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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geschützbank - Geschützbronze
Bezüglich der Rohrverschlüsse stehen sich
K eil- und Schraubenverschluh gegenüber. T er
erstere bat die einfachere Einrichtung und gewährt
dllrch seine Lage quer zur Rohrachse große Sicherheit
gegen Herausfliegen infolge des Drncks der Pulver-
gase. Der Schraubenverschluß ist weniger einfack und
seine Schwäche liegt in der Notwendigkeit des ^"nein-
andergreifens der Gewinde von Verschluß und Rohr.
Das Muttergewinde des letztern ist beim Schießen
einer baldigen Veränderung unterworfen und an dem-
selben bilden sich leicht Nisse, die erfahrungsgemäß
ein Springen des Robrs zur Folge baben tonnen.
Bei ungenügendem Schließen ist ein Herausschleu-
dern des Verschlusses aus dem Robr niöglick. Wenn
ungeachtet dieser Nachteile in neuerer .^eit an ver-
schiedenen Stellen die Annabme des Schraubenver-
schlusses erfolgt ist, teilweife sogar unter Verdrän-
gung des Keilverschlusses, so bangt dies namentlich
damit zusammen, daß die Herstellung so schwerer
Stahlblöcke, wie sie der Rundteil bei den großen
Kalibern ersordert, nicht allerwärts genügend ge-
lingt, auch ist derSckraubenverschluß mebrfach des-
wegen gewäblt, weil er die Anwendung der plasti-
schen Liderung (f. Fig. .'><>) gestattet und weniger tote
Robrlänge bedingt. Was die Mittel zum gas-
d i ch t e n A b s ch l u ft der Nobre betrifft, fo findet man
beiln Nundleilverfchluß die B r o a dwell - ^ i d e r n n g
init ihren Abänderungen, beim Scbraubeuverfchluß
meistenteils die der Liderung des Ebasfepotgewebrs
nachgebildete plast i f ch eLider n n g von De Bange.
Nur in Deutschland hatte man auch für den Sckrau-
benverfchluß den Lide r u u g s r i n g angenonimen,
unl die Schraube zu einer Kammer bebufs Aufuabme
der verbältuisniäßig tleineil Ladung bei Mörferu
und kurzen Kanonen auszugestalten, doch bat man
hier den Schraubenverschluß selbst für die genann-
ten beiden Gefchützarten neuerdings wieder auf-
gegeben. Der Züudtanal des G. liegt jetzt meisten-
teils im Verschluß, oder gebt durch Verschluß und
toten Nobrteil, wäbrend er bei den ältern Konstruk-
tionen senkrecht zur Seelenachse von oben durch das
Kanonenrobr gefübrt wurde. Bei den Gefchützzün-
dungen kommen Konstruktionen vor, die den Aus-
tritt der Pulvergafe aus dein Zündtanal Verbindern.
Über Pneumatische Geschütze, Schnellfeuerkano-
nen, Hotchkiß-Schnellfeuerkanonen,Krupps Schnell-
feuerkanonen, Nordenfelt-Schnellfeuerkauonen, Kar-
tätfckgefchütze, Küstengeschütze, Marim - Kanonen,
Mör-
ser, Lafetten u. s. w. siebe die Einzelartikel und die
Tafeln: Ges ch ü tz e 111 und IV.
Litteratur. Außer den im Artitel Artillerie
(Bd. 1, S. 952-5)5") genannten ^^erken sind noch
bervorzubeben: Nud. Schmidt, Die Entlvicklung der
Feuerwaffen und anderer Kriegswerkzeuge seit Er-
findung des Sckieftpulvers bis zur Neuzeit (Sckasf-
bausen 18<>9): von Specht, Geschichte der Waffen
(2 Bde., Lpz. und Berl. 1809-77): Rutzkv, Artil-
lerielebre. Theorie und Praris der Geschoß- und der
Zündertonstruktion lWien 1871): von Eschenbacker,
llber moderne Artillerie mit besonderer Berücksich-
tigung der gezogenen G. großen Kalibers von künst-
licher ^tetalllonstruktion (Weim. 187-2): Veckerbinn,
Die Feldartillerie Österreichs, Deutschlands, Eng-
lands, Rußlands, Italiens und Frankreichs in Be-
zug auf ibre Bewaffnung, Ausrüstung, ^rganisa-
t'wn und Leistllugssäbigkeit lWien 1879): N. Wille,
liber die Bewasfnuug der Feldartillerie lBerl.1880);
ders., Das Feldgeschütz der Zukunft (ebd. 1892);
Mar ^ähns, Handbuch einer Geschickte des Kriegs-
wesens von der Urzeit bis zur Renaissance (Lpz.
