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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geschoßbahn - Geschoßgarbe
deutschen Ieldgra nate 0/76 lnit Hartbleimantel
vorstellt.) Für den äußern Geschoßkern der Ring-
Granate sind die Bruchlinien nur in der Längen-
richtung vorgezeichnet und die Zabl der hieraus
sich ergebenden Sprengteile kehrt nicht regelmäßig
wieder. Nährend die erwähnten Ringgranaten der
Toppelwandgranate um mehr als die dreifache
Zahl von ^prengteilen überlegen sind, ist bei der
für das neue russische leichte Feldgeschütz von 1877
angenommenen Granate eine weitere Steigerung
erreicht worden, indem hier sich die Zacken der ver-
schiedenen Ringe nicht gegenseitig decken, sondern
gegeneinander versetzt sind. lim die Granaten zu
dem Zwecke der Sprengwirkung geeigneter zu machen
(s. oben 2), konstruiert man solche uut möglichst wei-
ter und langer Höhlung, von 2^ und mebr Kaliber
Länge, neuerdings, namentlich zur Aufnahme bri
santcr Sprengladungen, von 5i bis 6 Kaliber Länge
und von ganz dünnen Stahlwandungen. Letztere
werden in Deutschland als Langgranaten be-
zeichnet und nur gegen feste Ziele verwendet, im
Gegensatz zu den kürzern gußeisernen Spreng-
granaten, die besonders gegen lebende Ziele
wirken sollen.
Als G. gegen Panzer versuchte man an-
fänglich Vollgefchosse und Granaten aus gewobn
lichem Gußeisen, ging aber bald zur Verwendung
von Stahl und von .hartgußeisen über. Die Stahl-
gcschosse wurden besonders durch Krupp, die Hart
gußgeschosse durch Palliser in England und Gruson
(s. d.) in Deutschland ausgebildet'. Die Zukunft ge- ^
hört unzweifelhaft den Stahlgeschossen. Zu den
besten derselben zäblen die Kruppschen, Holzerschen,
Putilowschen und Earpenter-Granatcn. Man hat
die Panz e r g e s ch osse anfänglich vielfach ohne
Spitze konstruiert, später aber der scharfen Spitze
den Vorzug gegeben (f. Tafel: Moderne Ge
f ch osse, Fig. W, 11 u. 14). Die Panzergranate
erhält den Vorzug vor dem Vollgeschoß, da jene
durch ihre wenn auch geringe Sprengladung dinter
der Panzerwand noch großen schaden anrichten
kann, während dieses glatt durchgebt. Die Spreng-
ladung fängt ohne Zünder durch die große Erhitzung
des G. benn Dnrchschlagen der Panzerung Feuer.
Brandgranaten sind zur Zeit meist aufgegeben.
Eine noch gültige Konstruktion bestebt in Österreich.
Die Granaten lausschließlich der Panzergranaten)
haben Perlussionszünder (s. d.).
Die Chrapnels müssen so konstruiert sein,
daß sie einen möglichst großen innern Raum zur
Aufnahme der kleinen G. bieten, die Sprengladung
eine günstige Lage hat und die fertigen G. dem Stoß
der (in neuerer Zeit wefentlich vermehrten) Pulver-
ladungen gehörig widerstehen. Um möglickst dünne
Wände zu erzielen, hat man in neuerer Zeit die
Hüllen der Sbravnels in ^tahl geschmiedet. Die
Ladung befindet sich in einer Kammer am Kopf oder
Bodcn des G. oder sie liegt in einer Röhre zunächst
der Achse des Schrapnels. Die kleinen G. müssen
großes specifisches Gcwickt haben, bestehen daher
am besten aus Blei; Eisen ist weniger praktisch.
Wünschenswert ist eine recht große Anzahl kugel-
förmiger G. aus Weich- oder aus Hartblei. Von
Wichtigkeit ist eine feste Lagerung der Kugeln bis
zum Augenblick der Zerteilung. Eine der ältern Kon-
struktionen ist das englische Shrapnel (Fig. 23),
welches die einzige Ausrüstung der ersten gezogenen
Feldgeschütze bildete. Es führte den Namen ^eg-
mentgranate und hatte eiserne flache Füll stucke (3),
die sich unmittelbar an die innere Wandung der
Ausböblung anschlössen. Die Sprengladung lag in
der Röbre i'. Die Konstruktion wurde als unprak-
tisch bald wieder aufgegeben. Ganz ähnlich ist das
frühere Shrapnel der franz. Feldartillerie, Odn8 ü.
dg1i68 genannt (s. Tafel: Moderne Gefchoffe,
Fig. 6). Eiferne abgeplattete Kugeln, etwa 90 an
der Zahl, sind in 11-12 kranzförmigen Schichten
in entspreckende Vertiefungen der innern Wände der
Höhlung eingelagert. Die Sprengladung ist groß
und ergiebt eine sehr große Streuung der Füllstücke.
Der Zünder (s. d.) ist ein Doppelzünder.
Das deutsche Feld shrapnel 0/82 (Fig. 26) hat
die Sprengladung in einer Röhre (Röhrenshrap-
nel). Das Shrapnel des schweizerischen 8,4 cm-
Feldgeschützes (Fig. 27, Bodenkammer-
shrapnel) zerfällt in den cylinorischen Teil a mit
dem Boden !" und die in erstern eingeschraubte
Fig. ^.
Spitze ä, die den Zünder aufnimmt; der hutförmige
^eil c schließt die Pulverkammer nach vorn ab; vor-
wärts von ihm liegen die Bleikugeln (160 ^tück"
bis in die Spitze ä hinein; die Röbre 6 führt dav
Feuer des Zünders zur Sprengladung. Das Chrap-
nel kommt allen oben^enannten Forderungen nach
und hat besonders den Vorteil, daß die Spreng-
ladung die Kugeln in ihrer Vorwärtsbewegung
noch beschleunigt. Fig. 28 stellt die deutsche Felo-
kartätschc dar. Äls G. der Kartätschgeschütze (s. 0.)
kommen Vollgeschosse, Granaten und Kartätschen
vor. Sprenggeschosse für Handfeuerwaffen sind
durch die internationale Konvention von Peters-
lmrg 1868 völkerrechtlich ausgefchloffen. Die Ver-
suche in den einzelnen Ländern, die verschiedenen
Arten von G. durch ein einziges G. (s. Einheits-
geschoß) zu ersetzen, sind noch nicht abgeschlossen.
Die deutsche Fcldarttllcrie hat neuerdings als Haupt'
geschoh dac> Feldsbrapnel 0/91 und daneben Spreng-
granaten und Kartätschen. Über die Geschwindig-
keit der G. s. Geschütz sowie Handfeuerwaffen; über
die Messung der Gefchosigeschwindigkeit s. Chrono-
stop und Chronograph; über die Gestalt des vom
G. durchlaufenen Weges s. Flugbahn.
Die Litteratur über G. s. unter Geschütz.
Geschoßbahn, s. Flngbahn.
Geschoßdavitö, s Davits
Gefchoßfang, s. Kugelfang.
Gefchoßgarbe, s. Garbe.