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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Glycerinaldehyd - Glykocholsäure

Deutschland mit 5 Mill., die Niederlande, Belgien, Österreich, Rußland und Italien mit rund je 2 Mill. kg teil haben. G. ist Spekulationsobjekt und bedeutenden Preisschwankungen unterworfen. Hauptmarkt dafür ist Paris. Deutschland führte 1892 47 047 Doppelcentner rohes und 18 920 Doppelcentner gereinigtes G. im Werte von 2 352 000 und 1 514 000 M. ein und 1025 Doppelcentner rohes sowie 20 994 Doppelcentner gereinigtes im Werte von 51 000 und 1 784 000 M. aus.

Glycerinaldehyd, eine organische Verbindung von der Formel CH2OH.CHOH.CHO, die durch vorsichtige Oxydation von Glycerin entsteht. Er ist nur in Lösung bekannt, verhält sich ganz wie die Zuckerarten und besitzt ein theoretisches Interesse, da er durch Kondensation von zwei Molekülen künstlichen Zucker liefert. In dem rohen Oxydationsprodukt von Glycerin, seiner Zuckerähnlichkeit halber auch Glycerose genannt, ist außer dem G. auch das isomere Dioxyaceton, CH2OH.CO.CH2OH, enthalten.

Glycerinkitt, s. Kitt.

Glycerinklystier, s. Klystier.

Glycerinphosphorsäure, eine esterartige Verbindung des dreiwertigen Alkohols Glycerin mit der Phosphorsäure, C2H5(OH)2(O.PO3H2), die noch stark saure Eigenschaften besitzt, einen zähen Sirup bildet und beim Erhitzen mit Wasser in ihre Bestandteile zerfällt. Sie findet sich in Verbindung mit Fettsäuren und Cholin in dem physiologisch wichtigen Lecithin (s. d.).

Glycerinsalbe (Unguentum Glycerinii), eine aus 100 Teilen Glycerin, 10 Teilen Weizenstärke, 2 Teilen feingepulvertem Tragant, 5 Teilen Weingeist und 15 Teilen Wasser (durch Zusammenrühren und Erhitzen bis zum Verschwinden des Weingeistgeruchs) bereitete gallertartige Salbe.

Glycerinsäure, eine sirupförmige organische Säure von der Formel CH2OH.CHOH.COOH, die man aus Glycerin durch Oxydation mit Salpetersäure erhält. Sie ist im Wasser und Alkohol leicht löslich. Ihre Salze, wie z. B. das Calciumsalz, (C3H5O4)2Ca + 2 H2O, krystallisieren meistens.

Glycerinseife, s. Seife.

Glycerinsuppositorien, s. Suppositorien.

Glycerius, ein weström. Comes und Gardeoffizier, den 5. März 473 n. Chr. unter Zustimmung der ital. Armee (nach des Kaisers Olybrius Tode) der burgund. Patricius Gundobad, der Neffe Ricimers, in Rom als Kaiser des Abendlandes aufstellte. Als aber Gundobad nach Gallien abgezogen war, um nach seines Vaters Tode die Herrschaft über die Burgunder zu übernehmen, landete der durch den byzant. Kaiser Leo I. zum Kaiser des Westens bestimmte Julius Nepos im Juni 474 mit starker Macht bei Ostia und nötigte G., abzudanken.

Glycerose, s. Glycerinaldehyd.

Glycerylnitrat, s. Nitroglycerin.

Glycidverbindungen, Bezeichnung für einige organische Substanzen, in denen ein Sauerstoffatom in eigentümlicher Weise mit zwei untereinander verbundenen Kohlenstoffatomen in Bindung steht. Durch Wasseraustritt leitet sich vom Glycerin der sog. Glycidalkohol oder Epihydrinalkohol, C3H6O2, ab.

^[Liste]

CH2OH CH2-O CH2-O

CHOH CH- CH-

CH2OH CH2OH COOH

Glycerin Glycidalkohol Glycidsäure.

