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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gerberei - Gerbsäure
wie die des königl. Polytechnikums zu Dresden neu
geordnet worden. Seit 1876 verwaltete er auch die
Geschäfte der königl. Generaldirektion der Samm-
lungen für Kunst und Wissenschaft. Seine Haupt-
werke sind: "Das wissenschaftliche Princip des deut-
schen Privatrechts" (Jena 1846), "System des deut-
schen Privatrechts" (ebd. 1849; 16. Aufl. 1891),
gegenwärtig die bedeutendste Arbeit in der deutschen
iurist. Litteratur auf diesem Gebiete, und "Grund-
züge eines Systems des deutschen Staatsrechts"
l^pz. 1865; 3. Aufl. 1880). Außerdem veröffent-
lichte er zahlreiche kleine Schriften und Abdandlun-
gen, besonders in den von ibm undIbering gegrün-
deten "Jahrbüchern für die Dogmatik des beutigen
röm. und deutschen Privatrechts" (Jena, seit 1856); !
sie sind u. d. T. "Gesammelte jurist. Abhandlungen"
(2 Bde., ebd. 1872; neue Ausg. 1878) erschienen. >
Gerberei, s. Lederfabrikation. ^
Gerberfett, soviel wie De'gras (s. d.). l
Gerberga, älteste Tochter des deutschen Königs ^
Heinrich I. und seiner zweiten Gemablin Mathilde,
geb. um 913, wurde um 928 die Gattin des Herzogs
Giselbert von Lothringen. Nach dessen Tode 939
vermählte sie sich noch im selben Jahre mit König
Ludwig IV. von Frankreich. Als Frau von hervor-
ragendem Geist hat G. bedeutenden Einfluß auf
die Staatsangelegenheiten gewonnen. Vor allem
erweckte und erbiclt sie die ofsene Parteinabme König
^ttos I. für die Sache Ludwigs IV. gegen die auf
rührerischen Vasallen. 954 abermals Witwe ge-
worden, setzte sie es durch, daß ihr ältester Tobn
Lothar zum König geweiht wurde. Sie fübrte für
ihn die Regentschaft, zog sich aber, nacbdem Lothar
mündig geworden war, vom öffentlicben Leben zu^
rück. G. 'starb 5. Mai 968 oder 969.
Gerbermyrte, s. ^I^iica.
Gerberrinden nennt man die Rinden zahl-
reicher dikotyler Holzgewächse, die als Gerbmateria-
lien Verwendung finden. (S. Ledersabrikation.)
Gerberfche kontinuierliche Gelenkträger,
s. Msenbrücken (Bd. 5, S. 920d).
Gerberschulen sollen in den Hilfswissenschaf-
ten der Lederindustrie und auch in kaufmännischen
Fächern für den Geschäftsbetrieb Unterricht erteilen.
Die seit 1. Jan. 1874 in Wien bestebende k. k. Ver-
suchsstation für Lederindustrie konnte, obwobl sie zu
8 Arbeitsplätzen Praktikanten ausnebmen konnte,
nicht als eine Gerberschule im eigentlichen ^inne an-
gesehen werden. Schon 1877 bei der internationalen
Lederausstellung wurde die Begründung einer
Gerberschule in Aussicht genommen, doch erst 1886
auf einer Versammlung sächs. Lederproduzenten
nahm die Sache eine festere Gestalt an und fübrte
Ostern 1889 zur Eröffnung der DeutfchenGe r b e r -
schule zu Freiberg in Sachfen. Unterstützt wird
die Schule in erster Linie vom säcks. Staat und der
Stadt Freiberg, dann von verschiedenen Gerber-
innungen und Lederfabrikantenverbänden sowie
von einzelnen Lederfabrikanten. Das Sckulgeld
lwofür auch Freistellen existieren) beträgt für Neichs-
angebörige 200 M. und für Nichtdeutsche 350 M.
pro ^ahr; außerdem ist noch ein Betrag von 25 M.
si'ir Benutzung des Laboratoriums zu bezablen. Der
5tursu5 ist einjäbrig und läuft von Ostern bis Ostern.
