko-
holischen Flüssigkeit entzogen und in das Wasser
übergeführt wird, während fremde Stoffe, wie Fett,
Harz u. dgl., in der ätherischen Lösung verbleiben.
Durch Verdunsten der wässerigen Flüssigkeit erhält
man die G. ^ie ist ein weißes oder gelblich ge-
färbtes Pulver von säuerlichem, stark zusammen-
ziehendem Geschmack, in Wasser leicht, in Alkohol
schwer löslich, in Wasser- und alkoholfreiem Äther
unlöslich, ferner unlöslich in Petroleumäther und
Benzin, dagegen löslich in Glycerin. Ihre wässe-
rige Lösung, mit einer neutralen Lösung von Eisen-
orydsalzen gemischt, giebt eine blauschwarze Fär-
bung (Tinte), die auf Zusatz von Säuren ver-
schwindet; auf Zufatz von Brechweinstein giebt sie
einen weißen Niederschlag, (^ie verbindet sich mit
fast allen Alkaloiden zu in Wasser unlöslichen Nie-
derschlägen, die aber in Säuren leicht löslich sind.
Eiweiß, lösliche Stärke, Leim werden durch G. aus
ihren Lösungen gefällt; tierifche Haut (Blöße), Mus-
telfaser, Blase, entziehen die G. vollständig ihren
Lösungen; auch wird die gelöste G. auf Zusatz von
Salzen abgeschieden. Beim Erhitzen auf 210" liefert
sie unter Zersetzung Pyrogallussäure (s. d.). Aus
kohlensauren Salzen treibt die G. die Kohlensäure
ans und verbindet sich mit den Basen zu gerbsauren
balzen oder Tannaten, die wenig beständig sind
und kein allgemeineres Interesse besitzen.
Die G. ist unter dem Namen ^Vciänm tannicuin
ofsizinell und findet als stark adstringierendes Mit-
tel innerliche Verwendung; äußerlich wird sie zum
Stillen von Blutflüssen benutzt. Als wesentlicher
Bestandteil des Galläpfelextrakts dient sie zur Ve-
reitung fast aller schwarzen Tinten, außerdem findet
sie mannigfache Verwendung in der Färberei, in-
dem sie für Farbstoffe basischen Charakters die Rolle
einer Beize spielt, da sie sich mit denselben zu einem
unlöslichen Farblack verbindet. Zur Erzeugung
von Leder wird nur die Eichengerbsäure (s. d.), nie
die gewöhnliche G. verwendet. Ihrer chem. Kon-
stitution nach ist sie als das Anhydrid der Gallus-
säure (s. d.) aufzufassen (daher Digallussäure).
Durch Gärung, die durch ein in den Galläpfeln
enthaltenes Ferment eingeleitet wird, oder durch
die Einwirkuug verdünnter Säuren geht die G.
in Gallussäure nach folgender Gleichung über:
l'i4Hi<.09 ^ 1^0 -^ I^H^, ohne daß, wie früher
vermutet wurde, Zucker entsteht. Umgekehrt kann
man Gallusfäure durch Phosphororychlorid in G.
verwandeln. G. ist ein schätzbarer Handelsartikel.
Deutschland führte 18l^ davon 604500 kF im Werte
von 1572000 M. aus.
Gerbsäure Bleisalbe, f. Bleisalbe.
Gerbsäureextrakt, ein wässeriges, durch Er-
schöpfen von Eichenrinde und Verdampfen der Lö-
sung dargestelltes Ertratt, das fabrikmäßig dar
gestellt wird und in der Gerberei als Ersatzmittel
der Lohe Verwendung findet. Die Vereitnng ge-
schieht stets in der Nähe großer Waldungen, wo
das Rohmaterial zu geringem Preise zur Ver-
fügung steht. Deutschlands Einfubr an G. (haupt-
sächlich aus Frankreich, Belgien und Österreich-
Ungarn) beträgt jährlich gegen 85 000 Doppelcent-
ner im Werte von 3^ Mill. M.
