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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Glas

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Glas'

wird von Wasser und andern Flüssigkeiten stark angegriffen. Solches G. erblindet an der Luft, springt leicht beim Erhitzen und bekommt dabei an der Oberfläche unzählige kleine Risse, die beim Entweichen des bis zu einer gewissen Tiefe eindringenden Wassers entstehen. Gutes G. ist dagegen außerordentlich widerstandsfähig; so giebt feinster Staub eines nach der Normalformel zusammengesetzten G. nicht mehr als 0,3 Proz. seines Gewichts in 24 Stunden an verdünnte Salzsäure ab. Schlechtes G. kann man an einem hauchartigen Beschlag erkennen, den dasselbe beim ein- bis zweitägigen Liegen in chlorwasserstoffhaltiger Luft annimmt, oder auch durch Behandeln mit jodeosinhaltigem feuchten Äther; schlechtes G. wird davon oberflächlich rot gefärbt.

Die chem. Zusammensetzung einiger bewährter Glassorten zeigt folgende Tabelle:

Franz.Fenster-Kali-Flint-Burgunder
SpiegelglasglasHohlglasglasFlaschenglas
Kali146,8
Natron1113,17,3
Kalk1511,990,3624,8
Manganoxydul0,7
Eisenoxyd0,71,4
Thonerde0,70,89,7
Kieselsäure7373,47745,256,7
Bleioxyd47,1

Besondere Zusammensetzungen zeigen die optischen G., das Thermometerglas und das G. für chem. Geräte (s. Glas für wissenschaftliche Zwecke), ferner Getrübtes Glas (s. d.).

II. Eigenschaften des Glases. Bei gewöhnlicher Temperatur sind alle Glassorten hart und spröde, besitzen den erwähnten Glasglanz und sind schlechte Elektricitätsleiter. Bei höherer Temperatur (schon bei 300° C.) leitet jedoch G. die Elektricität wie ein Leiter zweiter Klasse unter chem. Zersetzung. Gutes G. widersteht dem Angriff von Wasser und Säuren, wird dagegen von Alkalien etwas angegriffen, sehr heftig jedoch von Flußsäure, worauf das Ätzen des G. (s. unten S. 43b) beruht. Je nach der Zusammensetzung schwankt das spec. Gewicht bei Kalkglassorten zwischen 2,4 bis 2,8 und bei Bleigläsern zwischen 3,0 und 4,9. O. Schott ist es gelungen, ein G. vom spec. Gewicht von 6,33 herzustellen. Der Brechungsindex für die Fraunhofersche D-Linie schwankt bei Crowngläsern zwischen 1,51 und 1,60, bei Flintgläsern zwischen 1,55 und 1,96. Der kubische Ausdehnungskoefficient ist nach neuern Untersuchungen von O. Schott bei alkalireichen G. Viel bedeutender als bei alkaliarmen und bewegt sich zwischen den Grenzen 0,0000137 und 0,0000337. Die Verschiedenheit der Ausdehnungskoeffizienten verschiedener Sorten wird beim sog. Verbundglas (s. Glas für wissenschaftliche Zwecke) benutzt. Die Durchlässigkeit des farblosen G. für strahlende Wärme wird nach R. Zsigmondy wenig von seiner Zusammensetzung beeinflußt. So lassen farblose G. verschiedenartiger Zusammensetzung von etwa 8 mm Dicke 58–63 Proz. der strahlenden Wärme eines Argandbrenners hindurch. Löst man dagegen im G. nur 1 Proz. Eisenoxydul auf, so wird dasselbe für strahlende Wärme fast undurchlässig, ohne seine Durchsichtigkeit zu verlieren. (S. Schirmglas.) G. ↔ muß langsam und gleichmäßig gekühlt werden, wenn es gegen Temperaturänderungen widerstandsfähig sein soll. Wird G. schnell abgekühlt, so springt es gewöhnlich, oder es treten Spannungen ein, die ein explosionsartiges Platzen der ganzen Masse bei geringfügiger Verletzung der Oberfläche bewirken können. (S. Glasthränen und Bologneser Flaschen.) Kühlt man es aber schnell unter Einhaltung gewisser Vorsichtsmaßregeln, so entsteht ein sehr festes, elastisches G. (Hartglas, s. unten, S. 42b). Wird G. längere Zeit einer dem Erweichen nahen Temperatur ausgesetzt, so verwandelt sich dasselbe in eine weiße undurchsichtige Masse (Réaumursches Porzellan, s. Entglasung).

III. Einteilung der Glaswaren. Nach der chem. Zusammensetzung und Art der Herstellung kann man folgende Einteilung für G. und seine Produkte treffen:

A. Bleifreie G.

  • 1) Hohlglas (Buttelglas), sämtliche Glasarten, die an der Pfeife vollendet werden und kein Bleioxyd enthalten, a. Dunkelfarbiges Hohlglas, aus unreinen Materialien hergestellt (Flaschenglas oder Bouteillenglas). b. Halbweißes Hohlglas, für Medizinflaschen, billigere Glasartikel, c. Weißes Hohlglas, mit sehr geringem Eisengehalt aus reinen Materialien hergestellt. Hierher gehört das deutsche und französische Crownglas, das böhm. Hohlglas (böhm. Krystallglas).
  • 2) Scheiben- und Fensterglas (Tafelglas, englisches Crownglas). Unterscheidet sich von Hohlglas durch die verschiedene Art der Herstellung, ist meist auch etwas leichter schmelzbar als letzteres.
  • 3) Spiegelglas (s. d.) aus besonders reinen Materialien hergestellt.

B. Bleihaltige G.

  • 1) Flintglas (s. d.), Bleikalisilikat, wird besonders in England zur Herstellung von Hohlglaswaren verwendet, außerdem hauptsächlich zu optischen Zwecken.
  • 2) Krystallglas (s. d.), mit noch höherm Bleigehalt als das erstere.
  • 3) Straß-Masse (s. Straß) für künstliche Edelsteine.

C. Getrübtes Glas (s. d.), Glassorten mit milchiger Trübung unter verschiedenartigster Zusammensetzung.

D. Preßglas (s. d.), etwas leichter schmelzbar als Crownglas, wird nicht vor der Glasmacherpfeife verarbeitet, sondern in geschmolzenem Zustande gepreßt.

E. Luxus- und Buntglas, Glaswaren der mannigfaltigsten Farbe, Form, Zusammensetzung und Verarbeitung, bei welchem es in erster Linie auf Schönheit der Form und Verzierung ankommt. (S. Glaskunstindustrie.)

F. Optisches G., Thermometerglas und G. für chemische Glasgeräte. (S. Glas für wissenschaftliche Zwecke.)

G. Wasserglas (s. d.), in Wasser lösliches Alkalisilikat.

IV. Glasfabrikation. Rohmaterialien. Die zur Herstellung von G. erforderliche Kieselsäure findet sich in Form von Sand, Quarzfelsen, Feuerstein und Infusorienerde; Natron wird als Natriumcarbonat (Soda) und Natriumsulfat (Glaubersalz), letzteres mit 6–8 Proz. Kohle verwendet; Kali wird in Gestalt von Kaliumcarbonat (Pottasche) gebraucht, Kalk als Kalkstein und Kreide, Blei als Bleiglätte und Mennige, Zinkoxyd als Zinkweiß, Baryt als Schwerspat; Mangan dient in Form von Braunstein sowohl zum Färben als zum Entfärben. Weitere Entfärbungsmittel sind Nickel- und Kobaltoxyd.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 39.