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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gießerei - Gießereiflammofen
sind neue Stadtteile mit stattlichen Gebäuden ent-
standen. Außer den Univei sitätsgebäuden sind zu
erwähnen: die 1821 an dcr Stelle der alten, 1809
abgetragenen, erbaute evang. Stadtkirche, die neue
evang. Kirche (1893), die tath. Kirche, die neue
Synagoge, das Kanzleigebäude, eigentlich das alte
Schloß, von dessen ursprünglichem Bau (12. Jahrh.)
Überreste erhalten sind; ferner das alte Rathaus am
Markt, das Zeughaus (1580), jetzt Kaserne, die neue
Aula (Universitätsgebäude) in der Untern Neustadt,
das neue Gymnasium, die neue Realschule, das
Iustizgebäude und das Lazarett, letztere fünf an den
schönen Anlagen um die Stadt, sowie das Denkmal
Liebigs von Schaper in der Ostanlage. G. ist Sitz der
großherzoglich Hess. Lndwigs-Universität, die infolge
der Auswanderung einer Anzahl luth. Professoren
aus Marburg, dessen Universität sich zur reform.
Kirche bekannte, durch den Landgrafen Ludwig V.
gegründet und 19. Mai 1607 von^Kaiser Rudolf II.
bestätigt wurde. 1625 wurde sie nach Marburg zurück-
verlegt, welches 1648-50 "Samt-Universität" von
Hessen-Cassel und Hessen-Darmstadt war. Seit
1650 ist G. wieder Universität mit vier Fakultäten,
zu denen 1777 eine ökonomische, 1830 - 59 eine
katholisch-theologische kam. 1874 wurden die Lebr-
stuhle für Bail- und Ingenieurwissenschaften an die
Hochschule zu Darmstadt übertragen. Die neuen Sta-
tuten sind vom 26. Nov. 1879; die Universität bat
(1892) 58 Professoren und 593 Hörer und dient
zugleich als landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche
und Tierarznei-Hochschule. Mit derselben sind ver-
schiedene Anstalten und Sammlungen verbunden,
wie die vereinigte Universitäts- und von Eencken-
bergische Bibliothek (1617 gegründet) mit wertvollen
handschriftlichen Schätzen, ein anatom. Theater, aka-
demisches Hospital mit Klinik, Entbindungsinstitut,
chem. Laboratorium (von Liebig eingerichtet), botan.
Garten, eine neue Irrenklinik, einmineralog., Physik.,
forst- und landwirtschaftliches Institut sowie Samm-
lungen für Naturwissenschaften, Physik. Instrumente,
Forstgarten u. s. w. Außer der Universität bestehen
zu G. noch eine Augenklinik, ferner ein Gymnasium,
gegründet 1605 (Direktor Dr. Schiller, 14 Lehrer,
11 Klaffen, 3 Vorklassen, 416 Schüler), verbunden
mit einem pädagogischen Seminar, ein Realgym-
nasium und Realschule, gegründet 1837 (Direktor
Dr. Rausch, 26 Lehrer, 9 Realgymnasialklassen,
229 Schüler, 7 Realtlassen, 314 Schüler, 3 Vor
tlassen, 149 Schüler), höhere Mädchenschule, Haud-
Werkerschule und Industrieschule für Mädchen (Alice-
schule). Von Gesellschaften und Vereinen sind zu
nennen: die Oberhessische Gesellfchaft für Natur- und
Heilkunde (1833), welche Vorträge veranstaltet und
Berichte herausgiebt, der Oberhessifche Geschichte
verein (1878) mit Gefchichtsmuseum, der Kunstver-
ein, welcher Gemäldeausstellungen veranstaltet, der
Gesellschasts-, der Konzertverein, die Freimaurerloge
"Ludwig zur Treue", der Allgemeine Verein für
Armen- und Krankenpflege mit Schwesternbaus und
der Verein für Krankenpflege. Die Ind u ft r i e er-
streckt sich auf Eisengießerei und Maschinenfabrik
(Heyligenstädt), elektrochem. Metallscheideanstalt
(Throm), mechan. Baumwollweberei (Homberger ^
Söhne), Spinnerei, Weberei, Bierbrauerei, mechan.