Aufgenommen werden nur Schüler, die das 17. Le-
bensjahr zurückgelegt und bereits praktisch die Ger-
berei betrieben baben. Der theoretische Unterricht
erstreckt sich auf 25-26 wöchentliche Stunden über
allgemeine Chemie, allgemeines chem. Praktikum,
specielle Gerbereichemie, Physik, Mikroskopie, Ma-
schinenkunde, Zeichnen, Buchhaltung, Handelslehre,
Rechnen, deutsche Sprache und Unterweisung über
erste Hilfe bei Unglücksfällen: außerdem giebt es
10-12 wöchentliche Stunden praktischen Unterricht
in der Lehrgerberei. Diese Lehrgerberei ist mit
Kesselbaus und Maschinenhaus, Arbeitsraum für
die praktifcken Übungen und einem besondern Ge-
bäude für die Zurichterei ausgestattet. Die Schule
besitzt die sämtlichen Gerbereifachzeitschriften und
viele fpecielle Fachwerke in ihrer Bibliothek. Das
chem. Laboratorium und die Sammlungen sind reich-
baltig eingerichtet. Die Aufsicht und die Verwaltung
wird von einem aus 11 Personen bestehenden Vor-
stand geführt, dessen Mitglieder hauptsächlich der
sächs. Lederindustrie angehören. An der schule
wirken acht Lebrer, von denen drei Chemiker sind
leiner bicrvon ist Direktor der Schule) und einer der
praktische Betriebsleiter der Lehrgerberei ist. Die
schule ist im Durchschnitt pro Schuljahr von etwa
40 Schülern besucht worden, von denen etwa ein
drittel Nichtdeutscke gewesen sind.
Gerberstadt, s. sberstadt.
Gerbersumach, s. KKu8. fester II. ls. d.).
Gerbert, früherer Name des Papstes Syl-
Gerbert, Martin, Freiherr von Hornau, ge-
lehrter Geistlicher, geb. 13. Aug. 1720 in Horb am
Neckar, studierte in der Benediktinerabtei St. Bla-
sien, wurde 1744 daselbst Priester und 1764 Fürst-
Abt dieses Stifts, das durch ihn zu hohem Ansehen
gelangte und dessen Gebäude er nach dem Brande
von 1768 prächtig wieder aufführen ließ. Er starb
13. Mai 1793, nachdem er zahlreiche religiöse und
bistor. Schriften verfaßt hatte, unter letztern die noch
geschätzten: "^oä^x 6pi8w1ari8 Nnäol^tii I." (1772)
und "IliZtoi-iH in^i'96 "iivae" (3 Bde., 1783-88).
^eine eigentliche Bedeutung erlangte er als musika-
lischer Schriftsteller. Ihm verdankt man die Samm-
lung der wichtigsten musikalischen Autoren des Mit-
lclalters ("3cii^toi63 e^ci68ill8tici ä6 nin8ica sacia
l"<"ti88imnm", 3 Bde., 1784) und zugleich die Be-
schreibung des Kirchengesangs von den ältesten
feiten an ("O? ^antn 6t inn8ioa. LNora", 2 Bde.,
1774; "VeUi5 litnr^ia ^iLinannica", 2 Bde., 1776;
"^lonumenta V6t6ii8 litni'^ia^ ^leinHiinicas",
2 Bde., 1777-79), Werke, die für die Geschichte
der Musik zuerst eine sichere Grundlage bereiteten.
Diese Sckriften ließ G. mit großen Opfern in der
Druckerei der Abtei St. Vlasien herstellen.
Gerbert de Montreuil (spr. schärrbäbr de
mongtröi), franz. Trouvöre, Verfasser des um 1220
gedichteten "lloman äe 1a Violette" (von Fr. Michel,
Par. 1834), worin unter reizvoller Schilderung
ritterlichen Lebens erzählt wird, wie die Tugend
(5uriants, zum Gegenstand einer Wette gemacht, die
Probe siegreich besteht. Die Geschichte ist vielfach
bearbeitet und nachgeahmt worden, sie liegt Shake-
speares "Cymbeline" und dem Textbuch von Nebers
"Euryanthe" zu Grunde. - Vgl. A. Rochs, Über
den Veilcbenroman und die Wanderung der Euriant-
sage lHalle 1882).
Gerberwolle, s. Wolle.
Gerbgang, seltenere Bezeichnung für Spitzgang
ff. Mahlmaschinen). Kation.
Gerbmethoden, Gerbprozetz, s. Lederfabri
Gerbsäure, Gallttpfelgerbsäure, Gal-
lusgerbsäure, Tannin, Digallussäure,
^i4Hi0^9, eine der im Pflanzenreich vielfach ver-
breiteten Gerbsäuren (s. d.), die sich in größerer