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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Giona; Gior.; Giordani; Giordano

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Giona – Giordano

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Giolitti'

Staatsrat eröffnete ihm 1882 Depretis die polit. Laufbahn, worauf ihn sein heimatlicher Wahlkreis ins Parlament sandte. Am 9. März 1889 ward G. von Crispi mit dem Schatzministerium betraut und übernahm nach dem Rücktritt Seismit-Dodas (19. Nov. 1890) auch das Finanzministerium, geriet aber mit seinem Bestehen auf Sparsamkeit bald in Widerstreit mit der hochstrebenden Politik Crispis und den Forderungen des Arbeitsministers Finali, weshalb er schon 9. Dez. 1890 seine Entlassung einreichte. Rudini, kurz darauf an Crispis Stelle getreten, wurde anfangs von G. unterstützt, dann aber, als er auch zu Steuererhöhungen griff, heftig angegriffen und gestürzt, worauf G. selbst (10. Mai 1892) mit der Bildung eines neuen Kabinetts betraut ward, in das er fast nur Abgeordnete und Anhänger der Linken berief. Seit Cavour der jüngste und der erste Ministerpräsident, welcher an den Einheitskämpfen nicht mehr teilgenommen hatte, wurde G. mit ungewöhnlicher Feindseligkeit von der Kammer aufgenommen, weshalb er zu deren Auflösung greifen mußte. Trotz der Erklärungen Crispis, welcher G. in volkstümlichen Äußerungen zu überbieten suchte, brachten die Neuwahlen eine fortschrittliche Dreifünftelmehrheit für G., der wiederum durch Ersparnisse und ohne neue Auflagen das Gleichgewicht herzustellen und außerdem die Besteuerung zu Gunsten der untern Volksklassen abzuändern und Reformen im Justiz- und Unterrichtswesen einzuführen versprach. Die Unregelmäßigkeiten bei der Banca Romana veranlaßten ihn, an eine Neuordnung des Bankwesens zu gehen.

Giona, höchster Berg des Königreichs Griechenland, nordwestlich vom Parnaß auf der Grenze von Lokris und Doris, ist 2512 m hoch.

Gior., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Michael Giorna (spr. dschor-), geb. 1741, gest. 1809 als Professor zu Turin.

Giordani (spr. dschor-), Pietro, ital. Schriftsteller, geb. 1. Jan. 1774 in Piacenza, studierte daselbst und in Parma Philosophie und Rechtswissenschaft, trat in den Benediktinerorden, verließ aber denselben wieder und ging 1800 nach Mailand. 1803 wurde er Professor der lat. und ital. Litteratur und Unterbibliothekar in Bologna. 1805 seiner Ämter entsetzt, irrte er in Italien umher, bis er 1810 zum Sekretär der Kunstakademie in Bologna ernannt wurde. Als er 1815 dieses Amt verlor, begab er sich nach Mailand, wo er als Mitarbeiter der «Biblioteca italiana» wirkte. Durch den 1817 erfolgten Tod seines Vaters sah er sich in eine unabhängige Lage versetzt und lebte nun als Privatgelehrter in Piacenza. Durch die Intriguen seiner Gegner verbannt, begab er sich 1824 nach Florenz, wurde 1830 aus Toscana verwiesen und ging nach Parma, wo er seitdem lebte. Er wurde 1848 Ehrenpräsident der dortigen Universität und starb 14. Sept. desselben Jahres in Parma. G. gilt als einer der bedeutendsten neuern ital. Prosaiker; die Reinheit und Vollendung des Stils war sein Hauptstreben. Er übte großen Einfluß aus, obgleich er kein umfangreicheres Werk verfaßte. Die beste und vollständigste Gesamtausgabe seiner oft gedruckten Werke besorgten sein Schüler und Freund A. Gussali und A. Vassalli («Opere complete di P. G. con l’epistolario ecc.», 13 Bde., Mail. 1854–62). Seitdem erschienen «Il peccato impossibile» (Lond. 1862), «Lettere scelte» (von Ugolini, Flor. 1869), ↔ «Lettere ed arti per l’Accademia di belle arti in Bologna» (hg. von Scarabelli, Bologna 1874), «Prose scelte» (hg. von Finzi, Mail. 1884), «Orazioni ed elogi di P. G.» (hg. von Borgognoni, Flor. 1890), «Lettere inedite ad A. Checcucci» (ebd. 1891). – Vgl. Romani, Della vita e delle opere di P. G. (Mantua 1868).