Werkstätten sowie Fabrikation von Chemikalien, Lack,
Essia^yrit (Silbernen), musikalischen Instrumenten,
Lampen, Möbeln, vor allem aber von Tabak und
Cigarren (22 Fabriken). G. ist Sitz der 6. Sektion
der Hessisch - Nassauischen Vaugewerks-Berufsge-
nossenschaft. 2 Km von G. liegt eins der größten
Braunsteinbergwerke, in der Nähe die Marga-
retenhütte mit 1 Hochofen (Gebrüder Buderus).
In der Nähe der Stadt liegen Schiffenberg,
früher Kommende des Deutschen Ordens, sowie
die Ruinen der Burgen Gleiberg undVetzberg,
der Vadenburg und des Stausenbergs. -
Die Stadt entstand im 12. Jahrh, aus den Dör-
fern Alters (Saltrissa), Aster und Kroppach, zu
deren Schutz der Graf Wilhelm von Gleiberg zu
Ende des 12. Jahrh, diesfeits der Lahn die Burg
zu den G. erbaute. Durch Vermählung kam die
Herrfchaft G. an die Pfalzgrafen von Tübingen,
die sie 1265 an den Landgrafen Heinrich von Hessen
verkauften. Bereits 1250 wird G. als Stadt er-
wähnt. Es wurde 1530 mit Festungswerken ver-
sehen, die 1547 Kaiser Karl V. schleifen ließ. So-
dann ward es 1560 von neuem mit Werken umgeben,
die 1809 abgetragen wurden. - Vgl. Nedel, Kurze
Übersicht einer Geschichte der Universität G. (Marb.
1828); Lutterbeck, Geschichte der kath.-theol. Fakultät
zu G. (Gieß. 1860); Übersicht der interessanternThat-
sachen aus der Geschichte von G. (ebd. 1865); Krast,
Geschickte von G. (Darnist. 1876); Büchner, Führer
durch Vogelsberg, Wetterau, Lahn- und Dillthal,
mit besonderer Berücksichtigung von G. und Um-
gebung (Gieß. 1880; 2. Aufl. u. d. T.: G. und seine
Umgebung, ebd. 1891); ders., G. vor 100Jahren (ebd.
1880); ders., Aus G.s Vergangenheit (ebd. 1885).
Gießerei oder Gießkunst wird namentlich die
Metallgießerei (s. d.) genannt. Auch das Gebäude
oder die Wertstatt, in welcher das Gießen (s. d.)
stattfindet, wird G. genannt. Die Erzeugnisse der
G. werden Gußwaren (s. d.) genannt.
Gießereissammofen ^ ein zum Schmelzen des
Metalle in Gießereien benutzter Flammofen (s. d.).
Sckon im Mittelalter benutzte man Flammösen zum
schmelzen von Bronzen, deren Schmelztemperatur
nicht sebr hoch lag, z. B. des Glockengnts. Sie
hatten einen kreisförmigen, von einer Kuppel über-
fpannten Herd, auf welchem sich das zum Einschmel-
zen bestimmte Metall befand; ringsherum war Holz
aufgeschichtet. Die Gase entwichen nicht durch eine
Esse, sondern durch Öffnungen in der Decke des
i Ofens (Pfeifen). Die Verbrennung war demnach
langsam, man gebrauchte mehrere Tage zum Schmel-
zen, und die Erzielung sehr hoher Temperalurcn war
überhaupt nicht möglich. Noch jetzt findet man in
veralteten Glockengießereien ähnlich eingerichtete
Ofen. Erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts
erkannte man die nützliche Wirkung einer hohen,
zur Absübrung der Gase dienenden Esse und eines
Rostes. Ein lebhafter Zug wird erzeugt, die Ver-
brennung wird beschleunigt; man erlangte die Mög-
lichkeit, höhere Temperaturen als früher hervorzu-
bringen und das Schmelzen in erheblich kürzerer
Zeit durchzuführen. Man benutzt Flammöfen vor-
wiegend in Glockengießereien und Geschützgießereien
zum Schmelzen von Bronze, außerdem in Eisen-
gießereien zum Guß schwerer Stücke, während für
die gewöhnlichen Zwecke der Eisengießereien der