Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Germania; Germaniahütte; Germanicus

862

Germania (künstlerisch) - Germanicus

cynia silva), in dem die alten Geographen die Gabreta (Böhmerwald), das Asciburgische oder Vandalische Gebirge (Riesengebirge), die Sudeta (Erz-, Fichtelgebirge und Thüringerwald), den Teutoburgerwald, die Bacenis (Harz), den Taunus, die Abnoba oder den Marcianischen Wald (Schwarzwald) unterschieden. Von den Strömen kannten sie Rhein und Donau nebst den Nebenflüssen; aber auch die Ems (Amisia), Weser (Visurgis) und Elbe (Albis) hatten die Kriege ihnen bekannt gemacht. Handelsbeziehungen brachten ihnen die Kunde von Oder und Weichsel, von der Ostsee und Skandinavien. (Hierzu Karte: Germanien im 2. Jahrhundert nach Christus.)

Im Mittelalter nannte man G. oft schlechthin das Land östlich vom Rhein, und bei Italienern (Germania), Engländern, Amerikanern (Germany) ist es noch heute die Bezeichnung des Deutschen Reichs.

Eine Hauptquelle unserer Kenntnis von den Germanen bildet die gewöhnlich "Germania" genannte Schrift des Tacitus (s. d.), deren vollständiger Titel wahrscheinlich "De origine situ moribus ac populis Germanorum liber" war. Ihre Genauigkeit wird allerdings durch den rhetorischen Ausdruck und die romantische Stimmung, die auf dem Ganzen ruht, getrübt. Die Ausgaben sind zahlreich, ebenso die Erläuterungsschriften. Zusammenzufassen suchte sie Ant. Baumstark in "Urdeutsche Staatsaltertümer" (Berl. 1874); ders., "Ausführliche Erläuterung des allgemeinen Teiles der G." (Lpz. 1875); ders., "Ausführliche Erläuterung des besondern völkerschaftlichen Teiles der G. des Tacitus" (ebd. 1880). - Vgl. Bergk, Zur Geschichte und Topographie der Rheinlande (Lpz. 1882); Riese, Das rhein. Germanien in der antiken Litteratur (ebd. 1892). (S. Germanen, Germanisches Altertum, Germanische Sprachen und die dort angeführte Litteratur.)

Germania, die Personifikation Deutschlands, ist durch die bildenden Künste mehrfach als eine edle Frauengestalt im Waffenschmuck dargestellt worden. Unter den Gemälden sind Lorenz Clasens G. auf der Wacht am Rhein (im Rathaus zu Krefeld) sowie Phil. Veits G. (Museum zu Leipzig) die bekanntesten. Die zur Erinnerung au die deutschen Siege von 1870 und 1871 errichteten zahlreichen Sieges- und Kriegerdenkmäler zeigen meist ähnliche Typen; so die G. auf dem Altmarkt zu Dresden (1880; modelliert von Rob. Henze, in Marmor ausgeführt von Cellai in Florenz), die bronzene Kolossalstatue der G. von Joh. Schilling auf dem 1883 enthüllten Nationaldenkmal auf dem Niederwald (s. d.), die G. von Siemering (Bronze) auf dem 1888 enthüllten Siegesdenkmal zu Leipzig; ferner die 1893 von R. Begas modellierte und von Heinr. Seitz in München in Kupfer getriebene Kolossalgruppe der G. (8,5 m; die G. zu Roß, zur Rechten geführt von einem Krieger, zur Linken vom Genius des Ruhms), bestimmt für das neue Reichstagsgebäude in Berlin.

Germania, Name des 241. Planetoiden.

Germania (spr. cher-), in Spanien Bezeichnung der Diebssprache (s. Rotwelsch).

Germania, täglich zweimal in Berlin erscheinende ultramontane Zeitung, mit einem unterhaltenden "Sonntagsblatt". Verlag: Germania, Aktiengesellschaft für Verlag und Druckerei in Berlin; Chefredacteur: Eduard Marcour. Die G. wurde 1. Jan. 1871 begründet und war in erster Linie für die Katholiken Berlins und der Diaspora bestimmt, wurde aber nach Bildung der Centrumsfraktion des preuß. Abgeordnetenhauses und des Reichstages Hauptorgan und, namentlich im Kulturkampf, Stimmführerin dieser Partei. Bis 1878 hatte Paul Majunke die Leitung des Blattes, dann bis 1881 Adolf Franz.