Gerbsäuren, Gerbstoffe, Bezeichnung für
diejenigen im Pflanzenreiche weit verbreiteten Ver-
bindungen, die fauer reagieren, zusammenziehend
schmecken, mit Eisenoxydsalzen eine schwarze oder
grüne Färbung (Tinte) geben, Leimlösung und die
Lösung der Altaloide (Chinin, Cinchonin, Strych-
nin u. s. w.) fällen und Tierhaut in Leder oder in
eine lederähnliche Substanz überführen (f. Leder-
fabrikation). Die G. der verschiedenen Pflanzen
sind nicht identifch, ja es kommt fogar vor, daß ge-
wisse Pflanzengattungen, z.B. (^ueicus, in der Rinde
und dem Holze eine andere Gerbsäure erzeugen als
in den pathologischen, unter Mitwirkung eines In-
sekts entstandenen Gebilden, den Galläpfeln. Die
aus letztern gewonnene Gerbfäure ist dieGalläpfe l-
gerb säure, die Gerdsäure (s. d.) schlechthin.
In wirtschaftlicher Hinsicht ist nnter allen G. die
wichtigste die Gerbsäure der Eichenrinde, die
sich in der sog. Spicgelborke oder Glanzrinde in
der Menge von 10 bis 15 Proz. findet. Sie ist das
unentbehrliche Material zur Herstellung der bessern
borten des loh- oder rotgaren Leders und unter-
scheidet sich von der Galläpfelgerdsäure durch ihre
große Beständigkeit und durch den Umstand, daß
sie keine Gallussäure und keine Pyrogallussäure
zu liefern vermag. (S. auch Eichengerbsänre.)
Einige der G. sind Glykoside der Gallussäure (s. d.),
d. h. ätherartige Verbindungen derselben mit Zucker-
arten; beim Kochen mit verdünnten Säuren zer-
fallen sie in Gallussäure und Traubenzucker. An-
dere enthalten an Stelle des letztern Phloroglucin
(s. d.). Die gewöhnliche Gerbsäure ist dagegen
Digallussäure. Die meisten G. sind noch wenig
untersucht, da sie sehr veränderlich sind und nicht
krystallisieren. Zu ihnen geboren die Kino-, Ka-
techu-, Kaffee-, China- und Moringerbsäure nebst
dem Morin. Die G. der Rinden der Fichte, Tanne,
Erle, Ulme, Roßkastanie, Weide und Buche scheinen
der Eichengerbsäure ähnlich, aber nicht mit ihr
identisch zu sein. - Vgl. Kraus, Grundlinien zu
einer Physiologie des Gerbstoffes (Lpz. 1888).
Gerbstädt (Gerbstedt), Stadt im Mansfelder
Seekreis des preusi. Reg.-Bez. Merseburg, 15 km
im NO. von Eisleben, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Halle) und einer Superintcndentur,
hat (1880) 4098 E., darunter 148 Katholiken, Post,
Telegraph, evang. und kath. Kirche, altes Rathaus;
Landwirtschaft, Cementfabriken und in der Nähe ein
Kupferbergwerk. Unmittelbar mit der Stadt hängt
die Dorf-(Amts-)Gemeinde G. zusammen. Bei der
Stadt das Rittergut G. mit altem Schloß und Park
und im NW. das ehemalige Welses holz, wo
Hoyer von Mansfelo, Feldhauptmann Kaifer Hein-
richs V., 11. Febr. 1115 von Wiprecht dem Jün-
gern von Groitzsch geschlagen und getötet wurde.
Gerbstoffe, s. Gerbsäuren. - Künstlicher
Gerbstoff soll durch Vebandeln von Torf oder
Braun- und Steinkohle mit Salpetersäure, oder
durch Behandeln von Harz oder Kampfer mit kon-
zentrierter Schwefelsäure erhalten werden. Ob
irgend eins der so gewonnenen Produkte zum Ger-
ben tauglich ist, kann stark bezweifelt werden.
Gerbulieren, Gerbelieren (ital. ^ideiiars,
d.h. siebeir), aus trockner Ware das Unreine auslesen;
! Gerbulur (Gerbelur), das aus Waren gelesene
Unreine; Abzug wegen Verunreinigung der Ware.
Gerchsheim, Dorf im Amtsbezirk Tauber-
! bischofsheim des bad. Kreifes Mosbach, hat (1890)
I 855 E<, Postagentur, Fernsprechverbindung. Am