Giordano (spr. dschor-), Luca, genannt Fapresto, ital. Maler, geb. 1632 zu Neapel, hatte zuerst Ribera, dann in Rom Pietro da Cortona zum Lehrer, dem er bei seinen Arbeiten half. Später gewannen die Werke des Paolo Veronese großen Einfluß auf ihn. Er wurde 1677 nach Montecasino berufen, wo er in zwei Jahren die ganze Decke samt Lünetten im Schiff der Klosterkirche ausmalte; 1679 ging er nach Florenz und schuf dort in Sta. Maria Maddalena de' Pazzi, in der Karmeliterkirche und im Palast der Mediceer (jetzt Riccardi) große Fresken, dann nach Venedig, wo er ebenfalls in verschiedenen Kirchen malte. 1692 folgte er einem Rufe König Karls II. nach Madrid, dessen Gunst er sich in hohem Grade erwarb; er zierte daselbst das Escorial mit neun Kuppelgemälden und auch sonst Paläste und Kirchen mit Decken-, Wand- und Altargemälden. Nach dem Tode Karls II. (1700) kehrte er, alt und reich geworden, in sein Vaterland zurück, fand noch an Papst Clemens XI. in Rom einen Gönner und starb 4. Jan. 1705 in Neapel. G. war an Erfindung reich und mit der Perspektive gründlich vertraut, sein Kolorit sanft und harmonisch, seine Pinselführung frei und fest. Wunderbar war seine Fertigkeit, die Malweisen der verschiedensten Meister anzunehmen, weshalb man ihm auch den Beinamen Proteus beilegte. Aber ihm fehlte die Tiefe der Charakteristik, und er bewegte sich meist innerhalb weniger Typen, die in allen seinen Bildern wiederkehren. Sodann verführte ihn seine leichte Hand zu großer Nachlässigkeit in Komposition und Ausführung. Wegen der Schnelligkeit, mit welcher er insbesondere auf Antrieb seines eigennützigen Vaters malte, erhielt er den Beinamen Fa presto («Mach schnell»). So soll er das große Altarblatt bei den Jesuiten zu Neapel (Franciscus Xaverius die Japaner taufend) in 36 Stunden vollendet haben. Seine ersten Schöpfungen, wie die Deckenfresken der Sakristei von San Martino u. a., stehen bei weitem höher als seine eilfertig gemalten Sachen. Seine zahllosen Tafelbilder sind an vielen Orten zu finden. So besitzt das Prado-Museum zu Madrid 42 Gemälde, darunter: Abrahams Verheißung, Isaak und Rebekka, David als Sieger über Goliath, Bathseba im Bade, Reue des Petrus, Heiliger Antonius mit dem Christkind, Tod des Centauren Nessus, Perseus mit dem Haupt der Medusa, Flucht des Aneas aus Troja; die Dresdener Galerie 20 Gemälde, darunter: Hercules bei der Omphale, Ariadne von Bacchus überrascht, Susanna von den beiden Alten belauscht, Raub der Sabinerinnen, Tod Senecas, Jakob und Rahel am Brunnen; das Hofmuseum in Wien 13, darunter: Sturz der bösen Engel, Geburt Maria, Tod der Maria; die Münchener Pinakothek 7, meist Bildnisse. Ferner befindet sich von ihm: Das Parisurteil im Berliner Museum, Venus und Mars im Louvre, Die Entführung der Europa in der Eremitage zu Petersburg, Isaak segnet Jakob in der Harrachschen Galerie zu Wien. Die besten Kupferstecher haben nach ihm gestochen; auch er selbst hat mit leichter, geistreicher Nadel gearbeitet.