Germaniahütte, Eisenhüttenwerk bei Grevenbrück (s. d.).

Germanicus, Cäsar, geb. im Sept. 20 v. Chr., war der Sohn des Nero Claudius Drusus G., des Bruders des Tiberius, und der jüngern Antonia, einer Tochter des Triumvirs Antonius. Nach dem Willen des Augustus, der sogar daran gedacht hatte, ihn zu seinem Nachfolger zu machen, adoptierte ihn 4 n. Chr. sein von Augustus adoptierter Oheim Tiberius, sodaß nun sein voller Name G. Julius Cäsar war. Er stand diesem sodann im Kriege gegen die Pannonier und Dalmatier in den J. 7-9 n. Chr. mit solcher Auszeichnung zur Seite, daß ihm nach seiner Rückkehr die Insignien des Triumphs verliehen wurden. Im J. 11 begleitete er den Tiberius nach der Niederlage des Varus auf dem Heerzuge nach dem Rhein, zur Sicherung der german. Grenzen. Nachdem er in Rom das Konsulat im J. 12 verwaltet hatte, erhielt er den Oberbefehl über Gallien und die acht Legionen, die am Rhein standen. Nach Augustus' Tode im J. 14 brach unter den Soldaten der vier niederrhein. Legionen, welche Erhöhung des Soldes und Abkürzung der Dienstzeit forderten und aus Abneigung gegen Tiberius den G. zum Nachfolger des Augustus ausrufen wollten, ein Aufstand aus, den G. durch Milde, sein Legat Cäcina durch Gewalt unterdrückte. G. führte hierauf, um seine Soldaten zu beschäftigen (denn nach des Tiberius' Wunsch sollte G. nur die Rheingrenze kräftig schützen, in Germanien keine neuen Eroberungen machen), die Legionen bei Xanten im Okt. 14 über den Rhein, überfiel die Marser zwischen der obern und mittlern Lippe und Ruhr bei einem nächtlichen Feste und zerstörte ihr berühmtes Heiligtum der Tamfana. Über seine weitern Kämpfe in Germanien s. Arminius.

Nachdem G. im J. 17 nach Rom zurückberufen worden war, sandte ihn Tiberius mit ausgedehnten Vollmachten ab zur Ordnung der Angelegenheiten des Orients; zugleich ernannte er den Calpurnius Piso zum Statthalter von Syrien, der aber, sei es infolge geheimer Aufträge des Tiberius, sei es aus eigenem Antriebe, dem G. überall entgegenwirkte. G. starb bald nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Ägypten 9. Okt. 19 zu Daphne in der Nähe von Antiochia, wie er und seine Umgebung, schwerlich mit Recht, glaubten, von der Frau des Piso, Plancina, vergiftet. Seine Asche wurde zur Beisetzung im Grabmal des Augustus von seiner Gattin Agrippina (s. d.) nach Rom gebracht. Diese selbst und zwei ihrer Söhne fanden später durch Sejans Intriguen einen elenden Tod; ein dritter, Gajus (Caligula), wurde verschont. Auch drei Töchter überlebten ihn, darunter Agrippina (s. d.).

G. besaß bedeutende litterar. Bildung; als Redner wie als Dichter in lat. und griech. Sprache wird er von Zeitgenossen wie von spätern gerühmt. Eine freilich nicht sehr hoch anzuschlagende Probe seiner dichterischen Thätigkeit ist noch erhalten in den (mit Unrecht von manchen Gelehrten für ein Jugendwerk des Domitianus gehaltenen) "Aratea" ("Phaenomena" und "Prognostica", letzteres nur in Bruchstücken), einer freien Bearbeitung der astron. Gedichte des Aratus, welche im spätern röm. Altertum als Schulbuch benutzt worden ist (beste Ausgaben