1880): I. Schott, Grundriß derWasfenlehre (3. Aufl.,
Darmft. 187li); Lankmayr, Waffenlehre für die
t.k. Militärakademien und k. k. Kadettenschulen (Wien
1878 u. ö.): von Neumann, Leitfaden für den Unter-
richt in der Waffenlehre auf den königl. Kriegsschulen
<4. Aufl., Berl. 1880): Mariotti, t^vnsnig'tiHiisüi^
"t cNnon8 alwmanä^ (Par. 1886); Vtonthaye,Xinp^i
! kt äs L^n"6 (Brüss. 1887; 2. Aufl. 1888); Schubert,
Die Feld- und Gebirgsartillerien (Wien 1890).
Geschützbank, eine Erdanschüttung hinter der
Brustwehr, vermöge deren die Geschütze frei, d. h.
ohne Anwendung von Scharten, über die Brustwehr
fort feuern können (Feuer über Bank). Vorteile:
besfere Beherrschung des Vorgeländcs, weil größeres
Schußfeld: Nachteile: für Geschütz und Mannschaft
geringere Deckung als beim Feuern durch Scharten.
Geschützbronze oder Kanonenmetall (auck
Kanonengut, Stückgut), die zum Gefchützguß
bestimmte Brouze (s. d.) mit einem Zinngehalt von
8-12 Proz. Ebe man die Gefchützrohre aus Guft-
stahl berzustellen verstand, galt die G. als das
vorzüglichste Geschützrobrmaterial. Sie zeichnet sich
dnrch bedeuteude Zähigkeit aus, ihre Zugfestigkeit
und Elasticität ist genügend, dagegen mangelt es
der G. au Druckfestigkeit und Härte, und sie besitzt
eine große Empfindlichkeit gegenüber den hoben
Temperaturen, die bei der Verbrcnnuug des Schieß-
pulvers namentlich der neuern rauchfchwachen Pul-
verforten entfteben; es ergeben sich bei längerm Ge-
brauch Erweiterungen und Ausbrennungen in der
Seele der Robre, überbaupt Formveränderungen,
die von Nachteil für die Wirkung und besonders die
Tresffäbigkeit der Gefchütze sind. Dagegen springen
Robre aus G. verbältnismäßig selten und lassen sich
bei der Schmelzbarkeit des Materials leicht herstellen
und wieder umgießen, sodaß die G. einen großen
bleibenden Materialwert (etwa 75 Proz. des Neu-
werts) auch nach der Verarbeitung beibehält. So-
lange man nur die Wabl zwischen Bronze und Guß-
eisen hatte, wurde erstere zu allen Rohren verwendet,
von denen man eine große relative Leichtigkeit oder
eine große Widerstandssäbigkeit forderte, so nament-
lich zu Feldgeschützen und zu Geschützen mit großen
Pulverladuugen. Sämtliche größere Artillerien sind
von alters ber im Besitze einer großen Menge bron-
zener Robre, die zum größten Teile veraltet sind.
! Der Wunsch, dieses Material zu verwerteu, nicht
minder das Bestreben, durch Beibehalten der G. von
der Privatindnstrie unabhängig zu bleiben, hat,
auch nachdem die vorzüglichen Eigenschaften des
Stabls als Gefchützrolu'materials zur Erkenntnis
gelaugt waren, den Gedanken nahe gelegt, durch ein
verbessertes Herstellilngsverfahren die G. ueben dem
Stabl in lebensfähiger Geftaltuug zu erhalten.
Man versuchte zunächst dllrch eine chem. Verände-
rung ibro nachteiligen Eigenschaften auszugleichen,
was aber weder in der A lumininmbronze (s. d.)
noch in der P b o s p h o r b r onze (s. d.) gelungen ist.
Einen bessern Erfolg hatten die Bestrebungen, durch
eiu meckan. Versabren die G. zu verbessern. Der
dentscke Fabrikant Küntzell, ebenso wie der Franzose
Laveissiere (1873) schlugen zu diesem Zwecke den
Guß der G. in eisernen Formen, den sog. Schalen-
oder Eoquillenguß, vor, statt des bisherigen Gusses
in Lebmformen. Hierdurch wird, uamentlich wenn
nock) damit der Guß über einen eisernen Kern ver-
bunden wird, das Gußstück rascher abgekühlt, und