Die G. bilden sich aus allen organischen Verbindungen, die an benachbarten Kohlenstoffatomen ein Chloratom und eine Hydroxylgruppe besitzen, durch Einwirkung von Alkalien; so der oben erwähnte Glycidalkohol aus α-Monochlorhydrin mit Baryt oder alkoholischer Kalilauge nach folgender Gleichung: CH2OH.CHOH.CH2Cl + KOH = C3H6O2 + KCl + H2O. Auch das Äthylenoxyd, C2H4O, gehört zu dieser Klasse von Sauerstoffverbindungen, die weder die Reaktionen der Alkohole, noch die der Ketone und Aldehyde zeigen.

Glycin, s. Glykokoll.

Glycine, Pflanzengattung, s. Wistaria.

Glycion, s. Glycyrrhizin.

Glycionerde, Beryllerde, s. Beryllium.

Glyciphagus prunorum Hen., s. Zuckermilbe.

Glycium, Metall, s. Beryllium.

Glycocoll, s. Glykokoll.

Glycosuria, s. Diabetes.

Glycyrrhiza L., Süßholz, Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen mit 12 Arten, die größtenteils in dem gemäßigten Asien und in den Mittelmeerländern vorkommen. Es sind ausdauernde, fast strauchartige Gewächse mit etwas klebrigen, gelbgrünen Blättern. Ihre daumenstarke Pfahlwurzel dringt senkrecht und tief in den Boden ein und ihre Seitenwurzeln kriechen oft viele Meter weit horizontal unter der Oberfläche hin und sind mäßig dicken Stricken vergleichbar, innen gelb und von süßem, etwas kratzendem Geschmack. Durch Auskochen derselben und Eindicken des Saftes wird der als Brustmittel bekannte Lakritzensaft (Succus Liquiritae) gewonnen. Die gebräuchlichste Art ist G. glabra L. (s. Tafel: Leguminosen 1: Papilionaceen, Fig. 1) mit kurzen gestielten Blütenähren mit voneinander abstehenden Blüten und glatten Früchten. Sie kommt zwar im südl. Europa wild vor, wird aber in Spanien und Sicilien wie auch in Deutschland, z. B. in Bamberg, im großen angebaut und liefert das Süßholz (s. d.).

Glycyrrhizin, Glycion, Süßholzzucker, ein Glykosid, das als Ammoniakverbindung in der Süßholzwurzel, der Wurzel von Glycyrrhiza glabra L. und Glycyrrhiza echinata L., und dem daraus bereiteten Extrakt, dem Lakritzen sowie in der Monesiarinde von Chrysophyllum glycyphloeum Carsetti vorkommt und diesen den süßen Geschmack erteilt. Die Zusammensetzung des G. ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt; es ist als saures Ammoniaksalz der Glycyrrhizinsäure aufzufassen.

Glykas, Michael, byzant. Chronist, verfaßte um 1150 eine Weltchronik (hg. von J. Bekker, in dem "Corpus scriptorum historiae Bizantinae", Bonn 1836), die bis 1118 reicht, sowie zwei Gedichte an Kaiser Manuel Komnenos.

Glykochol, s. Glykokoll.

Glykocholsäure, eine Säure von der Zusammensetzung C26H43NO6, deren Natronsalz neben taurocholsaurem Natron den Hauptbestandteil der Galle (besonders der Grasfresser) ausmacht. Aus dieser wird sie durch verdünnte Säuren krystallinisch abgeschieden. Sie ist in Wasser sehr schwer löslich, krystallisiert in seinen glänzenden Nadeln und schmilzt bei 133°. Durch Zusatz von Zuckerlösung und konzentrierter Schwefelsäure oder Phosphorsäure wird sie purpurrot gefärbt. Durch Kochen mit Alkalien zerfällt sie in Amidoessigsäure (Glykokoll, s. d.) und Cholsäure (s. d.). Da die G.